Zauber statt Würfel: Warlock: Dungeons & Dragons macht Darkon zum magischen Experimentierfeld
🧐 Im Fantasykosmos suchen

Magie wird zum eigentlichen Werkzeugkasten
📰 Was ist los?
Wizards of the Coast und Invoke Studios haben erstmals rund acht Minuten Gameplay aus Warlock: Dungeons & Dragons gezeigt. Kaatri verbindet Nahkampf mit systemischer Magie, während Tasha als ihre Patronin auftritt und ihr Zugang zur Raw Magic von Darkon verschafft. Das Spiel erscheint 2027 für PS5, Xbox Series X|S und PC.
🐛 Was denken wir?
Der stärkste Ansatz liegt in der Verbindung von Kampf und Erkundung. Wenn dieselben Zauber Gegner, Umwelt, Wege und Wetter wirklich flexibel beeinflussen können, wäre das eine interessante Actionspiel-Antwort auf jene kreative Freiheit, die Dungeons & Dragons am Spieltisch auszeichnet.
🌑 Zauber statt Würfel: Warlock: Dungeons & Dragons macht Darkon zum magischen Experimentierfeld
Ein Feuerball ist in Rollenspielen normalerweise eine ziemlich klare Angelegenheit: auswählen, zielen, irgendetwas anzünden. Warlock: Dungeons & Dragons möchte Magie deutlich weniger höflich behandeln. Ein Zauber soll hier gleichzeitig Waffe, Werkzeug, Schlüssel und Gelegenheit sein, die Regeln einer Situation ein wenig zu verbiegen.

Wizards of the Coast und Invoke Studios haben auf der gamescom erstmals ausführliches Gameplay aus dem für 2027 geplanten Third-Person-Abenteuer gezeigt. Rund acht Minuten lang lässt sich beobachten, wie Kaatri durch Darkon zieht, Magie mit Nahkampf verbindet und ihre Umgebung nicht lediglich durchquert, sondern aktiv manipuliert.
Das Spiel war bereits Ende 2025 angekündigt worden. Damals blieb es bei einem ersten Blick auf seine Dark-Fantasy-Welt und dem Versprechen, Zauber wesentlich freier einzusetzen als in vielen gewöhnlichen Action-RPGs. Jetzt lässt sich erstmals erkennen, was Invoke damit tatsächlich meint.
🪄 Ein Zauber ist hier mehr als eine Schadenszahl
Kaatri beginnt ihre Reise nicht als klassische Zauberin. Sie ist eine erfahrene Waffenmeisterin, die einen Pakt eingeht und dadurch Zugriff auf andersweltliche Kräfte erhält. Entsprechend versucht das Kampfsystem gar nicht erst, Schwert und Magie voneinander zu trennen.
Im neuen Gameplay schweben Gegner plötzlich über dem Boden, werden durch Zauber in ungünstige Positionen gebracht oder anschließend mit Waffenangriffen bearbeitet. Kaatri kann magische Effekte miteinander verketten und den Moment nutzen, in dem die Umgebung oder ein Gegner dadurch eine neue Möglichkeit eröffnet. Bekannte D&D-Zauber wie Eldritch Blast, Levitate, Black Tentacles und Gust of Wind gehören zu den Fähigkeiten, die bereits demonstriert wurden.
Entscheidend ist allerdings, dass diese Magie außerhalb des Kampfes nicht abgeschaltet wird. Zauber verändern Wege, helfen bei der Erkundung und können Umweltbedingungen manipulieren. Invoke spricht von einem systemischen Ansatz, bei dem Beobachtung und Experimentieren neue Lösungen hervorbringen sollen, statt für jedes Hindernis genau eine vorgesehene Taste anzubieten.
🎬 Acht Minuten Magie, Monster und Darkon
Der erste ausführliche Gameplay-Reveal zeigt, wie Kaatri Schwertkampf und Zauber kombiniert und die Welt von Darkon selbst zum Teil ihres magischen Arsenals macht.
⚡ Selbst das Wetter kann zur Waffe werden
Besonders deutlich wird dieser Gedanke bei den Wechselwirkungen mit der Welt. Kaatri kann nicht nur Gegner bewegen oder Objekte beeinflussen, sondern laut Wizards auch Wetterbedingungen in taktische Vorteile verwandeln.
Damit nähert sich Warlock zumindest konzeptionell einem der reizvollsten Aspekte des eigentlichen Pen-&-Paper-Spiels. Dungeons & Dragons lebt schließlich nicht davon, dass ein Spieler immer jene Lösung findet, die ein Entwickler vorher in ein Menü geschrieben hat. Es lebt davon, dass jemand einen Zauber ansieht und plötzlich fragt, ob man damit nicht etwas vollkommen anderes anstellen könnte.
Ein Actionspiel kann diese Freiheit natürlich nie vollständig reproduzieren. Invoke versucht aber offenbar, möglichst viele Systeme so miteinander reagieren zu lassen, dass zumindest ein Teil dieses Gefühls entsteht. Wenn das funktioniert, dürfte sich die Qualität von Warlock weniger daran messen lassen, wie spektakulär ein einzelner Zauber aussieht, sondern daran, wie oft Spieler selbst auf eine Kombination kommen, die sie vorher nicht erwartet hatten.
