Xandria – Eclipse (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Xandria – Eclipse

🧿 Kurzfazit
Eclipse präsentiert sich als technisch hervorragendes und enorm wirkungsbewusstes Symphonic-Metal-Album mit starken Melodien, einer außergewöhnlich vielseitigen Sängerin und einer Produktion von beeindruckender Größe. Xandria erreichen mehrfach echtes Kopfkino, verwechseln emotionale Wirkung jedoch meist mit maximaler Ausstattung.

🎯 Für wen?
Eher für Fans von Nightwish, Epica, Within Temptation, Delain, Visions Of Atlantis und Leaves’ Eyes. Wer große Refrains, Operngesang, Growls, Orchester, Chöre und keltische Farben liebt, bekommt hier nahezu die vollständige Genre-Inventarliste.

🎧 Vergleichbar mit
Die orchestrale Wucht und der Wechsel zwischen klarem Gesang, Oper und Growls liegen nahe bei Epica. Folkfarben und märchenhafte Melodik erinnern an Nightwish und Leaves’ Eyes, während die stärker auf unmittelbare Refrains zugeschnittenen Stücke Berührungspunkte mit Delain und Within Temptation besitzen. Xandria klingen weniger komplex als Epica, traditioneller im Symphonic Metal verankert als heutige Within Temptation und weniger experimentierfreudig als Nightwish. Ihre Stärke liegt in einer besonders aufwendig ausgeführten klassischen Formel.

🎼 Highlights
Eclipse, Masquerade, Lore

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer emotionale Intensität eher aus Zurückhaltung, rauen Kanten oder musikalischem Freiraum zieht, dürfte hier schnell Ermüdungserscheinungen entwickeln. Eclipse lässt den Hörer selten allein mit einer Melodie. Meist begleiten sie noch ein Chor, zwölf Streicher und eine dramatisch günstige Gesamtorchesterlage.

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🌘 XandriaEclipse: Die Sonne ist weg, das Orchester leider noch da

So eine richtige Sonnenfinsternis ist ja eher ein seltenes Ereignis, bei dem sich der Himmel verdunkelt, Tiere verstummen und Menschen ehrfürchtig nach oben schauen. Bei Xandria tritt zusätzlich das Sofia Session Orchestra an, der Chor nimmt Aufstellung, eine keltische Flöte wird gereicht, und irgendwo überprüft ein Kinderensemble bereits seinen Einsatzplan.

Nee, also Eclipse kennt definitiv keine kleine Geste. Das neunte Studioalbum der deutschen Symphonic-Metal-Band will politisches Statement, Fantasykino, Metalplatte, vokale Leistungsschau und emotionale Großveranstaltung zugleich sein. Elf Songs lang lässt Marco Heubaum kaum eine Möglichkeit ungenutzt, eine Melodie größer, glänzender und bedeutungsvoller erscheinen zu lassen. Gitarren werden von Streichern begleitet, Streicher von Chören überwölbt, Chöre durch Operngesang veredelt, und falls anschließend noch Platz im Arrangement bleibt, findet sich garantiert noch irgendwo eine Tin Whistle, die solche Leerräumchen sofort füllt.

Für Anhänger dieses Sounds dürfte das ein Fest sein. Xandria beherrschen ihr Handwerk, Ambre Vourvahis besitzt eine beeindruckend wandelbare Stimme, und die Produktion lässt selbst dicht belegte Passagen klar und druckvoll erscheinen. Die Band klingt selbstbewusst, ambitioniert und vollkommen überzeugt davon, dass Gefühle grundsätzlich mehr Wirkung entfalten, sobald mindestens vierzig weitere Personen daran beteiligt sind.

Wer mit Symphonic Metal fremdelt, wird auf Eclipse allerdings reichlich Beweismaterial für seine Vorbehalte finden. Die Platte ist schwülstig, hochglänzend und emotional permanent auf Sendung. Selbst intime Momente wirken, als habe bereits jemand die Beleuchtung für ihre spätere Verfilmung eingerichtet.

