Hellripper – Coronach (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Hellripper – Coronach

🧿 Kurzfazit
Coronach ist kein bloßes weiteres Hellripper-Album, sondern die bislang stärkste, geschlossenste und zugleich vielseitigste Platte des Projekts. McBain reißt immer noch alles nieder, baut diesmal aber auf den Trümmern gleich noch eine Kathedrale.

🎯 Für wen?
Für Banger, die Bathory, Venom, frühe Sodom, Desaster und den räudigen Rock’n’Roll von Midnight lieben, aber bei Iron-Maiden-Harmonien, Folk-Schatten und erzählerischem Überbau nicht sofort die Augen verdrehen.

🎧 Wie klingt das?
Rasend, giftig und herrlich bissfest, aber mit deutlich mehr Raum für Melodie, Farbe und düstere Erhabenheit als früher. Unter dem ganzen Dreck steckt ein erstaunlich klug gebautes Album mit kalter Produktion, starken Leads und mehreren Momenten, in denen Hellripper bewusst größer denkt als die bloße Abrissbirne.

💿 Highlights
Hunderprest, Baobhan Sith (Waltz Of The Damned), Coronach

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du extremen Metal nur dann akzeptierst, wenn er stumpf durchprügelt und bloß ja keine Piano-Töne, Geigeklänge, Dudelsäcke-Geröhre oder erzählerischen Umwege wagt.


Hellripper ist längst mehr als ein hübsch böses Nischenprojekt für Leute, die ihre ranzige Kutte noch mit Stolz tragen und bei Ziegenhörnern nicht an Deko fürs Oktoberfest denken. James McBain hat die Band 2014 als Ein-Mann-Vorhaben aufgebaut, hält bis heute am Alles-selbst-Prinzip fest und legt mit Coronach nun das vierte Vollalbum vor, zugleich das erste für Century Media Records. Acht Songs, 44 Minuten, alles von McBain eingespielt und eingesungen, mit ein paar gezielten Gastbeiträgen dort, wo das Material nach mehr Farbe verlangt. Vor allem aber ist dieses Album eine bewusst schottische Angelegenheit: Geschichte, Literatur, Folklore, düstere Legenden und ein Blick in die finsteren Ecken des eigenen Landes.

Das Entscheidende daran ist nicht bloß die Herkunft der Themen, sondern die Art, wie McBain sie vertont. Coronach klingt nicht wie ein Mann, der endlich mal „erwachsener“ klingen wollte und dabei vergessen hat, wie man den Verstärker bis oben aufreißt. Die Platte erweitert den Blackened-Speed-Metal-Kern von Hellripper vielmehr genau dort, wo es spannend wird: mehr Atmosphäre, mehr dramatische Bögen, mehr melodische Schärfe, mehr Mut zu eigenwilligen Arrangements. Das Ergebnis ist kein weichgespülter Ausbau, sondern ein Album, das nach verbranntem Leder, Graberde, kaltem Morgennebel und sehr viel Liebe zu klassischen Heavy-Metal-Harmonien schmeckt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Speed Metal, Black Metal, Blackened Thrash, dazu immer wieder klassischer Heavy Metal im Blutkreislauf.
Vergleichbar mit: einer Kreuzung aus Bathory in der Kampfrauschphase, Venom mit schärferem Handwerk, Desaster mit Highland-Folklore und Iron Maiden, nachdem jemand die Friedhofstore abgeschlossen hat.
Klangfarbe: Coronach ist schnell, harsch und aggressiv, aber eben nicht eindimensional. Die Platte hat diesen wunderbaren Zug, gleichzeitig wie ein schwarzer Straßenkampf und wie ein sorgfältig gezeichneter Sagenband zu wirken. Die Riffs schneiden hart, die Soli sitzen nicht bloß als Bonus obendrauf, sondern treiben die Songs wirklich weiter, und über allem liegt eine Kälte, die McBain selbst als bewussten Unterschied zum eher „waldigen“ Vorgänger beschrieben hat. Wo Warlocks Grim & Withered Hags noch stärker nach Moor, Hexenfeuer und altem Holz klang, zieht Coronach mehr in Richtung Stein, Nebel, Grabgesang und gotische Schatten.

