
Asenheim – Elbenblut
🧿 Kurzfazit
Elbenblut ist ein großes, melodisches Epic-Black-Metal-Album mit starkem Folk-Anteil und deutlicher Tolkien-Schlagseite. Nicht jede Passage ist zwingend, aber der Gesamtbogen trägt hier erstaunlich gut.
🎯 Für wen?
Für Fans von Summoning, Falkenbach und den frühen Menhir, die melodischen Pagan Black Metal und epische Fantasy-Atmosphäre mögen. Also für Leute, die bei „Mordor“ nicht an Merchfiguren denken, sondern an Nebel, Schatten und einen sehr langen Rückweg.
🎧 Wie klingt das?
Melodische Gitarren, präsente Keyboards, folkige Intros, klare Gesangspassagen, harsche Vocals und ein breiter epischer Zug. Die Musik klingt warm, erzählerisch und kämpferisch zugleich, eher wie eine Reise durch alte Reiche und weniger wie ein wildes Schwarzmetall-Gewitter.
💿 Highlights
Ein steiniger Weg, Wächter der Nacht, Wo die Schatten drohen, Ein letzter Atemzug
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur als kalten, kurzen Schlag ins Gesicht akzeptierst und bei Flöten, Folk-Melodien oder Tolkien-Bezügen sofort das Schwarze Tor verriegelst.
🔍 Suche im Fantasykosmos
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🩸 Asenheim – Elbenblut: Mordor ruft, die Flöte antwortet
Asenheim feiern mit Elbenblut nicht nur ihr zwanzigjähriges Bestehen, sondern legen auch ihr zehntes Studioalbum vor. Erscheinen wird das Werk am 24. April 2026 über Dominance of Darkness Records, und thematisch führt es Tiwaz und Valfor diesmal direkt in Tolkiens Mittelerde. Das ist naturgemäß schwer vermintes Gelände: Ein falscher Schritt, und man steht nicht in Lothlórien, sondern auf dem Mittelaltermarkt, zwischen Metstand und Toilettenwagen. Zum Glück passiert das hier nur selten. Die Band weiß ziemlich genau, wie man Pathos, Folk, Härte und Melodie zusammenbringt, ohne gleich in Trinkhorn-Karaoke zu kippen.
Nach Nibelungenblut und Wolkenbrecher wirkt Elbenblut wie die logische Zuspitzung: noch melodischer, noch folkiger, noch weiter aufgezogen. Gleichzeitig bleibt genug Melodic Black Metal im Fundament, damit die Platte nicht zur bloßen Fantasy-Kulisse abflacht. Das Ergebnis ist ein langes, sehr bewusst erzähltes Album, das seine knapp 70 Minuten tatsächlich füllt und nicht nur mit Fantasy-Klischees vollstellt.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Melodic Black Metal, Pagan Black Metal, Epic Black Metal, Folk Black Metal
Vergleichbar mit: Summoning mit mehr Gitarrenwärme, Falkenbach ohne Metfass-Romantik, Menhir auf langer Mittelerde-Wanderschaft.
Klangfarbe: Diese Platte klingt wie ein Marsch durch ein sehr altes Reich, bei dem hinter jedem Hügel entweder ein Elb, ein Schattenwesen oder eine sehr ernste Keyboard-Fläche wartet. Asenheim setzen stark auf Melodie, Atmosphäre und Erzählfluss. Die Gitarren bleiben stets präsent, die Keyboards malen große Horizonte, und die Folk-Passagen öffnen immer wieder kleine Fenster in eine märchenhafte, leicht entrückte Welt. Das ist nicht roh, nicht hässlich, nicht nihilistisch. Es ist episch, warm, sehnsüchtig und stellenweise erstaunlich eingängig. Uns hat es schnell gepackt.
✨ Highlights
Ein steiniger Weg
Der Opener macht seinem Titel alle Ehre. Erst ruhige, fast mystische Klänge, dann ein langsamer Aufbau, schließlich diese getragenen melodischen Gitarren, mit denen Asenheim sofort klarstellen: Hier geht es nicht um den schnellen Sturm auf den Schicksalsberg, sondern um die lange Reise dorthin. Der Song öffnet das Album wie ein schweres Tor. Dahinter liegt kein reines Black-Metal-Schlachtfeld, sondern eine gewaltige Landschaft.
