23 Seiten, sieben Bieter, eine Million Dollar: Netflix schnappt sich Understudy

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Sehr kurze Geschichte, sehr langer Kassenzettel

📰 Was ist los?
Netflix hat sich nach einem Bieterwettbewerb die Rechte an Nicholas Binges Science-Fiction-Horrorstoff Understudy gesichert. Phil Lord und Christopher Miller entwickeln und produzieren die geplante Serienadaption, Steven Yeun ist über Celadon Pictures beteiligt und Binge schreibt selbst das Drehbuch. Der Deal soll mehr als eine Million Dollar wert sein.

🐛 Was denken wir?
Die Million ist die schöne Schlagzeile, spannender ist aber die Frage, was sieben Studios in diesen wenigen Seiten gesehen haben. Die Prämisse um einen Schauspieler, dessen Job in Südkorea in eine tödliche Verschwörung kippt, besitzt jedenfalls genug Raum für Paranoia, Identitätsspiel und psychologischen Science-Fiction-Horror. Jetzt muss Netflix daraus nur noch tatsächlich eine Serie machen.

Es braucht offenbar keinen 800-Seiten-Roman mehr, um Hollywood nervös zu machen. Im Fall von Understudy genügten 23 Seiten, sieben interessierte Studios und eine Idee, für die Netflix am Ende mehr als eine Million Dollar auf den Tisch gelegt haben soll.

Ein Schauspieler steht nachts allein auf einem regennassen Filmset in Südkorea, umgeben von Kameras, Scheinwerfern und einer riesigen geisterhaften Gesichtserscheinung über traditionellen Gebäuden.
In Understudy führt ein ungewöhnlicher Schauspieljob in Südkorea immer tiefer in eine Verschwörung aus Science-Fiction, Paranoia und psychologischem Horror.
© Fantasykosmos / KI-Illustration / manuell nachbearbeitet

Die extrem kurze Science-Fiction-Horror-Geschichte stammt von Nicholas Binge, dessen Bücher regelmäßig Thriller, spekulative Science-Fiction und psychologischen Horror miteinander verbinden. Netflix will aus Understudy eine Serie entwickeln und hat dafür bereits ein bemerkenswertes Kreativpaket versammelt: Phil Lord und Christopher Miller produzieren über Lord Miller, Steven Yeun ist mit seiner Firma Celadon Pictures beteiligt, und Binge soll seine eigene Geschichte für das Fernsehen adaptieren.

🎭 Ein Schauspieler nimmt den falschen Job an

Im Mittelpunkt von Understudy steht ein Schauspieler, der in Südkorea für eine ungewöhnliche Rolle engagiert wird. Zunächst klingt das lediglich nach einem seltsamen Auftrag, doch dann beginnen Menschen zu sterben und Verbrechen häufen sich. Der Schauspieler erkennt schließlich, dass er selbst im Zentrum einer wesentlich größeren Verschwörung steckt.

Mehr verraten die bisherigen Berichte bewusst nicht. Gerade diese knappe Ausgangslage dürfte allerdings erklären, weshalb der Stoff so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Eine fremde Produktion, ein Schauspieler, dessen Rolle offenbar weit über ein normales Engagement hinausgeht, und eine Verschwörung, bei der möglicherweise gar nicht mehr klar ist, wo Inszenierung endet und Realität beginnt, daraus lässt sich wohl ziemlich viel unangenehme Science-Fiction bauen.

Binge ist ohnehin genau in diesem Grenzbereich zu Hause. Seine Geschichten arbeiten häufig mit Wahrnehmung, Identität und Situationen, in denen eine zunächst klar verständliche Realität langsam ihre Stabilität verliert. Understudy scheint diese Linie fortzusetzen.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

💰 Sieben Studios wollten dieselben wenigen Seiten

Der Deal selbst ist fast ebenso bemerkenswert wie die Geschichte. Nach übereinstimmenden Berichten interessierten sich zahlreiche Produzenten für den Stoff, und sieben Studios gingen schließlich in einen Bieterwettbewerb. Netflix setzte sich durch; der Kaufpreis soll über einer Million Dollar liegen. Netflix selbst hat die Summe bislang nicht offiziell bestätigt.

Filmstarts und The Hollywood Reporter Japan sprechen von einer 23 Seiten langen Vorlage. Das macht den Deal besonders auffällig: Netflix kauft hier keine ausgearbeitete Romanwelt mit Hunderten Seiten Hintergrundgeschichte, sondern eine extrem konzentrierte Idee, aus der anschließend erst eine komplette Serienstruktur entstehen muss.

