Weltweite Zeitänderung ab 2027: Wo bleiben unsere 27 Sekunden und wer verdient daran?
🧐 Im Fantasykosmos suchen
Die Weltzeit wird reformiert, die Schaltsekunde abgeschafft und Millionen Menschen erfahren davon erst aus der Zeitung. Ab Mai 2027 gelten neue internationale Zeitregeln. Offiziell soll die Änderung technische Probleme verhindern. Doch der Arkane Moosverhetzer ist auf eine weit beunruhigendere Frage gestoßen: Was geschieht mit den 27 Sekunden, die seit 1972 zusätzlich in die Weltzeit eingefügt wurden? In den Zwischenreichen ist bereits ein gigantischer Handel mit Sekunden, Minuten und illegal verlängerten Mittagspausen aufgeflogen.

⏰ Weltweite Zeitänderung: Das Ende der Schaltsekunde
Die internationale Generalkonferenz für Maß und Gewicht hat beschlossen, die bisherige Praxis der Schaltsekunden ab dem 20. Mai 2027 zu beenden. Hintergrund sind Schwierigkeiten, die solche gelegentlichen Zeitkorrekturen bei Computern, Netzwerken und anderen technischen Systemen verursachen können.
Künftig dürfen die astronomische Zeit und die Atomzeit deutlich stärker voneinander abweichen. Im Alltag wird davon zunächst kaum jemand etwas bemerken.
In der Koboldrepublik Knattermoor reagierte man dennoch mit Entsetzen. Dort hatte das königliche Zeitministerium über Jahrzehnte hinweg sämtliche 27 zusätzlichen Sekunden gesammelt und als strategische Zeitreserve in einem gut gesicherten Keller verwahrt. Bei einer außerordentlichen Prüfung stellte sich nun heraus, dass der Keller leer ist.
💰 Sekunden offenbar an wohlhabende Bürger verkauft
Nach Erkenntnissen des Arkanen Moosverhetzers sollen führende Beamte des Zeitministeriums die zusätzlichen Sekunden bereits vor Jahren auf dem Schwarzmarkt verkauft haben.
Besonders gefragt waren die kostbaren Zeitstücke bei Politikern, unpünktlichen Ehemännern und Fußballtrainern, deren Mannschaften in der Nachspielzeit zurücklagen.
Ein wohlhabender Baron aus Nimmermark erwarb beispielsweise drei Sekunden für 140.000 Goldstücke. Er nutzte sie, um bei einer öffentlichen Hinrichtung eines notorischen Untoten rechtzeitig zu erscheinen, nachdem er den Termin beinahe verschlafen hatte.
Der zuständige Staatsanwalt prüft inzwischen, ob die Hinrichtung wegen Zeitüberschreitung abermals wiederholt werden muss.
🧙 Zeitmagier verkaufen illegale Überstunden
Auch die magische Unterwelt hat das Geschäft entdeckt. In mehreren Städten bieten sogenannte Chronomanten inzwischen zusätzliche Lebenszeit in handlichen Glasfläschchen an.
Ein Fläschchen enthält angeblich fünf Minuten, kostet 80 Goldstücke und soll bei Bedarf einfach entkorkt werden. Bei einer Razzia stellte sich allerdings heraus, dass die meisten Behälter lediglich alte Luft aus einer Bahnhofshalle enthielten.
Besonders dreist agierte ein Magier aus Varanthis, der einem 93-jährigen Zwerg weitere 40 Lebensjahre versprach. Nach Zahlung des Kaufpreises stellte der Kunde fest, dass er lediglich um 40 Jahre gealtert war. Der Magier verwies auf das Kleingedruckte. Von einer Verlängerung in die richtige Richtung sei nie die Rede gewesen.
🐉 Drachen fordern Nachzahlung für 2.000 Jahre Wartezeit
Die größten Ansprüche erhebt inzwischen der königliche Drachenverband. Seine Mitglieder argumentieren, dass sie während ihrer jahrtausendelangen Lebensspanne zwangsläufig erhebliche Zeitverluste erlitten hätten.
