Véhémence – Assiégé Pour l’Éternité (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Véhémence – Assiégé Pour l’Éternité

🧿 Kurzfazit
Assiégé Pour l’Éternité ist kein nostalgischer Aufguss, sondern eine prachtvoll überdrehte Rückverzauberung des eigenen Anfangs. Véhémence machen aus ihrem Debüt ein größeres, klareres und deutlich epischeres Medieval-Black-Metal-Tableau.

🎯 Für wen?
Für Fans, die bei Windir, Mithotyn, altem französischem Black Metal, melodischer Schweden-Kälte und ehrlichem Burgenpathos nicht fliehen, sondern den Helm richten. Wer Mittelalter im Metal nur als Schenkelklopfer kennt, darf hier getrost den Hofnarrenhut ablegen.

🎧 Wie klingt das?
Rasende Melodik, heroische Gitarren, echte Schlagzeugarbeit, Folk-Farben, Chöre, Flöten, Psalterium und eine Produktion, die endlich genug Licht in den Rittersaal lässt, ohne den alten Staub herauszufegen.

🎼 Highlights
Assiégé Pour l’Éternité, En Quête du Graal, Chant d’Honneur

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Einhörnern, Gral, Ritterehre und französischem Pathos sofort nach dem Feuerlöscher greifst.

🔍 Suche im Fantasykosmos

Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.

Banner für den Newsletter im Fantasykosmos mit Gandalf, der den Leser nicht vorbeilässt,

🏰 Véhémence – Assiégé Pour l’Éternité: Der Gral hat Tremolo-Picking bestellt

Mittelalter im Metal ist ja oft eine gefährliche Sache. Kaum steht irgendwo eine Burg im Booklet, kommt schon jemand mit falschem Dudelsack, Lederschnürung und der festen Überzeugung um die Ecke, dass „authentisch“ bedeutet, nach Metstand hinter der Turnhalle zu klingen.

Véhémence umgehen diesen Fallstrick auf Assiégé Pour l’Éternité nicht durch Zurückhaltung, sondern durch völlige Hingabe. Diese Band aus Frankreich macht keinen halben Kniefall vor dem Mittelalter. Sie reitet mit Banner, Fanfare, Kettenhemd, magischem Königreich, Gralssuche, himmlischer Ritterschaft und brennenden Gitarren über die Zugbrücke, als hätte Black Metal endlich beschlossen, das Turnier nicht nur zu stören, sondern zu gewinnen.

Dabei ist Assiégé Pour l’Éternité keine simple Rückkehr zum Debüt Assiégé. Véhémence haben das alte Material nicht nur neu eingespielt, sondern neu geformt, neu aufgeladen und stärker in die eigene Welt von Arencia gezogen. Mehr echte Drums. Mehr Bass. Mehr Folkinstrumente. Mehr erzählerischer Rahmen. Mehr Mittelalter, aber nicht als Pappkulisse, sondern als fiebrige Innenwelt aus Ritterideal, Scheitern, Blut, Wald, Krankheit, Ehre und sehr viel melodischem Black-Metal-Feuer.

Das Ergebnis klingt wie eine illuminierte Handschrift, die bei Gewitter vom Altar geweht wird und im nächsten Moment Riffs spuckt.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Medieval Black Metal, Epic Black Metal, Melodic Black Metal, Folk Black Metal

Vergleichbar mit: Windir für den melodischen Zug in die Ferne, Mithotyn für den alten Kampfgeist, Aorlhac für französische Geschichtsglut, dazu ein Schuss früher Satyricon-Kälte und genügend höfische Eigenart, damit daraus kein bloßes Ahnenzimmer wird.

Klangfarbe: Assiégé Pour l’Éternité klingt golden und schwarz zugleich. Die Gitarren treiben nicht einfach voran, sie fächern auf: schnelle Melodiebögen, heroische Linien, wiederkehrende Motive, die sich wie Banner im Sturm entfalten. Darunter arbeitet das Schlagzeug lebendiger und körperlicher als auf einer bloßen Rohfassung, während der Bass dem Ganzen mehr Fundament gibt.

Die Folk-Instrumente sind kein Deko-Gewürz aus dem Mittelalterregal. Flöten, Psalterium und Fife öffnen Räume, ohne die Black-Metal-Spannung zu entschärfen. Dadurch entsteht eine seltsame Doppelwirkung: Die Musik bleibt bissig, aber sie bekommt Kulisse, Himmel, Staub und Farbe. Nicht der Jahrmarkt betritt den Black Metal, sondern eine halb vergessene Legende kratzt an der schwarzen Pforte.