Genau hier packt uns das Album. Viele Bands in diesem Bereich können Tempo. Viele können auch Dreck. Was ihnen oft fehlt, ist Charakter jenseits des üblichen Satan-und-Bolzen-Standardbausatzes. Hellripper dagegen klingen auf Coronach wie eine Band, die genau weiß, dass Stil nicht bloß aus Geschwindigkeit entsteht, sondern aus eigener Handschrift. Und yes, dieses Album zeigt seine Handschrift zu jeder Zeit. Und zwar in einer Buchstabengröße, die man schon aus zwanzig Metern erkennt.

Highlights

Hunderprest
Besser kann man so ein Album kaum eröffnen. Der Song basiert auf der Legende des Hunderprest, also des „Hundepfarrers“, eines vampirischen Geistlichen aus dem Umfeld von Melrose Abbey, und genau so klingt die Nummer auch: als würde dir ein untoter Dorfgeistlicher mit Rudel im Rücken die Kirchentür eintreten. Das Stück ist rasend, chaotisch kontrolliert und voller bösartiger Energie, ohne je in stumpfes Geballer zu kippen. Vor allem zeigt es sofort, worin McBains große Stärke liegt: Er kann Songs schreiben, die wie ein Angriff wirken und trotzdem endlos lange hängenbleiben.

Baobhan Sith (Waltz Of The Damned)
Schon der Titel ist eine Einladung zum gepflegten Unheil. Die Baobhan Sith gehört zur schottischen Folklore, und McBain nutzt diese Vorlage nicht für bloßen Gruselkitsch, sondern für eine Nummer, die ihren Walzer-Untertitel tatsächlich ernst nimmt. Das Stück windet sich, tänzelt, beschleunigt wieder, kippt kurz in fast gespenstische Farben, und mit Jess Townsends Geige bekommt das Ganze genau den zusätzlichen Stich, den so ein Song braucht. Hier merkt man besonders deutlich, dass Coronach abwechslungsreicher gebaut ist als die Vorgänger, ohne den Biss zu verlieren.

Coronach
Der Schlusstrack ist der eigentliche Beweis dafür, dass McBain auf dieser Platte mehr will als nur die nächste Serie exzellenter Riffattacken. Coronach ist mit 8:48 Minuten der Longtrack des Albums, lehnt sich textlich an Walter Scott an und kreist um die Beerdigung einer Figur, die nach außen als Held galt, in Wahrheit aber dunkle Geheimnisse mit sich trug. Musikalisch geht die Nummer weit auf: späte Thrash-Einflüsse, Bathory-Geist, hymnische Gitarrenharmonien, klassische Farbtupfer und die weit hinten wehklagenden Dudelsäcke. McBain selbst hat den Song als durchkomponierte Reise beschrieben, und genau so wirkt er auch: nicht wie ein zusammengeklebter Longtrack, sondern wie ein echter Schlusspunkt mit Gewicht. Für uns ist das der Moment, in dem Coronach endgültig vom sehr starken Album zum kleinen Genre-Ereignis aufsteigt. Definitiv genial!


🎨 Artwork

Das Cover von Adam Burke ist ein Volltreffer, weil es nicht einfach „dunkel und okkult“ aussehen will, sondern die Stimmung des Albums erstaunlich präzise einfängt. Man sieht eine karge, unwirtliche Landschaft, darüber eine gewaltige, geisterhaft gehörnte Gestalt im Nebel, im Vordergrund eine kleine Trauergemeinde, alles in kalten Grau-Blau-Tönen mit einem Licht, das eher nach Mond und Totenwache als nach heroischem Fantasy-Sonnenaufgang aussieht. Das wirkt nicht wie ein beliebiges Extrem-Metal-Motiv, sondern wie ein Sagenbild aus einer Welt, in der die Natur selbst schon schlechte Nachrichten überbringt.

Besonders gelungen ist die Farbpalette. McBain hat selbst betont, dass dieses Album für ihn kälter klingt als der Vorgänger, eher grau und blassblau als moosig und waldhaft, und genau das übersetzt Burke hier ins Bild. Das Cover ist düster, aber nicht plump. Monumental, aber nicht überladen. Es macht etwas, das viele Genrealben heute nicht mehr schaffen: Es sieht nach Musik aus, nicht nach dem neuesten Marketing-Pitch.