Das ist manchmal überwältigend, gelegentlich auch mitreißend, doch oft genug ist da einfach ein Orchester zu viel.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Symphonic Metal, Power Metal, Folk Metal, Modern Metal

Musikalische Einordnung: Xandria spielen auf Eclipse klassischen Symphonic Metal in ausgesprochen kostspielig klingender Form. Die Basis bilden moderne, teilweise tief gestimmte Gitarren, Power-Metal-Schub und große Pop-Melodien. Darüber liegen filmische Orchestrierungen, Chöre, keltische Instrumente und Ambre Vourvahis’ Wechsel zwischen sanftem Klargesang, kräftiger Rockstimme, Oper und Growls.

Damit steht das Album zwischen der symphonischen Härte von Epica, dem erzählerischen Bombast von Nightwish und der unmittelbareren Eingängigkeit von Delain oder Within Temptation. Folkfarben erweitern einzelne Stücke in Richtung Leaves’ Eyes, während die härteren Passagen modernen Metal stärker einbeziehen.

Klangbild: Jacob Hansens Mix und Mastering geben dem Album enorme Klarheit. Gitarren und Rhythmusgruppe besitzen Gewicht, ohne vom Orchester verdrängt zu werden. Chöre, Streicher, elektronische Flächen und Soloinstrumente bleiben auch in den dichtesten Passagen unterscheidbar. An der Produktion scheitert hier nichts. Sie setzt Heubaums Vorstellung von maximaler cineastischer Größe präzise um.

Ambre Vourvahis steht deutlich im Zentrum. Ihre Vielseitigkeit gehört zu den größten Stärken des Albums. Sie kann innerhalb eines Songs von verletzlicher Intimität zu Rockdruck, Growls und opernhafter Höhe wechseln. Das ist technisch beeindruckend, wird dramaturgisch aber gelegentlich zur Leistungsschau: Nicht jeder Song benötigt die vollständige vokale Werkzeugwand.

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu Eclipse – dem Titelstück von Xandrias Album Eclipse, das moderne Metal-Härte, Orchester, Chor sowie Ambre Vourvahis’ Wechsel zwischen Rockgesang, Oper und Growls bündelt. Veröffentlicht über Napalm Records:

🔥 Highlights: Drei Momente, in denen der ganze Aufwand trägt

Eclipse

Der Titeltrack macht keine Umwege. Schwere Gitarren, orchestral aufgerüstete Dramatik und mehrere Gesangsstile prallen innerhalb weniger Minuten aufeinander. Ambre Vourvahis wechselt zwischen kontrollierter Ruhe, kräftigem Rockgesang, dunklen Growls und opernhafter Höhe. Inhaltlich nutzt Eclipse die verdunkelte Sonne als Bild für gesellschaftliche Entwicklungen. Marco Heubaum nennt Vernunft, Empathie, Demokratie, Pluralismus und eine offene Gesellschaft ausdrücklich als jene Werte, deren Bedrohung das Album behandelt.

Die Botschaft ist sympathisch und unmissverständlich. Musikalisch bleibt allerdings wenig Raum für Zweifel oder Zwischenton. Eclipse präsentiert seine Haltung mit einer Entschlossenheit, gegen die selbst eine Wahlkampfbühne beinahe zurückhaltend wirkt. Der Song funktioniert dennoch, weil seine Härte, sein Refrain und Vourvahis’ Gesang tatsächlich genügend Substanz besitzen, um den Aufwand zu tragen.

Masquerade

Masquerade verbindet Power-Metal-Energie, symphonische Schichten und keltische Instrumente zu einem der schlüssigeren Stücke des Albums. Die Whistles wirken hier weniger wie angeheftetes Fantasyzubehör und stärker wie Bestandteil der Melodieführung. McAlbi ist neben diesem Song auch auf The Shannon’s Home, Northstar und Lore zu hören.

Der Song profitiert vor allem von seiner klaren Bewegung. Wo andere Stücke jede Wendung mit zusätzlicher Ausstattung versehen, hält Masquerade seinen Kern besser zusammen. Der Refrain ist groß, aber nicht völlig unter Dekoration begraben. Die Härte besitzt Kontur, und die Folkfarbe gibt dem Stück ein eigenes Gesicht. Hier zeigt sich, dass Bombast durchaus Präzision besitzen kann.

