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Wolvennest – Procession (Kurzcheck)
🧿 Kurzfazit
Procession ist ein 75-minütiges Ritual aus Psych-Doom, Gothic-Schwärze und okkultem Rock. Massive Gitarren, Mellotronwände, Theremin und Shazzulas beschwörende Stimme formen einen Soundtrack der Auslöschung, der sich Zeit nimmt, aber dafür eine eigene, dichte Parallelwelt aufzieht.
🎯 Für wen?
Für alle, die bei Begriffen wie Occult Rock, Psych-Doom und ritualistischem Black Metal nicht fliehen, sondern das Räucherstäbchen anstecken. Für Leute, die Wolvennest, The Nest, Urfaust, Cult Of Luna und Hexvessel im selben Regal stehen haben.
🎧 Wie klingt das?
Langsam, hypnotisch, schwer. Drei Gitarren, Bass und Drums bauen tranceartige Riffwände, darüber schweben Mellotron, Synths und ein nervöses Theremin. Shazzulas Gesang pendelt zwischen apathischer Beschwörung und eruptiver Ekstase. Das Ergebnis wirkt mehr wie ein durchkomponiertes Ritual und nicht wie elf klassische Songs.
💿 Highlights
Purple Poison, Décharné, Tarantism
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du schnelle Hooks brauchst, nach drei Minuten den Refrain mitsummen willst oder Doom und Psychedelic nur als Hintergrundrauschen tolerierst. Procession verlangt Zeit, Aufmerksamkeit und eine gewisse Liebe zum Abgrund.
🐺 Wolvennest – Procession: Soundtrack einer langsamen Auslöschung
Nach The Dark Path To The Light war klar, dass Wolvennest ihre Mischung aus Doom, Psych, Black Metal und Gothic noch nicht zu Ende erzählt haben. Procession ist das nächste Kapitel dieser Reise in das Unsichtbare.
Die Band selbst bezeichnet das Album als Soundtrack unserer Auslöschung. Elf Stücke, rund 75 Minuten, eingespielt von einem eingeschworenen Kollektiv, das seit einem Jahrzehnt an seinem okkulten Klangtempel baut. Neu an Bord ist Bassist Estèban Lebron-Ruiz alias VaathV, der den temporär ausgestiegenen John Marx ersetzt. Der Rest ist vertraut: Shazzula als Hohepriesterin am Mikro und Theremin, Michel Kirby, Marc De Backer und Corvus von Burtle an den Gitarren, Bram Moerenhout an den Drums.
🎧 Was erwartet dich?
- Genre(s): Psych-Doom, Occult Rock, Gothic, Black Metal, Dark Ambient
- Vergleichbar mit: Stell dir vor, Hexvessel, Cult Of Luna und Urfaust würden gemeinsam einen langsamen Exorzismus vertonen, während irgendwo im Hintergrund ein 70er-Horror-Soundtrack auf Dauerschleife läuft. Hörst du es? Ok, jetzt verdoppelst du einfach die Intensität.
- Klangfarbe: Procession baut keine Hits, sondern eine Totenprozession. Schwere Doom-Riffs kreisen immer wieder um dieselben Figuren, darüber liegen dichte Mellotron- und Synthschichten, die alles in dunkles Ambientlicht tauchen. Kalte Leads, kurze Black-Metal-Ausbrüche und eine sehr präsente Snare halten den Puls. Shazzula agiert nicht als klassische Frontfrau, sondern als Zeremonienleiterin, die murmelt, haucht und beschwört, während sich das Theremin wie ein nervöses Geisterlicht um die Gitarren windet. Der Sound ist dicht, warm und schwer, eher Lava als Rasierklinge, von Déhà zu einem organischen, dunklen Strom zusammengedrückt, der trotz mehrerer Studiosessions wie aus einem Guss wirkt.
