Warhammer 40.000: Mike Flanagan steht vor dem Everest der Fantasyverfilmungen
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🦅 Siebenhundert Bücher, ein Drehbuch
📰 Was ist los?
Mike Flanagan bezeichnet Amazons Warhammer 40.000 als seine bislang schwierigste Adaption. Die gewaltige Hintergrundgeschichte erschwert einen verständlichen Serieneinstieg. Erste Handlungsentwürfe existieren bereits, Henry Cavill bleibt beteiligt.
🐛 Was denken wir?
Wer Warhammer verfilmen möchte, muss zuerst entscheiden, welchen winzigen Ausschnitt dieser gigantischen Welt er überhaupt erzählen will. Flanagans Respekt vor der Aufgabe ist ein gutes Zeichen. Pedro hat sich vorgenommen, sämtliche Romane vor Drehbeginn zu lesen. Seine Rückkehr wird frühestens im 42. Jahrtausend erwartet.
Ein Imperium aus einer Million Welten. Jahrtausende voller Kriege. Dämonische Götter, außerirdische Zivilisationen, Space Marines und eine Menschheit, die ihren eigenen Untergang mit bemerkenswerter Gründlichkeit organisiert. Mike Flanagan hat sich für Amazons Warhammer 40.000-Adaption eine Aufgabe vorgenommen, die selbst den erfahrenen Horrorregisseur ins Grübeln bringt. In einem Interview beschreibt er die schiere Größe des Universums als seine bislang größte Herausforderung. Denn ausgerechnet das, was Warhammer so faszinierend macht, könnte für eine Fernsehserie zum Problem werden: Wo zum Imperator soll man anfangen?

🌌 Siebenhundert Romane und kein einfacher Anfang
Mike Flanagan kennt sich mit schwierigen Literaturverfilmungen aus. Mit Doctor Sleep, The Haunting of Hill House und The Fall of the House of Usher hat er bewiesen, dass sich komplexe Vorlagen in eigenständige Film- und Seriengeschichten übersetzen lassen.
Doch Warhammer 40.000 spielt in einer anderen Größenordnung. Hunderte Romane, unzählige Figuren und eine fiktive Geschichte, die sich über Jahrtausende erstreckt, bilden das Fundament des düsteren Science-Fantasy-Universums.
Im Gespräch über seine aktuellen Projekte erklärte Flanagan, dass er die Arbeit daran als seinen persönlichen Everest unter den Adaptionen empfindet. Das eigentliche Problem ist nicht der Mangel an Geschichten. Es sind viel zu viele.
Denn eine erfolgreiche Serie muss zwei Dinge gleichzeitig leisten: Neulingen einen verständlichen Zugang eröffnen und langjährige Warhammer-Fans mit einer glaubwürdigen Darstellung ihrer Welt überzeugen.
📖 Warum Stephen Kings Dunkler Turm einfacher ist
Flanagan verglich die Herausforderung mit einem weiteren seiner großen Projekte: der geplanten Verfilmung von Stephen Kings Der Dunkle Turm.
Dort existiert trotz der komplexen Mythologie ein klarer erzählerischer Ausgangspunkt. Ein Revolvermann verfolgt einen Mann in Schwarz durch die Wüste. Von dieser zunächst überschaubaren Situation aus entfaltet sich Schritt für Schritt eine gewaltige Geschichte.
Bei Warhammer 40.000 gibt es diesen einen selbstverständlichen Anfang nicht.
Soll die Serie einem Inquisitor folgen, der eine Verschwörung untersucht? Einem einfachen Soldaten, der die Schrecken eines imperialen Feldzuges erlebt? Oder einem Space Marine, dessen Krieg gegen die Feinde der Menschheit die Ausmaße einer religiösen Apokalypse annimmt?
Jede dieser Perspektiven würde ein völlig anderes Bild des Warhammer-Universums vermitteln. Flanagan hat bislang nicht verraten, welchen Zugang er tatsächlich gewählt hat.
🩸 Ein Horrorregisseur im finsteren 41. Jahrtausend
Gerade seine Erfahrung mit Horrorstoffen macht Flanagan zu einer interessanten Wahl. Warhammer 40.000 wird zwar häufig mit gigantischen Schlachten und schwer gepanzerten Supersoldaten verbunden. Doch hinter dieser militärischen Oberfläche liegt eine Welt, die geradezu von Horror durchdrungen ist.
