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Worm – Necropalace
🧿 Kurzfazit
Necropalace ist kein Stilwechsel, sondern ein Blutritual: Aus sumpfigem Doom-Death wird vampirischer Symphonic-Black-Metal mit enormer Gitarren-Breitseite, ohne die alte Fäulnis ganz abzulegen.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die sich eine Kreuzung aus frühen Dimmu, Cradle-Theatralik, etwas Katatonia-Melancholie und moderigem Blackened Doom wünschen, mit ernst gemeintem Gitarrenfetisch statt Ironie-Bombast.
🎧 Wie klingt das?
Vampirischer Keyboard-Nebel, pralle Leads und Soli, vielschichtige Riffmonster, dazu Growls, Screams und Spoken-Word-Schauer, eingebettet in einen wuchtigen, aber differenzierten Mix von Arthur Rizk. Nekromantic Black Doom in hochglänzendem Sarglack.
💿 Highlights
Necropalace, Halls of Weeping, Dragon Dreams, Witchmoon – The Infernal Masquerade
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du deinen Doom nur als zähes Kriechtempo ohne Keyboard-Glamour magst oder bei jedem 90er-Symphonic-BM-Synth sofort Ausschlag bekommst.
🪦 Worm – Necropalace: Wenn der Sumpf den Opernball kapert
Schon mit Foreverglade hatten sich Worm als Sumpfmonster mit überraschend feinem Gefühl für Melodie und Atmosphäre positioniert. Necropalace, das erste Album für Century Media Records, dreht diese Entwicklung nun so weit auf, dass der alte Moder plötzlich durch einem vampirischen Spiegelsaal sickert: weniger Katakombe, mehr nekromantischer Ballsaal mit Orgel, Pauken und pechschwarzen Vorhängen.
Mastermind Phantom Slaughter und Gitarrist Wroth Septentrion (Philippe Tougas) nutzen die größere Bühne gnadenlos aus. Statt bloß „mehr Bombast“ gibt es hier eine Art liebevoll überzeichnete Zeitreise: 90er-Symphonic-Black-Metal, Gothic-Schwere, Kerker-Synths und klassisch schmelzende Gitarrensoli werden mit dem eigenen Doom-Erbe verrührt, bis daraus etwas entsteht, das tatsächlich wie das klingt, was die Band seit Jahren verspricht: Nekromantic Black Doom.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Doom Metal, Symphonic Black Metal, Blackened Doom Metal
Vergleichbar mit: Dimmu Borgir zur Enthrone-Phase, Cradle of Filth ohne Klamauk, frühe Katatonia, verschnitten mit zeitgenössischem US-Death/Doom-Schwermut.
Klangfarbe: Eine Stunde Musik für aristokratische Untote: pompöse Keyboards, massive, teils doomige Riffs, barocke Gitarrenläufe, dazu ein Mix aus bissigen Screams, tiefen Growls und beschwörenden Spoken-Word-Passagen, produziert wie ein moderner, aber angenehm verhallter Horrorklassiker.
✨ Highlights
Necropalace
Der zehnminütige Titeltrack ist das Programm in Reinform: majestätische Keyboard-Fanfaren, melodisch verspielte Leads und Soli, Tempowechsel zwischen Black-Metal-Galopp und schwerem Midtempo, dazu der Wechsel von Screams zu tiefen Growls. Die Nummer wirkt wie ein bewusst überzeichnetes „Mourning Palace 2026“, behält aber genug eigene Handschrift, um nicht bei Nostalgie stehenzubleiben.
Halls of Weeping
Hier ziehen Worm den Gothic- und Dungeon-Synth-Regler hoch: archaisch klingende Kerker-Keyboards, dezente 80er-Goth-Schwermut und diese schräg-melancholischen Gitarrenleads, die eher sehnsüchtig als „evil“ klingen. Der Song beweist, dass sich die Band nicht nur auf Bombast verlässt, sondern Atmosphäre auch über Zurücknahme und subtile Dissonanzen aufbaut.
