XIV Dark Centuries: Aus uralter Zeit (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

XIV Dark Centuries: Aus uralter Zeit (Kurzcheck)

🧿 Kurzfazit
Aus uralter Zeit ist kein visionäres Pagan-Epos, sondern ein sehr professionell gezimmerter Nebelhelm aus Thüringen, der mit kräftigen Riffs und großen Refrains punktet, aber textlich oft auf Autopilot läuft.

🎯 Für wen?
Für Pagan- und Viking-Metal-Fans, die frühe Dimmu Borgir, Bathory und ein bisschen Amon Amarth mögen und bei Begriffen wie Nebel, Hallen und Ewigkeit eher den Metkrug heben als die Augenbraue.

🎧 Wie klingt das?
Frostiger Pagan-Black-Metal mit viel Melodic-Death-Einschlag, scharfen Tremolo-Riffs, hymnischen Gitarrenleads, Keyboardteppichen und kehligen Screams, dazu eine moderne, recht glatte Produktion, die mehr auf Druck als auf Patina setzt.

💿 Highlights
Unendlichkeit, Das Portal, Nahab

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du nach komplexen Texten, experimentellen Songstrukturen oder wirklich altertümlicher Atmosphäre suchst und bei Kirmes-Pagan automatisch Ausschlag bekommst.


XIV Dark Centuries: Aus uralter Zeit, Nebelhymnen aus Thüringen

XIV Dark Centuries gehören längst zum Inventar des deutschen Pagan-Zoos. Seit Ende der Neunziger pflegt die Truppe ihren selbsternannten heidnischen Thüringer Metal, mit dem sie sich durch Waldvolk und Gizit Dar Faida eine treue, wenn auch überschaubare Gefolgschaft aufgebaut hat. Aus uralter Zeit ist nun das fünfte Vollalbum, erscheint bei Einheit Produktionen und will vor allem eines zeigen: Die Thüringer können 2025 immer noch schneller, härter und frostiger feuern, ohne ihren Pagan-Melodien-Schrein abzureißen.

🎧 Was erwartet dich?

  • Genre(s): Pagan Black Metal, Pagan Metal, Melodic Death
  • Vergleichbar mit: Wer frühe Dimmu Borgir, Immortal zur At The Heart Of Winter Phase und den epischen Gestus von Bathory mag, findet viele vertraute Schatten im Klang. Gleichzeitig tauchen immer wieder melodische Leads auf, die eher wie aufgepumpter Melodic Death wirken, dazu ein warmer Bass und Keyboards, die Nebel und Chöre nachreichen.
  • Klangfarbe: Die Produktion ist transparent, recht druckvoll und deutlich im Hier und Jetzt verankert. Drums und Gitarren sitzen vorne, die Keyboards legen Atmosphäre darüber, der Gesang steht minimal zurück, ohne zu verschwinden. Das klingt kompetent und live-tauglich, nimmt dem Material aber auch ein wenig von der behaupteten uralten Patina.

Highlights

  • Unendlichkeit: Nach dem kurzen Intro Aus den Nebeln der… geht es mit Unendlichkeit sofort ins Herz dessen, was dieses Album kann. Die Gitarren fahren ein kaltes, melancholisches Leitmotiv, der Song baut sich Schicht um Schicht auf, bis die Refrainphrase im Kopf hängen bleibt wie Reif am Tannenzweig. Hier stimmt die Balance aus Härte, Pathos und Eingängigkeit, die Drums treiben, das Riffing hat Biss, und man versteht, warum dieser Track als Vorbote ausgewählt wurde.
  • Das Portal: Das Portal ist der Moment, in dem die Band sich traut, den Schwertarm kurz zu senken. Clean-Gitarren, Chöre und klarer Gesang öffnen die Tür in eine fast schon menhir-hafte Hymnenwelt, bevor das Ganze wieder in Pagan-Black-Metal-Flammen aufgeht. Der Song zeigt, dass XIV Dark Centuries mehr können als immer nur Vollgas, und dass sie Atmosphäre auch ohne Dauergeklöppel aufbauen können. Wenn der Refrain sich in die Höhe schraubt, hat das genau den feierlichen Zug, den das Artwork verspricht.
  • Nahab: Als längstes Stück der Platte darf Nahab zum Abschluss noch einmal alles auffahren. Mystischer Beginn, schleichender Aufbau, dann das Umschlagen in ein episches Pagan-Brett mit langen Melodielinien und viel Raum für Gitarrensoli. Hier funktioniert die Songlänge, weil die Band nicht nur Riff an Riff klebt, sondern Spannungsbögen zieht. Wer wissen will, wie weit XIV Dark Centuries ihre Formel ausreizen, hört sich diesen Schlusspunkt an.

🎨 Artwork

Baum der tausend Stufen: Das wollten wir keinesfalls unerwähnt lassen. Optisch ist Aus uralter Zeit deutlich näher an epischer Fantasy als am Bierzelt. Das Cover zeigt einen riesigen, bleichen Baum, der wie ein Weltenbaum auf terrassenförmigen Felsstufen in einer Schlucht wächst. Um ihn herum klaffen Abgründe, bröckeln Ruinen und verschwinden Treppen in dunkle Spalten, aus denen Nebel und Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Zwischen all dem glimmen wenige gelbe Lichtpunkte, als würden unten irgendwo immer noch Feuer brennen. Darüber schwebt das goldbraune Bandlogo in Schwertform, unten thront der Albumtitel. Das wirkt wie ein Gemälde zu einem alten Sagenzyklus und gibt dem Album mehr Gravitas, als die oft recht schlichten Texte hergeben.


