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I. B. Zimmermann – Violet – Die Wasserhexe und der Totengott
📚 Kurzfazit
Violet – Die Wasserhexe und der Totengott ist ein wuchtiger Urban-Fantasy-Roman mit Berliner Untotenchaos, magischem Notdienst und einer Heldin am Rand ihrer Kräfte. Starkes Setting, viel emotionale Energie, aber auch spürbar überladen.
😒 Was kratzt
Das Buch will sehr viel gleichzeitig: Apokalypse, Trauma, Romance, Magiesystem, Berliner Ausnahmezustand, Totengott-Pakt und Serienuniversum. Nicht alles bekommt dabei dieselbe Schärfe. Manchmal trägt die Intensität, manchmal stapelt sie sich.
✨ Was funktioniert
Der thaumaturgische Notdienst ist ein großartiger Ansatz. Urban Fantasy lebt davon, dass das Fantastische nicht nur in mondbeschienenen Gassen lauert, sondern Dienstpläne, Überlastung und Einsatzkoordination erzeugt. Genau da hat Violet seinen besten Griff.
🧶 Welt und Stimmung
Violet ist keine fröhlich funkelnde Zauberheldin, sondern eine erschöpfte Kämpferin mit Wassermagie, Verlustgeschichte und zu vielen alten Rechnungen. Das gibt dem Roman Gewicht, auch wenn die emotionale Dramatik gelegentlich sehr dick aufgetragen wird.
🐦 Crowbah meint
Wenn Berlin voller Untoter ist und der magische Notdienst nicht mehr hinterherkommt, klingt das weniger nach Weltuntergang als nach einem typischen Montag in Friedrichshain mit der üblich schlechten Personalplanung.
💧 I. B. Zimmermann –Violet – Die Wasserhexe und der Totengott: Wenn Berlin den Leichendienst ruft
Berlin hat vieles überstanden: Baustellen, Mietpreise, Koalitionsrunden und jene seelische Dämmerung, die eintritt, wenn ein Späti ausgerechnet dann geschlossen hat, wenn man ihn ausnahmsweise wirklich braucht. In I. B. Zimmermanns Violet – Die Wasserhexe und der Totengott kommt nun ein Problem hinzu, das selbst für diese Stadt ambitioniert wirkt: Untote laufen herum (und das diesmal nicht am Kotti), der thaumaturgische Notdienst ist am Limit, und eine Wasserhexe steht kurz davor, nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst nicht mehr zusammenhalten zu können.
Das ist als Grundanlage erstaunlich gut. Denn Violet wirkt auf den ersten Blick eigentlich eher wie der nächste große Romantasy-Brocken mit hübschem Cover, Schicksalsbindung und einem männlichen Todesproblem in attraktiver Verpackung. Auf den zweiten Blick steckt darin aber ein kräftiger Urban-Fantasy-Motor: Berlin als magischer Krisenraum, Behördenlogik am Rand der Apokalypse, Untote im Stadtgebiet und eine Hauptfigur, die nicht deshalb interessant ist, weil sie besonders makellos leuchtet, sondern weil sie innerlich längst an Stellen brennt, an denen andere Figuren noch ihr Einführungskapitel sortieren würden.
Das Buch hat Wucht. Es hat Tempo, und es hat zudem sehr viel Gefühl. Und ja: Es hat auch genau jene Überfülle, die bei 672 Seiten, Wasserhexe, Totengott, Untoten, Notdienst, Romance, Suspense, Comic-Seiten und großem Fan-Erwartungsdruck fast zwangsläufig entsteht. Manchmal ist das mitreißend. Manchmal ist es aber auch eher so, als hätte jemand fünf Staffeln Urban-Fantasy-Serie in einen einzigen Roman gedrückt und dann noch ein fettes Herzsymbol auf den Notfallwagen gesprayt.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Berlin versinkt im Chaos. Untote überfluten die Stadt, während normale Menschen offenbar nur einen Ausschnitt dessen begreifen, was im Hintergrund längst eskaliert. Der thaumaturgische Notdienst versucht, die Lage irgendwie unter Kontrolle zu halten, doch die magischen Notfälle reißen nicht ab. Im Zentrum steht Violet, eine Wasserhexe, die in mehreren Leben gekämpft, verloren und weitergemacht hat, nun aber an einem Punkt steht, an dem die eigene Kraft nicht mehr selbstverständlich ist. Beschreibungen zur Buchpremiere und zur Autorenseite nennen genau diese Grundanlage: Berlin im Untotenchaos, ein überlasteter magischer Notdienst, Violet kurz vor dem Zusammenbruch und ein gefährlicher Pakt mit Thanatos. Als Violet ausgerechnet mit dem Totengott Thanatos einen Pakt eingeht, verschiebt sich die Geschichte vom magischen Krisenfall zur Schicksalsverhandlung. Es geht nicht nur darum, Untote zurück in die Ordnung zu zwingen. Es geht um alte Verluste, Schuld, Bindung, Überleben und die Frage, wie lange ein Mensch noch kämpfen kann, wenn er innerlich längst keine Reserven mehr findet.
