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Visions Of Atlantis – Armada – An Orchestral Voyage
🧿 Kurzfazit
Armada – An Orchestral Voyage ist das komplett instrumentale Spiegelbild von Pirates II – Armada: symphonischer Bombast ohne Gesang, irgendwo zwischen Fantasy-Soundtrack und aufgeblasenem „Previously on…“ für die eigene Piraten-Lore.
🎯 Für wen?
Für Symphonic-Metal-Fans, die das 2024er Original lieben und nun jeden Übergang, jede Melodie und jede Streicher-Schicht sezieren wollen; für Leute, die ihre Rollenspielrunden mit epischer Piratenmusik beschallen und kein Problem damit haben, dass niemand mehr „ho ho“ ins Mikro brüllt.
🎧 Wie klingt das?
Breit aufgefächertes Orchester mit Streichern, Holzbläsern, Chorflächen und mächtigen Percussion-Wellen; die Songstrukturen von Pirates II – Armada bleiben erkennbar, nur ersetzt das Orchester konsequent alle Vocal-Linien. Klanglich eher Kinosaal als Konzerthalle, auf Albumlänge ein durchkomponierter Fantasy-Soundtrack.
💿 Highlights
Armada, The Dead of the Sea, Ashes to the Sea
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei Visions Of Atlantis vor allem die Gesangsduelle und Refrains feiern willst oder von Instrumental-Versionen grundsätzlich das Gefühl von „gleicher Film ohne Dialogspur“ bekommst.
☠︎ Visions Of Atlantis – Armada – An Orchestral Voyage: Wenn den Piraten die Worte fehlen
Nach Pirates II – Armada war schon klar, dass Visions Of Atlantis ihre Piratenwelt nicht nach einer Albumrunde wieder im Nebel verschwinden lassen würden. Das Werk segelte 2024 in die oberen Regionen der deutschen und österreichischen Charts und festigte den Status der Band als eine der sichtbarsten Speerspitzen im modernen Symphonic Metal.
Mit Armada – An Orchestral Voyage legen die Österreicher nun keinen klassischen Nachfolger vor, sondern eine komplette Neuinterpretation: zwölf Stücke des Vorgängers, diesmal als rein orchestrale Instrumentalversionen. Das ist weniger neues Kapitel als Erweiterungsband, sozusagen ein Bonus-Band voller Seekarten, mit denen man noch einmal durch dieselben Schlachten schippert, nur ohne Erzählerstimme.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Orchestraler Symphonic-Metal-Soundtrack, Cinematic Score
Vergleichbar mit: einem Fantasy-Soundtrack, der früher mal ein Metal-Album war, dessen Gitarren und Sänger man im Nachhinein aus dem Mix radiert hat; irgendwo zwischen „Seafaring Hollywood Score“ und bombastischer Game-Musik für ein nicht existierendes Triple-A-Piraten-RPG.
Klangfarbe: Gewaltige Streicherkaskaden, Holzbläser-Fanfaren, Chorflächen, getrommelte Sturmfronten und immer wieder die vertrauten Melodien von Pirates II – Armada, die nun von Violinen, Hörnern oder Flöten übernommen werden. Die Dramaturgie bleibt Metal, die Oberfläche ist Filmmusik.
✨ Highlights
Armada
Der zentrale Titel ist auch in der Orchesterfassung der Fixstern des Albums. Der Aufbau bleibt vertraut: langsame, spannungsgeladene Einleitung, dann Fahrtaufnahme mit vollen Streichern und einem Thema, das in die Breite geht, als müsse es eine gesamte Flotte über Wasser halten. Hier funktioniert das Konzept perfekt, weil die ursprüngliche Hook ohnehin stark auf Motivführung statt Gesangsakrobatik setzte. Die Orchesterfassung wirkt wie der eigentliche Filmscore, den das Metal-Original immer heimlich sein wollte.
