Elder – Through Zero (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Elder – Through Zero

🧿 Kurzfazit
Through Zero ist ein starkes, farbiges und reifes Album zwischen Psychedelic Rock, Heavy Prog, Stoner Rock und Post-Rock-Weite. Elder bauen sechs lange Stücke, die nicht auf kurze Hooks zielen, sondern auf Sog, Entwicklung, Groove und diesen besonderen Zustand zwischen Riffgewicht und kosmischem Drift. Ein Album, das mit jedem Durchlauf größer wird.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die lange Songs mögen, aber keine ziellosen Jams. Wer King Buffalo, Colour Haze, All Them Witches, Motorpsycho, Kanaan oder ältere Elder schätzt, bekommt hier eine Platte, die gleichzeitig vertraut und weiterentwickelt klingt.

🎧 Wie klingt das?
Wie eine Band, die mit schweren Gitarren durch eine rote Dämmerung fährt und dabei ständig neue Landschaften hinter dem Horizont findet. Elder verbinden warme Riffs, progressive Verschiebungen, mehrstimmige Gesangsmomente, schwebende Synth-Farben und organische Dynamik. Die Musik wirkt detailreich, aber nie akademisch trocken. Sie denkt viel, aber sie rockt trotzdem.

🎼 Highlights
Sigil To Ruin, Through Zero, Strata

⛔ Nichts für dich, wenn…
du Stoner Rock kurz, simpel und direkt brauchst. Through Zero nimmt sich Zeit, baut Bögen, öffnet Zwischengänge und lässt Melodien manchmal erst nach Minuten ihre eigentliche Form zeigen. Wer nur den schnellen Riff-Haken sucht, steht hier gelegentlich mit leerem Kescher im kosmischen Gewächshaus.

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🌑 ElderThrough Zero: Psychedelic Rock am Rand der roten Sonne

Through Zero klingt, als hätte jemand den Verstärker mitten in eine fremde Pflanzenwelt gestellt und gewartet, bis die Sonne rot wird. Dieses Album tritt nicht auf der Stelle los, sondern öffnet einen Raum. Einen dieser weiten, seltsam schimmernden Räume, in denen Elder seit Jahren am liebsten arbeiten: irgendwo zwischen Heavy Rock, Psychedelic, Progressive-Strukturen, Post-Rock-Weite und diesem warmen, schwerelosen Druck, der ihre besten Momente so besonders macht. Die Riffs stehen nicht einfach im Raum. Sie wachsen, sie verzweigen sich und sie werfen Schatten.

Das Cover sagt im Grunde schon, wohin die Reise geht: schwarze Pflanzenformen vor rotem Licht, eine Welt kurz vor oder kurz nach einem Ereignis, das niemand ganz erklären möchte. Kein Fantasywald, keine Weltraumoper, kein klassisches Stoner-Klischee. Eher ein fremder Garten am Rand eines Nullpunkts, in dem die Natur nicht beruhigt, sondern kosmisch zurückstarrt.

Elder machen daraus kein Album der schnellen Explosionen. Through Zero ist ein Werk der Übergänge: Schub und Schweben, Druck und Auflösung, Melodie und Verschachtelung, breite Riff-Wände und feine psychedelische Lichtlinien. Die Songs sind lang, aber nicht breitgetreten. Sie bewegen sich wie Landschaften, die beim Durchqueren die Farbe wechseln. Das ist Musik für den Moment, in dem der Stoner Rock nicht mehr nur nach staubiger Erde riecht, sondern nach Umlaufbahn.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Psychedelic Rock, Heavy Prog, Stoner Rock, Post Rock

Vergleichbar mit: einem langen Roadtrip durch eine außerirdische Wüstenlandschaft, bei dem King Buffalo die Sterne zählt, Colour Haze den Motor warmhält und Elder vorne mutmaßen, dass die Straße wohl noch zehn Minuten weiter glühen wird.

Klangfarbe: Through Zero klingt rot, warm, staubig, kosmisch und seltsam organisch. Die Gitarren haben Gewicht, aber sie wirken nicht bleiern. Sie rollen, öffnen sich, fließen ineinander, ziehen wieder an. Der Bass hält die Erde unter den Füßen, während Synths und mehrstimmige Gesänge immer wieder den Blick nach oben schieben. Die Platte ist klar produziert, aber nicht steril. Sie hat Luft, Körper, Schimmer und Druck. Genau diese Balance ist entscheidend: Elder klingen nicht wie eine Band, die in Prog-Komplexität versinkt. Hier ist eine überaus talentierte Band, die Komplexität zum Leuchten bringen kann.

