Der Krieg endete mit Magie – zehn Jahre später erwacht in Withering Realms ein neunjähriger Geist
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Das tote Kind bekommt einen Starttermin
📰 Was ist los?
Withering Realms startet am 2. September im Steam Early Access. Das Horror-Action-RPG von Soloentwickler Moonless Formless folgt der neunjährigen Geisterheldin Clover und ihrer grotesken Wächterpuppe durch eine okkult veränderte Welt des Jahres 1926.
🐛 Was denken wir?
Das ist genau die Art Indie-Spiel, die trotz kleiner Produktion sofort eine eigene Identität besitzt. Okkulte Zwischenkriegswelt, Geisterkind und eine bewaffnete Puppe aus menschlichen Überresten sind ein deutlich interessanterer Pitch als noch eine düstere Ruine mit namenlosem Ritter.
🕯️ Der Krieg endete mit Magie – zehn Jahre später erwacht in Withering Realms ein neunjähriger Geist
Der Erste Weltkrieg hätte sehr viele bessere Enden haben können. In der Welt von Withering Realms bekommt er allerdings eines der merkwürdigsten: 1916 erschüttert ein gewaltiges okkultes Ereignis die Erde, beendet den Krieg und sorgt gleichzeitig dafür, dass Tote wieder aufstehen, Geister umherwandern und Magie plötzlich ein ausgesprochen reales Alltagsproblem wird. Zehn Jahre später ist die Welt noch immer damit beschäftigt, herauszufinden, ob das wirklich ein Fortschritt war.

Am 2. September 2026 öffnet Soloentwickler Moonless Formless diese Welt im Steam Early Access. Withering Realms stammt vom Schöpfer von Withering Rooms und verbindet Horror, Action-RPG und Dark Fantasy zu einer alternativen Version der 1920er-Jahre. Im Mittelpunkt steht dabei ausgerechnet die neunjährige Clover, die allein in einem verfallenden Herrenhaus erwacht und ziemlich früh eine unangenehme persönliche Diagnose erhält: Sie ist selbst ein Geist.
👻 Clover sucht einen Weg zurück ins Leben
Clover befindet sich nur wenige Kilometer vom Zentrum jenes okkulten Ereignisses entfernt, das die Welt verändert hat. Ihr Ziel ist entsprechend elementar: Sie möchte herausfinden, was mit ihr geschehen ist und ob es einen Weg gibt, wieder lebendig zu werden. Dafür erkundet sie die geheimnisvolle Stadt Penwyll mitsamt Friedhöfen, Grabkammern, Höhlen und verfallenden Anwesen, die offenbar sämtlich nach dem Grundsatz gebaut wurden, dass neun Jahre ein ausgezeichnetes Alter für nächtliche Kryptenbesuche sind.
Ganz allein muss Clover immerhin nicht losziehen. An ihrer Seite befindet sich eine große Wächterpuppe, deren Materialliste mit Holz und Metall zunächst erfreulich normal beginnt und anschließend mit menschlichen Überresten eine gewisse stilistische Wendung nimmt. Die Puppe ist zugleich Clovers wichtigste Waffe und lässt sich während des Spiels umbauen. In den fehlenden rechten Arm können unterschiedliche Geräte eingesetzt werden, von schweren Nahkampfwerkzeugen bis zu Maschinengewehr und Flammenwerfer.
Damit entsteht ein ungewöhnliches Heldenduo: Ein körperloses Kind erforscht die Welt, während eine groteske Konstruktion die körperlich unangenehmeren Gespräche übernimmt. Für ein Horror-RPG ist das deutlich charakteristischer als die nächste schweigsame Figur mit Zweihänder und komplizierter Vergangenheit.
👻 Clover und ihre ausgesprochen seltsame Leibwache
Der offizielle Early-Access-Trailer zu Withering Realms zeigt Penwyll, Clovers Geisterexistenz und ihre bewaffnete Wächterpuppe in Aktion. Wer bei einem Kind und einer Puppe zunächst an ein gemütliches Abenteuer denkt, sollte die Materialliste der Puppe vielleicht noch einmal lesen.
