Verdrängen war einfacher: We Pretend macht Erinnerungen zum Horror und öffnet seine Demo
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Erinnern auf eigene Gefahr
📰 Was ist los?
Die kostenlose Demo von We Pretend ist jetzt auf Steam verfügbar. Das PS1-inspirierte Horrorspiel führt durch verzerrte Erinnerungsräume, in denen Schuld, Angst und lokale Folklore zunehmend physische Form annehmen.
🐛 Was denken wir?
Der clevere Punkt ist das Elation-System: Mehr Wahrheit bedeutet mehr Wege, aber eben auch mehr Gefahr. Genau so sollte psychologischer Horror funktionieren – Erkenntnis ist hilfreich, bis sie anfängt zurückzuschauen.
Manche Horrorspiele schicken Monster durch dunkle Korridore. We Pretend macht etwas deutlich Unangenehmeres und schickt uns durch Orte, die eigentlich vertraut sein sollten.

Die kostenlose Demo des psychologischen Horrorspiels von EndSky Studio ist jetzt auf Steam verfügbar. Im Zentrum steht Minufuri, der in einem Zwischenraum namens Shrouded Shack erwacht und von dort aus durch Türen in seine eigenen verdrängten Erinnerungen geschickt wird. Schule, Straße, Zuhause – alles wirkt bekannt, aber nichts bleibt so, wie es einmal gewesen sein soll.
🚪 Jede Tür führt tiefer zurück
Der Shrouded Shack dient als Hub zwischen den einzelnen Erinnerungsräumen. Dort spricht Minufuri mit verlorenen Seelen, untersucht gefundene Gegenstände und entscheidet, welche Erinnerung als Nächstes betreten wird. Die Struktur wirkt dadurch fast wie ein mentaler Dungeon-Crawler, nur dass hinter der nächsten Tür kein Schatzraum wartet, sondern meistens etwas, das Minufuri lieber vergessen hätte.
Die einzelnen Räume sind emotionale Rekonstruktionen seiner Vergangenheit. Eine Schule kann durch Angst verzerrt werden, ein Zuhause durch Schuld, ein scheinbar gewöhnlicher Straßenzug durch Gerüchte oder verdrängte Erfahrungen. Genau deshalb funktioniert der PS1-Look hier besonders gut: Die groben Modelle, festen Kamerawinkel und körnigen Texturen wirken nicht wie Retro-Schmuck, sondern wie Erinnerungen, die nur noch halb korrekt zusammengesetzt sind.
🕯️ Elation belohnt Neugier – und bestraft sie gleich mit
Das interessanteste System ist Elation. Emotionen und Erinnerungen werden dabei zu physischen Objekten, die versteckte Wege öffnen, zusätzliche Informationen freilegen und alternative Routen ermöglichen können. Gleichzeitig verändern sie Begegnungen und machen die Umgebung gefährlicher.
Damit wird aus Exploration eine bewusste Risikoentscheidung. Wer tiefer graben will, bekommt mehr Wahrheit, erhöht aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Erinnerung selbst aggressiver reagiert. Das ist ein ziemlich eleganter Weg, psychologischen Horror spielmechanisch umzusetzen, statt ihn nur über Tagebücher und bedrückende Musik zu erzählen.
🌫️ Zaoyamada Riku hat eigene Geister im Keller
Auch das Worldbuilding geht über persönliche Erinnerungen hinaus. Die Stadt Zaoyamada Riku besitzt eigene Folklore rund um die Fox Ancestors, die Triad Clans, das Akagiri no Mamorisai Festival und ein rätselhaftes Ereignis namens Red Winter. Diese Elemente verbinden Minufuris persönliche Geschichte mit einer größeren lokalen Mythologie.
Gerade das hebt We Pretend von vielen Retro-Horrorspielen ab. Es kopiert nicht nur alte Kamerawinkel und Low-Poly-Korridore, sondern baut daraus eine eigene Welt mit kulturellen und folkloristischen Schichten. Dadurch kann der Horror zugleich sehr persönlich und deutlich größer als Minufuris individuelles Trauma werden.
👁️ Der Observer schaut offenbar nicht nur zu
Im Shrouded Shack wartet der Observer, eine rätselhafte Figur, die Minufuris Reise begleitet, Fragen stellt und seine Fortschritte beobachtet. Steam beschreibt ihn bewusst mehrdeutig; ob er Helfer, Wächter oder etwas deutlich Unangenehmeres ist, bleibt offen.
Diese Unsicherheit passt gut zum gesamten Spielprinzip. We Pretend scheint wenig Interesse daran zu haben, dem Spieler früh eine sichere Interpretation zu geben. Stattdessen entstehen Wahrheit und Bedeutung Stück für Stück aus Gegenständen, Erinnerungen und der Frage, wie viel davon Minufuri überhaupt noch ertragen kann.
🧩 Mehrere Enden für unterschiedliche Wahrheiten
Die Entscheidungen haben offenbar echte Konsequenzen. Steam bestätigt mehrere Enden und geheime Routen, die davon abhängen, welche Erinnerungen aufgedeckt, welche Objekte gefunden und welche Wahrheiten konfrontiert werden.
Das passt thematisch hervorragend. Wenn ein Spiel von Verdrängung handelt, wäre ein einziger sauberer Lösungsweg fast widersprüchlich. Hier scheint die Frage eher zu lauten, welche Wahrheit Minufuri am Ende überhaupt akzeptieren kann – und ob Akzeptanz zwingend dasselbe ist wie Erlösung.
🎮 Die Demo ist jetzt spielbar
Genau deshalb ist der heutige Demo-Start mehr als nur ein kleines Servicehäppchen. We Pretend lebt von Atmosphäre, Kameraführung, Sounddesign und der Wirkung seiner Erinnerungsräume – also von Dingen, die sich in Screenshots nur begrenzt beurteilen lassen. Die kostenlose Demo gibt nun erstmals die Möglichkeit, dieses System selbst auszuprobieren.
Und wenn schon das Erinnern selbst gefährlich wird, ist kostenloses Ausprobieren vermutlich die vernünftigste Art, damit anzufangen.