🔥 Highlights

Assiégé Pour l’Éternité ist der große Belagerungsblock des Albums. Neun Minuten lang wird hier nicht einfach episch getan, hier wird gebaut: Zinnen, Gräben, Aufmarsch, Zweifel, Absturz. Der Textgedanke eines verratenen Mannes auf den Mauern, der in den Abgrund schaut, passt hervorragend zur Musik. Die Gitarren kreisen nicht nur um Härte, sondern um einen Zustand zwischen heroischer Pose und innerem Zusammenbruch. Das ist der Moment, in dem Véhémence zeigen, dass ihr Mittelalter nicht nur Dekor ist, sondern seelischer Schauplatz.

En Quête du Graal trägt den gefährlichsten Titel der Platte, weil Gralssuche im Metal schnell nach Plastikpokal und Nebelmaschine klingt. Hier aber funktioniert es, weil der Song nicht triumphal aus der Quest herausleuchtet, sondern den bitteren Kern dieser Suche betont. Ein Mann sucht Heilung für sein zerstörtes Land, scheitert und bleibt doch unterwegs. Musikalisch hat das Stück genau diese Mischung aus Drang, Verlust und melodischem Fernweh. Die Riffs wirken wie Wege, die immer weiterführen, aber nie ankommen. Sehr stark.

Chant d’Honneur ist der Schlachtruf, aber nicht die stumpfe Version mit erhobenem Krug und Parkplatzchor. Der Song klingt wie ein kollektives Sich-Aufrichten vor dem Unvermeidlichen. Hier greifen Chöre, Tempo und Gitarrenlinien besonders wirkungsvoll ineinander. Die Nummer hat eine fast altmodische Würde, aber genug Biss, damit sie nicht ins Festzelt kippt. Ehre, Tod und Ewigkeit stehen hier nicht als Poster an der Wand, sondern als drei schlechte Optionen direkt vor dem Tor.

Banner für die Rubrik Briefe aus den Zwischenreichen mit Postboten als Skelett

🎨 Artwork

Das Cover sieht aus, als hätte ein mittelalterlicher Buchmaler nach drei Bechern Wein beschlossen, endlich ein Black-Metal-Album zu gestalten. Vor schwarzem Hintergrund steht eine reich verzierte goldene Bogenarchitektur, darin eine helle Burg mit blauem Himmel, Reiter, weißem Pferd und wehenden Bannern. Oben prangt das goldene Véhémence-Logo, unten der Albumtitel in gotischer Schrift.

Das ist wunderbar schräg, weil es jede Erwartung an finstere Genre-Optik unterläuft. Keine Ruine im Mondlicht, kein Wald in Schwarzweiß, kein Schädel mit Kerzen. Stattdessen: Märchenburg, Einhorn-Anmutung, Goldrand, höfische Miniatur. Fast möchte man fragen, ob gleich ein höflicher Herold die neue Steuerordnung vorliest. Gerade deshalb passt es so gut. Véhémence denken Medieval Black Metal nicht als graubraunen Realismus, sondern als verzauberte Überhöhung. Das Cover ist nicht düster im üblichen Sinn. Es ist seltsam entrückt. Ein Torbild in eine Welt, in der Ritterlichkeit nicht nett, sondern gefährlich ist, in der Magie nicht funkelt, sondern fordert, und in der selbst ein weißes Pferd mehr Unheil tragen kann als ein ganzer Dämonenchor.

🪦 Besondere Momente

Die Neufassung hat Sinn und nicht nur neue Saiten:
Viele Bands nehmen alte Alben neu auf, weil sie inzwischen besser spielen, besseren Sound wollen oder das alte Cover peinlich finden. Véhémence gehen weiter. Assiégé Pour l’Éternité wirkt nicht wie eine polierte Erinnerung, sondern wie eine nachträglich fertiggestellte Burg: gleiche Grundmauern, aber neue Türme, neue Wappen, mehr Gänge, mehr Licht.

Die Texte ziehen das Album tiefer nach Arencia:
Die neu geschriebenen Lyrics geben der Platte eine stärkere innere Logik. Celestial Chivalry, Gralssuche, Verrat, Krankheit, Kinder auf der Flucht, Ehrengesang vor der Schlacht: Das ist nicht bloß Fantasy-Vokabular, sondern eine eigene moralische Welt. Natürlich mit Pathos. Aber Pathos ist hier kein Unfall, sondern Baustoff.

Folk-Instrumente ohne Marktplatz-Muff:
Irish Flute, Psalterium und Fife könnten bei falscher Dosierung sofort nach Metfest, Wollumhang und peinlicher Tavernenanimation klingen. Tun sie hier nicht. Sie erweitern die Atmosphäre, statt sich vor die Riffs zu stellen. Der Unterschied ist entscheidend: Die Folkelemente spielen nicht „Mittelalter“, sie öffnen das Tor dazu.

