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🚌 Kleinliches Bamberg: Warum ein Passagier am Steuer in den Zwischenreichen kein Skandal wäre
Ein Linienbusfahrer in Bamberg ließ einen Fahrgast ans Steuer. Die Fahrt dauerte keine hundert Meter, endete mit abruptem Bremsen, zwei leicht verletzten Fahrgästen, Ermittlungen und einer fristlosen Kündigung.
Die offizielle Lesart lautet: Vertrauensbruch, Sicherheitsrisiko, Imageschaden. Wir beim Moosverhetzer sagen, worum es sich hier wirklich handelt: um eine erschreckend kleingeistige Reaktion auf gelebte Mobilitätspartizipation. Denn in den Zwischenreichen wäre ein Passagier am Steuer eines Linienbusses kein Skandal. Es wäre höchstens ein Freitagnachmittag mit leichter Verspätung.

🧵 Wenn der Fahrgast plötzlich „ich probier mal kurz“ sagt
Natürlich wirkt es aus diesseitiger Sicht etwas gewagt, einen Linienbus samt Fahrgästen einem Passagier zu überlassen. Besonders dann, wenn dieser nach wenigen Metern so bremst, als habe ihm gerade ein Kobold in den Bremsfuß gebissen.
Aber man muss die Dinge einordnen.
In Bamberg ging es um einen Bus.
Auf befestigter Straße.
Bei überschaubarer Strecke.
Mit Lenkrad, Bremse und vermutlich funktionierender Tür.
In den Zwischenreichen hingegen werden Passagiere seit Jahrhunderten an Verkehrsmittel gelassen, bei denen schon die Bedienungsanleitung versucht, den Leser zu attackieren. Und niemand kündigt dort sofort. Meistens wird zunächst gefragt, ob der Fahrgast besessen, verflucht oder adlig war.
🐉 Andere Reiche, andere Fahrprüfung
Wer in den Zwischenreichen reisen will, muss mit einem gewissen Maß an Improvisation rechnen. Es gibt dort keine klassische Fahrerlaubnis. Es gibt Mutproben, alte Schwüre, beleidigte Stallmeister und gelegentlich eine Prüfung durch einen schlecht gelaunten Greifen.
Besonders verbreitet sind:
Der Sumpf-Omnibus von Krötenfurt
Wird von einer riesigen Amphibie gezogen, die nur auf Pfeifen, Bestechung und Opernarien reagiert. Passagiere dürfen sie lenken, wenn der Kutscher eingeschlafen ist oder sich in eine Seerose verwandelt hat.
Die Schwebekarre von Nieder-Haxen
Ein magisches Transportbrett mit Sitzbank, Laterne und äußerst schwacher Bindung an physikalische Regeln. Steuerung erfolgt durch Gewichtsverlagerung, Fluchen und gelegentliches Weinen.
Der Liniengreif 12b nach Oberzank
Fliegt täglich außer bei Wind, Regen, Sonne, Schatten und schlechter Laune. Fahrgäste dürfen im Notfall die Zügel übernehmen, sofern sie noch beide Arme besitzen.
Der Nachtmähren-Shuttle von Finsterbrück
Ein öffentlicher Traumtransport, bei dem der Fahrer oft gar nicht wirklich existiert. Wer vorne sitzt, ist automatisch verantwortlich.
Die Drachenfähre von Glutheim
Offiziell nur durch ausgebildetes Personal zu führen. Praktisch reicht es, wenn jemand laut „links!“ ruft und nicht sofort Feuer fängt.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Bamberger Busfahrt fast rührend bieder. Ein Mensch. Ein Lenkrad. Kein Schwebeverlust. Keine Hufexplosion. Keine singende Brücke. Und trotzdem sofort fristlose Kündigung.
🪪 Der Führerschein als bürgerliches Misstrauenspapier
Die Zwischenreiche haben für das irdische Führerscheinwesen ohnehin nur begrenztes Verständnis. Dort gilt ein Dokument mit Foto nicht als Nachweis von Eignung, sondern als besonders langweilige Form der Zauberkarte.