✨ Highlights
Purple Poison
Purple Poison ist der Moment, in dem Wolvennest ihren okkulten Siebziger-Rock direkt in psychodelischen Doom überführen. Der Song trägt eine simple, aber hartnäckige Gitarrenfigur, die sich wie eine Spirale ins Ohr dreht, während die Drums im Hintergrund eher schreiten als marschieren. Shazzulas Gesang liegt wie eine Beschwörung über allem, und das Theremin zieht lange, giftige Linien in den Nachthimmel. Wenn Purple Poison sich im letzten Drittel steigert, versteht man, warum gerade dieser Track als klassischer Wolvennest-Signature gilt.
Décharné
Mit Décharné taucht das Album noch tiefer in die rituelle Zone ab. Französische Lyrics, langsam schleppender Groove, Gitarren, die wie ein Nebel aus rostigem Licht über dem Arrangement hängen. Der Track baut kaum klassische Spannungsbögen auf, er kriecht. Jedes Riff wirkt wie ein weiterer Schritt in eine Krypta, die man besser nicht betreten sollte. Shazzulas Stimme wirkt hier besonders gefährlich und müde zugleich, als würde sie eine Vision herunterbeten, die sie selbst längst erschöpft hat. Genau diese Ambivalenz macht Décharné zu einem der intensivsten Stücke auf Procession.
Tarantism (feat. Hekte Zaren)
Tarantism ist der Fremdkörper, der perfekt passt. Die Grundzutaten bleiben dieselben, aber Hekte Zarens hohe, sirenenhafte Stimme zieht den Song in Richtung ritueller Tanz. Hier wird der alte Mythos der Spinnenbesessenheit zur Klanginstallation: Gitarren und Drums halten ein starres, hypnotisches Raster, während sich die Vocals wie ein Fiebertraum darüberlegen. Das Stück kippt zwischen Trance, Bedrohung und einer seltsamen Form von Befreiung, als würde man sich zu Tode tanzen und doch nicht sterben dürfen. Es ist der Moment, in dem Procession am stärksten aus sich selbst ausbricht. Unglaublich gut!
🎨 Artwork
Geier, Mandala, Todestropfen: Procession sieht schon von außen nach Ritual aus. Das Cover zeigt zwei geierköpfige Gestalten mit goldenen Heiligenscheinen, die auf Schädelhaufen thronen, Opferstücke und Dolche in den Händen. Zwischen ihnen hängt ein mandalaartiges Auge, aus dem violette Tropfen in eine Schale fallen. Goldene Linien, schwarzer Hintergrund, violette Wolken – das wirkt wie eine okkulte Ikone aus einem fremden Kloster und passt perfekt zu der Idee, ein ganzes Album als Prozession in Richtung Auslöschung zu begreifen.
🪦 Besondere Momente
Konzept: Soundtrack der Auslöschung
Procession ist als durchgehende Prozession gedacht, nicht als Sammlung einzelner Songs. Die Band versteht das Album als Begleitung eines langsamen Untergangs: Sekten, Flüche, Totenrituale und psychotrope Zustände ziehen wie Stationen eines finsteren Zuges vorbei, bis am Ende nichts mehr bleibt als die letzte Kammer.
Neuer Bassist, vertrautes Kollektiv
Mit VaathV übernimmt ein neuer Bassist, nachdem John Marx eine längere Auszeit genommen hat. Der Rest des Kollektivs bleibt stabil, was man dem Album anhört: Der Grundsound ist eindeutig Wolvennest, bekommt aber durch den leicht erdigeren Bass und das Zusammenspiel der drei Gitarren noch mehr Fundament.
Theremin, Mellotron und Projektionen
Wolvennest bleiben bei ihrem Markenzeichen: Theremin und Mellotron sind nicht nur Zierde, sondern tragen zentrale Linien und Texturen. Zusammen mit den Visuals und Projektionen, die live eingesetzt werden, entsteht ein Gesamtkonzept aus Musik, Ritual und Bild, das Procession wie einen Film ohne Leinwand wirken lässt.