🪦 Besondere Momente

Texte aus dem Pagan-Phrasen-Generator
Ein auffälliges Detail ist die Textwelt, die sich wie ein Best-of der Pagan-Schlagwörter liest. Nebel, Dunkelheit, Flüche, Hallen, Ewigkeit, das alles marschiert in dichter Folge durch die Lyrics. Für Fans dieser Bildsprache ist das vertrauter Trost, alle anderen werden sich fragen, ob hier wirklich uralte Geschichten erzählt werden oder eher ein sehr fleißiger Wortgenerator am Werk war.

Eher modern als archaisch
Spannend ist auch der Kontrast zwischen Claim und Klang. Aus uralter Zeit verspricht eine Reise in weit entfernte Jahrhunderte, die Produktion liefert jedoch eher den Standard eines modernen Pagan-Releases. Die Drums klingen sauber getriggert, die Gitarren liegen satt im Mix, und insgesamt wirkt das Ergebnis eher wie ein Festival-slot-ready Pagan-Metal-Update als eine rußige Ausgrabung.

Bierseligkeit reloaded
Nicht leugnen lässt sich ein dezenter Kirmesfaktor, der sich vor allem in den Refrains bemerkbar macht. Einige Hooks sind so eindeutig auf Mitsingen und Mitgrölen angelegt, dass man beim Hören automatisch den imaginären Festivalgraben vor Augen hat. Das ist nicht per se ein Makel, macht aber klar, dass hier eher die Frontrow des Fimbul-Festivals im Fokus steht als das einsame Lagerfeuer im Thüringer Forst.

📜 Hintergrund

Seit 1998 schleppt sich die Band durch Wälder, Burgen und Metbecher und hat ihren Stil über die Jahre erstaunlich konsequent verfeinert. Der selbstgewählte Begriff heidnischer Thüringer Metal ist mehr als nur Marketing, er beschreibt den Kern des Projekts: lokale Mythen, Heimatstolz, Naturbilder und ein klarer Bezug zu einer als ursprünglich gedachten Vergangenheit.

Mit Aus uralter Zeit kehren XIV Dark Centuries fünf Jahre nach Waldvolk zurück. Das neue Album erscheint bei Einheit Produktionen, wird als Digi und Vinyl vertrieben und knüpft an die Mischung aus Pagan, Black und Viking Metal an, die sie seit Jahren pflegen.

Spannend ist, dass die Band ihre Einflüsse inzwischen sehr offen zu erkennen gibt. Der Pressetext spricht von Prägungen durch Dimmu Borgir, Enslaved, Immortal und Bathory, und genau das hört man hier: klassische Neunziger-Black-Metal-DNA, verpackt in einen Pagan-Kontext, der nach mehrstimmigem Mitsingen und hochgereckten Trinkhörnern verlangt.

🪓 Fazit

Aus uralter Zeit ist ein stabiles Pagan-Metal-Album von alten Haudegen, die genau wissen, welche Knöpfe sie bei ihrer Zielgruppe drücken. Die Songs sind kompakt, die Melodien sitzen, die Produktion schiebt, und mit Unendlichkeit, Das Portal und Nahab stehen drei wirklich starke Nummern im Line-up.

Gleichzeitig bleibt vieles berechenbar. Textlich wird häufig auf vertraute Schlüsselwörter zurückgegriffen, die Atmosphäre klingt eher nach gut geölter Festivalmaschine als nach archaischem Schamanenritual. Wer nach Innovation oder echter mystischer Tiefe sucht, wird hier nicht fündig.

Unterm Strich ist Aus uralter Zeit ein bestens spielbares Pagan-Paket mit deutlichem Kirmesfaktor, das auf der richtigen Bühne die Fäuste heben lässt. Kein Meilenstein der Zunft, aber ein solides Stück heidnische Unterhaltung aus Thüringen.

Albumcover XIV Dark Centuries – Aus uralter Zeit: düstere, gemalte Landschaft in Grautönen mit einem gewaltigen hellen Baum im Zentrum, der auf terrassenartigen Felsstufen in einer Schlucht steht. Um den Baum herum ragen verfallene Ruinen und Felswände auf, aus Spalten stürzen Nebel und Wasserfälle in die Tiefe, einzelne gelbe Lichtpunkte glimmen in der Dunkelheit. Oben prangt das goldbraune Bandlogo im Stil eines verzierten Schwertes, unten steht der Albumtitel „Aus uralter Zeit“ in weißer Schrift.
Künstler:XIV Dark Centuries
Albumtitel:Aus uralter Zeit
Erscheinungsdatum:5. Dezember 2025
Genre:Pagan Metal, Pagan Black Metal, Viking Metal
Label:Einheit Produktionen in Zusammenarbeit mit Schwarzdorn Productions
Spielzeit:ca. 54 Minuten

Aus den Nebeln der…
Unendlichkeit
Aura der Dunkelheit
Rachelust der Ewigkeit
Das Portal
Aus eiskaltem Nebel
Wo Flüche leis geflüstert
In kalten Hallen
Was ewig liegt
Nahab

🎬 XIV Dark Centuries – Unendlichkeit (Official Lyric Video)

Offizielles 4K Lyric Video zu „Unendlichkeit“ vom Album „Aus uralter Zeit“, aufgenommen in 432 Hz Tuning.

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