The Daily Meme #079 – Flora und Fauna der Zwischenreiche: Der Dachrinnenschrat

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The Daily Meme. Boney Jones präsentiert die schrägsten Fantasy Memes. Untoter Pirat Cartoon steht für THE DAILY MEME Logo.

🏛️ The Daily Meme #079 – Flora und Fauna der Zwischenreiche: Der Dachrinnenschrat

Makroartiges Fantasy-Naturfoto im Hochformat: Ein hagerer Dachrinnenschrat mit nassem, struppigem Fell, großen dunklen Augen und langen knochigen Fingern kauert in einer rostigen Dachrinne an einem verfallenen Haus im Regen. Moose, Schmutz und nasse Dachziegel rahmen die unheimliche Szene. Unten rechts Signatur: fantasykosmos.de.
Boney Jones an seinem Schreibtisch. Hier schreibt er sein Meme Logbuch.

Boneys Logbuch-Eintrag

Position: Oberhalb einer windschiefen Kate zwischen Moderwald, Regenhang und jenem vergessenen Landstrich, in dem selbst Dachziegel aussehen, als hätten sie seit Jahrhunderten schlechte Gedanken.

Wetter: Kalt, nass, klebrig. Feiner Regen, morsches Holz, eine Luft wie feuchter Kelleratem. Mit anderen Worten: bestes Beobachtungswetter für alles, was kriecht, lauert oder sich von echter Sonneneinstrahlung persönlich beleidigt fühlt.


Lagebericht:

Willkommen zurück zu „Flora und Fauna der Zwischenreiche“, jener lehrreichen Reihe, in der wir weiterhin die zweifelhafte Aufgabe erfülle, Kreaturen zu katalogisieren, die von einem vernünftigen Schöpfer längst verworfen worden wären.

Unser heutiges Exemplar trägt den Namen Dachrinnenschrat.
Die halbblinden Gelehrten der Niederschlagszoologie führen ihn dagegen unter der Bezeichnung Gutturculus pluvialis misanthropus.

Das bedeutet frei übersetzt:
„Regenliebender Dachrandgrantler mit reichlich Menschenhass.“

Auf den ersten Blick wirkt der Dachrinnenschrat wie ein jämmerlicher Zwischenfall aus Fellresten, Dachschlamm und zu viel Nachtluft.
Auf den zweiten erkennt man, dass diese Einschätzung, nur wenig über seine wahre Natur verrät.

Denn der Dachrinnenschrat ist keine bloße Fehlentwicklung.
Er ist ein absolut bösartiger Dachbewohner. Ein nasser, langfingriger Spezialist für Höhenmulm, Regenwasserreste und jene schmierige Randzone zwischen Haus, Wetter und stiller Verwahrlosung, in der sich sonst nur Moos, Moder und Familiengeheimnisse festsetzen.

Besonders auffällig sind seine Augen.
Sie liegen groß, schwarz und glänzend im schmalen Schädel, als habe jemand zwei schlecht gelaunte Pflaumenkerne in ein feuchtes Fledermausgesicht gedrückt. Dieser Blick enthält weder Wärme noch Weisheit. Er besteht aus gieriger Beobachtung. Und aus der stillen Hoffnung, dass unten bald jemand eine sehr dumme Bewegung macht.

Der Dachrinnenschrat lebt nach einem denkbar einfachen Prinzip:

Alles, was tropft, gehört ihm.
Alles, was sich darunter aufhält, wird genau beäugt.
Alles, was nachts in seine Nähe kommt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Nahrung.

Die Wissenschaft spricht hier von hydrotopischer Revierbosheit, also jener seltenen, aber in Dachnähe erstaunlich häufigen Gemütslage, bei der ein Tier auf engstem Raum gleichzeitig territorial, wassersüchtig und grundsätzlich feindselig gegenüber jeder Form fremder Präsenz eingestellt ist.

Im Volksmund nennt man das einfacher:
„Oh nein! Da oben hockt wieder eins dieser Dinger.“


Boneys Urteil

Der Dachrinnenschrat ist kein majestätisches Wunderwesen.
Er ist kein uralter Wächter des Hauses.
Er ist kein poetischer Geist der Niederschläge.

Er ist vielmehr das, was entsteht, wenn Feuchtigkeit, Verwahrlosung und blanke Missgunst über mehrere Generationen hinweg ungestört in derselben Dachrinne wohnen dürfen.

Mit anderen Worten:
ein nasses Randproblem mit gierigen Fingern.

Und selbstverständlich gehört er damit in diese Reihe.

Denn die Zwischenreiche bestehen nicht nur aus Drachen, Titanen und glühenden Schicksalen.
Sie bestehen auch aus diesen kleineren, gedrungeneren Spezialisten des Unrats. Aus Wesen, die nicht die Welt vernichten wollen, sondern bloß den unmittelbaren Bereich über eurem Hauseingang in eine Zone stiller Feindseligkeit verwandeln.

Der Dachrinnenschrat ist nicht gewaltig.
Er ist nicht klug.
Er besitzt keinerlei erhabene Bestimmung.

Aber er ist zäh, unbarmherzig, beharrlich und von jener dumpfen kleinen Bosheit, mit der sich die Natur gern dort zeigt, wo Menschen ein paar Jahre lang nicht nach oben schauen wollen.


Abschließende Notiz an euch Schrankromantiker:

Wenn ihr demnächst bei schlechtem Wetter ein leises Kratzen über euch hört, dann denkt bitte an meine Worte:

Nicht jedes Geräusch im Dachrinnenblech ist nur Regen.
Manches hat sehr spitze Zähne.

Und wenn euch aus einer überquellenden Dachrinne zwei schwarze Murmelaugen entgegenstarren, während sich daran ein Gesicht entfaltet, das aussieht wie ein schlecht ernährter Flederkobold im Hungerstreik, dann verzichtet auf Stöcke, Mut und spontane Heldentaten.

Der Dachrinnenschrat kennt keine Angst.
Keine Scham.
Und schon gar kein friedliches Nebeneinander.

Er kennt nur Regen, Randlage und das tiefe, fast schon andächtige Bedürfnis, allen Beteiligten den Abend in eine einzige Schädigkeit mit vielen Bisswunden zu verwandeln.

Morgen wiederkommen.
Dann widmen wir uns vielleicht dem Mauerzipfer, jenem kalkweißen Spaltenbewohner mit Lurchenzunge und der unbegreiflichen Fähigkeit, aus reinem Hass heraus ganze Kellerwände feucht zu atmen.

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