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Wolfgang Kubicki will Respekt: Der Eierarsch der Freiheit erhebt sich
🌎 Ein Schreiben aus dem liberalen Schankraum der Wiederauferstehung, wo drei Prozent nicht als Problem gelten, sondern als besonders konzentrierte Form von Bedeutung.
Heute Morgen lag ein Brief auf unserem Schreibtisch, der nicht zugestellt, sondern offenbar hingeworfen worden war. Das Papier roch nach Zigarrenrauch, beleidigter Marktwirtschaft und jenem norddeutschen Selbstbewusstsein, das noch aus einem brennenden Parteibüro heraus erklären würde, die Lage sei hervorragend, weil man endlich wieder freie Sicht habe.
Oben stand mit kräftigem Strich:
ICH WILL NICHT GELIEBT WERDEN. ICH WILL, DASS IHR EUCH WIEDER BENEHMT.
Absender: Wolfgang Kubicki. Neuer FDP-Chef. Freund klarer Worte. Mann, der aus einer politischen Existenzkrise offenbar einen Kneipenabend mit Kampfauftrag machen will.

✉️ Der Brief
„Drei Prozent sind keine Niederlage. Drei Prozent sind der harte Bodensatz der Freiheit.“
– Aus dem Traktat Tresen, Trotz und taktische Wiederauferstehung
An die jammernden Zwischenreichsnotare,
nun hört mal gut zu.
Ihr schreibt seit Jahren, die FDP sei tot. Liegt am Boden. Ausgezählt. Weg vom Fenster. Unter fünf Prozent. Neben der Fußleiste. Irgendwo zwischen Parteigeschichte und Pfandbon.
Schön.
Dann habt ihr ja endlich kapiert, dass wir Platz nach oben haben.
Ich bin nicht angetreten, um gestreichelt zu werden. Ich bin nicht der Wellnessbeauftragte einer Partei, die sich so lange erklärt hat, bis selbst ihre Wähler eingeschlafen sind. Ich bin auch nicht hier, um Union, SPD, Grüne oder Linke mit warmem Applaus durch die Demokratie-Therme zu begleiten. Ich will Respekt.
Und wenn Respekt nicht freiwillig kommt, dann darf er sich meinetwegen unterwegs ein bisschen fürchten.
Die FDP hat lange genug so getan, als sei liberale Politik ein höfliches Seminar mit sprudelfreiem Mineralwasser. Nein. Freiheit ist kein Duftstäbchen. Freiheit ist ein Tresenwort. Man stellt es hin, knallt mit der Hand daneben und sagt: Das bleibt so.
Jetzt reden alle von Sachsen-Anhalt. Drei Prozent, heißt es. Drei. Als sei das ein Todesurteil.
Unsinn.
Drei Prozent sind kein Ende. Drei Prozent sind ein Destillat. Da ist alles Wasser raus. Übrig bleibt der harte Kern. Die Leute, die noch FDP wählen, nachdem wirklich jeder vernünftige Mensch ihnen abgeraten hat. Auf solche Leute kann man bauen. Die schreckt nichts mehr.
Und Merz?
Ach, Friedrich.
Er hat die FDP totgesagt. Das war nett von ihm. Tote Parteien haben nämlich einen Vorteil: Wenn sie wieder aufstehen, sieht jeder hin.
Also stehe ich jetzt hier. Siebenundsiebzig Beleidigungen im politischen Gepäck, eine Partei im Schleudertrauma und genug schlechte Laune, um daraus ein Wahlprogramm zu pressen.
Ihr nennt mich grob.
Ich nenne mich verständlich.
Ihr nennt mich Querulant.
Ich nenne mich Restfunktion der Demokratie.
Ihr nennt mich Risiko.
Ich nenne mich die letzte gelbe Lampe im Maschinenraum.
Die Brandmauer? Steht nicht in der Verfassung. Der Anstand? Sollte stehen, tut es aber selten. Die FDP? Lebt. Nicht hübsch. Nicht bequem. Nicht beliebt. Aber lebendig genug, um euch wieder ganz gehörig auf die Nerven zu gehen.
Mehr verspreche ich gar nicht.
Keine Liebe.
Keine Umarmung.
Kein liberaler Stuhlkreis.
Nur das hier: Wer uns für erledigt hält, soll sich nicht wundern, wenn plötzlich einer aus dem Norden kommt, die Jacke auszieht und sagt: So, ihr Eierköpfe. Jetzt wird gedreht.
Mit freiheitlichem Restdruck
Wolfgang Kubicki
Parteivorsitzender der FDP
Quartalsdenker aus dem Norden
und Eierarsch der Freiheit
🪶 Kommentar der Redaktion:
Der Brief war kurz, grob und erstaunlich gut gelaunt für ein Dokument aus einer Partei, die gerade versucht, aus dem politischen Kellergeschoss wieder einen kleinen Schimmer Tageslicht zu erhaschen.
Kubicki verkauft die FDP-Krise nicht als Schwäche, sondern als Charaktertest. Drei Prozent werden bei ihm nicht kleiner, sondern härter. Aus fehlender Beliebtheit wird Unabhängigkeit, aus Grobheit Direktheit, aus politischer Randlage ein angeblicher Beweis letzter liberaler Reinheit.
Das ist natürlich dreist. Aber es ist auch genau die Art Dreistigkeit, mit der Kubicki seiner Partei wieder Sichtbarkeit verschaffen will: nicht durch Zartheit, nicht durch Programmlyrik, sondern durch den alten Kneipentrick, lauter zu sein als der Raum selbst.
Ob daraus Rettung wird, ist offen.
Dass es gehörig eiert und scheppert, steht allerdings außer Frage.





