Clegane – Ocean of Black Thoughts (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Clegane – Ocean of Black Thoughts

🧿 Kurzfazit
Ocean of Black Thoughts ist ein starkes Doom-Grunge-Album, das seine Schwere erfreulich unterschiedlich verteilt. Clegane können zermürben, explodieren, schweben und in einem völlig kaputten Groove hängenbleiben, ohne ihren eigenen Ton zu verlieren. Sechs Songs, 42 Minuten und erschreckend wenig Licht – Grabhold findet das ausgesprochen erfreulich.

🧭 Für wen & vergleichbar mit
Guter Stoff für Hörer von Alice in Chains, YOB, Acid Bath, Monolord und schwerer Musik, die Doomgewicht mit beschädigten Grunge-Nerven verbindet. Wer Sludge, Noise und emotional angeschlagene Vocals verträgt und nicht nach drei Minuten einen Refrain mit Bedienungsanleitung benötigt, ist hier ziemlich richtig.

🎼 Highlights
Abandoned Temple Fate, A Room Full of Strangers, Ocean of Black Thoughts

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer Doom hauptsächlich als majestätische Riffarchitektur oder traditionellen Metal mit tiefgestimmten Gitarren versteht, könnte mit der ruppigeren Grunge- und Noise-Seite fremdeln. Auch gute Laune wird hier nur sehr eingeschränkt unterstützt.

Schwarzweißes Cover von Clegane – Ocean of Black Thoughts mit einer blassen, verwischten menschlichen Gestalt in einem fast vollständig schwarzen Raum und einem harten Lichtschein im Hintergrund.

🕳️ Clegane – Ocean of Black Thoughts: Wenn der Kopf zum Keller wird

Manchmal geht einem ja ein Album ins Netz, das sich durch eine Spezialfähigkeit, also sozusagen einer Art auraler Superkraft auszeichnet. Im Fall von Ocean of Black Thoughts könnte man die vielleicht so beschreiben: Das Ding zieht dir einfach wortlos den Stuhl unter dem Gemüt weg.

Clegane spielen auf ihrem dritten Album keinen jammervoll inszenierten Weltschmerz, sondern schwere, zähe, rußige Musik für Stunden, in denen selbst der Morgenkaffee schon nach endgültigem Abschied schmeckt. Das klingt nach Doom, trägt Grunge im Blut, schrammt am Sludge entlang und hat trotzdem genug eigenes Profil, um nicht als bloße Stilübung in fremden Schatten zu verschwinden.

Das Trio aus Paris macht dabei vieles richtig, was in diesem Feld gern gründlich schiefgeht. Die Platte ist düster, klar. Sie ist schwer, natürlich. Aber sie suhlt sich eben nicht einfach träge in ihrem eigenen Gewicht. Stattdessen arbeitet sie mit Spannung, mit Reibung, mit Stimmungen, die kippen, kratzen und sich langsam festsetzen. Genau dadurch wirkt Ocean of Black Thoughts nicht wie ein weiterer Trauermarsch aus dem Nebelarchiv, sondern wie eine ziemlich konzentrierte Reise durch sechs sehr verschiedene Formen innerer Verdunkelung. Dann klettert jetzt bitte mit uns in den Keller der düsteren Gedanken.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Doom Metal, Grunge Metal, Sludge, Noise Rock, Stoner Doom

Musikalische Einordnung: Cleganes Grundgerüst bleibt ganz klar Doom. Die Riffs tragen Gewicht, Bass und Schlagzeug lauern tief im Boden, und längere Spannungsbögen gehören fest zum Vokabular. Doch Ocean of Black Thoughts hängt nicht einfach vierzig Minuten im selben Tempo fest. Die Band hat ihre stilistische Reichweite deutlich erweitert und vor allem den Grunge stärker nach vorn geholt.

Dadurch bekommt die Platte etwas angenehm Beschädigtes. Die Vocals können rau und gequält wirken, später beinahe schwebend werden und sich im nächsten Moment wieder gegen die Gitarren stemmen. Mutt zieht die Schrauben plötzlich an, Luminose bringt nahezu bluesige Färbungen hinein, Sun Decay schiebt Stoner-Schwere gegen Noise, während A Room Full of Strangers seine Wirkung gerade aus der langsamen Eskalation entwickelt. Diese Gegensätze verhindern, dass die Platte zu einer einzigen schwarzen Fläche wird. Dunkel bleibt sie trotzdem. Sehr dunkel gar.

Klangbild: Olivier Millot hat Ocean of Black Thoughts aufgenommen und gemischt, Thibault Chaumont übernahm das Mastering. Der Sound wirkt massiv, aber erstaunlich beweglich. Bass und Gitarren können zu einer beinahe geschlossenen Wand zusammenwachsen, ohne das Schlagzeug darunter zu begraben.

