Krieg der Welten, Sieg der Verwüstung

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Krieg der Welten, Sieg der Verwüstung

Warum der große Razzie-Sieger 2026 als Monument des Misslingens eigentlich gefeiert werden müsste.

Während Hollywood sich wieder in Oscar-Würde, Betroffenheitsglanz und gebügelter Selbstbedeutung sonnt, hat ein anderer Film das deutlich unbeliebtere Kunststück vollbracht: War of the Worlds ist nicht einfach gescheitert, sondern mit beinahe aristokratischer Konsequenz in gleich fünf Razzie-Kategorien verunglückt — darunter Worst Picture, Worst Actor für Ice Cube, Worst Director für Rich Lee, Worst Screenplay und Worst Prequel, Remake, Rip-Off or Sequel. Andere Filme stolpern. Dieser hier marschiert mit donnernden Fanfaren in den Abgrund.

Düstere Fantasy-Thronsaal-Szene: Ein gepanzerter futuristischer Kriegsherr mit Himbeerkrone und rotem Umhang steht zwischen rauchenden Bildschirmen, Papieren, Trümmern und Miniatur-Hochhäusern wie der gekrönte Herrscher eines gescheiterten Science-Fiction-Reichs.

Die wahre Krönung der Awards-Saison

Es gibt schlechte Filme. Es gibt sehr schlechte Filme. Und dann gibt es jene seltenen Werke, die das Misslingen nicht nur auf eine hohe Ebene verlegen und es gleichzeitig organisieren. Filme, die nicht zufällig danebenschlagen, sondern sich mit der majestätischen Selbstsicherheit eines verirrten Feldherrn gleich durch mehrere Katastrophengebiete bewegen, ohne auch nur einen Moment lang an ihrer eigenen Größe zu zweifeln.

War of the Worlds gehört offenkundig in diese höhere Sphäre der Fehlleistung. Die Razzies 2026 haben das mit einer geradezu rührenden Klarheit anerkannt: fünf Himbeeren, fast ein Durchmarsch, eine Art Anti-Oscar im Modus des schwer gepanzerten Selbstmords. So etwas schafft man nicht mit bloßer Mittelmäßigkeit. Dafür braucht es Vision. Oder wenigstens deren bösartig verformten Schatten.

Ein verfluchtes Artefakt der Popkultur

Wir lehnen es selbstverständlich ab, diesen Film nur als Flop zu behandeln. Das wäre kleinlich. War of the Worlds ist vielmehr ein verfluchtes Artefakt, eine dunkle Reliquie aus dem Kellergewölbe einer Industrie, die sich seit Jahren einredet, man könne bekannte Titel, algorithmische Verwertungslogik und Restprominenz so oft zusammenschrauben, bis daraus erneut Bedeutung entsteht.

In einer irgendwie nachvollziehbaren Fantasy-Erzählung wäre das der Moment, in dem ein Reichsarchivar mit bebender Stimme eine versiegelte Kassette öffnet und erklärt, der Inhalt sei nur für den äußersten Notfall bestimmt gewesen. Dann hebt sich der Deckel und heraus steigt kein Dämon, sondern schlimmer: ein Remake mit finsterer Verwaltungsenergie.

Worum es hier eigentlich geht – und warum Tom Cruise diesmal verschont bleibt

Zur Fairness guten Spottes gehört ein Mindestmaß an Inhaltskunde. Diese neue Version von War of the Worlds folgt Ice Cube als Will Radford, einem Überwachungs- und Bedrohungsanalysten des Heimatschutzministeriums, der den Weltuntergang im Wesentlichen über Bildschirme, Feeds und digitale Fenster erlebt. Das Ganze ist also kein Invasionsfilm im klassischen Sinn, sondern eher eine Art katastrophischer Screensaver mit komplettem Behördenzugang, in dem die außerirdische Vernichtung wie ein schlecht gelaunter Bürotag in der Endzeitverwaltung aussieht. Kritiker störten sich genau an dieser billig-digitalen Bildschirmlogik und an der penetranten Produktplatzierung, die aus Weltuntergang zusätzlich noch erweiterte Markenpflege macht.

Und ja: Man hätte natürlich auch Tom Cruise schon einmal mit Himbeeren bewerfen können — einfach aus alter sportlicher Bosheit gegenüber Pathos, Schweiß und entschlossener Stirnfalte. Aber Spielbergs Version von 2005 war wenigstens ein echter, nervöser, großkalibriger Katastrophenfilm, erzählt durch die Flucht einer Familie vor den Tripods, kritisch ordentlich aufgenommen und sogar für mehrere Oscars nominiert. Sie mochte ihre Schwächen haben, aber sie scheiterte nicht mit dieser majestätischen Verwaltungsenergie, die nun den Razzie-Sieger adelt. Wenn Cruise damals überhaupt im Razzie-Umfeld auftauchte, dann eher als umstrittener Auswuchs des Boulevardjahres 2005 und nicht, weil der Film selbst in diese tiefere und fast schon feierliche Form des Misslingens abgestiegen wäre.