Menschen verschwinden in den gigantischen Fabrikstädten des Imperiums. Religiöser Fanatismus bestimmt den Alltag. Der Warp, eine Dimension jenseits der gewöhnlichen Wirklichkeit, beherbergt dämonische Mächte, die menschliche Ängste und Begierden ausnutzen.
Eine Geschichte über einzelne Menschen in dieser Welt könnte ebenso beklemmend sein wie eine gigantische Weltraumschlacht.
Flanagans Stärke liegt darin, übernatürlichen Schrecken mit persönlichen Konflikten zu verbinden. Das hat er insbesondere in Midnight Mass und The Haunting of Hill House gezeigt.
Ob Amazons Adaption tatsächlich stärker in Richtung Horror geht, ist allerdings noch unbekannt. Die Möglichkeit ist reizvoll. Eine bestätigte Entscheidung ist sie nicht.
⚔️ Henry Cavill bleibt an Bord
Die Zusammenarbeit zwischen Amazon MGM Studios und Games Workshop wurde im Dezember 2024 endgültig vereinbart. Henry Cavill, selbst ein begeisterter Warhammer-Spieler, ist weiterhin als Hauptdarsteller und ausführender Produzent beteiligt.
Auch Flanagans Mitarbeit ist inzwischen offiziell bestätigt. Games Workshop erklärte in seinem Geschäftsbericht, dass erste Handlungsentwürfe bereits vorliegen und die Arbeit an den Drehbüchern folgen soll. Neben Flanagan und Cavill sind unter anderem United Artists und Vertigo Entertainment an der Entwicklung beteiligt.
Welche Figur Cavill verkörpern wird, ist nach wie vor geheim.
Damit bleiben die wichtigsten Fragen offen: In welcher Epoche spielt die Geschichte? Welche Fraktion steht im Mittelpunkt? Und wie viel Vorwissen wird die Serie voraussetzen?
🎬 Mehrere Warhammer-Projekte für Amazon
Die geplante Realverfilmung ist nicht Amazons einziges Projekt aus dem Universum von Games Workshop. Parallel entsteht eine animierte Warhammer 40.000-Serie über die Deathwatch, eine Eliteeinheit von Space Marines, die auf die Bekämpfung außerirdischer Bedrohungen spezialisiert ist.
Dieses Projekt wird von Blur Studio entwickelt. John Orloff arbeitet am Drehbuch, während Dave Wilson die kreative Umsetzung mitgestaltet. Henry Cavill ist auch hier als ausführender Produzent beteiligt.
Die Animationsserie ist ein eigenständiges Projekt und darf nicht mit Flanagans Realverfilmung verwechselt werden. Einen bestätigten Starttermin für die Realserie gibt es bislang nicht. Games Workshop hat bereits darauf hingewiesen, dass die Entwicklung seiner Film- und Fernsehprojekte mehrere Jahre beanspruchen kann.
🦅 Die richtige Geschichte im falschen Jahrtausend?
Flanagans Aussagen verraten noch nichts über die eigentliche Handlung. Sie zeigen aber, dass ihm die besondere Schwierigkeit dieser Adaption bewusst ist.
Die größte Gefahr wäre, ein gewaltiges Universum gleichzeitig erklären und inszenieren zu wollen. Wer die Geschichte des Imperiums, sämtliche Chaosgötter, alle großen Fraktionen und zehntausend Jahre Vorgeschichte in wenigen Folgen unterbringen möchte, dürfte vor allem eines produzieren: überforderte Zuschauer.
Ein persönlicher Blick auf einen kleinen Ausschnitt dieser Welt könnte dagegen die Grundlage für etwas wesentlich Größeres schaffen. Vielleicht beginnt die Zukunft von Warhammer 40.000 auf dem Bildschirm deshalb gar nicht mit einer galaktischen Schlacht.
Vielleicht reicht ein einzelner Mensch, der im falschen Moment eine Tür öffnet. Im finsteren 41. Jahrtausend ist das schließlich oft schon der Anfang vom Ende.