Besonders wichtig ist die Stimme. Sie steht deutlich näher am Hörer als auf mancher vergleichbaren Doom-Produktion und trägt damit einen beträchtlichen Teil der Nervosität des Albums. Das klingt selten heroisch und häufig ein wenig wund. Genau das passt hier wirklich bestens.

Auch die Produktion unterstützt die Gegensätze der Songs. Ruhige Passagen besitzen Raum, harte Momente bekommen ausreichend körperlichen Druck, und wenn Clegane den Lärm hochfahren, klingt das nicht nach künstlicher Studiowand, sondern nach drei Menschen, die gerade gemeinsam eine ausgesprochen schlechte Stimmung kultivieren.

🎬 Offizielles Musikvideo

Clegane zeigen hier sehr schön, warum Ocean of Black Thoughts mehr ist als bloß langsamer Doom: schwere Riffs, Grunge-Nerven und eine Atmosphäre, die auch bei Tageslicht erstaunlich wenig Sonne durchlässt.

🌊 Drei Stellen, an denen das schwarze Wasser besonders tief wird

Abandoned Temple Fate

Mit 9:48 Minuten eröffnet Clegane das Album gleich mit dem längsten Stück und macht dabei keinerlei Anstalten, sich vorsichtig vorzustellen. Abandoned Temple Fate baut seine Wirkung langsam auf, verschiebt immer wieder Gewicht und Stimmung und zeigt bereits sehr früh, wie gut diese Band lange Spannungsbögen kontrollieren kann. Besonders stark ist der Kontrast zwischen den offeneren Momenten und den schweren Verdichtungen. Der Song wirkt nie wie ein zehnminütiger Riffblock, sondern wie eine langsame Bewegung durch unterschiedliche Zustände derselben Depression. Kein besonders freundlicher Empfang. Aber wohl fühlen wir uns dabei trotzdem.

A Room Full of Strangers

Der Song beginnt beinahe schwebend und besitzt zunächst eine merkwürdige Ruhe. Dann verändert sich die Temperatur. Gitarren und Rhythmussektion bauen immer weiter Druck auf, die Stimme wird drängender und irgendwann steht man mitten in einer Eskalation, die am Anfang kaum abzusehen war. Gerade diese Entwicklung macht A Room Full of Strangers zu einem der stärksten Stücke des Albums. Clegane beweisen hier, dass Lautstärke allein noch keine Intensität erzeugt. Manchmal muss man einen Raum erst sehr langsam enger machen.

Ocean of Black Thoughts

Der Titelsong bildet mit 8:24 Minuten den passenden Abschluss. Anfangs liegt tatsächlich etwas beinahe Ruhiges über dem Stück, doch das hält erwartbar nicht besonders lange. Der Song wächst, wird schwerer, unruhiger und entwickelt am Ende genau jene Wucht, die man von einem Albumfinale dieser Art erwartet. Dabei fasst Ocean of Black Thoughts viele Qualitäten des Albums zusammen: Doom-Schwere, Grunge-Melancholie, dynamische Veränderungen und dieses ständige Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas arbeitet. Am Ende ist das Meer jedenfalls nicht mehr ruhig.

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🖼️ Artwork

Das Cover besitzt genau die Art von Hässlichkeit, die schön wird, weil sie konsequent ist. Eine blasse menschliche Gestalt steht nahezu verloren in einer tiefschwarzen Fläche. Gesicht und Körper wirken verwischt, beschädigt, teilweise fast ausgelöscht. Hinter ihr öffnet sich eine diffuse, harte Lichtzone, die keinerlei Wärme ausstrahlt.

Tib Gordons handgemachte Gestaltung passt damit hervorragend zur Musik. Das Bild erzählt keine konkrete Geschichte und benötigt auch keine. Es zeigt einfach Zustände, die man sich kaum wünschen kann: Isolation, Erschöpfung, Entfremdung. Und dabei wirkt hier alles so, als hätte selbst das Licht selbst längst keine Lust mehr.

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✨ Besondere Momente

🌘 Sechs Songs, sechs unterschiedliche Abstürze

Das Album funktioniert erstaunlich gut als geschlossenes Ganzes, obwohl sich die einzelnen Stücke deutlich voneinander unterscheiden. Mutt braucht keine vier Minuten für seinen Ausbruch, während Abandoned Temple Fate fast zehn Minuten lang Räume baut. Luminose bringt Blues in die Dunkelheit, Sun Decay reibt Stoner gegen Noise. Das macht die Platte lebendig. Clegane haben verstanden, dass schlechte Gedanken keineswegs immer dasselbe Tempo besitzen.