The Dead of the Sea
Mit gut sieben Minuten Spielzeit bleibt The Dead of the Sea das große Epos im Zentrum des Albums. In der instrumentalisierten Version atmen die dynamischen Wechsel besser: ruhige, von Celli und Holzbläsern getragene Passagen kippen in bedrohliche Blechakzente, die Percussion donnert wie heranrollende Kanonenschläge. Was im Original von den Vocallinien dominiert wurde, wirkt hier wie eine düstere Requiem-Szene für ein ganzes versunkenes Königreich.
Ashes to the Sea
Dieses Stück sitzt wie der emotionale Knotenpunkt von Armada – An Orchestral Voyage. Die Melodie ist melancholisch genug, um auch ohne Gesang sofort zu tragen, und die Arrangements setzen konsequent auf Kontrast: zarte Sololinien, schimmernde Harfenfigurationen, dann der ganze Orchesterapparat wie eine Welle, die alles kurz hochhebt und wieder verschluckt. Ein Song, der als reiner Score fast stärker wirkt als in seiner ursprünglichen Metal-Inkarnation.
🎨 Artwork
Under Jolly Roger: Auf dem Artwork von Armada – An Orchestral Voyage bekommt die Piraten-Obsession von Visions Of Atlantis ihr Totem. Im Zentrum sitzt ein Piratenskelett, das aussieht, als hätte es jahrhundertelang in den Tiefen eines Fantasy-Ozeans gewartet: Dreispitz auf dem Schädel, rotes Stirnband über der leeren Augenhöhle, Kiefer zum ewigen Grinsen eingerastet. Hinter dem Schädel spannt sich ein großes Schiffssteuerrad auf, dessen Speichen wie ein dunkler Heiligenschein wirken, ein Symbol für jemanden, der die Kontrolle längst verloren hat und trotzdem weitersteuert.
Von hinten und den Seiten schieben sich Krakenarme ins Bild, Saugnäpfe und Tentakel als lebendige Schatten. Sie umschlingen den Piraten wie ein Pakt, der nicht mehr lösbar ist: Meer, Tod und Monster als feste Crew. In den knochigen Händen hält die Gestalt zwei gekreuzte Flöten, direkt vor der Brust, als wären sie gleichzeitig Dirigentenstäbe und Flinten. Also genau die Instrumente, mit denen das Orchester später seine Wellen aufbaut.
Im Zentrum glüht eine orangefarbene Sphäre, halb Herz, halb explodierende Kanonenkugel. Funken und Glutpartikel treiben nach außen und tauchen den unteren Bildbereich in warmes, gefährliches Licht. Daraus schält sich ein eingerolltes Pergamentband, auf dem in geschwungener Schrift der Schriftzug Armada – An Orchestral Voyage zu lesen ist – wie das Siegel eines verfluchten Logbuchs, das man besser nicht aufschlägt, wenn man an einem ruhigen Abend interessiert ist.
Der Hintergrund ist in dunkle Blau- und Rauchgrautöne getaucht, mit nebulösen Strukturen, die gleichzeitig nach Sturmfront, Pulverdampf und Nebelwand aussehen. Kein klarer Horizont, keine Sonne, nur Strudel aus Rauch und Schatten. Das Artwork macht damit sehr deutlich, was die Musik verspricht: kein leichtes Piraten-Mitschunkel, sondern ein voll durchinszeniertes Seeabenteuer mit morbidem Einschlag. Ein Cover wie ein Kinoplakat für einen Film, der nur im Kopf läuft und dessen Soundtrack hier bereits komplett fertig vorliegt.
🪦 Besondere Momente
Instrumentalversion als Stresstest für Songwriting
Wenn man den Gesang aus einem Symphonic-Metal-Album entfernt, bleibt oft generischer Bombast übrig. Hier zeigt sich, wie klar die Themen von Pirates II – Armada komponiert sind: die Stücke bleiben wiedererkennbar, die Dramaturgie funktioniert auch ohne Piratenchor. Gleichzeitig merkt man, wo vorher reine Bühnenposen über schwächere Parts hinwegtäuschten, denn die Orchesterfassung legt jede Wiederholung schonungslos offen.
