Steinzeit-Fantasy ohne Würfel: Wyldwood startet mit riesigen Miniaturen auf Kickstarter
🧐 Im Fantasykosmos suchen

Die Würfel bleiben diesmal im Schrank
📰 Was ist los?
Tabletop Titans hat die Kickstarter-Kampagne für Wyldwood gestartet. Der Stone-Age-Fantasy-Skirmisher verwendet große 60-mm-Miniaturen, kleine Truppen und ein 30-Karten-Deck statt Würfeln. Fünf Fraktionen stehen zum Start bereit; Regeln, Karten und eine kostenlose Tabletop-Simulator-Version können bereits ausprobiert werden.
🐛 Was denken wir?
Wir mögen vor allem, dass Wyldwood mechanisch und optisch sofort eine eigene Idee erkennen lässt. Große Displayfiguren und ein komplett würfelloses Kartensystem sind mehr als bloße kosmetische Unterschiede. Wenn Deckbau und Positionierung genug Tiefe entwickeln, kann daraus ein ziemlich eigenständiger Skirmisher werden.
Tabletop-Fantasy muss offenbar nicht immer mit Rittern, Feuerbällen und einem Eimer Würfel beginnen. Tabletop Titans schickt mit Wyldwood jetzt ein eigenes Skirmish-System auf Kickstarter, das seine Welt ausdrücklich als Stone-Age Fantasy beschreibt – und dabei gleich mehrere Genregewohnheiten über Bord wirft.

Der auffälligste Punkt: Es gibt überhaupt keine Würfel. Stattdessen stellt jeder Spieler ein eigenes 30-Karten-Deck zusammen, das Angriffe, Reaktionen, Magie und taktische Aktionen bestimmt. Dazu kommen ungewöhnlich große 60-mm-Displayminiaturen, von denen pro Seite nur wenige auf dem Feld stehen.
🎴 Keine Würfel – jede Aktion steckt im Deck
Tabletop Titans macht ausgerechnet das Element überflüssig, das bei Miniaturenspielen sonst fast überall zum Inventar gehört. Wyldwood verwendet keine Würfel, sondern ein anpassbares Kartensystem.
Vor der ersten Partie baut jeder Spieler ein 30-Karten-Deck aus einer Startsammlung von 74 Karten. Dazu lässt sich die Fraktionsfähigkeit aus zunächst drei Varianten auswählen. Das eigentliche Spiel soll dadurch stärker von Deckbau, Timing und taktischer Reihenfolge abhängen als von zufälligen Würfelergebnissen. Das macht Wyldwood mechanisch fast zu einer Kreuzung aus Skirmish-Wargame und taktischem Kartenspiel.
🗿 60 Millimeter sind hier keine Ausnahme, sondern Standard
Auch bei den Figuren geht Tabletop Titans bewusst größer. Die regulären Champions kommen im 60-mm-Displaymaßstab, der Anführer steht auf einer 120-mm-Basis. Eine typische Fraktion besteht aktuell aus vier Champions und einem größeren Leader.
Das ist für ein Skirmish-System ungewöhnlich groß. Die Figuren sollen ausdrücklich nicht nur Spielmaterial sein, sondern auch als Bemal- und Ausstellungsstücke funktionieren.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Bei fünf Modellen kann jedes einzelne tatsächlich aussehen wie eine kleine Vitrinenfigur, ohne dass man dafür gleich eine Armee aus fünfzig Einheiten bemalen muss.
🌿 Fünf Fraktionen – und jede interpretiert klassische Fantasy anders
Zum Start gibt es fünf Fraktionen, die bekannte Fantasyvölker in eine bewusst frühe, rohe Form übersetzen.
Die Leafsong Nomads sind nomadische Elfen, die mit den Herden des Waldes ziehen und stark auf Reichweite und Geschwindigkeit setzen. Die Urscar Kindred interpretieren Zwerge als primitive Höhlenjäger, die Ruhm durch die Jagd auf große Bestien suchen. Die Emberhold Ascended verbinden Feuer, Industrie und einen dunklen Pakt, während die Witherwood Legions aus verrottetem Wald und Fleisch bestehen.
