Werwulf: Ethel Cain singt für Robert Eggers‘ mittelalterlichen Albtraum
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🐺 Der Werwolf bekommt eine eigene Klanghölle
📰 Was ist los?
Robin Carolan hat den Soundtrack zu Robert Eggers‘ Werwulf komponiert. Die Musik verbindet historische Instrumente, experimentelle Klangbearbeitung und ungewöhnliche Geräuschquellen. Ethel Cain steuert mit Wynter Waxeth einen eigens entstandenen Song auf Mittelenglisch bei. Das Album erscheint digital im Dezember und auf Vinyl sowie CD im Januar.
🐛 Was denken wir?
Das klingt nach einer Filmmusik, die den Schauplatz nicht bloß begleitet, sondern ihn regelrecht erschafft. Gerade Eggers‘ Filme leben davon, dass historische Lebenswelten fremd, körperlich und verstörend erscheinen. Carolans Instrumentenexperimente passen hervorragend zu diesem Ansatz. Besonders gespannt sind wir auf Ethel Cain, deren düstere musikalische Ästhetik sich hier erstaunlich organisch einfügen könnte. Eine gesunde Portion Skepsis bleibt allerdings angebracht: Ungewöhnliche Geräuschquellen allein ergeben noch keinen großartigen Soundtrack. Entscheidend ist, ob daraus eine musikalisch überzeugende Dramaturgie entsteht. Pedro hat zur Einstimmung bereits eine Sense über den Gartenzaun gezogen. Die Nachbarn halten ihn seitdem endlich für den Kulturwurm, der er immer sein wollte.
Ein Werwolf geht im mittelalterlichen England um. Der Aberglaube regiert, die Wälder sind finster, und selbst die Musik scheint aus einer Zeit zu stammen, in der man hinter jedem knarrenden Baum einen Dämon vermutete. Für Robert Eggers‘ neuen Horrorfilm Werwulf hat Komponist Robin Carolan einen außergewöhnlichen Soundtrack geschaffen, auf dem auch Dark-Folk-Künstlerin Ethel Cain zu hören ist. Ihr eigens komponierter Song Wynter Waxeth wird auf Mittelenglisch gesungen. Sacred Bones Records bringt die Filmmusik am 29. Januar 2027 auf Vinyl und CD heraus.

🐺 Ein Mittelalter, das man hören kann
Robin Carolan ist für Robert Eggers längst ein vertrauter musikalischer Weggefährte. Bereits bei The Northman und Nosferatu arbeitete er mit dem Regisseur zusammen. Für Werwulf führt ihn seine Klangforschung nun ins England des frühen 14. Jahrhunderts.
Dabei geht Carolan weit über gewöhnliche historische Filmmusik hinaus. Drehleiern, Hackbretter und andere alte Instrumente werden mit ungewöhnlichen Spieltechniken und elektronischer Bearbeitung verfremdet.
Besonders bemerkenswert ist die Verwendung echter landwirtschaftlicher Werkzeuge als Schlaginstrumente. Äxte, Beile und Sensen wurden gegen Holz und Knochen geschlagen, während Glocken und Tonkrüge für fremdartige, langgezogene Klänge sorgten.
So entsteht eine Klangwelt, die das bäuerliche Leben des Mittelalters nicht romantisiert, sondern seine Härte, seine Ängste und seine allgegenwärtige Nähe zum Tod hörbar machen soll.
🩸 Ethel Cain beschwört den Winter
Eine besondere Rolle übernimmt Ethel Cain, deren Musik seit Jahren zwischen Southern Gothic, Dark Ambient, Folk und verstörender Intimität pendelt.
Für Werwulf steuert sie den Song Wynter Waxeth bei, der gemeinsam mit Carolan entstand. Das über sechsminütige Stück wird vollständig auf Mittelenglisch gesungen.
Ursprünglich war lediglich geplant, Cains Stimme als atmosphärisches Element in den Soundtrack einzubinden. Daraus entwickelte sich schließlich ein eigenständiges Lied.
Robert Eggers half der Sängerin persönlich bei der historischen Aussprache. Die Verbindung aus mittelalterlicher Sprache und Cains düsterer musikalischer Handschrift dürfte zu den interessantesten Bestandteilen des Albums gehören. Auf dem Soundtrack erscheint zudem eine kürzere Fassung unter dem Titel Wynter Waxeth I.
🕯️ Von Geisterstreichern und unheimlichen Ritualen
Carolan experimentierte außerdem mit einem Streichquintett, dessen Aufnahmen elektronisch verfremdet wurden, bis die Instrumente beinahe geisterhaft klangen. Unterstützung erhielt er unter anderem von Violinist Daniel Pioro, der auf mittelalterliche Musik spezialisierten Laura Cannell, Jack Bevan von Foals und der polnischen Sängerin Antonina Nowacka.
Auch ungewöhnliche Inspirationsquellen flossen ein. Dazu gehören historische Darstellungen von Werwölfen, mittelalterliche Graffiti und die Musik des japanischen Komponisten Tōru Takemitsu.
Es geht offenbar nicht darum, eine möglichst authentische Mittelalterkulisse zu rekonstruieren. Die Musik soll vielmehr hörbar machen, wie eine Gesellschaft klingt, deren Weltbild von Religion, Aberglauben und der Furcht vor dem Unbekannten bestimmt wird.
🎬 Robert Eggers lässt den Werwolf los
Werwulf spielt im England des frühen 14. Jahrhunderts. Ein stummer Bauer versucht, mit seiner Familie ein bescheidenes Leben zu führen. Doch bei jedem Vollmond verwandelt ihn ein Fluch in eine mörderische Bestie.
Als eine königliche Jagdgesellschaft eintrifft, um die Wölfe der Region auszurotten, gerät der Mann in einen verzweifelten Konflikt zwischen seiner menschlichen Existenz und dem Monster in seinem Inneren.
Aaron Taylor-Johnson übernimmt die Hauptrolle. An seiner Seite spielen Lily-Rose Depp, Willem Dafoe und Ralph Ineson. Das Drehbuch schrieb Eggers gemeinsam mit dem isländischen Autor Sjón.
Nach Hexenglauben, nordischen Sagen und Vampirmythologie widmet sich Eggers damit einer weiteren klassischen Schreckgestalt. Und nach allem, was über die Produktion bekannt ist, dürfte dieser Werwolf deutlich weniger romantisch ausfallen als seine zahlreichen Artgenossen im modernen Fantasykino.
💿 Wann erscheint der Werwulf-Soundtrack?
Werwulf (Original Motion Picture Soundtrack) umfasst 37 Stücke und erscheint am 18. Dezember 2026 digital über Back Lot Music.
Am 29. Januar 2027 folgen die physischen Ausgaben bei Sacred Bones Records, darunter eine Doppel-LP in mehreren Farbvarianten sowie eine CD-Ausgabe. Die Vorbestellungen sind bereits angelaufen. Der Film startet am 25. Dezember 2026 in den US-Kinos. In Deutschland folgt die Premiere am 7. Januar 2027.
Besonders reizvoll erscheint uns, wie konsequent Carolan und Eggers ihre gemeinsame Vorstellung einer grausamen, abergläubischen Vergangenheit weiterentwickeln. Statt mittelalterliche Klänge lediglich dekorativ einzusetzen, scheinen sie hier selbst zum Bestandteil des Schreckens zu werden.
Denn wer sagt eigentlich, dass ein Werwolf heulen muss, um gehört zu werden? Manchmal genügt schon eine Sense, die über Knochen schabt.