🧙 Tasha sitzt auf der anderen Seite des Pakts
Die Quelle dieser Macht ist eine Figur, die D&D-Spieler sehr gut kennen. Tasha übernimmt die Rolle von Kaatris Patronin und wird von Maggie Robertson gespielt. Sie ist damit keine Gastfigur, die irgendwo eine Quest verteilt, sondern direkt an das zentrale Warlock-Prinzip gebunden: Kaatri besitzt ihre Kräfte, weil zwischen beiden ein Pakt besteht.
Tasha bringt ihr bei, sogenannte Raw Magic aufzuspüren, die überall in Darkon verborgen liegt. Diese rohe Magie erweitert und verändert Kaatris Fähigkeiten und wird damit zugleich Teil der Charakterentwicklung. In Entwicklergesprächen wurde außerdem bestätigt, dass Spieler Zauber an die eigene Spielweise anpassen können.
Das Verhältnis zwischen Patron und Warlock dürfte erzählerisch mindestens ebenso wichtig werden wie das eigentliche Skill-System. In D&D ist solche Macht schließlich selten ein unverbindliches Geschenk. Wer seine Zauber von einer der berühmtesten und gefährlichsten Magierinnen des gesamten Settings bezieht, sollte vermutlich zumindest das Kleingedruckte lesen.
🌫️ Darkon ist nicht Faerûn
Auch beim Schauplatz geht Invoke einen interessanten Weg. Warlock spielt nicht in den inzwischen sehr vertrauten Forgotten Realms rund um Baldur’s Gate, Neverwinter oder die Schwertküste. Stattdessen führt die Reise nach Darkon, eine der Domains of Dread.
Damit landet Kaatri in jenem Teil des D&D-Kosmos, der eng mit Ravenloft verbunden ist. Die Domains of Dread sind düstere, häufig isolierte Reiche, die von Nebel umschlossen werden und normalerweise unter der Herrschaft eines sogenannten Dark Lords stehen. In Darkon fehlt dieser Herrscher allerdings: Er soll entkommen sein, und das Land befindet sich dadurch in einem gefährlichen Schwebezustand.
Kaatri betritt dieses Reich freiwillig, weil sie nach einer Person sucht, die ihr viel bedeutet. Begleitet wird sie von Skev, einem kleinen Imp und Einheimischen Darkons, der ihr nicht nur Hintergrundwissen liefert, sondern auch praktische Funktionen während der Erkundung übernehmen soll.
Das gibt der offenen Welt bereits einen klareren Charakter als die übliche Ansammlung hübscher Fantasy-Biome. Darkon ist ein Reich, dessen grundlegende Ordnung beschädigt ist und Kaatri läuft ausgerechnet hinein, während die meisten vernünftigen Bewohner eher über die Gegenrichtung nachdenken dürften.
⚔️ Keine Würfelsimulation mit Actionkamera
Invoke macht gleichzeitig deutlich, dass Warlock keine direkte Simulation des Tabletop-Regelwerks werden soll. Die D&D-Grundlage steckt in Welt, Figuren, Zaubern und Lore, während das eigentliche Spiel als modernes Third-Person-Action-Adventure funktioniert.
Das ist wahrscheinlich die vernünftigere Entscheidung. Nach Baldur’s Gate 3 wäre jeder Versuch, dieselbe Freiheit über ein anderes Kampfsystem einfach zu kopieren, zwangsläufig an einem riesigen Vergleich gemessen worden. Warlock sucht stattdessen eine eigene Übersetzung: Echtzeitkämpfe, offene Erkundung und ein Magiesystem, das möglichst viele Reaktionen zwischen seinen einzelnen Bestandteilen zulässt.
Kaatri kann dabei neue Zauber, Ausrüstung und Talismane finden, Raw Magic aufspüren und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln. Gleichzeitig bleibt ihre Identität als erfahrene Waffenmeisterin erhalten, sodass der Kampf bewusst zwischen körperlicher und magischer Gewalt wechselt.
🎮 2027 muss das Experiment beweisen, wie frei es wirklich ist
Warlock: Dungeons & Dragons erscheint 2027 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC. Einen konkreten Termin haben Wizards und Invoke weiterhin nicht genannt.
Die acht Minuten Gameplay reichen aber aus, um das Projekt deutlich besser einzuordnen als nach seinem ersten Teaser. Das auffälligste Merkmal ist nicht Tasha, nicht die offene Welt und auch nicht die prominente Besetzung. Es ist der Versuch, aus Magie ein System zu machen, mit dem Spieler Probleme auf unterschiedliche Weise auseinandernehmen können.
Und genau dort wird Warlock irgendwann seinen Test bestehen müssen. Wenn ein Zauber nur das tut, was auf seinem Symbol steht, hätte man schließlich auch einfach würfeln können.