🔥 Highlights

Sigil To Ruin ist der große Eintritt in diese Welt. Der Song beginnt nicht als bloßer Opener, sondern als Landschaftsaufbau: Schichten kommen hinzu, Bewegungen verzahnen sich, Riffs setzen Gewicht, Melodien suchen ihre Flugbahn. Elder zeigen hier sofort, warum ihre langen Songs funktionieren. Sie stapeln nicht einfach Teile, sie lassen Formen entstehen. Besonders stark ist der Wechsel zwischen kosmischer Weite und handfestem Druck. Der Song kann schweben, ohne sich aufzulösen, und drücken, ohne stumpf zu werden. Sigil To Ruin ist damit der perfekte Start: ein Stück, das nicht nur die Tür öffnet, sondern gleich das ganze Gelände dahinter sichtbar macht.

Through Zero ist das Zentrum des Albums. Der Titel klingt nach Übergang, nach Schwelle, nach einem Punkt, an dem sich Bewegung und Stillstand für einen Moment berühren. Genau so wirkt auch der Song. Er hat diese typische Elder-Fähigkeit, einen Groove anzulegen und ihn dann nicht einfach zu wiederholen, sondern langsam in andere Zustände zu schieben. Hier treffen Rock-Druck, progressive Feinmechanik und melancholischer Schwebezustand besonders gut aufeinander. Der Song ist nicht der härteste Moment der Platte, aber einer der ausgewogensten. Er zeigt, wie Elder 2026 klingen: sicher, organisch, detailreich und mit genug emotionalem Gewicht, damit die Technik nicht bloß Technik bleibt.

Strata ist der große Trip. Fast elf Minuten, viele Schichten, viel Raum, viel innere Bewegung. Schon der Titel passt hervorragend: Schichten, Ablagerungen, geologische Zeit, Klangsedimente. Elder nehmen diesen Gedanken musikalisch ernst und bauen das Stück wie einen langen Blick in einen aufgebrochenen Felsen, in dem jede Lage eine andere Farbe trägt. Der Song beginnt mit schwebender Melancholie, öffnet sich über perlende Akkorde und mehrstimmige Gesänge, zieht dann stärker an und findet immer wieder neue Räume. Hier steckt die ganze Stärke dieser Band: Sie können mächtig werden, ohne die Feinheiten zu verlieren. Strata ist kein Solo-Schaufenster, sondern ein kompletter Kosmos im Songformat.

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🎨 Artwork

Das Cover von Through Zero sieht aus wie ein botanischer Albtraum kurz vor Sonnenaufgang auf einem fremden Planeten. Im Vordergrund stehen dunkle, fast schwarze Pflanzenformen, Disteln, Stängel, Dornen, Silhouetten. Dahinter brennt eine rote Sonne oder ein roter Kreis am Himmel, umgeben von körnigem Dunkel, Linien, Störungen und einem Licht, das nicht wärmt, sondern signalisiert. Unten links stehen Bandname und Albumtitel klein und ruhig, fast so, als dürften sie dieses Bild nicht stören.

Das Artwork passt hervorragend, weil es genau jene Mischung einfängt, die auch die Musik trägt: Natur und Kosmos, Schönheit und Bedrohung, Erdung und Fremdheit. Es ist kein lautes Cover. Es wirkt wie ein Standbild aus einem Traum, in dem eine Landschaft gerade entschieden hat, nicht mehr ganz irdisch zu sein. Das Bild sagt nicht: Komm herein, sondern: Der Nullpunkt hat hier Wurzeln geschlagen.

🪦 Besondere Momente

Lange Songs ohne Leerlauf

Sechs Stücke, knapp 54 Minuten, und trotzdem fühlt sich Through Zero nicht aufgeblasen an. Elder können lange Formen schreiben, weil sie Bewegung verstehen. Die Songs verweilen, aber sie stehen nicht still.

Prog ohne Reißbrettgeruch

Das Album ist komplex, aber nicht trocken. Die Verschiebungen, Bögen und Übergänge wirken organisch. Man hört keine Band, die zeigen muss, wie klug sie ist. Man hört eine Band, die ihre Sprache inzwischen sehr genau kennt.

Melodie als Lichtquelle

Trotz aller Riffs und rhythmischen Strukturen lebt Through Zero stark von Melodie. Sie liegt nicht immer vorne, aber sie zieht durch die Songs wie ein Lichtfaden. Genau das macht die Platte so zugänglich, ohne sie zu vereinfachen.

