Ausgerechnet Amazon? FernGully wird neu verfilmt

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Der Regenwald ruft wieder

📰 Was ist los?
FernGully bekommt bei Amazon MGM Studios ein Live-Action-Remake. Marielle Heller übernimmt Drehbuch und Regie, Details zu Besetzung und Kinostart gibt es noch nicht.

🐛 Was denken wir?
Als Idee ist das fast zu naheliegend und zu gefährlich zugleich. Wer heute einen magischen Regenwald verfilmt, muss mehr liefern als bunte Blätter, Nostalgie und ein paar moralisch verwitterte Motorsägen.

🌿 Ausgerechnet Amazon? FernGully wird neu verfilmt

Manchmal schreibt Hollywood seine Pointen tatsächlich gleich selbst. Amazon MGM Studios bringt FernGully: The Last Rainforest als Live-Action-Film zurück, also ausgerechnet jenen 90er-Jahre-Öko-Fantasy-Stoff, in dem ein magischer Regenwald gegen menschliche Verwertung verteidigt werden muss. Marielle Heller soll das Remake schreiben und inszenieren; ein Cast oder Starttermin wurde bislang allerdings nicht genannt.

🧚 Ein 90er-Kultfilm mit Motorsäge im Rücken

Das Original von 1992 spielte im australischen Regenwald und erzählte von der Fee Crysta, die den Menschen Zak auf Feengröße schrumpft. Dadurch sieht er plötzlich, was seine eigene Holzfällerwelt dort anrichtet. Gemeinsam mit den Waldwesen, dem Flughund Batty und gegen den Umweltgeist Hexxus wird daraus eine ziemlich direkte Fantasy-Fabel über Naturzerstörung, Gier und verseuchte Schönheit.

Der Film war nie der größte Animationsklassiker seiner Zeit, aber er hatte etwas, das viele perfekt verwaltete Familienfilme nicht besitzen: eine klar gerichtete, berechtigte Wut. FernGully war bunt, musikalisch, manchmal herrlich schräg und trotzdem ziemlich eindeutig in seiner Haltung. Das Ding wollte nicht nur verzaubern, sondern auch stören. Genau diese Mischung müsste ein Remake heute wiederfinden.

🦇 Batty bleibt die große Schattenfigur

Ein Remake von FernGully steht sofort vor einer sehr speziellen Frage: Was macht man mit Batty Koda? Im Original wurde die Figur von Robin Williams gesprochen, während Tim Curry als Hexxus eine der großen schleimigen Schurkenstimmen der 90er lieferte. Dazu kamen unter anderem Samantha Mathis, Christian Slater, Tone Loc und Cheech Marin.

Das FernGully Remake zeigt einen magischen Regenwald mit Feen, einem geschrumpften Menschen und drohender Industrie im Hintergrund.

Das ist nicht einfach nur Nostalgie. Diese Stimmen haben den Film stärker geprägt als seine eigentliche Handlung. Batty war Chaos, Nervosität und Improvisationsenergie auf Flügeln. Hexxus war Umweltzerstörung als singender Albtraum. Wenn Amazon das heute live-action-nah neu baut, darf daraus nicht nur ein fotorealistischer Flughund mit prominenter Stimme werden. Der Film braucht wieder Figuren, die wirklich aus dem Bild springen.

🌳 Der Avatar-Vergleich lauert schon im Unterholz

Natürlich wird jetzt sofort über Avatar gesprochen werden. Und ja: Ein Mensch gelangt in eine magische Naturwelt, lernt ihre Bewohner kennen, erkennt die Gewalt seiner eigenen Seite und wechselt moralisch das Lager. Diese Parallelen liegen offen herum. Nur war FernGully früher da. Das Remake muss also aufpassen, nicht wie der Nachahmer eines Films zu wirken, den sein eigenes Original teilweise vorweggenommen hat.

Die Lösung kann nur sein: kleiner, giftiger, eigenwilliger. FernGully darf nicht versuchen, Cameron im Maßstab zu schlagen. Das wäre ein verlorener Kampf mit viel zu vielen leuchtenden Pflanzen. Der Stoff muss zurück zu seiner eigentlichen Stärke: ein Regenwald als lebendige Zauberwelt, in der Industriegier nicht abstrakt ist, sondern als Monster auftaucht, singt, stinkt und alles verschlingt.

🎬 Marielle Heller ist zumindest keine Fantasiefabrik-Wahl

Dass Marielle Heller schreibt und Regie führt, ist der interessanteste Teil der Meldung. Heller ist nicht die offensichtliche Wahl für ein großes Fantasy-Remake mit Feen, Tieren und Umweltgeist. Genau das kann aber hier helfen. Wer FernGully heute nur als Effektkino versteht, hat den Stoff schon halb verloren. Das hier braucht Figurenführung, Tongefühl und eine gewisse Fähigkeit, das Seltsame ernst zu nehmen, ohne ihm den Witz auszutreiben.

Gleichzeitig zeigen die Aussagen rund um das Projekt, dass die Marke nicht nur als einzelner Film gedacht wird. Es ist von Erweiterungen über Musik, Merchandise, Literatur und Spiele die Rede. Da wird man natürlich hellhörig. Aus einer ökologischen Fantasy-Fabel kann schnell ein kleiner Markenwald werden, in dem am Ende mehr Produkte wachsen als Ideen.

🪓 Unser Fazit: Bitte bloß keine Regenwald-Tapete

FernGully als Remake ist eine bessere Nachricht, als sie auf den ersten Blick klingt. Der Stoff hat ein klares Thema, starke Bilder und einen Kern, der 2026 nicht weniger aktuell wirkt als 1992. Aber genau deshalb darf Amazon daraus keinen braven Familienfilm mit Digitallaub und sauberem Gewissen machen.

Wenn dieses Remake etwas taugen soll, muss es den alten Widerspruch aushalten: bunt und böse, verspielt und wütend, magisch und politisch. Der Regenwald darf nicht nur schön aussehen. Er muss sich wehren.

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