Produktion und Labelwechsel
Procession ist größtenteils im eigenen Umfeld aufgenommen und von Langzeitpartner Déhà in den Blackout Studios gemischt und gemastert worden. Gleichzeitig markiert das Album die erste Zusammenarbeit mit Consouling Sounds – ein Schritt, der perfekt zu der dunklen, experimentierfreudigen Labelästhetik passt und dem Doppelalbum den nötigen Rahmen gibt.
📜 Hintergrund
Procession ist das erste Wolvennest Album auf Consouling Sounds, nachdem die vorherigen Veröffentlichungen unter anderem bei Van Records erschienen sind. Die Band hat den Großteil der Gitarren, Bässe, Vocals, Theremin und Synths zwischen Oktober 2023 und März 2025 im eigenen Forbidden Frequencies Studio aufgenommen. Die Drums wurden im Larsson Studio eingespielt, gemischt und gemastert wurde alles von Langzeitkollaborateur Déhà im Blackout Studio.
Das Artwork stammt von Arts Of Maquenda, die schon das Cover zu Temple gestaltet hatten. Die visuelle Linie ist klar: es geht um Rituale, Türen, Portale, invertierte Kreuze, eine Welt, in der ständig Übergänge aufreißen und das Unsichtbare ins Sichtbare sickert.
Inhaltlich kreist Procession um Sekten, Flüche, Totenrituale und psychotrope Zustände, die weniger als Schockeffekte dienen, sondern als Bilder für innere Abgründe. Es ist kein Konzeptalbum mit Plot, eher ein langer Gang durch eine Reihe von Räumen, in denen immer dieselbe Frage gestellt wird: Was bleibt übrig, wenn wir den Vorhang ganz zur Seite ziehen?
🪓 Fazit
Procession ist ein Monolith. Kein Album für die schnelle Dosis Doom, sondern ein 75-minütiger Abstieg in eine sehr eigene Klangwelt. Wolvennest verbinden hier ihre okkulten Doom-Wurzeln mit psychedelischer Trance, gothischen Schatten und schwarzen Ausbrüchen, ohne sich in Genreklischees zu verlieren.
Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt ein Ritual, das über die gesamte Laufzeit erstaunlich wenig abfällt. Die Songs fließen ineinander, Motive kehren wieder, die Snare schlägt dir beharrlich den Puls der inneren Nacht in den Schädel, und Shazzulas Gesang zieht dich immer tiefer hinein.
Das Risiko liegt auf der Hand: Wenn dich diese Art von Langform-Trance nicht packt, wirst du das Album als ausufernd und anstrengend empfinden. Wenn es klickt, ist Procession genau die Art von Platte, die man in Dauerschleife laufen lässt, während man im Kopf schon die nächste Szene für ein viel zu düsteres Serathis-Kapitel plant.
Für mich ist Procession eines der seltenen Alben, die wirklich wie ein abgeschlossenes Ritual wirken. Kein perfekter Rundumschlag für jede Lebenslage, aber ein beeindruckend konsequentes Statement einer Band, die ihren eigenen Klangtempel inzwischen bis in die letzte Kammer ausgebaut hat.

| Künstler: | Wolvennest |
| Albumtitel: | Procession |
| Erscheinungsdatum: | 17. Oktober 2025 |
| Genre: | Psych-Doom, Occult Rock, Gothic, Black Metal, Doom Metal |
| Label: | Consouling Sounds |
| Spielzeit: | ca. 75 Minuten |
Another Nail
Purple Poison
The Shadow On Your Side
Damnation
Décharné
Things That Breathe Are Death
Burial
Famadihana
Hunters
Tarantism (feat. Hekte Zaren)
The Last Chamber
🎬 Wolvennest – Décharné (Official Visualiser)
Offizieller Visualiser zu „Décharné“ vom Album „Procession“, veröffentlicht von Consouling Sounds.
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