The Daily Meme #071: Alben, die Fantasy-Geschichte machten – Nethermind

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The Daily Meme. Boney Jones präsentiert die schrägsten Fantasy Memes. Untoter Pirat Cartoon steht für THE DAILY MEME Logo.

🏛️ The Daily Meme #071: Alben, die Fantasy-Geschichte machten – Nethermind

Quadratisches Fantasy-Albumcover als Parodie auf einen legendären 90er-Klassiker: In klarem blauem Wasser schwimmt ein kleiner grünlicher Goblin-Säugling mit ausgebreiteten Armen auf eine goldene Münze an einer Angelschnur zu. Unten links stehen in schwarzer Typografie die Worte „NYRVANA“ und „NETHERMIND“.
Boney Jones an seinem Schreibtisch. Hier schreibt er sein Meme Logbuch.

Position: Unter der Oberfläche des Großen Glibberbeckens von Narschuun, dort, wo selbst das Badewasser schon nach Goldmünzen-Kapitalismus aussieht.

Wetter: Über Wasser sonnig, unter Wasser von jenem friedlichen Blau, das nur so lange friedlich wirkt, bis man bemerkt, dass selbst ein Säugling darin bereits auf Beute geprägt wird.

Lagebericht: Es gibt Albumcover, die sehen aus, als hätte ein Kunststudent drei Monate über Entfremdung nachgedacht und dann beschlossen, sich dabei fotografieren zu lassen.

Und dann gibt es Nethermind.

Ein goblinisches Baby.
Nackt, glubschäugig, von beunruhigender Lebensfreude beseelt.
Unter Wasser.
Auf direktem Kurs auf eine Goldmünze.

Mehr muss man über das Zwischenreich im Grunde nicht wissen.

Denn während anderswo Kinder vielleicht dem Licht, der Liebe oder einem bunten Schmetterling entgegenschwimmen, beginnt hier die moralische Formung offenbar schon im Planschbecken mit einer ganz einfachen Lektion:

Wenn irgendwo Gold baumelt, paddel los.

Und genau deshalb wurde Nyrvana – Nethermind zu einem der großen Meilensteine der zwischenreichischen Tonkunst.

Nicht, weil das Cover hübsch wäre.
Obwohl es das auf seine leicht verstörende Weise ist.

Nicht, weil es edel wäre.
Das ist es nun wirklich nicht.

Sondern weil es einen uralten, hässlichen, herrlichen Kern des Daseins freilegt:
Die meisten Wesen sind keine Sucher nach Wahrheit.
Sie sind Sucher nach dem blanken Glanz an der Angelschnur.

Heutiges Monument: Mit Nethermind gelang Nyrvana das Kunststück, eine ganze Generation daran zu erinnern, dass Zivilisation oft nur ein dünner Mantel über etwas sehr Altem ist.
Etwas mit Hunger.
Etwas mit Gier.
Etwas, das notfalls sogar tauchen lernt, wenn am anderen Ende der Leine genug klimpert.

Das Goblinbaby auf dem Cover ist deshalb keine Witzfigur.
Es ist ein Spiegel.
Ein sehr kleiner, leicht feuchter, leicht fangzahniger Spiegel.

Man sieht hinein und denkt zunächst:
„Ha! Ein Baby-Goblin jagt einer Münze nach.“

Und dann denkt man:
„Moment. Das ist ja im Grunde der gesamte Abenteuerbetrieb.“

Denn was sind Heldenkarrieren im Zwischenreich anderes als genau das?
Man beginnt klein, nackt und unqualifiziert, streckt die Arme nach irgendeinem glänzenden Unsinn aus und nennt das später Berufung.

Mal ist es eine Münze.
Mal ein Ring.
Mal ein Schwert.
Mal ein Kristall.
Mal die völlig falsche Person in einer Taverne.

Aber immer ist irgendwo eine Leine.

Und irgendwo hängt etwas, das unbedingt nach Schicksal aussieht, bis man genauer hinsieht und merkt:
Es ist bloß Beute mit besserem Marketing.

Die Größe von Nethermind liegt genau darin.
Dieses Cover ist absurd.
Und zugleich viel zu wahr.

Es zeigt den Anfang aller späteren Katastrophen:
den ersten Griff.
den ersten Wunsch.
den ersten glänzenden Blödsinn, auf den man hereinfällt.

Nyrvana hatten damit nicht bloß ein ikonisches Album.
Sie hatten eine komplette Weltanschauung in einem einzigen Bild konserviert:
Unschuld ist im Zwischenreich nur die Frühform der Beutegier.

Boneys Urteil:

Nethermind ist eines jener Cover, bei denen man gleichzeitig lachen, nicken und sich ein kleines bisschen schämen muss.

Weil der kleine Goblin so putzig ist.
Weil die Sache mit der Münze so lächerlich simpel ist.
Und weil wirklich jeder versteht, was hier passiert.

Das ist kein großes Gleichnis.
Das ist ein nasser Tatsachenbericht.

Nyrvana haben damit den wohl ehrlichsten Säugling der Musikgeschichte erschaffen:
kein Symbol reiner Kindheit,
kein Bild unschuldiger Freiheit,
sondern einen winzigen Nachwuchsschlawiner, der schon im Wasser begriffen hat, worauf diese Welt hinausläuft.

Und seien wir ehrlich:
Das ist vermutlich realistischer als neunzig Prozent aller Heldensagen.

Abschließende Notiz an euch wasserfesten Goldschnapper:

Wenn euch demnächst wieder irgendwer erzählt, im Herzen eines Abenteurers gehe es um Mut, Erkenntnis und das Gute, dann betrachtet bitte dieses Cover noch einmal in Ruhe.

Und dann sprecht den einzigen wirklich brauchbaren Lehrsatz der Zwischenreiche:

Manche folgen ihrem Stern.
Andere folgen der Münze.
Und meistens sind es dieselben Leute.

Morgen wiederkommen.
Dann ehren wir vielleicht tatsächlich endlich den nächsten großen Tonträger des Wahnsinns:
Bat Out of Hell
ein Werk, das klingt, als hätte ein Dämon im Vollgalopp eine Opernbühne angezündet.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Ein grimmiger Oger versucht, ein Schwert aus einem Stein zu ziehen, während kleine Waldtiere neugierig und furchtlos zuschauen.