Am ungewöhnlichsten sind vielleicht die Nightwood Covenant: Orks, die friedlich mit dem Wald und seinen Kreaturen leben und sich auf Ahnenwissen berufen. Gerade diese Orkfraktion ist ein schöner Bruch mit dem üblichen „grün, laut, haut alles kaputt“.
⚔️ Kleine Truppen, kurze Partien
Wyldwood ist bewusst kompakt aufgebaut. Tabletop Titans gibt für typische Partien ungefähr 30 Minuten an. Gespielt wird entweder klassisch eins gegen eins oder im Vier-Spieler-Modus Rivals. Drei Spieler unterstützt das System aktuell ausdrücklich nicht.
Das passt zum gesamten Konzept: wenige große Figuren, kurze Matches, klarer taktischer Fokus und keine lange Tabellenarbeit. Damit richtet sich das Spiel sowohl an erfahrene Miniaturenspieler als auch an Leute, die normalerweise vor einem kompletten Wargame-Armeeprojekt zurückschrecken.
🌲 Stone Age Fantasy heißt hier mehr als nur Fellrüstung
Das Setting soll klassische Fantasyvölker zeigen, bevor sie zu den bekannten Archetypen geworden sind. Die Urscar sind also Zwerge, bevor aus ihnen Bergkönige und Meisterschmiede werden; die Leafsong stehen näher an nomadischen Waldbewohnern als an höfischen Elfen.
Gerade dadurch bekommt Wyldwood eine eigene Identität. Das Spiel versucht nicht einfach, bekannte Völker mit neuen Namen zu versehen, sondern fragt, wie deren Gesellschaften in einer wesentlich früheren Entwicklungsstufe aussehen könnten. Fantasy-Evolution gewissermaßen.
🧪 Kostenlos ausprobieren geht schon jetzt
Wer nicht auf Kunststoff und Versand warten möchte, kann das System bereits testen. Alle Karten und Regeln stehen online zur Verfügung, inklusive Deckbuilder und Championübersicht. Außerdem gibt es eine kostenlose Version über Tabletop Simulator.
Laut Tabletop Titans wurden dort inzwischen mehr als tausend Partien gespielt. Das ist für ein Kickstarter-Projekt ziemlich hilfreich, weil das Grundsystem damit längst nicht mehr nur auf Papier existiert. Man kann sich also tatsächlich selbst anschauen, ob das würfellose Konzept funktioniert.
💰 Die Kickstarter-Kampagne läuft
Die Crowdfunding-Kampagne ist jetzt live und hat bereits einen ordentlichen Start hingelegt. Zum Zeitpunkt unseres Checks lag sie bei rund 95.000 US-Dollar und mehr als 230 Unterstützern bei einem Ziel von 150.000 Dollar. Diese Zahlen ändern sich laufend.
Geplant ist nach aktuellem Stand eine Auslieferung ab August 2027. Die Produktion ist laut FAQ bereits relativ weit vorbereitet: Die Miniaturen und fast alle Druckkomponenten seien finalisiert, ab 1. November 2026 soll die Serienfertigung grundsätzlich möglich sein.
🧱 Auch langfristig soll das System wachsen
Tabletop Titans plant bereits zusätzliche Champions, neue Fraktionen und weitere Missionspakete. Die aktuelle Truppenzusammenstellung ist zum Launch noch fest, soll später aber ebenfalls flexibler werden, sobald neue Champions erscheinen.
Damit ist Wyldwood klar als längerfristig unterstütztes System gedacht und nicht bloß als einmalige Kickstarter-Box.
Ob daraus tatsächlich eine dauerhaft lebendige Szene entsteht, wird natürlich erst nach der Auslieferung sichtbar.
🌳 Das Ding hat wenigstens einen eigenen Charakter
Was Wyldwood schon jetzt interessant macht, ist die Konsequenz des Konzepts. Steinzeit-Fantasy, riesige Figuren, kaum Modelle auf dem Tisch und überhaupt keine Würfel – das sind mehrere Entscheidungen, die man auf einen Blick beziehungsweise nach einer Partie sofort bemerkt.
Und genau das tut neuen Tabletop-Systemen gut.
Die Welt braucht schließlich nur begrenzt viele Fantasy-Skirmisher, deren wichtigste Innovation darin besteht, dass die Elfen diesmal etwas andere Schulterpanzer tragen.