Ein alter Verkehrsvogt aus der Grafschaft Rumpelsteg formulierte es einst so:
„Wer einen Ochsenkarren durch den Nebelmarkt bringt, ohne drei Händler, zwei Gaukler und einen Topf Suppe zu überfahren, darf auch einen Bus bewegen.“
Das klingt grob. Aber es ist ohne Frage erfahrungsbasiert.
In Bamberg dagegen scheint bereits eine 100-Meter-Proberunde zu genügen, um ein komplettes Arbeitsverhältnis in den Abgrund zu schieben. Sicher, zwei Fahrgäste wurden verletzt. Klar, das war irgendwie schon auch verantwortungslos. Und ja, man sollte Linienbusse nicht wie einen E-Scooter vor der Kneipe herumreichen.
Aber gleich Hausverbot?
In den Zwischenreichen bekommt man für so etwas meist erst einmal eine blinkgelbe Rune.
🧫 Was wirklich hätte passieren können
Der Moosverhetzer will die Lage nicht verharmlosen. Ein Linienbus ist kein Spielzeug. Auch kein Probiergerät. Und ein Fahrgast gehört im Normalfall nicht hinter das Steuer, es sei denn, der Fahrer wurde von einem Fluchkäfer befallen oder ist gerade in eine Verwaltungsamphore gesogen worden.
Trotzdem lohnt der Vergleich.
In Bamberg: abrupte Bremsung, zwei Prellungen, Kündigung.
In den Zwischenreichen:
Ein Passagier übernimmt einen Goblinbus.
Der Goblinbus beleidigt ihn.
Der Passagier zieht am falschen Hebel.
Der Bus klappt seitlich Beine aus.
Drei Ziegen werden Bürgermeister.
Alle kommen acht Minuten zu früh an.
Und am Ende heißt es im Dienstbericht:
„Fahrt unruhig, aber zielorientiert.“
Man kann also sagen: Die irdische Mobilitätsverwaltung ist in ihrer Dramatik noch nicht ganz ausgereift.
🧨 Die Frage nach dem Motiv
Besonders schön an der ganzen Sache ist, dass niemand so recht weiß, warum der Fahrer den Fahrgast ans Steuer ließ. War es Übermut? Freundschaft? Müdigkeit? Ein spontaner pädagogischer Ansatz? Oder hatte der Passagier diesen Blick, den sonst nur Leute haben, die unbedingt einmal einen Bus fahren wollen, bevor sie wieder in ihr normales, langweiliges Leben als Hochseilartist zurückkehren?
Die Zwischenreiche kennen für solche Fälle eine einfache Erklärung:
Lenkruf.
Der Lenkruf ist ein schwacher, aber gefährlicher Zauber, der von großen Fahrzeugen ausgeht, wenn sie lange genug an einem Omnibusbahnhof stehen. Er flüstert Sätze wie:
„Nur kurz.“
„Was soll schon passieren?“
„Die Straße ist doch frei.“
„Ich hatte früher mal einen Traktor. Also aus Kunststoff. Mit Pedalen dran.“
Viele Verkehrskatastrophen beginnen nicht mit böser Absicht, sondern mit genau dieser Mischung aus Selbstüberschätzung, Metall und öffentlichem Nahverkehr.
🪓 Fazit: Nicht jeder Fahrgast ist ein Fahrer, aber jeder Bus ist eine Versuchung
Die fristlose Kündigung ist aus irdischer Sicht nachvollziehbar. Aus Zwischenreichs-Perfspektive wirkt sie trotzdem hart. Dort hätte man den Fahrer vermutlich erst in einen Fortbildungskurs geschickt: „Passagierlenkung, Notfalltausch und kontrolliertes Bremsen bei magisch übermotivierten Sitznachbarn.“
Vielleicht hätte man ihm einen Verkehrskobold zur Seite gestellt. Vielleicht auch einen Hahn mit Trillerpfeife. In schweren Fällen einen Drachenbeauftragten.
Doch Bamberg bleibt Bamberg. Wer dort einem Fahrgast das Steuer überlässt, verliert offenbar nicht nur seinen Job, sondern auch den Zugang zu allen Gebäuden, in denen Busse ernst genommen werden.
Der Moosverhetzer hält fest:
Manche Grenzen sollte man nicht überschreiten.
Andere müsste man wenigstens mit einem Greif, einer Schwebekarre und einem sehr entspannten Betriebsrat neu verhandeln.
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