🪓 Wenn Grunge plötzlich wieder gefährlich klingt

Der stärkere Grunge-Anteil gehört zu den interessantesten Veränderungen gegenüber dem bisherigen Material. Hier geht es weniger um nostalgisches Seattle-Zitieren als um diese kaputte körperliche Direktheit, die Grunge einmal ausgezeichnet hat. Gerade der Gesang trägt dazu bei. An einigen Stellen erinnert seine Verletzlichkeit daran, wie nah Grunge und Doom emotional eigentlich beieinanderliegen können, wenn man beide Genres vom ganzen modischen Ballast befreit.

💥 Mutt tritt einfach die Tür ein

Zwischen den längeren Stücken wirkt Mutt fast wie jemand, der keine Lust mehr auf die Gruppentherapie hat. 3:49 Minuten, aggressiver, direkter und nervöser als vieles ringsherum. Thematisch richtet sich der Song gegen toxische Menschen und Rachefantasien. Der dazugehörige animierte Clip nimmt bewusst einen völlig anderen Weg: überzeichnete Figuren, schwarzer Humor und eine deutlich von den Neunzigern inspirierte Optik. Das Video wurde von Grum999 gestaltet und animiert.

🌧️ Inneres Wetter statt Konzeptshow

Depression, Angst, Sucht und innere Verwüstung ziehen sich durch das Album, ohne dass Clegane daraus eine große programmatische Erzählung machen. Die sechs Stücke werden eher als einzelne Fragmente und Porträts verstanden, die unterschiedliche Varianten derselben Dunkelheit zeigen. Gerade diese Zurückhaltung hilft. Ocean of Black Thoughts erklärt seinen Zustand nicht. Es erzeugt ihn.

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📜 Hintergrund: Von Pariser Kellern bis zum Hellfest

Clegane existieren seit 2016 und stammen aus dem Raum Paris. Laurent übernimmt Bass und Gesang, KooTôh Gitarre und Backing Vocals, Olivier sitzt seit 2020 am Schlagzeug. Zuvor spielte Rudix die Drums.

Nach der selbstbetitelten EP von 2017 folgten Funeral at Sea, White of the Eye und verschiedene Splits. 2023 teilte man sich eine Veröffentlichung mit Fátima. Inzwischen hat das Trio sogar den Sprung bis auf die Purple Stage des Hellfest geschafft.

Für Ocean of Black Thoughts wollte die Band den eigenen Rahmen bewusst erweitern: mehr Grunge, kürzere Strukturen, intensivere Arbeit mit Effekten, vielfältigeres Schlagzeug und mehr vokale Nuancen. Das Ergebnis klingt tatsächlich weniger eng geführt als die reine Bezeichnung Doom/Sludge vermuten lässt.

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🌌 Fazit: Licht aus, Platte an

Ocean of Black Thoughts ist eine dieser Veröffentlichungen, bei denen man nach dem ersten Durchlauf kurz überprüft, warum man von der Band eigentlich vorher so wenig mitbekommen hat. Clegane hier teilweise unglaublich vertraut und trotzdem alles andere als gewöhnlich. Doom, Sludge und Grunge sind klar erkennbar, doch die Kombination besitzt genügend Eigenleben, um nicht nach Genre-Baukasten zu klingen.

Besonders stark ist die Dynamik. Die sechs Songs benutzen unterschiedliche Formen von Schwere. Mutt schlägt direkt zu, Luminose biegt seitlich weg, A Room Full of Strangers wächst langsam aus seiner eigenen Ruhe heraus, und der Titelsong versenkt am Ende endgültig das restliche Tageslicht.

Auch emotional trifft die Platte erstaunlich präzise. Ihre Dunkelheit wirkt weder romantisiert noch dekorativ. Diese Musik klingt erschöpft, wütend, gelegentlich resigniert und trotzdem ständig lebendig. Genau darin liegt ihre Stärke.

Ocean of Black Thoughts ist möglicherweise kein angenehmer Ort. Aber es ist ein echt geiles Album.

Schwarzweißes Cover von Clegane – Ocean of Black Thoughts mit einer blassen, verwischten menschlichen Gestalt in einem fast vollständig schwarzen Raum und einem harten Lichtschein im Hintergrund.

Künstler:

Clegane

Albumtitel:

Ocean of Black Thoughts

Erscheinungsdatum:

2. Oktober 2026

Genre:

Doom Metal / Grunge Metal / Sludge / Noise Rock

Label:

Almost Famous

Spielzeit:

ca. 42 Minuten

👥 Besetzung:

Laurent – Bass, Gesang
KooTôh – Gitarre, Backing Vocals
Olivier – Schlagzeug

🎼 Trackliste:

Abandoned Temple Fate – 9:48
Luminose – 6:31
Mutt – 3:49
A Room Full of Strangers – 8:12
Sun Decay – 5:31
Ocean of Black Thoughts – 8:24

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