🧐 Im Fantasykosmos suchen

Irgendwann braucht jede gute Fantasiewelt eine Baugenehmigung
📰 Was ist los?
Disney Worldbuilders ist seit heute auf Disney+ verfügbar. Leslie Iwerks spricht darin mit James Cameron, Dave Filoni, Kevin Feige, Jon Favreau, Jennifer Lee, Pete Docter und weiteren Kreativen darüber, wie Welten aus Avatar, Star Wars, Marvel, Pixar, Frozen und Zootopia entstehen und anschließend als reale Erlebnisräume weitergebaut werden.
🐛 Was denken wir?
Gerade für den Fantasykosmos ist die Perspektive reizvoll, weil hier einmal das Bauen von Welten selbst die Hauptrolle spielt. Von der Idee über Film und Game bis zur Architektur eines tatsächlich begehbaren Ortes – näher kommt Fiktion der realen Welt kaum. Dass Disney dabei vermutlich nicht spontan eine Grundsatzkritik am eigenen Imperium anstimmt, sollte allerdings niemand überraschen.
🏰 Wenn Pandora plötzlich eine Adresse hat: Disney Worldbuilders ist heute auf Disney+ gestartet
Worldbuilding beginnt normalerweise mit Dingen wie Landkarten, Geschichten, Kulturen, Figuren und der Frage, warum auf diesem verdammten Kontinent eigentlich schon wieder drei Königreiche denselben Pass besitzen.
Bei Disney kommt irgendwann eine zusätzliche Frage dazu: Wo bauen wir das eigentlich hin?

Seit heute läuft auf Disney+ die neue Dokumentation Disney Worldbuilders von Leslie Iwerks. Darin sprechen einige der derzeit einflussreichsten Weltenerfinder des Konzerns darüber, wie aus einer Idee zunächst ein Film, eine Serie oder ein ganzes Franchise entsteht – und wie dessen Welt anschließend buchstäblich aus dem Bildschirm herausgebaut wird.
Mit dabei sind unter anderem James Cameron, Jon Favreau, Kevin Feige, Jennifer Lee, Pete Docter, Dave Filoni und Jared Bush. Das Spektrum reicht entsprechend von Pandora über die weit, weit entfernte Galaxis und das MCU bis nach Arendelle und Zootopia.
🌍 Eine Welt ist offenbar erst fertig, wenn man hineingehen kann
Iwerks interessiert dabei vor allem die Bewegung zwischen verschiedenen Medien. Eine Geschichte entsteht im Kopf eines Filmemachers, landet auf einer Seite oder einem Bildschirm und kann schließlich zu einem Ort werden, durch den Menschen tatsächlich laufen.
Für sie liegt genau darin der Kern des Worldbuildings: Eine erfundene Welt soll so stark wirken, dass das Publikum sie möglichst gar nicht mehr verlassen möchte. Disney verfolgt diesen Gedanken heute längst über Filme hinaus – über Fernsehen und Games bis zu Themenparks und kompletten Erlebniswelten.
🎬 Wie baut man eine Welt, in die Millionen Menschen hineinlaufen?
Der offizielle Trailer zu Disney Worldbuilders zeigt, wie aus Filmideen, Figuren und Fantasiewelten schließlich tatsächlich begehbare Orte entstehen:
Die Dokumentation schaut deshalb nicht bloß auf fertige Attraktionen zurück. Disney verspricht auch Einblicke in neue Themenbereiche, Fahrgeschäfte und Erlebniswelten, die derzeit weltweit entstehen.
Das ist im Grunde Tolkien mit Bauantrag.
🚀 Cameron, Feige und Favreau reden auch über die Technik dahinter
Spannend wird es dort, wo aus abstraktem Worldbuilding plötzlich Ingenieursarbeit wird. Jon Favreau spricht beispielsweise über die BDX-Droiden aus dem Star-Wars-Umfeld und die Technik, durch die sie sich wie eigenständige Figuren bewegen. Kevin Feige erklärt ein neues Fahrgeschäft für den Avengers Campus, dessen Bildsystem auf die Blickrichtung der Besucher reagieren soll. Pete Docter erinnert daran, dass manche Pixar-Ideen für Attraktionen jahrelang existierten, bevor die Technik überhaupt weit genug entwickelt war.
Und James Cameron, der mit Pandora ohnehin eines der offensichtlicheren Beispiele für exzessives Worldbuilding liefert, bringt den technischen Wandel auf einen einfachen Punkt: Die Fantasie bleibt, die Werkzeuge verändern sich.
Damit berührt die Doku etwas, das über Disney hinaus interessant ist. Eine fiktionale Welt besteht irgendwann nicht mehr allein aus Lore. Architektur, Robotik, Software, Licht, Klang, Bewegung und Besucherführung müssen dieselbe Illusion tragen.
Der Weltenbauer braucht plötzlich einen Statiker.
🧒 Viele der heutigen Weltenbauer waren zuerst selbst Fans
Iwerks fand bei ihren getrennt geführten Interviews außerdem eine auffällige Gemeinsamkeit: Viele der heutigen Kreativchefs führen ihre eigenen Ideen auf frühe Erlebnisse mit Disney zurück.
Kevin Feige erinnert sich an seine erste Fahrt mit Space Mountain, Jennifer Lee an ihre frühe Verbindung zu Cinderella, Jared Bush an ein selbst gebasteltes Peter-Pan-Kostüm seiner Mutter und Pete Docter an Familienbesuche in Disneyland. Für Iwerks entsteht daraus eine Art Kreislauf: Menschen wachsen mit erfundenen Welten auf und bekommen Jahrzehnte später die Gelegenheit, selbst welche zu erschaffen.
Das klingt naturgemäß ziemlich Disney-kompatibel und dürfte kaum den kritischsten Dokumentarfilm des Jahres ergeben. Trotzdem steckt darin ein bemerkenswerter Blick auf moderne Fankultur: Fans konsumieren eine Welt längst nicht mehr nur. Einige gestalten sie weiter, andere besuchen sie, spielen darin oder arbeiten irgendwann selbst daran. Und gelegentlich wird aus dem Kind vor Space Mountain eben der Mann, der später Avengers-Fahrgeschäfte plant.
🎥 Leslie Iwerks kennt die Baustelle
Für dieses Thema ist Leslie Iwerks zudem eine ziemlich naheliegende Regisseurin. Sie drehte bereits The Pixar Story, die Serie The Imagineering Story und zuletzt Disneyland Handcrafted. Ihre eigene Familiengeschichte reicht noch weiter zurück: Ihr Großvater Ub Iwerks war Walt Disneys früher künstlerischer Partner und Mitentwickler von Mickey Mouse, ihr Vater Don Iwerks arbeitete als Kameratechniker und Erfinder für Disney.
Disney Worldbuilders betrachtet deshalb weniger einen einzelnen Film als eine inzwischen riesige kreative Infrastruktur: Autoren erfinden Welten, Filmemacher gestalten sie, Ingenieure bauen sie – und irgendwann steht ein Besucher mitten darin und kauft vermutlich einen thematisch passenden Snack für zwölf Dollar.
Ja, ja … Worldbuilding hat eben viele Disziplinen.