Dragon Dreams
Mit über zwölf Minuten und flächigem Keyboardeinsatz, Pauken, Orgeln und neoklassischen Ausbrüchen ist Dragon Dreams das opulenteste Stück der Platte. Die Dramaturgie sitzt: langsamer Aufbau, Eskalation, Ruhephase, Finale. Alles wirkt wie ein kleiner Einakter, in dem Vampirfürsten, Drachen und Dungeon-Master gleichzeitig Regie führen. Besonders stark ist, wie die tiefen Gesangspassagen den Song immer wieder erden, bevor die Gitarren wieder überdrehen.
Witchmoon – The Infernal Masquerade
Das vierzehnminütige Finale mit Gastgitarrist Marty Friedman ist weniger „Gastauftritt“ als Gesamtexzess. Die Gitarrenabfahrten sind so permanent auf Anschlag, dass Friedmans Melodien eher nahtlos in die ohnehin hohe Solodichte übergehen, statt sich brav von der Masse abzusetzen. Das Ergebnis fühlt sich wie ein epischer Abspann an, bei dem der Film längst vorbei ist, aber keiner den Saal verlassen will.
🎨 Artwork
Ein Vampir auf dem Balkon zum Weltuntergang: Auf dem Cover von Necropalace sitzt eine bleiche Gestalt mit Umhang und Medaillon auf einem überladenen Steinthron, irgendwo zwischen Kathedrale, Gruft und Opernloge. Unter ihm kauern Gargoyles, hinter ihm ragt eine ganze Festung aus spitzen Türmen und Strebebögen in den Himmel, als hätte jemand eine gotische Skyline direkt in den Fels gemeißelt. Der Vampir lehnt sich entspannt zurück, als wäre der Apokalypse-Strudel am Horizont nichts weiter als die Abendunterhaltung.
Rechts im Bild schießt aus diesem Strudel ein drachenartiger Fledermausdämon hervor, Maul aufgerissen, Flügel gespannt, der Körper wie ein Mix aus alten Airbrush-Postern und Albtraum-Anatomie. Der Himmel dahinter ist ein brodelndes Gemisch aus Schwarz, Purpur und Blutrot, durchzogen von weißen Blitzen, die genau auf das filigran verästelte Bandlogo zulaufen, ein Spinnennetz aus Schriftzügen, das eher wie ein okkultes Leuchtsignal wirkt als wie ein lesbares Logo. Kaltblaues Steinlicht und heiße Nebelrotwolken prallen aufeinander, als würden zwei Jahrzehnte Metal-Ästhetik frontal kollidieren.
Ganz unten sitzt der Bandname wie eine metallene Plakette auf einem Sarkophagdeckel, blutig tropfend, aber erstaunlich aufgeräumt. Zusammen ergibt das Artwork eine Art Luxus-Gruft-Panorama: nicht subtil, nicht ironisch gebrochen, sondern stolze, barocke Genreliebe. Hier geht es weniger um modernen Minimalismus, sondern darum, die komplette Videotheken- und Symphonic-Black-Metal-Fantasie der 90er noch einmal hochzufahren – nur dass der Vampir inzwischen weiß, dass er die Show kontrolliert.
🪦 Besondere Momente
VHS-Vampirismus im Video: Der offizielle Clip zu Necropalace setzt auf Retro-Horror-Ästhetik, VHS-Texturen und 80er/90er-Filmreferenzen. Das passt perfekt zur Musik, die ohnehin klingt, als würde sie in einem staubigen Mitternachtskino zwischen Subspecies und vergessenen Euro-Horror-Bändern laufen.
Gitarren als Hauptfigur: Von leichten Prog-Anklängen bis zum 80er-Shredding bleibt die Gitarrenarbeit das eigentliche Zentrum des Albums. Leads tauchen oft dort auf, wo andere Bands ein weiteres Riff ansetzen würden, und geben den Stücken eine fast erzählerische Qualität.