Ice Cube als Heerführer des kontrollierten Zusammenbruchs

Dass Ice Cube den Razzie als Worst Actor bekommen hat, ist hier durchaus folgerichtig. Nicht, weil hier ein einzelner Darsteller zum Sündenbock taugen müsste, sondern weil große Fehlwerke immer auch einen sichtbaren Feldherrn brauchen, an dem sich die Niederlage symbolisch befestigen lässt.

Man stelle sich diesen Film also ruhig als militärischen Feldzug gegen Geschmack, Kohärenz und Restvernunft vor. Anderswo würde ein Kommandant beim dritten offensichtlichen Irrweg abgesetzt. Hier aber reitet die Truppe weiter in den Nebel, die Trommeln schlagen, die Karten brennen, und irgendein Adjutant ruft noch, das Ganze habe sicher dramaturgischen Sinn. Genau darin liegt die Größe des Desasters: Es kennt keine Demut.

Das Drehbuch als zerfledderte Prophezeiung

Besonders würdig ist der Razzie für das Worst Screenplay. Denn wirklich denkwürdige Katastrophen brauchen immer ein Schriftstück, das wirkt, als habe jemand eine Prophezeiung auf nassem Pergament notiert, sie anschließend durch den Schredder gejagt und aus den Resten eine Dramaturgie zusammengeraten.

Es reicht nämlich nicht, wenn einzelne Szenen unerquicklich sind. Der wahre Triumph des Schlechten besteht darin, dass jede falsche Entscheidung die nächste legitimiert. So entsteht jene seltene innere Geschlossenheit des Misslingens, die wir hier mit aufrichtiger Bewunderung würdigen möchten. Andere Filme scheitern in Episoden. Dieser hier scheitert im Singular.

Regie als Kartenmaterial des Sumpfes

Der Razzie für Rich Lee als Worst Director rundet das Werk auf beinahe höfische Weise ab. Ein wirklich großer Zusammenbruch braucht schließlich jemanden, der nicht nur die falsche Tür öffnet, sondern das gesamte Haus in diese Richtung entwerfen lässt.

Auch das ist eine Kunst. Nicht jede Regie kann aus Material, Darstellern, Vorlage und Produktionsapparat eine derart geschlossene Unwirtlichkeit formen. Hier scheint jemand nicht einfach in den Sumpf geraten zu sein, sondern ihn mit kartografischer Sorgfalt aufgesucht zu haben. Das verdient, man muss es leider sagen, beinahe Respekt.

Remake, Rip-Off, Ruinenlandschaft

Am schönsten ist vielleicht die Kategorie Worst Prequel, Remake, Rip-Off or Sequel. Schon in diesem wunderbar beleidigten Sammelbegriff steckt die ganze Erschöpfung eines Kinos, das seine eigenen Ruinen immer noch für Rohstoff hält.

Und genau hier wird War of the Worlds zu etwas Größerem als nur einem einzelnen Fehltritt. Der Film steht für eine Industrie, die nicht mehr fragt, ob ein Stoff gebraucht wird, sondern nur noch, ob sein Name bereits im Gedächtnis liegt wie eine alte Münze, die man noch einmal ausgeben kann. Dass daraus dann kein Triumph, sondern ein prächtig rauchender Schrotthaufen wird, ist beinahe die gerechte Poesie der Sache.

Nicht Oscar. Orkstar.

Während anderswo wieder um Ernst, Relevanz und filmische Würde gerungen wird, küren wir hier selbstverständlich den wahren Sieger der Saison: jenen Film, der den Mut hatte, seine Niederlage nicht zu verbergen, sondern sie gleich mehrfach verbriefen zu lassen.

Denn nur ein wirklich hinreißendes Desaster schafft das Kunststück, aus einer Anti-Auszeichnung so etwas wie eine schwarze Krone zu schmieden. In einer Fantasywelt wäre War of the Worlds kein Film mehr, sondern ein Dunkelfürst mit Staatskarosse: zeremoniell, fehlgeleitet, völlig überzeugt von seiner geschichtlichen Sendung und von allen guten Mächten des Geschmacks verlassen.

Lob der vollkommenen Verfehlung

Man soll schlechte Filme nicht verklären, heißt es oft. Gewiss. Aber man soll große Leistungen auch nicht kleinreden. Und fünf Himbeeren sind, bei aller gebotenen Pikiertheit, eine Leistung. Kein Werk taumelt so geschlossen ins Nichts, ohne dabei eine gewisse Form von Statur auszubilden.

Darum gratulieren wir War of the Worlds herzlich zu seiner verdienten Mehrfachkrönung. Nicht, weil er gut wäre. Sondern weil er das weitaus Seltenere erreicht hat: Er ist vollständig falsch. Und Vollständigkeit ist, selbst im Untergang, eine heutzutage oft unterschätzte Tugend.


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