Der Roman bewegt sich damit zwischen Urban Fantasy, Romance und Suspense. Das ist kein stilles Hexenbuch mit hübscher Kerze am Fenster. Violet will groß sein: Stadtkrise, Unterweltkontakt, übernatürliche Einsatzlage, emotionale Grenzerfahrung. Dazu kommen viele Illustrationen und 18 Comic-Seiten, was den ohnehin stark visuellen Charakter des Projekts zusätzlich betont und die Seitenzahl gehörig aufbläst.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Violet liest sich wie ein Roman, der keine Angst vor großen Gesten hat. Zimmermann schreibt mit Tempo, Gefühl und einem klaren Sinn für dramatische Zuspitzung. Die Sprache will nicht distanziert beobachten, sondern direkt hineinziehen: in die Erschöpfung, in den Einsatz, in das Chaos, in die emotionale Überforderung. Das passt zum Stoff. Eine Wasserhexe, die in einem untoten Berlin gegen Zusammenbruch und Schicksal kämpft, braucht keinen zarten Kammerspielton. Der Roman arbeitet mit Intensität, mit Druck, mit Bildern, die eher nach Serienfinale als nach vorsichtigem Debütflüstern wirken. Gerade die Verbindung aus Großstadt, Magie und Notdienstlogik gibt dem Buch eine eigene Energie.
Gleichzeitig ist genau diese Energie nicht immer sauber dosiert. Manchmal wirkt der Stil so entschlossen auf Wirkung gebaut, dass Zwischentöne untergehen. Die Gefühle stehen oft nicht im Halbdunkel, sie fahren mit Blaulicht vor. Das kann packen. Es kann aber auch ermüden, wenn jede innere Erschütterung nach Maximalpegel klingt.
🧍♂️ Figuren
Violet ist der wichtigste Grund, warum das Buch nicht bloß als hübsch verpackter Totengott-Flirt funktioniert. Sie ist keine makellose Projektionsfläche, sondern eine Figur mit Vorgeschichte, Verlusten und Erschöpfung. Der Gedanke, dass jemand schon viele Kämpfe hinter sich hat und nun ausgerechnet dann gebraucht wird, wenn kaum noch Kraft übrig ist, trägt den Roman gut.
Das macht sie interessanter als viele Romantasy-Heldinnen, die im Grunde nur besonders begabt, besonders begehrt und besonders unverstanden sein dürfen. Violet wirkt stärker beschädigt. Nicht zerbrochen als Dekoration, sondern müde auf eine Weise, die zur Handlung passt. Ihre Wassermagie ist dadurch nicht nur ästhetisches Element, sondern Teil einer Figur, die löschen, halten und fließen müsste, obwohl in ihr selbst längst zu viel überläuft.
Thanatos ist als Gegenpol natürlich eine dankbare Figur: Tod, Anziehung, Gefahr, Pakt, Schicksal. Das kann schnell in Klischeegebiete rutschen, und ganz frei davon ist der Roman nicht. Ein Totengott mit romantischer Spannung trägt immer das Risiko, dass die Unterwelt plötzlich nach Fanservice riecht. Aber die Ausgangslage ist stark genug, um mehr daraus zu machen als bloß dunkle Augen und düstere Andeutungen. Die Nebenfiguren und das größere Gefüge müssen sich gegen die schiere Masse des Romans behaupten. Nicht alles bleibt gleich haften. Aber dort, wo Zimmermann die Figuren an den Notdienst, an Berlin und an konkrete Krisen bindet, gewinnt das Buch deutlich an erzählerischer Substanz.
🕒 Tempo und Aufbau
672 Seiten sind eine Ansage. Das ist kein schmaler Urban-Fantasy-Snack, sondern ein echter Ziegel. Der Roman hat genug Plot, um diese Länge grundsätzlich zu rechtfertigen: Untote, magische Einsätze, persönliche Verluste, Paktlogik, Romance, Bedrohung und offenbar ein größeres Serienuniversum im Hintergrund. Das Tempo dürfte für viele Leser gerade deshalb funktionieren, weil ständig etwas geschieht. Violet ist kein Buch, das sich lange in dekorativen Ecken ausruht. Der thaumaturgische Notdienst bringt eine eingebaute Dringlichkeit mit: Fälle, Überlastung, Druck, Entscheidungen unter Stress. Das gibt der Geschichte einen besseren Motor als reine Liebesqual allein.
Trotzdem liegt hier auch die Schwäche. Die Fülle ist nicht automatisch Tiefe. Manchmal droht die Geschichte von ihrer eigenen Ereignisdichte überholt zu werden. Wenn Untote, Notdienst, emotionale Erschöpfung, Pakt mit dem Totengott, Romance und Weltregelwerk gleichzeitig an der Tür rütteln, braucht ein Roman sehr viel Kontrolle. Violet wirkt interessant, aber nicht immer völlig elegant gebändigt.