🪦 Penwyll wird nachts noch weniger einladend
Die Welt soll dabei nicht bloß aus einer Reihe linearer Horrorzimmer bestehen. Spieler erweitern die Karte, indem sie gewaltige Wächter an den Grenzen einzelner Gebiete bezwingen, suchen nach magischen Artefakten und Materialien und kehren später in bereits bekannte Regionen zurück. Gerade die Tageszeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn nachts erscheinen neue Kreaturen und Geheimnisse.
Auch andere Figuren können Clover unterstützen. Die freiberufliche Ermittlerin Althea beispielsweise besitzt einen bemerkenswert breiten Werkzeugkasten zur Informationsbeschaffung, der Befragungen, Schlösserknacken und Urkundenfälschung umfasst. Das deutet bereits an, dass Penwyll nicht ausschließlich über Monster und Kämpfe funktioniert, sondern auch über seine Bewohner und die Frage, was rund um das große okkulte Ereignis tatsächlich geschehen ist.
Diese Mischung passt gut zur Zeitperiode. 1926 ist hier kein dekorativer Filter über gewöhnlicher Fantasy, sondern eine Welt, deren moderne Technik bereits existiert, während die Geschichte gleichzeitig durch ein übernatürliches Ereignis vollständig aus ihrer bekannten Bahn geworfen wurde. Maschinengewehr und Geisterbeschwörung gehören dadurch plötzlich glaubwürdig in denselben Werkzeugkasten.
⚙️ Early Access – aber die Geschichte soll bereits komplett sein
Interessant ist auch, wie Moonless Formless den Early Access angeht. Withering Realms soll am 2. September bereits vollständig von Anfang bis Ende spielbar sein. Die Entwicklungsphase dient vor allem dazu, Balancing, Fehler, Performance und die große Zahl möglicher Charakter-Builds mit Hilfe der Community zu verbessern und zusätzliche Endgame-Systeme nachzuliefern.
Das unterscheidet den Start von jenen Early-Access-Spielen, bei denen Spieler nach drei Kapiteln vor einer verschlossenen Tür stehen und anschließend zwei Jahre lang einem Entwicklungsblog beim Wachsen zusehen. Moonless Formless plant derzeit, die vollständige Fassung 2027 gemeinsam mit Konsolenversionen zu veröffentlichen. Zusätzliche Sprachen sollen während der Early-Access-Entwicklung ebenfalls folgen; zum Start ist das Spiel laut aktueller Steam-Seite allerdings zunächst nur auf Englisch verfügbar.
Gerade für einen Soloentwickler ist das ein ambitionierter Umfang. Der Vorgänger Withering Rooms hatte bereits gezeigt, dass Moonless Formless an ungewöhnlich dichten Horror-RPGs interessiert ist, statt nur kurze Schreckmomente aneinanderzureihen. Withering Realms wirkt wie der Versuch, diese Idee erheblich größer zu bauen und gleichzeitig eine neue Welt darum herumzusetzen.
🕯️ Ein kleines Spiel mit erstaunlich großer eigener Identität
Genau deshalb fällt der Titel zwischen größeren Veröffentlichungen auf. Es gibt hier keine bekannte Lizenz, keinen riesigen Publisher und keine fotorealistische Materialschlacht. Stattdessen stehen ein toter neunjähriger Hauptcharakter, eine Puppe aus menschlichen Überresten und eine alternative Geschichte im Zentrum, in der der Große Krieg durch einen Ausbruch des Übernatürlichen beendet wurde.
Ob die Systeme am Ende zusammenhalten, muss der Early Access zeigen. Der neue Termin macht die Frage immerhin sehr bald beantwortbar: Am 2. September öffnet Penwyll auf Steam seine Tore, während die spätere Vollversion auch auf Konsolen erscheinen soll.
Clover sucht dort nach einem Weg zurück ins Leben. Wenn dein zuverlässigster Helfer aus Holz, Metall und Leichenteilen besteht, dürfte „zurück zur Normalität“ allerdings ein ambitioniertes Reiseziel sein.