Wächter der Nacht
Der Track ist einer der stärksten Momente der Platte, weil er Folk-Andeutungen, Härte und epische Weite besonders gut verbindet. Schon der Anfang mit akustischer und flötenartiger Stimmung schafft diese Mischung aus Melancholie und Erwartung, bevor der Song aufbricht und in deutlich rauere Gefilde zieht. Der erzählerische Aufbau ist perfekt gelungen: mystischer Beginn, dann Explosion, galoppierende Drums, harsche Vocals und weit aufziehende heroische Passagen. Toller Song.
Wo die Schatten drohen
Mit über acht Minuten gehört das Stück zu den großen Albumachsen. Hier zahlt sich aus, dass Asenheim ihre Songs nicht bloß als Abfolge von Parts verstehen, sondern als Stationen einer Reise. Der Track nimmt sich Zeit, arbeitet mit Spannung, Melodie und Dunkelheit und setzt genau dort an, wo das Tolkien-Thema am besten funktioniert: nicht bei Elbenkitsch, sondern bei Gefahr, Schatten und diesem Gefühl, dass die Welt immer viel zu groß für einen einzelnen Helden ist.
Ein letzter Atemzug
Der längste Song des Albums ist mit 10:20 Minuten ein echter Prüfstein. Und ja: Asenheim meistern ihn perfekt. Hier wird nicht einfach gestreckt, sondern noch einmal der ganze Albumcharakter gebündelt: Melodie, Pathos, Härte, Abschiedsstimmung und diese schwere, fast filmische Weite. Gerade als spätes Stück ist das wichtig, weil Elbenblut nach einer Stunde nicht bloß auslaufen darf. Es braucht einen großen letzten Blick über die brennende Ebene. Den bekommt es hier.
🎨 Artwork
Das Cover von Elbenblut wirkt wie eine alte Mittelerde-Vision aus einem feuchten Kellerarchiv: grünblauer Nebel, keltische Ornamentrahmung, im Zentrum eine bleiche, gekrönte Gestalt mit Schwert, die sehr deutlich an einen Ringgeist, vermutlich den Hexenkönig von Angmar, erinnert. Dahinter windet sich ein riesiges, dunkles Reptilienwesen durch die Landschaft, halb Drache, halb Schatten aus einer vergessenen Sage. Links kauert ein weiteres krokodilartiges Ungetüm mit gelblichen Zähnen im Morast, während im Hintergrund schwarze, fahnenartige Formen wie zerrissene Banner oder verfluchte Türme aus dem Dunst ragen.
Besonders stark ist die Farbwahl. Dieses kalte Türkisgrün legt sich wie Moderlicht über die Szene und nimmt dem Motiv jede gemütliche Fantasy-Postkartenwärme. Hier steht niemand im goldenen Elbenwald und reicht Kräutertee. Das ist Mittelerde nach Sonnenuntergang: sumpfig, alt, bedrohlich und voller Dinge, die besser unter der Erde geblieben wären.
Gerade dadurch passt das Artwork hervorragend zu Asenheims Ansatz auf Elbenblut. Die Musik sucht nicht nur elbische Schönheit, sondern auch Schatten, Schlamm und alten Fluch. Das Cover erzählt genau diese Spannung: Folk-Mystik trifft Black-Metal-Dämmerung, und irgendwo im Hintergrund wartet bereits das nächste Unheil mit Schuppen, Zähnen und sehr schlechter Laune.
🪦 Besondere Momente
Der auffälligste Schritt auf Elbenblut ist der erhöhte Folk-Anteil. Asenheim nutzen diese Passagen nicht bloß als Intro-Schmuck, sondern als atmosphärische Gelenke zwischen den größeren Metal-Blöcken. Gerade dadurch entsteht dieser Reisecharakter. Die Songs wirken weniger wie Einzelnummern, sondern wie Kapitel eines langen Marsches. Dass das Album laut Label fünf Jahre in Arbeit war, hört man der geschlossenen Anlage durchaus an.