✨ Atmosphäre und Welt
Das Setting ist natürlich cool. Berlin als Urban-Fantasy-Stadt funktioniert erstaunlich gut, weil die Stadt ohnehin etwas Unfertiges, Überreiztes und Gespenstisches hat. Man muss hier gar nicht viel romantisieren. Berlin wirkt schon im Normalzustand gelegentlich wie ein Ort, an dem irgendeine vergessene Beschwörung in einem Hinterhof schiefgelaufen sein könnte. Der thaumaturgische Notdienst ist dabei die beste Idee des Romans. Nicht einfach Hexen, Götter und Untote in die Stadt werfen, sondern daraus eine Einsatzstruktur machen: Das gibt der Fantastik Boden. Magie wird zur Zuständigkeit, Untote zum Krisenfall, Apokalypse zur Überlastungsanzeige. Genau solche Details heben Urban Fantasy über bloßes Kulissenschieben hinaus.
Auch die Mischung aus Wasser und Tod hat atmosphärisch Reiz. Wassermagie kann weich wirken, heilend, beweglich, lebendig. Thanatos bringt das Gegenprinzip: Ende, Grenze, Unterwelt, Unumkehrbarkeit. Wenn diese Gegensätze gut ausgespielt werden, entsteht mehr als nur romantische Spannung. Dann geht es um Lebenserhaltung gegen Endgültigkeit. Was dem Buch nicht immer gelingt, ist echte Härte. Der Roman ist klar auf Emotion, Spannung und Fanbindung gebaut, nicht auf kalte Verstörung. Das ist legitim. Aber wer Urban Fantasy mit mehr Schmutz, politischer Kante oder existenzieller Fremdheit sucht, wird hier eher eine große, dramatische, zielgruppenstarke Variante finden als einen wirklich gefährlichen Stadtroman.
📜 Fazit: Berlin stirbt nicht, es beantragt nur eine Sonderlage
Violet – Die Wasserhexe und der Totengott ist ein auffälliger, energischer und ziemlich ambitionierter Urban-Fantasy-Roman. Die Grundidee ist stark: Berlin unter Untoten, ein thaumaturgischer Notdienst am Limit, eine Wasserhexe kurz vor dem inneren Kollaps und ein Pakt mit Thanatos. Das hat deutlich mehr Eigenfarbe als der nächste generische Romantasy-Aufguss mit dekorativer Magie und Schicksalsgeflüster. Am besten ist das Buch dort, wo es seine Großstadtfantastik ernst nimmt. Der magische Notdienst, die überlastete Einsatzlage, das Gefühl einer Stadt, die nur deshalb weiterläuft, weil im Hintergrund Menschen und Hexen bis zur Erschöpfung gegen den Zusammenbruch arbeiten — das ist stark. Da entsteht ein Urban-Fantasy-Raum, der nicht nur hübsch aussieht, sondern auch vorzüglich funktioniert.
Weniger stark ist die erkennbare Neigung zur Überfülle. Violet will emotional sehr groß sein, dramatisch sehr dicht, romantisch sehr aufgeladen und zugleich ein kompletter Fantasy-Krisenroman. Das führt zu Momenten, in denen der Roman mehr Gewicht auf die Waage legt, als einzelne Szenen sauber tragen können. Nicht jede Zuspitzung braucht Maximallicht. Nicht jede Verletzung muss mit Pauke und Unterweltvertrag durchs Kapitel marschieren.
Trotzdem: Das Buch hat eine eigene Stimme, einen starken Schauplatz und einen klaren Fan-Sog. Es wirkt nicht wie Massenware, sondern wie ein bewusst überbordendes Herzensprojekt mit urbanem Druck, magischem Blaulicht und reichlich dramatischer Energie. Für Leser, die Urban Fantasy mit Romance, Untoten, innerer Erschöpfung und großem Schicksalsgefühl mögen, dürfte Violet genau ins Beuteschema fallen. Für den Fantasykosmos bleibt es ein solider, spannender Fall: kein Meisterwerk, aber auch kein bloßes Coverversprechen. Violet hat genug Wasser unter der Oberfläche, genug Tod im Rücken und genug Berlin im Asphalt, um hängen zu bleiben. Nur hätte dem Roman an manchen Stellen ein strengerer Einsatzleiter gutgetan.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★☆☆
„Berliner Urban Fantasy mit Untoten, Wassermagie und Totengott-Pakt. Atmosphärisch stark, emotional wuchtig, aber etwas zu überladen für den ganz großen Zauber.“

Autorin: I. B. Zimmermann
Titel: Violet – Die Wasserhexe und der Totengott
Verlag: YUNA
Übersetzung: Deutsche Originalausgabe
Seitenanzahl: 672 Seiten, Taschenbuch
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3-517-30373-4
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