Rollenspiel-Fetisch in Albumform
Die physische Veröffentlichung wird von der Digisleeve-Edition, Fire-Splatter-Vinyl, d20-Würfel im Samtbeutel, Charakterkarten und einem eigenen Abenteuer für das Fantasy-Rollenspiel „Aureus Aestus“ flankiert. Das ist einerseits cleveres Merchandising, andererseits die logische Konsequenz aus einem Album, das klingt, als wäre es direkt für Kampagnenabende auf hoher See geschrieben worden.
Zwischen Score und Hörbuch ohne Text
Auf Albumlänge bleibt die Musik durchgängig pathetisch und bildstark, aber ohne Stimme fehlt manchmal der emotionale Fixpunkt. Stellen, die im Original durch ein Duett oder einen Refrain lebten, rutschen hier in „Cutscene Nummer sieben“ hinein. Das funktioniert hervorragend als Hintergrundmusik, verlangt im konzentrierten Durchhören aber erstaunlich viel Geduld.
🪓 Fazit
Visions Of Atlantis haben sich in den letzten Jahren konsequent vom netten Symphonic-Act zum voll ausgewachsenen Piraten-Franchise entwickelt. Mit Pirates II – Armada wurde die Seefahrer-Lore ausgebaut, musikalisch zwischen hymnischem Metal und Cinematic-Soundtrack positioniert und kommerziell auf ein neues Level gehoben.
Armada – An Orchestral Voyage ist nun ausdrücklich keine neue Songkollektion, sondern eine komplette instrumentale Neuinterpretation dieser Erfolgsplatte. Die Vocal-Melodien wurden in orchestrale Leads umgeschrieben, viele Begleitfiguren erweitert, und die Produktion richtet sich eher nach modernen Score-Veröffentlichungen als nach klassischem Metal-Mix.
Man hört, dass hier nicht einfach ein paar Streicher über die alten Spuren gelegt wurden, sondern dass die Band zusammen mit ihrem Produktionsumfeld ernsthaft versucht, das eigene Material in eine zweite, eigenständige Form zu gießen.
Armada – An Orchestral Voyage ist gewiss kein Pflichtkauf, aber ein ziemlich luxuriöses Zusatzkapitel für diejenigen, die Pirates II – Armada bereits in- und auswendig kennen. Als atmosphärischer Score funktioniert das Album hervorragend: die Bilder im Kopf springen mühelos zwischen Schlachten, Nebelbänken und nächtlichen Deckszenen hin und her. Gleichzeitig bleibt es ein Derivat, das ohne Kenntnis des Originals weniger mitreißt und stellenweise eher wie die „Instrumental-Bonusdisc“ eines Deluxe-Sets wirkt.
Für Rollenspieler, Soundtrack-Nerds und eingefleischte Visions-Of-Atlantis-Jünger ist diese Reise ein reizvoller Törn durch vertraute Gewässer. Wer jedoch vor allem die Stimme und die direkten Emotionen der Band sucht, sollte beim Hauptalbum an Bord bleiben und Armada – An Orchestral Voyage als schön gestaltete, aber optionale Schatzkarte betrachten.

| Künstler: | Visions Of Atlantis |
| Albumtitel: | Armada – An Orchestral Voyage |
| Erscheinungsdatum: | 6. Februar 2026 |
| Genre: | Orchestraler Symphonic-Metal-Soundtrack |
| Label: | Napalm Records |
| Spielzeit: | ca. 52 Minuten |
To Those Who Choose to Fight
The Land of the Free
Monsters
Tonight I’m Alive
Armada
The Dead of the Sea
Ashes to the Sea
Hellfire
Collide
Magic of the Night
Underwater
Where the Sky and Ocean Blend
🎬 Armada (Orchestral Version)
VISIONS OF ATLANTIS – „Armada (Orchestral Version)“
Preview-Video zu Armada – An Orchestral Voyage auf dem
offiziellen YouTube-Kanal von Visions Of Atlantis. Der Titeltrack in
voller Score-Pracht – perfekt, um einmal tief in die orchestrale
Piratenwelt einzutauchen.
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