„Winter ist wohl abgesagt“ – wie NBC aus Martins Blogpost das Ende von Westeros bastelt

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Winter never comes: Wie NBC fiese Gerüchte streut

📰 Was ist los?
NBC greift einen Blogpost von George R. R. Martin vom 28. Mai 2025 auf und zitiert eine Passage, in der der Autor in direkter Rede genau die Vorwürfe paraphrasiert, die er seit Jahren von frustrierten Fans liest: „Ich werde WINDS nie fertig schreiben“, „Ich bin zu alt“, „Ich gebe nichts mehr auf die Bücher“ usw. Der NBC-Text stellt diese Sätze jedoch so dar, als wären es Martins ernst gemeinte Aussagen über sich selbst – und erklärt Winds of Winter damit praktisch für tot.

🐛 Was denken wir?
Das ist kein exklusiver Weltuntergangsscoop, sondern ein Missverständnis mit Clickbait-Schleife. Martin zitiert seine lautesten Hater und NBC so: „Alles klar, machen wir eine Abschiedsmeldung draus.“ Wenn schon Apokalypse, dann bitte mit fortgeschrittenem Quellenverständnis.

❄️ „Winter ist wohl abgesagt“ – wie NBC aus Martins Blogpost das Ende von Westeros bastelt

George R. R. Martin soll „nie wieder“ an Winds of Winter schreiben wollen, keine Lust mehr auf Westeros haben und demnächst sowieso sterben, sagt jedenfalls ein vielgeteiltes NBC-Stück. Blöderweise zitiert der Artikel ausgerechnet die Stelle, in der Martin sich über genau solche Kommentare lustig macht.


🧊 Was NBC behauptet

Der NBC-Ableger Today titelt sinngemäß: „Winter is probably no longer coming“. Laut Artikel habe Martin in einem Blogpost geschrieben,

„I will never finish WINDS … I lost all interest … I don’t give a s*** about writing any longer.“

Daraus macht NBC:

  • Winds of Winter werde „wahrscheinlich nicht mehr fertig“,
  • Martin habe das Interesse an A Song of Ice and Fire verloren,
  • stattdessen kümmere er sich lieber um andere Projekte wie die Verfilmung von „A Dozen Tough Jobs“.

Kurzfassung der Meldung: Winter ist gestrichen, sucht euch ein neues Fandom.


📜 Was Martin tatsächlich schreibt

Schauen wir in den Originalpost auf Martins „Not a Blog“:

Dort kündigt er zunächst an, dass er gemeinsam mit Lion Forge eine animierte Verfilmung von Howard Waldrops „A Dozen Tough Jobs“ produziert. Dann folgt der entscheidende Absatz, eingerahmt von Klammern und deutlich als gedanklicher Einschub markiert:

„(I know, I know. Some of you will just be pissed off by this, as you are by everything I announce here that is not about Westeros or THE WINDS OF WINTER. You have given up on me, or on the book. I will never finish WINDS, If I do, I will never finish A DREAM OF SPRING… I am going to die soon anyway, because I am so old. I lost all interest in A Song of Ice and Fire… I don’t give a shit about writing any longer… You don’t care about anything but WINDS OF WINTER. You’ve told me so often enough.)“

Das ist keine Lebensbeichte, sondern eine wörtliche Zusammenfassung dessen, was ihm seit Jahren in Kommentaren um die Ohren fliegt, inklusive Übertreibung, Selbstironie und bitterem Humor. Direkt danach schreibt er liebevoll über Waldrop, die Adaption und seinen Wunsch, dem Freund gerecht zu werden.

Mit anderen Worten:
NBC nimmt die Stelle, in der Martin die schlimmsten Fan-Kommentare zitiert, und berichtet daraus: „Martin hat keinen Bock mehr.“


🔥 Steht WINDS jetzt wirklich vor dem Aus?

Andere Medien lesen den Blogpost deutlich differenzierter:

  • Entertainment Weekly betont, dass Martin zwar die Fan-Frustration zitiert, aber gleichzeitig klarstellt, dass er an Winds of Winter weiterarbeitet, nur eben nicht ausschließlich.
  • People zeichnet ein ähnliches Bild: viel Müdigkeit, selbstironische Todeswitze, aber auch die Aussage, dass ihm Westeros und seine Figuren weiterhin wichtig sind und Winds Priorität hat, auch wenn kein Veröffentlichungsdatum in Sicht ist.
  • Bei Auftritten wie der New York Comic Con 2025 bekräftigt Martin zudem, dass er die letzten beiden Bände beenden will, und vergleicht seine vielen Projekte mit Kindern, die er alle liebt (ja, inklusive Winds).

Kurz: Niemand weiß, wann Winds of Winter kommt. Aber nur NBC hat daraus eine halbamtliche „Serie gecancelt“-Meldung gebastelt.


🧮 Und was ist mit „A Dozen Tough Jobs“?

Der eigentliche Anlass des Blogposts: Martin produziert eine animierte Verfilmung von „A Dozen Tough Jobs“, einer Hercules-Variante seines verstorbenen Freundes Howard Waldrop. Die Geschichte verlegt die zwölf Arbeiten des Herkules in die US-Südstaaten der 1920er Jahre; die Adaption entsteht mit Lion Forge und dem Animationsstudio Blue Spirit (u. a. Blue Eye Samurai).

Martin schreibt offen, wie sehr er Waldrops Werk liebt und wie wichtig ihm diese Verfilmung ist, eben genau der Teil, der in der „Winter ist abgesagt“-Schlagzeile eher untergeht.


🧷 Fantasykosmos Fazit: Schrödingers Winter

Realistische Lage:

  • Winds of Winter ist immer noch nicht fertig.
  • Martin ist müde, genervt und macht nebenbei gefühlt jedes andere Projekt auf diesem Planeten.
  • Aber ein offizielles „Ich breche die Reihe ab“ gibt es nicht. Im Gegenteil: Er betont regelmäßig, dass er das Buch zu Ende bringen will.

Der NBC-Artikel ist damit weniger Prophezeiung als Lehrstück: Wenn man Ironie, Klammern und Kontext ignoriert, kann man aus jedem Rant eine finale Kapitulation basteln.

Ob der Winter jemals wirklich kommt, bleibt offen. Aber wenn er ausfällt, wird er es garantiert nicht in einem NBC-Sideblog tun, sondern mit einem deutlich lauteren Knall. Bis dahin leben wir mit Schrödingers Manuskript: gleichzeitig verspätet, existent und unlesbar, zumindest noch.

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