Das erklärt gleichzeitig, weshalb Binge selbst die Adaption übernimmt. Ein großer Teil der Figuren, Nebenhandlungen und wahrscheinlich auch der Welt muss für die Serie überhaupt erst entwickelt werden. Bei einer so kurzen Vorlage ist der Autor damit weniger jemand, der sein eigenes Buch kürzt, als jemand, der die ursprüngliche Idee massiv erweitert.

🚀 Lord und Miller könnten auch den Piloten inszenieren

Mit Phil Lord und Christopher Miller hat Netflix zwei Produzenten an Bord, die derzeit wieder ausgesprochen gefragt sind. Nach dem Erfolg von Project Hail Mary entwickeln sie Understudy über ihre Firma Lord Miller und erwägen laut The Hollywood Reporter auch, den Piloten selbst zu inszenieren.

Gerade für diesen Stoff könnte das interessant werden. Lord und Miller verbinden seit Jahren große High-Concept-Ideen mit ungewöhnlichen Tonlagen und visuellen Konzepten. Understudy scheint ebenfalls davon zu leben, dass seine zunächst relativ normale Ausgangslage immer weiter aus der Realität kippt.

Wie ernst, surreal oder brutal die Serie am Ende wird, lässt sich bislang noch nicht sagen. Science-Fiction, Thriller und psychologischer Horror sind allerdings deutlich als Eckpunkte erkennbar.

Orkenfeuer Kaffemischung aus Mordor als Bannerwerbung vor dem Schicksalsberg.

🎬 Steven Yeun produziert – eine Hauptrolle ist noch offen

Bei Steven Yeun lohnt sich etwas Genauigkeit. Er ist über Celadon Pictures als Executive Producer beteiligt, bislang aber nicht als Schauspieler verpflichtet. Branchenberichte halten ihn aufgrund der Rolle und des Südkorea-Settings zwar für eine naheliegende Besetzung, ein Vertrag für die Hauptrolle existiert derzeit jedoch nicht.

Das ist ein wichtiger Unterschied, weil aus einem Produzentencredit schnell eine vermeintlich bestätigte Hauptrolle werden kann. Im Moment ist Yeun kreativ und geschäftlich Teil des Projekts; ob er später tatsächlich vor der Kamera steht, muss sich erst zeigen.

Sollte es dazu kommen, wäre die Besetzung allerdings ausgesprochen plausibel. Ein Schauspieler spielt einen Schauspieler, der in Südkorea in eine zunehmend tödliche und möglicherweise vollkommen irreal werdende Produktion hineingezogen wird – subtil wäre das nicht, aber reizvoll.

📚 Nicholas Binge wird für Hollywood zunehmend interessant

Understudy ist nicht das einzige Werk von Nicholas Binge, das derzeit den Weg Richtung Bildschirm sucht. Sein Roman Dissolution befindet sich bei Sony Pictures Television in Entwicklung, während A24 UK die Rechte an White Smoke erworben hat. Für dieses Projekt ist Benedict Cumberbatch als Hauptdarsteller vorgesehen.

Damit entwickelt sich Binge zunehmend zu einem jener Autoren, deren High-Concept-Stoffe Hollywood sehr schnell aufgreift. Das passt zum aktuellen Markt: kurze, starke Prämissen lassen sich früh einkaufen und anschließend wesentlich freier für Film oder Serie ausbauen als umfangreiche Romanreihen mit festgelegter Fanerwartung.

Bei Understudy wird dieser Trend nur besonders sichtbar, weil das Verhältnis zwischen Umfang und Kaufpreis so absurd wirkt.

🧩 Eine Million Dollar bedeuten noch keine fertige Serie

So spektakulär der Deal klingt: Understudy befindet sich weiterhin in Entwicklung. Netflix hat bislang weder eine komplette Staffel bestellt noch einen Drehbeginn, eine Episodenzahl oder einen Veröffentlichungstermin genannt. Auch die Besetzung ist offen.

Der aktuelle Deal umfasst also zunächst die Rechte und die Entwicklung des Projekts. Erst wenn Netflix mit Drehbuch und Paket zufrieden ist, wird aus dem teuren Stoff tatsächlich eine produzierte Serie.

Trotzdem steht schon jetzt bemerkenswert viel fest: Binge schreibt selbst, Lord und Miller entwickeln das Projekt, Steven Yeun produziert mit und sieben Studios hielten die Idee offenbar für interessant genug, um darum zu kämpfen. Diese 23 Seiten müssen mit einer Mischung aus Dynamit und Adrenalin geschrieben worden sein.

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