Banner für die Serie Schwarzes Metall über die Geschichte des Black Metals.

📜 Hintergrund

Véhémence stammen aus Frankreich und gehören zu den Bands, die Medieval Black Metal nicht als lustige Unterrubrik, sondern als ernsthafte ästhetische Welt behandeln. Ihr Klang verbindet melodischen Black Metal, epische Dramaturgie, französische Geschichtsnähe und eine deutliche Liebe zu mittelalterlicher Imagination.

Das ursprüngliche Assiégé erschien 2014 digital und wurde später physisch veröffentlicht. Danach festigten Véhémence mit Par le Sang Versé und Ordalies ihren Ruf als Band, die nicht einfach Riffs schreibt, sondern ganze Ritterchroniken in Brand setzt. Assiégé Pour l’Éternité kehrt nun zum Anfang zurück, aber nicht als Museumsbesuch. Das Album setzt die alten Ideen in den Stand der heutigen Band.

Die aktuelle Besetzung erweitert den früheren Rahmen deutlich: Tulzcha bleibt als Gründungsfigur an Gitarren, Keyboards und Folk-Farben zentral, Thomas Leitner bringt echtes Schlagzeug ein, Hyvermor trägt Gesang, Chöre und zusätzliche Instrumente bei, und KK von Passéisme gibt dem Material am Bass mehr Körper. Genau das hört man. Die Musik wirkt weniger wie ein Entwurf und mehr wie ein vollständig geöffnetes Tor.

🪓 Fazit: Die Zugbrücke brennt, aber sie trägt

Assiégé Pour l’Éternité ist ein selten sinnvoller Fall von Rückkehr. Véhémence nehmen die Vergangenheit nicht in den Arm, um ihr milde über den Kopf zu streicheln. Sie packen sie am Wappenrock, zerren sie in die Gegenwart und fragen, was aus ihr geworden wäre, hätte sie damals schon diese Mittel gehabt.

Die Antwort ist: ein großes, manchmal herrlich überladenes, aber erstaunlich stimmiges Medieval-Black-Metal-Album. Wer hier nüchterne Härte sucht, wird von Goldrand, Gral und Ritterideal vermutlich erschlagen. Wer aber genau diese Mischung aus Raserei, Melodie, Folklore, Märchenbild und echter Black-Metal-Kante liebt, bekommt eine Platte, die nicht bloß nostalgisch glänzt, sondern eigenständig brennt.

Das Schöne ist: Véhémence wirken dabei nie wie eine Band, die sich verkleidet. Sie haben ihre Welt längst gefunden. Assiégé Pour l’Éternité zeigt nun, wie weit diese Welt zurückreicht und wie viel Leben noch in den alten Mauern steckt. Die Burg wurde nicht restauriert. Sie wurde beschworen.

Albumcover Véhémence – Assiégé Pour l’Éternité: Schwarzer Hintergrund mit goldenem Véhémence-Logo, reich verzierter mittelalterlicher Bogenarchitektur, Burgszene mit Reiter auf weißem Pferd, blauem Himmel und gotischem Albumtitel in Gold.
Künstler:Véhémence
Albumtitel:Assiégé Pour l’Éternité
Erscheinungsdatum:10. Juni 2026
Genre:Medieval Black Metal, Epic Black Metal, Melodic Black Metal, Folk Black Metal
Label:Antiq
Spielzeit:ca. 42 Minuten

🎬 Offizieller Track

Offizieller Track zu „Chant d’Honneur“ – acht Minuten mittelalterlicher Black-Metal-Aufmarsch zwischen Ehrenschwur, Gitarrenfeuer und sehr ernstem Blick zur Zugbrücke. Bereitgestellt vom Black Metal Promotion-Channel auf YouTube im Auftrag von Antiq:

🎼 Trackliste:

De Célestes Cavalcades – 4:37
Assiégé Pour l’Éternité – 9:01
Le Sang Respire Encore – 8:21
En Quête du Graal – 8:54
Chant d’Honneur – 8:28
Par Sombres Forêts et Vastes Plaines – 2:45

👥 Besetzung

Tulzcha – Gitarren / Keyboards / Fife
Thomas Leitner – Schlagzeug
Hyvermor – Gesang / Chöre / Irish Flute / Psalterium
KK – Bass

Mehr Album-Reviews für dich?

Banner zur Fantasykosmos Playliste SONGS OF DOOM & GLORY.
Nichts als die Wahrheit. Schmaler Banner für den Arkanen Moosverhetzer. Ein Moosling mit Blatthelm, der wütend eine Propagangazeitung liest.

Außerdem ziemlich lesenswert: