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Vreid – The Skies Turn Black
🧿 Kurzfazit
The Skies Turn Black beginnt wie ein sehr starkes Vreid-Album und endet mit einer Band, die mitten im Ritual beschlossen hat, noch schnell den Projektor anzuwerfen. Stark, eigenwillig, aber irgendwie nicht ganz ausbalanciert.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die melodischen Black Metal mit norwegischem Ernstfall mögen, aber offen dafür sind, wenn plötzlich Synthie-Nebel, Filmscore-Stimmung und klare Stimmen durchs Gebälk ziehen.
🎧 Wie klingt das?
Garstige Growls, treibende Gitarren, melancholische Chorlinien und diese typisch nordische Mischung aus Frost und Fernweh. Dazu kommen Soundtrack-Flächen, ein Gastauftritt von Agnete Kjølsrud und ein paar Stücke, die lieber Atmosphäre stapeln als sofort zuzuschlagen.
💿 Highlights
A Second Death, Loving The Dead, Chaos
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von Vreid vor allem einen geradlinigen Sognametal-Marsch erwartest und bei stilistischen Seitengängen sofort die Axt in den Boden rammst.
🌑 Vreid – The Skies Turn Black: Wenn der Fjord plötzlich Arthouse schaut
Vreid sind längst keine Band mehr, die man bloß unter „solide norwegische Veteranen“ abheftet. Dafür ist die Geschichte zu lang, der Schatten von Windir zu groß und der eigene Ehrgeiz zu sichtbar. Seit 2004 ziehen die Männer aus Sogndal ihre ganz eigene Spur durch den Frost, und nach dem filmisch aufgezogenen Wild North West von 2021 war klar: Diese Band will nicht nur Riffs stapeln, sondern auch Formate austesten. The Skies Turn Black ist nun Album Nummer zehn, erscheint am 6. März 2026 über Indie Recordings und versucht, genau daraus Kapital zu schlagen: klassischer Vreid-Zugriff, aber mit Seitenwegen, Nebelkammern und mindestens einer Tür, hinter der plötzlich eine ganz andere Band steht.
Die schlechte Nachricht zuerst: Das hier ist kein Album, das seine Karten sauber sortiert auf den Tisch legt. Die gute Nachricht: Genau deshalb ist es interessanter als irgendein stromlinienförmiger Spätwerk-Verwalter. Vreid klingen hier stellenweise, als wollten sie gleichzeitig eine schwarze Messe, einen nordischen Film-Soundtrack und eine leicht verstörte Geisterballade schreiben. Das geht nicht immer gut. Aber es ist eben auch keinesfalls langweilig.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Black Metal, melodischer Black Metal, mit deutlichen Ausflügen in Soundtrack- und Rock-Gefilde
Vergleichbar mit: Vreid selbst in ihrer melodischsten Phase, Windir ohne das folkloristische Kreischen, dazu hier und da eine seltsam elegante Geistererscheinung zwischen Filmscore und düsterem Alternative-Rock
Klangfarbe: Die ersten Minuten riechen noch nach kaltem Eisen und nassem Holz: scharf angeschlagene Gitarren, marschierende Drums, dunkle Harmonien, diese leicht verbissene Würde, die norwegische Bands entweder haben oder nie lernen. Dann öffnet sich das Album aber immer wieder in andere Räume. Synthesizer schleichen herein, Melodien werden weicher, Stimmen klarer, Dramaturgien cineastischer. Das Problem ist nicht, dass Vreid mehr wollen. Das Problem ist eher, dass sie hier nicht immer entscheiden, welches Mehr sie eigentlich priorisieren möchten.
✨ Highlights
A Second Death
Einer dieser Songs, bei denen man nach einer Minute denkt: Ach, deshalb ist diese Band immer noch relevant. Das Stück verbindet Vreids typische Schroffheit mit einer melodischen Zugkraft, die nicht geschniegelt wirkt, sondern erkämpft. Die Gitarren drücken nach vorne, der Refrain bleibt hängen, und der Einsprecher gibt dem Ganzen genau den richtigen Schuss Grabrhetorik, ohne ins Hörspielige abzukippen. So klingt eine Band, die ihren eigenen Kern tatsächlich verstanden hat.
Loving The Dead
Hier wird es spannend und ein bisschen unheimlich. Agnete Kjølsrud übernimmt erst klar, dann krächzend den Gesang, und plötzlich kippt das Album in eine andere Farbpalette. Nicht schlecht, wohlgemerkt, eher wie ein Seitengang in einem Haus, von dem man dachte, man kenne den Grundriss. Das Stück ist atmosphärisch stark, fast geisterhaft, aber auch ein Wendepunkt: Danach wirkt The Skies Turn Black endgültig nicht mehr wie ein in sich geschlossener Black-Metal-Bogen, sondern wie eine Sammlung düsterer Zustände.
Chaos
Schon die lange instrumentale Einleitung sagt: Wir machen das jetzt nicht effizient, wir machen das jetzt mit Nebel. Und tatsächlich funktioniert es. Chaos lebt von genau diesem Spagat zwischen Schrammelangriff und flächiger, fast filmischer Weite. Wenn das Album öfter so präzise zwischen Aggression und Atmosphäre balanciert hätte, müssten wir hier über ein Karrierehighlight reden.
🎨 Artwork
Das Cover von The Skies Turn Black vermittelt den Eindruck, als hätte jemand die Apokalypse nicht digital entworfen, sondern mit rußigen Fingern direkt auf ein Massengrab geschmiert. In der Mitte steht eine düstere, verhüllte Gestalt mit Sense, frontal, reglos, als müsse sie sich gar nicht bewegen, weil um sie herum ohnehin schon alles erledigt ist. Links und rechts türmen sich Schädel und Knochen wie verschneite Geröllhalden aus Tod, und darüber zieht sich ein Himmel aus schwarzer, brauner und aschiger Farbe, der eher fault als leuchtet.
Oben sitzt der Bandname in kalter, weißer Schrift, darunter der Titel, fast wie hingekritzelt, als hätte jemand auf ein Katastrophenprotokoll nur noch schnell die Überschrift gesetzt. Das Entscheidende ist aber die Textur: Dieses Cover will nicht hübsch sein, nicht mal besonders „episch“. Es wirkt schmutzig, verscharrt, aufgerissen. Ein Bild wie eine schlecht verheilte Wunde. Und genau deshalb passt es ziemlich gut zu einem Album, das ebenfalls nicht geschniegelt glänzt, sondern seine besten Momente dann hat, wenn es nach Moder und Unruhe riecht.
🪦 Besondere Momente
Der Filmscore-Einbruch namens „Kraken“
VREID haben mit Kraken nicht einfach ein instrumentales Zwischenstück aufs Album geschoben, sondern einen Track, der ausdrücklich als offizieller Soundtrack zu einem Film veröffentlicht wurde. Das ist mehr als nur eine kleine Spielerei am Rand: Plötzlich steht auf dem Album ein dunkler Score-Moment, der die Band kurz aus dem klassischen Sognametal-Rahmen herauslöst und zeigt, dass sie ihre cineastische Ader seit Wild North West nicht wieder eingemottet haben. Auf einer Platte, die ohnehin zwischen Frost, Drama und stilistischen Seitenwegen wandert, wirkt das wie ein bewusst geöffneter Nebelgang.
Agnete Kjølsrud als kontrollierter Fremdkörper
Der Gastauftritt von Agnete Kjølsrud auf Loving The Dead ist kein Alibi-Feature nach dem Motto „bekannter Name, einmal durchs Bild laufen“. Ihre Stimme kippt den Song hörbar in eine andere Welt: erst klar, dann kratzig, fast geisterhaft. Genau deshalb ist dieser Moment so interessant, weil er das Album nicht bloß „abwechslungsreicher“ macht, sondern seine innere Unruhe offenlegt. VREID holen sich hier ganz bewusst eine andere Farbe ins Bild und riskieren damit, dass The Skies Turn Black eher wie ein Werk mit Rissen als wie ein sauber geschlossenes Monument wirkt. Das ist spannender als jede stromlinienförmige Veteranenroutine.