Der Sound atmet

Die Produktion gibt den Songs Raum. Nichts wirkt totkomprimiert oder künstlich auf maximale Wucht geschoben. Diese Musik braucht Tiefe, und sie bekommt sie. Dadurch können die Gitarren dunkel und schwer sein, während das Album trotzdem hell leuchtet.

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📜 Hintergrund

Elder gehören seit Jahren zu den wichtigsten Bands im Grenzgebiet von Heavy Psych, Stoner Rock, Progressive Rock und Post-Rock. Ursprünglich in den USA gegründet, arbeitet die Band inzwischen stark aus dem europäischen Umfeld heraus und hat sich über mehrere Alben eine eigene Klangsprache aufgebaut: lange Formen, schwere Riffs, psychedelische Weite, klare Melodien und progressive Dynamik. Die Band besteht aus Nick DiSalvo an Gitarre und Gesang, Jack Donovan am Bass, Mike Risberg an Gitarre und Keyboards sowie Georg Edert am Schlagzeug.

Thematisch bewegt sich das Album um Übergänge, Brüche, Angst, Hoffnung, Frustration, Tod und jene seltsamen Punkte, an denen lineares Denken zu kurz greift. Das passt zur Musik: Through Zero klingt nicht wie ein Album mit Anfang, Mitte und Ende im einfachen Sinn. Es klingt wie ein Kreislauf, der an bestimmten Stellen kurz hell aufleuchtet.

🪓 Fazit: Die rote Sonne geht nicht unter, sie zieht weiter

Through Zero ist kein Album, das Elder neu erfinden muss. Dafür ist die eigene Sprache längst zu stark und zu charakteristisch. Aber es ist ein Album, das diese Sprache weiter öffnet, feiner ausleuchtet und in sechs langen Stücken zeigt, warum diese Band im Heavy-Psych- und Prog-Rock-Feld so wichtig bleibt. Die große Stärke liegt in der Balance. Elder können Druck aufbauen, ohne schwerfällig zu werden. Sie können schweben, ohne zu zerfasern. Sie können progressiv denken, ohne den Song aus den Augen zu verlieren. Und sie erschaffen eine einzigartige Melancholie, ohne in bloße Schönklangflächen auszuweichen.

Sigil To Ruin öffnet das Album mit großer architektonischer Geduld. Through Zero bündelt das Konzept als starker Mittelanker. Strata zeigt die Band im Langformat auf voller Höhe: vielschichtig, dynamisch, leuchtend, schwer und frei genug, um nicht wie ein Plan zu klingen. Nicht jeder Moment springt sofort ins Gesicht. Diese Platte wächst, weil sie nicht auf schnelle Überwältigung setzt. Manche Passagen brauchen zwei, drei Durchläufe, bis ihre innere Logik richtig sitzt. Aber genau dann beginnt Through Zero zu wirken: als Album, das nicht nur gespielt, sondern gebaut wurde. Nicht aus Beton, sondern aus Licht, Riff, Rhythmus und rotem Staub.

Elder liefern damit ein starkes, reifes und wunderschön ausbalanciertes Werk. Kein bloßer Trip. Eher eine Umlaufbahn. Und am Rand dieser roten Sonne klingt der Nullpunkt erstaunlich lebendig.

Albumcover von Elder – Through Zero: Dunkles psychedelisches Artwork mit schwarzen Pflanzen- und Distelformen vor einer leuchtend roten Sonne oder einem roten Kreis. Die Szene wirkt kosmisch, fremdartig und apokalyptisch. Unten links stehen Bandname Elder und Albumtitel Through Zero.
Künstler:Elder
Albumtitel:Through Zero
Erscheinungsdatum:29. Mai 2026
Genre:Psychedelic Rock / Heavy Prog / Stoner Rock / Post Rock
Label:Stickman Records / Blues Funeral Recordings
Spielzeit:ca. 54 Minuten

🎬 Full Album Stream

Der Full Album Stream zu Through Zero zeigt Elder in ihrer ganzen Stärke: sechs lange Stücke zwischen Psychedelic Rock, Heavy Prog, Stoner-Wucht und kosmischer Melancholie, die nicht auf schnelle Effekte zielen, sondern langsam ihre eigene Umlaufbahn finden.

🎼 Trackliste:

Sigil To Ruin – 10:33
Capture/Release – 8:47
Through Zero – 9:06
Strata – 10:48
Sight Unseen – 8:50
Blighted Age – 5:48

👥 Besetzung

Nick DiSalvo – Gitarre / Gesang
Jack Donovan – Bass
Mike Risberg – Gitarre / Keyboards
Georg Edert – Schlagzeug

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