Lore

Mit Lore beendet Xandria das Album erwartungsgemäß nicht im Flüsterton. Das achtminütige Finale bringt Violine, Whistles, Folkfarben, Orchester, Operngesang, Metalriffs und einen Refrain zusammen, der vermutlich auch ohne Elektrizität noch mehrere Landkreise erreichen würde. Ally Storch von Subway To Sally steuert die Violine bei.

Der Unterschied zu mancher überladenen Passage zuvor: Lore hat als Finale tatsächlich einen Grund, groß zu sein. Das Stück entwickelt mehrere Phasen, öffnet seine Folkseite und führt die verschiedenen Klangfarben des Albums zu einem glaubwürdigen Höhepunkt. Es ist schwülstig. Oh ja, natürlich ist es schwülstig. Aber hier wird der Schwulst zur funktionierenden Ästhetik, weil die Komposition genügend Bewegung und Melodie besitzt. Lore verlangt keinen emotionalen Blankoscheck. Der Song liefert tatsächlich etwas für seinen Aufwand.

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🎨 Artwork

Das Cover zeigt eine Sonnenfinsternis im Zentrum einer goldbraunen Überfülle. Links erhebt sich ein Adler, rechts greift ein drachenartiges Wesen nach ihm. Schlangen winden sich durch das Bild, Rosen, Totenschädel, Zahnräder, Bücher, eine Schreibfeder, ein Fernrohr und weitere Symbole füllen nahezu jeden freien Winkel. Die Gestaltung übersetzt die Musik mit bemerkenswerter Genauigkeit. Jedes einzelne Element könnte ein eigenes Motiv tragen. Gemeinsam erzeugen sie ein Bild, das den Blick kaum zur Ruhe kommen lässt. Die zentrale Finsternis wird von einem strahlenden Lichtkranz umgeben, während Adler und Drache offenbar einen kosmisch aufgeladenen Machtkampf austragen.

Das ist handwerklich beeindruckend und ästhetisch vollkommen hemmungslos. Das Cover fragt nicht, welches Symbol gebraucht wird. Es fragt, welches noch fehlt. Gerade deshalb passt es hervorragend zu Eclipse. Album und Artwork teilen denselben Grundsatz: Wenn etwas bereits groß ist, kann ein weiterer Drache doch wohl nicht nicht schaden.

🪦 Besondere Momente

Ambre Vourvahis trägt die Platte

Vourvahis ist das stärkste Argument für Eclipse. Ihr breites Spektrum erlaubt es Xandria, härtere, folkige, opernhafte und intime Passagen innerhalb derselben Klangwelt zu verbinden. Ohne diese Stimme würde manches Arrangement erheblich künstlicher wirken.

Das Orchester ist real – und überall

Xandria arbeiteten erneut mit dem Sofia Session Orchestra & Choir. Die Orchestrierungen stammen von Lukas Geppert und Ishaan Tyagi. Das hört man: Die symphonischen Elemente besitzen Tiefe und echte Beweglichkeit. Sie sind allerdings so präsent, dass Zurückhaltung gelegentlich wie ein technischer Defekt behandelt wird.

Die Haltung ist klar und deutlich

Das Album positioniert sich ausdrücklich für demokratische, pluralistische und humanistische Werte. Das verdient Anerkennung, gerade in einem Genre, das gesellschaftliche Aussagen gern hinter Drachen, Prophezeiungen und Königen mit unklaren Zuständigkeiten versteckt.

Kitsch als Teil des Geschäftsmodells

Eclipse wäre kein besseres Album, wenn man Orchester, Chöre und Folkfarben vollständig entfernte. Der Kitsch gehört zur Sprache dieser Musik. Problematisch wird er nur dort, wo jedes Gefühl bereits in seiner größten möglichen Form ausgeliefert wird. Ohne kleinere Momente fehlt den riesigen Szenen gelegentlich der Maßstab.

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📜 Hintergrund

Xandria veröffentlichen Eclipse am 7. August 2026 über Napalm Records. Das Album folgt auf The Wonders Still Awaiting von 2023 und ist das zweite vollständige Werk mit Ambre Vourvahis. Die aktuelle Besetzung besteht aus Vourvahis, Marco Heubaum, Robert Klawonn, Tim Schwarz und Dimitrios Gatsios.