Handgemachtes Cover, gezielt nicht geschniegelt
Das Artwork stammt von Kim Holm und wird ausdrücklich als handgezeichnet beziehungsweise handgemacht hervorgehoben. Das passt ziemlich gut zu einem Album, das sich nicht geschniegelt futuristisch präsentiert, sondern wie ein rußiges, aufgerissenes Endzeitgemälde. Dazu kommt die Produktion mit Anders Nordengen, die von mehreren Ankündigungen als wichtiger Teil dieses neuen Kapitels betont wird: nicht als sterile Hochglanzpolitur, sondern als kraftvoller Rahmen für eine Band, die nach fünf Jahren Pause wieder an ihre Sognametal-Wurzeln andockt und gleichzeitig neue Räume austestet. Anders gesagt: Selbst die äußere Form dieses Albums sagt schon, dass hier nicht bloß Material verwaltet, sondern Identität nachgeschärft werden soll.
📜 Hintergrund
Vreid wurden 2004 in Sogndal gegründet und bestehen bis heute aus den Gründungsmitgliedern Sture Dingsøyr, Hváll und Steingrim, ergänzt seit 2010 durch Gitarrist Strom. Historisch ist die Band untrennbar mit Windir verbunden, aus deren Umfeld sie hervorging. Seitdem haben Vreid sich vom direkten Erbe zunehmend gelöst und eine eigene Identität zwischen Sognametal, Rock-Ader und thematischem Konzeptdenken aufgebaut. The Skies Turn Black ist ihr zehntes Studioalbum.
Der unmittelbare Vorgänger Wild North West erschien 2021 und wurde von einem Musikfilm begleitet, was schon damals zeigte, dass Vreid mehr im Kopf haben als bloße Genreverwaltung. Das neue Album führt diesen Erweiterungsdrang fort, nur weniger geschlossen: Statt eines großen äußeren Konzepts hört man hier eher eine Band, die verschiedene Räume in ihrem eigenen Kosmos abklappert. Dazu passt auch der Gastauftritt von Agnete Kjølsrud von Djerv auf Loving The Dead sowie die Einbindung von Kraken als Soundtrack-Stück.
🪓 Fazit
The Skies Turn Black ist kein makelloses Album. Man findet hier eine sehr fähige, sehr erfahrene Band, die an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen will und dabei nicht jede Linie sauber hält. Die ersten Songs zünden stark, finster, entschlossen. Später wird das Ganze offener, fragiler, gelegentlich auch etwas fahrig. Gerade deshalb bleibt am Ende kein Totalausfall, sondern ein Werk, das mehr Fragen stellt als es Antworten liefern kann.
Und vielleicht ist genau das auch der Reiz. Vreid scheitern hier nicht an mangelndem Können, sondern an einem Übermaß an Richtungen. Wer eine kompakte schwarze Abrissbirne sucht, wird das Album vermutlich zu wechselhaft finden. Wer aber hören will, wie sich eine norwegische Veteranenband zwischen Fjord, Filmscore und Friedhofsrauch neu sortiert, bekommt hier genug düstere Ecken, um sich nur zu gerne darin zu verirren.

| Künstler: | Vreid |
| Albumtitel: | The Skies Turn Black |
| Erscheinungsdatum: | 6. März 2026 |
| Genre: | Black Metal, Melodic Black Metal, mit Soundtrack- und Rock-Einschlägen |
| Label: | Indie Recordings |
| Spielzeit: | ca. 55 Minuten |
Trackliste:
A Second Death
Deliver Us
The Reap
Kraken
Loving The Dead
The Devil In The Detail
Chaos
Smile Of Hate
Echoes Of Life
Silent End
The Pyre
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „From These Woods“ – ein finsterer Vorbote von The Skies Turn Black zwischen nordischem Frost, Grabesnebel und der alten Vreid-Düsternis. Bereitgestellt vom offiziellen Vreid-Channel auf YouTube:
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