Gleichzeitig bleibt die Platte erstaunlich zugänglich. Für ein fast 70-minütiges Epic-Black-Metal-Album ist Elbenblut ungewöhnlich melodisch und oft sogar eingängig. Das ist kein Makel. Im Gegenteil: Die klaren Gesangspassagen, die zweistimmigen Momente und die großen Gitarrenlinien sorgen dafür, dass die Länge nicht zur bloßen Geduldsprobe wird. Natürlich hätte man an manchen Stellen etwas straffer kürzen können. Aber bei einem Album, das bewusst als Mittelerde-Reise funktioniert, darf der Weg auch mal länger sein. Sonst hätte Frodo nach 38 Minuten bereits Mordor erreicht, und das hätte dramaturgisch doch eher nach Ork-Regionalexpress geklungen.
📜 Hintergrund
Asenheim gingen aus dem 2004 gegründeten Projekt Sins of Desire hervor und treten seit 2006 unter ihrem heutigen Namen auf. Aus dem zunächst stärker von Tiwaz geprägten Projekt wurde mit Valfor am Schlagzeug ein dauerhaftes Duo, das über zahlreiche Veröffentlichungen hinweg einen sehr konstanten Pagan- und Black-Metal-Kosmos aufgebaut hat. Elbenblut steht nun als Jubiläumswerk zum zwanzigjährigen Bestehen und als zehntes Album in dieser Linie.
Wichtig ist auch die inhaltliche Entwicklung. Nibelungenblut beschäftigte sich mit dem Nibelungenstoff, Wolkenbrecher verstärkte die folkigere Seite, und Elbenblut führt diese beiden Stränge nun zusammen: Mythos, Melodie, epische Länge und ein deutlich fantastischer Rahmen. Das Album setzt seine Themen ausdrücklich in Tolkiens Welt an und wird auf CD sowie Vinyl erscheinen.
🪓 Fazit: Der lange Marsch, der sich lohnt
Elbenblut ist kein kleines Album. Es will groß sein, breit, erzählerisch, beinahe filmisch. Genau daran könnte es scheitern, denn 69 Minuten Melodic Black Metal mit Folk-Anteil sind nicht automatisch ein Geschenk. Manchmal sind sie auch einfach ein Waldspaziergang mit zu vielen Nebenquests. Asenheim umgehen diese Gefahr nicht vollständig, aber oft genug mit erstaunlicher Souveränität.
Die größte Stärke liegt im Gleichgewicht. Die Platte ist melodisch, aber nicht weich. Folkig, aber nicht harmlos. Episch, aber nicht völlig aufgeblasen. Härte und Pathos stehen hier nicht gegeneinander, sondern stützen einander. Dazu kommt, dass Tiwaz und Valfor ihr Material nicht wie bloßen Tolkien-Schmuck behandeln. Die Welt wirkt musikalisch ernst genommen. Man hört Schatten, Weite, Verlust und Aufbruch, nicht nur Fantasynamen über Black-Metal-Riffs.
Für uns ist Elbenblut deshalb ein wirklich starker Release. Kein perfekter Monolith, dafür etwas fast Wertvolleres: ein Werk mit eigener innerer Landschaft. Wer Summoning-Verehrung, Pagan-Schwere und melodischen Black Metal mag, bekommt hier eine ausgedehnte, stimmungsvolle Reise, die ihre Länge durchaus rechtfertigen kann. Und wenn am Ende noch jemand behauptet, Tolkien-Metal sei grundsätzlich ein Minenfeld: stimmt. Asenheim reisen aber ziemlich erhobenen Hauptes hindurch.

| Künstler: | Asenheim |
| Albumtitel: | Elbenblut |
| Erscheinungsdatum: | 24. April 2026 |
| Genre: | Melodic Black Metal, Pagan Black Metal, Epic Black Metal |
| Label: | Dominance of Darkness Records |
| Spielzeit: | ca. 69 Minuten |
Trackliste:
Ein steiniger Weg
Ein Stern
Elbenblut I
Wächter der Nacht
Im Lande Mordor
Elbenblut II
Wo die Schatten drohen
Das letzte Zeitalter
Das Juwel von Erebor
Ein letzter Atemzug
Nicht mehr weit
🎬 Offizieller Stream
Offizieller Full Album Stream zu „Elbenblut“ – epischer Melodic Black Metal zwischen Mittelerde-Nebel, Folk-Mystik und schwarzmetallischem Schwertzug. Bereitgestellt vom offiziellen Dominance of Darkness Records-Channel auf YouTube:
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