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Bibliotheks-Anime mit Exportpotenzial?
📰 Was ist los?
In Japan startet der Film jetzt im Kino, doch für internationale Auswertungen ist bisher nichts Offizielles verkündet. Kadokawa hat enge Beziehungen zu Streamingdiensten wie Crunchyroll, Netflix und Co., und die Tatsache, dass sowohl Roman als auch Manga bereits von Yen Press auf Englisch lizenziert sind, macht eine spätere Auswertung außerhalb Japans zumindest wahrscheinlich.
🐛 Was denken wir?
Sollte das Ding im Heimatmarkt gut laufen, ist die Kombination aus Literatur-Fantasy, Yuri-Note und visuell auffälliger Buchmagie ziemlich genau das, was Streamingdienste gern als „kleines, feines Premium-Label“ verkaufen. Für Fantasy-Fans, die zwischen »Frieren« und »Frieren-Klon Nr. 7« mal etwas anderes sehen möchten, könnte das hier ein sehr angenehmer Ausflug in eine verfluchte Stadtbibliothek werden, vorausgesetzt, die Marketingabteilung verkauft es nicht wieder als „herzerwärmendes Coming-of-Age-Fest für die ganze Familie“.
📚 Verfluchte Anime-Seiten im Kino: »Whoever Steals This Book« lockt mit neuem Cast
Während hierzulande die Fantasy-Filmsaison im Winterschlaf liegt, wird in Japan zu Weihnachten gleich eine ganze Bibliothek verflucht: »Whoever Steals This Book«, die Verfilmung des Romans von Nowaki Fukamidori, startet dort am 26. Dezember 2025 und hat kurz vor dem Kinostart noch einmal neue Sprecherinnen und Sprecher nachgelegt.
Den Vertrieb übernimmt Kadokawa Animation, entstanden ist er bei Studio Kagokan (Kagome Company) und hat mit Regisseur Daiki Fukuoka, Drehbuchautor Yasuhiro Nakanishi, Charakterdesignerin Keiko Kurosawa und Komponistin Michiru Ōshima ein ziemlich beeindruckendes Kreativteam am Start.
🪄 Worum es in »Whoever Steals This Book« geht
Die Vorlage erschien 2020 und war in Japan direkt für den Japan Booksellers’ Award nominiert.
Im Mittelpunkt steht Mifuyu, eine Schülerin, die Bücher ungefähr so sehr liebt wie andere Leute Steuerbescheide. Dummerweise stammt sie aus einer traditionsreichen Sammlerfamilie: Ihr Urgroßvater hat die legendäre Privatbibliothek Mikura Hall aufgebaut, einen verwinkelten Palast aus Regalen, Manuskripten und Gerüchten.
Als aus dieser Bibliothek Bücher gestohlen werden, tritt ein alter Fluch in Kraft:
Die Stadt beginnt sich nach den gestohlenen Geschichten zu verformen, Straßenzüge kippen in andere Genres, Alltagsszenen rutschen in Krimi, Märchen oder Horrorsettings ab. Nur wenn der Dieb gefunden und die Bücher zurückgebracht werden, lässt sich der Schaden rückgängig machen.
Begleitet wird Mifuyu von Mashiro, einer rätselhaften, buchverliebten Mitstreiterin, die sich in einen weißen Hund verwandeln kann und ziemlich genau weiß, was in den Seiten steckt, in die die Stadt gerade stürzt.
🎙️ Neue Stimmen für die verfluchte Bibliothek
Die Hauptrollen waren bereits gesetzt:
Rin Kataoka spricht Mifuyu, Sora Tamaki übernimmt Mashiro, dazu kommen unter anderem Nao Tōyama als Mifuyus Tante Hirune, Junichi Suwabe als ihr Vater Ayumu und Romi Park als Tamaki Mikura.
Jetzt wurden weitere Figuren nachbesetzt, die die Stadt noch dichter bevölkern:
- Shigeru Chiba (u. a. »Demon Slayer«, »Me & Roboco«) als Junichirō Kaname, eine schillernde Bücherautorität mit fragwürdiger Agenda.
- Ryōta Suzuki als Tanbi Che, ein Schöngeist, der Kunst und Realität gern verwechselt.
- Reina Ueda als Natsume Harada, deren Verbindung zur Bibliothek mehr ist als bloße Leseliebe.
- Tomokazu Seki als Osamu Kikuchida, ein Exzentriker mit Vergangenheit in Mikura Hall.
- Rie Takahashi als Shiori Haruta, die in den Verwicklungen des Fluchs womöglich mehr weiß, als sie zugibt.
Zusätzlich hat die Produktion in einem späteren Schwung noch weitere Nebenfiguren benannt (u. a. Kakihara, Hiroda, Takayama), was darauf hindeutet, dass der Film die Bibliothek und ihre Stadt eher als lebendes Ensemble denn als reinen Schauplatz behandelt
🎼 Musik, Team und der Charme des Buchfluchs
An der Tonspur arbeitete Michiru Ōshima, die schon bei »Fullmetal Alchemist« und diversen anderen Produktionen für emotionale Höhen und Tiefen zuständig war.
Der Titelsong „Share“ stammt von Sängerin YUKI (u. a. JUDY AND MARY), deren Musikvideo bereits vorab erschienen ist. Die Kombination aus nostalgischem Pop und leicht schief schimmernder Fantasy-Optik passt ziemlich gut zur Grundidee des Films: Bücher als gefährliche, aber unwiderstehliche Parallelwelt.
Regisseur Daiki Fukuoka bringt Erfahrung aus Serien wie »Danganronpa 3« und »Yuki Yuna is a Hero« mit, also aus Welten, in denen scheinbar harmlose Settings gern plötzlich kippen. Studio Kagokan / Kagome Company bleibt optisch eher klassisch, setzt aber auf viel Lichtmagie, aufbrechende Seiten und Übergänge, bei denen Figuren wortwörtlich in Bücher kippen.
🎬 Whoever Steals This Book – Official Trailer
Der offizielle Trailer zum Anime-Film „Whoever Steals This Book“ – verfluchte Bibliothek, magische Seiten, saucoole Buchmagie.
🌌 Warum dieser Film mehr ist als „Bücher sind toll, bitte lesen“
Das Setting schreit eigentlich nach pädagogischer Fallgrube: Bibliothek, Buchfluch, Heldin lernt, dass Lesen voll wichtig ist. Die bisherigen Ausschnitte deuten aber eher auf etwas anderes hin:
- Die Stadt wirkt nicht wie austauschbare Kulisse, sondern wie ein Ort, der sich organisch verzerrt, wenn die Geschichten außer Kontrolle geraten.
- Mifuyu hasst Bücher nicht aus Prinzip, sondern weil sie in einer Familie voller Sammler das schwarze Schaf ist, ein Konflikt, der sich im Fluch spiegelt.
- Die Beziehung zwischen Mifuyu und Mashiro hat in Roman und Manga einen spürbaren Yuri-Unterton, was in der Filmfassung vermutlich nicht völlig wegpoliert wird.
Wenn das Drehbuch diese Themen ernst nimmt, könnte »Whoever Steals This Book« so etwas wie das Anti-Kitsch-Gegenstück zu all den „Lesen ist magisch“-Filmen werden: Eine Geschichte, in der Bücher eher wie mächtige Artefakte funktionieren, die man besser nicht leichtfertig klaut.