Marco Heubaum schrieb sämtliche Songs und Texte und produzierte die Gesangsaufnahmen gemeinsam mit Vourvahis im Neverworld Studio. Als Gäste sind unter anderem Ally Storch, McAlbi und Richard Z. Wang beteiligt. The Last Generation enthält zudem einen Kinderchor. Neben der regulären Ausgabe erscheint eine auf 300 Exemplare limitierte Earbook-Version mit Instrumental- und Orchesterfassungen.

🌘 Wenn das Licht mit maximalem Tamtam zurückkehrt

Eclipse ist sehr wahrscheinlich genau das Album, das Xandria machen wollten. Es klingt groß, teuer, klar und vollständig kontrolliert. Die Refrains zielen auf Festivalbühnen, das Orchester besitzt echtes Gewicht, und Ambre Vourvahis beweist über elf Songs hinweg, dass sie zu den vielseitigsten Stimmen im aktuellen Symphonic Metal gehört. Wer diese Musik liebt, wird hier reichlich Anlass zur Begeisterung finden.

Unsere Einwände liegen entsprechend auch weniger beim Können als in der Dosierung. Eclipse behandelt beinahe jeden Song wie einen möglichen Höhepunkt. Colours wirft Chor, moderne Härte, Oper und Growls gemeinsam in die Arena. The Shannon’s Home versieht seine Wehmut mit keltischer Kulisse. Northstar strahlt derart zuverlässig, dass selbst verirrte Königreiche keine Navigationshilfe mehr benötigen. The Last Generation kombiniert politische Dringlichkeit, Klavier und Kinderchor, eine Konstellation, bei der selbst echte Gefühle Gefahr laufen, wie der finale Spot einer sehr teuren Kampagne zu wirken.

Dabei können Xandria hervorragende Melodien schreiben. Das ist gar nicht das Problem. Viele Refrains sitzen sofort, und Marco Heubaum beherrscht die Architektur großer Songs. Nur scheint die Band ihren eigenen Melodien selten vollständig zu vertrauen. Fast immer muss noch etwas hinzukommen: eine weitere Stimme, ein Chor, eine Streichersteigerung, ein ethnisches Instrument oder ein zusätzlicher dramatischer Unterstrich.

So entsteht eine Platte, die beeindruckt, ohne mich durchgehend zu berühren. Klare Sache: Ihre politische Haltung ist wertvoll. Ihre handwerkliche Qualität steht außer Frage. Ihre Wirkung auf eingefleischte Genreanhänger dürfte enorm sein. Doch große Gefühle werden nicht zwangsläufig größer, wenn ein Orchester sie gleichzeitig mit maximalem Schalldruck bestätigt.

Eclipse ist damit ein gutes Symphonic-Metal-Album, vielleicht sogar ein sehr gutes innerhalb seiner eigenen Zielsetzung. Für den großen Wurf fehlt hier jener Mut zur Lücke, durch den eine einzelne Stimme, ein Riff oder eine Melodie plötzlich mehr sagen kann als die gesamte Bühnenbelegschaft.

Logisch, die Sonne kehrt irgendwann zurück. Das Orchester spielt dann gewiss trotzdem weiter.

Albumcover von Xandria – Eclipse: Vor einer goldenen Sonnenfinsternis kämpfen ein großer Adler und ein drachenartiges Wesen. Schlangen, Totenschädel, Rosen, Bücher, Zahnräder, eine Schreibfeder und ein Fernrohr füllen den braun-goldenen Bildrahmen. Oben steht das Bandlogo, unten der Albumtitel.
Künstler:Xandria
Albumtitel:Eclipse
Erscheinungsdatum:7. August 2026
Genre:Symphonic Metal
Label:Napalm Records
Spielzeit:ca. 57 Minuten

🎼 Trackliste:

Syzygy – 1:23
Eclipse – 5:16
Colours – 5:03
The Shannon’s Home – 5:29
The Grand Delusion – 4:47
Waves Of Tanis – 4:58
Northstar – 5:59
Masquerade – 5:30
The Last Generation – 5:35
The Poetry Of The Real World – 4:56
Lore – 8:37

👥 Besetzung:

Ambre Vourvahis – Gesang
Marco Heubaum – Gitarre
Robert Klawonn – Gitarre
Tim Schwarz – Bass
Dimitrios Gatsios – Schlagzeug

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