Der Doom verschwindet nie ganz: Trotz Symphonic-Turbos bleiben immer wieder zähe, schleppende Passagen, die an die früheren Doom-Death-Tage erinnern. Gerade in Blackheart und in den langsamen Abschnitten der Longtracks spürt man noch den alten Sumpf unter dem Marmorboden.
Cover als Gruß an die Kenner: Das Artwork zitiert nicht nur die eigene Band-Ästhetik, sondern erinnert in Farbgebung und Motiv an späte 90er-Untergrund-Symphonic-Black-Metal-Cover. Ein deutlicher Wink an alle, die damals schon im Plattenladen vor dem Black-Metal-Regal gelebt haben.
🪓 Fazit
Worm kommen aus Florida und haben sich über Releases wie Gloomlord, Foreverglade und die EP Bluenothing von rohem, funereal angehauchtem Doom-Death hin zu einem immer melodischeren, atmosphärischeren Sound entwickelt. Die Starpath-Split mit Dream Unending war der deutlichste Fingerzeig in Richtung kosmisch-romantischerer Klangwelten.
Mit Necropalace vollziehen Phantom Slaughter und Wroth Septentrion diesen Wandel nun auf Albumlänge, erstmals im Stall von Century Media Records. Eingespielt wurde das Ganze mit Drummer/Produzent Charlie Koryn, gemischt und gemastert von Arthur Rizk, der den Spagat zwischen opulentem Bombast und klarer Durchhörbarkeit ziemlich souverän meistert. Bassist Necreon und CK am Schlagzeug vervollständigen das Line-up, das die Mischung aus Theatralik, Schwere und Virtuosität überhaupt erst trägt.
Dass Marty Friedman ausgerechnet im finalen Witchmoon – The Infernal Masquerade auftaucht, wirkt weniger wie Name-Dropping, sondern eher wie ein logischer Endpunkt der Gitarrenfixierung: Wenn man das Vampir-Schloss schon baut, darf am Ende ruhig noch ein ehemaliger Megadeth-Gitarrist durchs Treppenhaus shreddern.
Necropalace ist fraglos das bisherige Karriere-Highlight von Worm und gleichzeitig ein ziemlich kompromissloses Statement: Wer hier ein weiteres Doom-Death-Kriechen im Moor erwartet, landet stattdessen in einem schwarzvioletten Spiegelsaal voller Keyboards, Gitarrenexzesse und Horrorfilm-Romantik.
Der Clou ist, dass diese stilistische Volldrehung nicht als bloße 90er-Kopie endet. Die Band verbindet Symphonic-Black-Metal-Theatralik, Doom-Schwere, Gothic-Schwermut und neoklassische Gitarren so souverän, dass am Ende tatsächlich ein eigenes, schwarzbuntes Gruselpanorama steht.
Wer Doom nur als endlose Leidensstrecke versteht, wird hier vielleicht die Nase rümpfen. Wer aber Lust auf ein großes, vampirisches Metal-Märchen mit mächtigen Gitarren und dicker Atmosphäre hat, bekommt mit Necropalace eine Vollbedienung, die lange im Gedächtnis bleibt und vermutlich auch in diversen Jahresbestenlisten auftauchen wird.

| Künstler: | Worm |
| Albumtitel: | Necropalace |
| Erscheinungsdatum: | 13. Februar 2026 |
| Genre: | Black Doom, Symphonic Black Metal, Blackened Doom Metal |
| Label: | Century Media Records |
| Spielzeit: | ca. 62 Minuten |
Gates to the Shadowzone (Intro)
Necropalace
Halls of Weeping
The Night Has Fangs
Dragon Dreams
Blackheart
Witchmoon – The Infernal Masquerade (feat. Marty Friedman)
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Necropalace“ – ein retrovergorener VHS-Albtraum zwischen Vampir-Schloss und 90er-Horrorfilm. Bereitgestellt vom offiziellen Century Media Records-Channel auf YouTube:
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