🪦 Besondere Momente

Das vielleicht Schönste an Coronach ist, dass McBain sich hörbar neue Aufgaben gestellt hat. In einem Interview sagte er, jeder Song solle etwas enthalten, das er zuvor noch nicht gemacht habe. Genau dieses Prinzip merkt man der Platte an. Da ist das Piano-Intro von The Art Of Resurrection. Da sind Geige auf Baobhan Sith (Waltz Of The Damned), zusätzliche Percussion auf Mortercheyn, weitere Stimmen auf mehreren Tracks und die Dudelsäcke im Titelstück. Das sind keine albernen Gimmicks, sondern Bausteine, die das Album größer und lebendiger machen.

Hinzu kommt die Produktion. McBain hat das Album selbst aufgenommen und gemischt, Damian Herring übernahm das Mastering. Das Resultat ist druckvoll, kalt und klar genug, damit die Leadgitarren nicht im Schlachtlärm untergehen. Gerade im extremen Metal ist das keine Kleinigkeit. Viele Produktionen dieses Kalibers wollen wahlweise „roh“ oder „fett“ sein und landen am Ende irgendwo im Matsch. Coronach behält Schmutz und Schärfe, ohne seine Details zu opfern.

📜 Hintergrund

Dass Hellripper heute so mühelos zwischen Raserei, Heavy-Metal-Melodie und schottischem Sagenstoff wechseln können, kommt nicht aus dem Nichts. James McBain baut das Projekt seit 2014 weitgehend allein auf, und genau diese Konsequenz spürt man. Der Schritt zu Century Media Records ist bei Coronach zwar ein klarer Profilgewinn, am Arbeitsprinzip hat sich aber fast nichts geändert: McBain schreibt, spielt und produziert weiter weitgehend selbst. Das ist keine romantische Kellerfolklore, sondern ein echter Teil der Qualität. Diese Musik klingt so geschlossen, weil hier niemand an fünf Ecken gleichzeitig am Bandkarren zieht.

Gleichzeitig ist Coronach kein Fall von „mehr Budget, mehr Bombast, Ende der Geschichte“. Es ist eher das Album, auf dem McBain seine bisherigen Stärken sortiert und zuspitzt. Der Vorgänger Warlocks Grim & Withered Hags war bereits stark, aber Coronach wirkt fokussierter, variabler und in der Dramaturgie reifer. Dass ausgerechnet der erste große Label-Schritt nicht zur Selbstverwässerung führt, sondern zum bislang besten Album, ist fast schon unanständig erfreulich.

🪓 Fazit: Der Goat-Kult hat sein fucking Meisterstück bekommen

Coronach ist für uns das bisherige Karriere-Highlight von Hellripper. Nicht, weil McBain plötzlich etwas völlig anderes macht, sondern weil er sein eigenes Revier weiter aufreißt, ohne einen einzigen Zahn zu ziehen. Dieses Album rast, beißt, schneidet und spuckt Feuer, aber es kann eben auch erzählen, aufbauen, verdichten und nachhallen.

Der große Triumph von Coronach liegt darin, dass es sich nie zwischen Wildheit und Reife entscheiden muss. Es hat beides. Die Platte ist schnell genug für den Nacken, melodisch genug fürs Gedächtnis und eigenständig genug, um im inzwischen ziemlich vollen Feld aus Blackened-Speed-Metal, Thrash-Rotz und Retro-Huldigung weit herauszuragen.

Ganz klare Sache: Wer mit dieser Art Metal etwas anfangen kann, kommt an Coronach nicht vorbei. Das hier ist kein netter Pflichtkauf für Anhängerschaft. Das ist eine der besten extremen Metal-Platten dieses jungen Jahres. Na denn: All hail the goat.

Albumcover von Hellripper – Coronach: geisterhafte, gehörnte Gestalt über einer kalten Hochlandlandschaft mit Trauerzug im Vordergrund.
Künstler:Hellripper
Albumtitel:Coronach
Erscheinungsdatum:27. März 2026
Genre:Speed Metal, Black Metal, Blackened Thrash, Blackened Speed Metal
Label:Century Media Records
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Trackliste:

Hunderprest
Kinchyle (Goatkraft and Granite)
The Art Of Resurrection
Baobhan Sith (Waltz Of The Damned)
Blakk Satanik Fvkkstorm
Sculptor’s Cave
Mortercheyn
Coronach

Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Mortercheyn“ – ein rabenschwarzer, hektischer Fieberritt zwischen Pesthauch, Punk-Attacke und Highland-Unheil. Bereitgestellt vom offiziellen Century Media Records-Channel auf YouTube:

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