Ein 2.400 Jahre alter Feuerdrache aus Eisenfels stellte dem Zeitministerium deshalb eine Rechnung über 18 Monate entgangener Freizeit aus. Zur Begründung verwies er auf verspätete Sonnenaufgänge, ungenau gehende Kirchturmuhren und insgesamt 73 Geburtstage, die auf einen Montag gefallen waren.
Das Finanzministerium lehnte die Forderung ab.
Der Drache antwortete mit einer einstündigen Feuerdemonstration vor dem Regierungsgebäude. Die Beamten bewerteten den Vorfall als unangemeldete Wärmeversorgung und schickten ihm einen Gebührenbescheid.
🏛️ Knattermoor führt die amtliche Sekundensteuer ein
Um die fehlenden Zeitreserven zu ersetzen, hat die Regierung inzwischen eine neue Abgabe beschlossen. Ab Januar muss jeder Bürger für sämtliche Sekunden bezahlen, die er ohne nachweisbaren wirtschaftlichen Nutzen verbringt.
Besonders betroffen sind Rentner, schlafende Menschen und Beamte während der Mittagspause.
Für das Warten beim Arzt, auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf einen Termin beim Bürgeramt gelten Sonderregelungen. Hier wird die Steuer direkt von den zuständigen Behörden eingezogen, weil die Bürger nach Auffassung des Finanzministers schließlich freiwillig warten.
Ein Rentner aus Knattermoor erhielt bereits einen Steuerbescheid über 19.000 Goldstücke. Er hatte an einem verregneten Sonntag drei Stunden lang aus dem Fenster geschaut. Der Mann legte Widerspruch ein. Die Bearbeitung dauert voraussichtlich 14 Monate. Die dafür anfallende Wartezeit ist steuerpflichtig.
👑 Regierung will Zeit künftig selbst herstellen
Inzwischen arbeitet das königliche Wissenschaftsministerium an einer technischen Lösung. In einer geheimen Versuchsanlage sollen neue Sekunden künstlich produziert werden.
Dazu wurden 400 Sanduhren miteinander verbunden und mit besonders feinem Wüstensand befüllt. Nach 17 Tagen gelang es den Forschern tatsächlich, eine zusätzliche Stunde zu erzeugen.
Allerdings stellte sich heraus, dass diese Stunde bereits am vergangenen Donnerstag stattgefunden hatte. Das Experiment wurde dennoch als Erfolg gewertet. Der Forschungsleiter erhielt einen Orden, vier Wochen Sonderurlaub und eine neue Sanduhr.
⚰️ Der Tod erhebt Einspruch gegen die Zeitreform
Eine unerwartete Wendung nahm die Affäre, als sich der Tod persönlich an die Regierung wandte.
Er verwies darauf, dass seine gesamte Terminplanung auf einer verlässlichen Zeitrechnung beruhe. Sollte künftig jeder nach Belieben mit zusätzlichen Stunden, fehlenden Sekunden oder rückwirkend erzeugten Donnerstagen hantieren, sei eine ordnungsgemäße Abwicklung des Sterbegeschehens nicht mehr gewährleistet.
Der Finanzminister versprach eine schnelle Lösung und berief eine Krisensitzung für 14 Uhr ein. Wegen eines Fehlers in der neuen Zeiterfassungsanlage begann sie allerdings bereits um 13:59:59 Uhr.
Der Minister erschien eine Sekunde zu spät und wurde wegen unentschuldigten Fernbleibens abgesetzt.
Die Regierung hat daraufhin beschlossen, die Zeit bis auf Weiteres anzuhalten.
Der entsprechende Erlass trat um Mitternacht in Kraft.
Seitdem ist in Knattermoor offiziell immer noch gestern.
Das Finanzamt arbeitet natürlich trotzdem weiter.





