Fantasy im Ruhrgebiet: Essener Künstler verwandelt den Pott in eine Sagenwelt

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Wenn der Pott zu Pergament wird

📰 Was ist los?
Der Essener Künstler Florian Eichhorn zeichnet das Ruhrgebiet als Fantasy-Karte und arbeitet nun an einer eigenen Essen-Karte.

🐛 Was denken wir?
Das ist Heimatkunst mit genau der richtigen Dosis Zauberstaub: Der Pott war immer schon ein Sagenland, er hatte nur bisher zu wenig Pergament und deutlich zu viele Autobahnbaustellen.

🗺️ Fantasy im Ruhrgebiet: Essener Künstler verwandelt den Pott in eine Sagenwelt

Es gibt Regionen, die gelten als landschaftlich romantisch. Und dann gibt es unser großartiges Ruhrgebiet: Beton, Zechen, Bahntrassen, Trinkhallen, Fördertürme, Fußballwunden und sehr viel Geschichte unter reichlich Himmel.

Mit anderen Worten: perfektes Material für eine Fantasy-Karte.

Der Essener Künstler Florian Eichhorn hat genau daraus ein kleines Phänomen gemacht. Seine Ruhrgebiets-Karte im Fantasy-Stil lässt den Pott wirken, als läge zwischen Rhein, Ruhr und Emscher ein altes Sagenreich, in dem Ortsnamen plötzlich nach Chronik, Grenzmarke und Questbeginn klingen. Was im Alltag nach Regionalverkehr, Strukturwandel und Currywurst aussieht, wirkt auf einmal wie ein Land, das dringend eine sehr alte Legende braucht.

Und offenbar gefällt das nicht nur ein paar Tolkien-Fans mit Lokalkolorit. Die Karte kam so gut an, dass Eichhorn inzwischen von seinen Arbeiten leben kann. Aktuell zeichnet er eine neue Karte der Stadt Essen.

🏙️ Warum die Idee so gut funktioniert

Der Reiz liegt im Perspektivwechsel. Eine Fantasy-Karte macht aus bekannten Orten keine anderen Orte. Sie zeigt nur, dass in ihnen mehr steckt als Straßennamen, Stadtgrenzen und S-Bahn-Linien.

Gerade das Ruhrgebiet eignet sich dafür hervorragend. Diese Region ist ohnehin eine Art erzählerisches Monster: viele Städte, eng verwachsen, historisch aufgeladen, voller Rivalitäten, Stolz, Narben und Eigenheiten. Hier hat fast jeder Ort seinen eigenen Klang, seine eigene Legende, seinen eigenen Vereinsschmerz und seine eigene Haltung zum Nachbarort.

Wenn man das in eine Karte übersetzt, die nach alter Chronik, Reiseweg und Sagenland aussieht, ist der Effekt sofort da. Duisburg klingt plötzlich wie ein Hafenreich am Rand dunkler Wasser. Essen wird zur alten Kernstadt. Bochum könnte eine Gelehrtenmark mit Grubenliedern sein. Dortmund steht sowieso seit jeher so da, als wolle es irgendeinen Thron nicht teilen. Das ist keine billige Verkleidung. Das ist ein ziemlich kluger Blick auf Heimat.

Handgezeichnete Fantasy-Karte des Ruhrgebiets auf einem alten Schreibtisch, umgeben von Bleistift, Radiergummi und Pergament, im Hintergrund neblige Industrie-Silhouetten.

✒️ Handarbeit statt KI-Nebel

Besonders schön: Eichhorn arbeitet klassisch mit Bleistift und Radiergummi. Keine schnelle Filterspielerei, kein Knopfdruck-Zauber, sondern Zeichnung, Geduld und Kartenhandwerk. Sein Atelier befindet sich im Unperfekthaus in Essen, was als Ort für so ein Projekt natürlich fast schon verdächtig passend klingt.

Der Fantasy-Einfluss ist klar erkennbar. Eichhorn mag Tolkien, hat selbst Fantasy geschrieben und nutzt eine Schriftform, die an alte Buchkunst und mittelalterliche Karten erinnert. Trotzdem funktioniert das Ganze nicht nur als Tolkien-Anklang. Die Karten entwickeln einen eigenen regionalen Witz: Sie nehmen den Pott ernst, aber nicht steif. Sie veredeln ihn, ohne ihn glattzubügeln. Und genau deshalb trifft das so gut.

🧑‍🎨 Vom Pflegeberuf zur Kartenkunst

Auch die Geschichte hinter den Karten hat Gewicht. Eichhorn war früher in der Pflege tätig und hat diesen Beruf hinter sich gelassen, um seiner Kreativität mehr Raum zu geben. Das ist kein nettes Randdetail, sondern ein starker Teil dieser Geschichte.

Denn hier wechselt jemand aus einem Beruf mit enormer Belastung in eine künstlerische Arbeit, die zwar unsicher ist, aber sichtbar aus eigener Kraft wächst. Aus Papier, Stift und regionaler Fantasie entsteht ein kleines Geschäft. Aus einer Idee wird Nachfrage. Aus dem Pott wird ein Kartenreich.

Das hat Charme. Und es ist auch ein schöner Gegenentwurf zu der Vorstellung, Kreativität müsse immer laut, digital und sofort weltbewegend auftreten. Manchmal sitzt einfach jemand in Essen, zeichnet konzentriert an einer Karte und plötzlich merkt eine ganze Region: Moment, so wollten wir uns eigentlich schon immer mal sehen.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🏞️ Essen, Köln, Ostfriesland – das Sagenland wächst

Nach der Ruhrgebiets-Karte arbeitet Eichhorn nun an einer Karte von Essen. Der Wunsch kam aus seiner Community. Auch Köln wurde offenbar häufig genannt, sogar Ostfriesland steht als Idee im Raum.

Das zeigt, wie stark solche Karten als Identifikationsobjekte funktionieren. Wer seine Region einmal als Fantasy-Land gesehen hat, will sofort wissen, wie der eigene Ort in dieser Sprache aussieht. Nicht als Tourismusplakat, sondern als Mythos im Kleinformat.

Und seien wir ehrlich: Wenn das Ruhrgebiet als Sagenland funktioniert, dann funktioniert fast alles. Sogar Ostfriesland. Da braucht man nur Wind, Deiche, Nebel und drei sehr alte Namen, dann steht der Blanke Hans schon mit Kapuze im Prolog.

🪓 Unser Fazit: Der Pott war immer schon episch anders

Florian Eichhorns Kartenidee ist deshalb so gut, weil sie nichts künstlich aufblasen muss. Das Ruhrgebiet bringt seine eigene Mythologie mit: Arbeit, Wandel, Reibung, Stolz, Ruß, Fußball, Musik, Sprache und diese besondere Fähigkeit, selbst kaputte Ecken noch mit einer Art trotzigem Herzschlag auszustatten.

Eine Fantasy-Karte macht daraus kein Märchenland. Sie macht sichtbar, was ohnehin da ist: eine Region voller Namen, Grenzen, Geschichten und alter Kraft. Vielleicht brauchte der Pott wirklich nur Pergament, Tusche und einen Künstler, der verstanden hat, dass zwischen Rhein und Ruhr schon lange mehr liegt als nur Ballungsraum.

Manchmal beginnt ein Sagenland eben nicht hinter einem Zaubertor.

Manchmal reichen ein paar talentierte Bleistifte in Essen.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Banner für das Daily Meme mit Boney Jones dem Geisterpiraten.

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