Ulver – Neverland (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Ulver – Neverland

🧿 Kurzfazit
Neverland ist Ulver in der „lass mal treiben“-Form: weitgehend instrumental, luxuriös geschichtet, mal warm wie Neon in Winterregen, mal scharf wie kalte Samples auf nackter Haut.

🎯 Für wen?
Für alle, die Electronica, Ambient, Trip-Hop-Feeling und diese leicht filmische Ulver-Melancholie mögen. Und für Menschen, die bei „späte 90er“ nicht an Baggy-Pants denken, sondern an IDM-Nächte und Post-Rock-Schleifen.

🎧 Wie klingt das?
Wie eine nächtliche Küstenstraße: links dunkles Wasser, rechts flackernde Lichter, du fährst zu langsam, weil du nichts verpassen willst. Beats tauchen auf, verschwinden wieder, Synths atmen, und irgendwo in der Ferne blitzen Stimmenfetzen wie Radiostörungen auf.

💿 Highlights
Weeping Stone, They’re Coming! The Birds!, Horses of the Plough

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Ulver gerade dann liebst, wenn sie Songs schreiben, die dich am Kragen packen. Neverland packt dich eher am Nackenhaar und sagt: „Komm, setz dich, wir machen das jetzt mit Atmosphäre.“


🐺 Ulver: Neverland: Elf Mini-Filme für die Nachtseite des angelaufenen Jahres

Ulver sind mal wieder unangenehm produktiv: Neverland landet digital am letzten Tag des Jahres, und statt „Song, Refrain, fertig“ gibt’s dieses Mal vor allem Stimmung als System. Mehr Raum, mehr Textur, weniger Vordergrundstimme. Ein Album, das nicht bittet, verstanden zu werden, sondern dich einfach in seinen Nebel zieht und dabei auffallend elegant so tut, als wäre das alles ganz selbstverständlich.

🎧 Was erwartet dich?

  • Genre: Ambient, Electronica, Experimental, Trip-Hop-Anklänge, IDM-Schimmer, post-rockige Dramaturgie ohne Gitarrenheldentum.
  • Vergleichbar mit: Ulver in der Gegend von Perdition City und späteren Zwischenwelt-Phasen, plus ein Hauch „late 90s sample culture“, nur ohne Nostalgie-Schmierfilm.
  • Klangfarbe: Tagsüber-blau, nachts-violett. Viel Raum, viele kleine Bewegungen. Das Album lebt von Details, nicht von großen „DA“-Momenten.

Highlights

Weeping Stone
Der Track wirkt wie ein innerer Schnitt: Erst schwebt alles, dann wird es strukturiert, und plötzlich merkst du, dass du längst drin bist. Ulver können diese „ich bin gleichzeitig müde und hellwach“-Stimmung wie kaum jemand.

They’re Coming! The Birds!
Kurz, nervös, mit diesem seltsamen Zug von „gleich passiert was“, ohne dass es je plump wird. Mehr Andeutung als Aussage, aber genau deshalb bleibt es hängen.

Horses of the Plough
Hier wird’s am ehesten „beweglich“. Das Stück hat Drive, aber keinen Rock-Drive, eher so ein kontrolliertes Rollen, als würde das Album für ein paar Minuten die Schuhe wechseln und plötzlich laufen wollen.

🎨 Artwork

Postkarten-Paradies mit Abgrundkante: Das Cover von Neverland sieht aus, als hätten Ulver ausgerechnet die freundlichste Ecke der Welt gekapert, Mond über einer Tropenbucht, Palmen, Brandung, Wasserfall, Blumen in Vollfarbe. Alles schreit „Urlaub“, aber das Ding hat diese seltsame, leicht unheimliche Glätte: wie ein Reiseprospekt, den man nachts um drei findet, während draußen der Wind am Fenster kratzt. Oben sitzt der riesige Schriftzug wie ein nüchterner Balken über der Idylle, rechts das House-of-Mythology-Siegel samt Katalogcode, als würde jemand sagen: „Ja, schön hier. Aber das ist immer noch Ulver.“ Und genau das ist der Witz: Neverland verkauft dir kein Paradies, es verkauft dir das Gefühl, dass selbst das Paradies bei Mondlicht irgendwie… zweifelhaft wirkt.


🪦 Besondere Momente

Weitgehend instrumental, aber nicht „Hintergrundmusik“. Die Platte arbeitet mit Vocal-Chops und fernen Stimmen, wie mit Geisterspuren, die man nicht greifen kann, aber ständig wahrnimmt.

Diese Ulver-typische Fähigkeit, Energie ohne Lautstärke zu bauen: Ein Beat kann klein sein und trotzdem wie ein Türöffner wirken.

Das Album funktioniert eher als elf einzelne Szenen denn als großer Fluss. Wenn du nahtlose Übergänge erwartest, wirkt Neverland bewusst „kapitelhaft“. Wenn du genau das magst, sitzt du hier goldrichtig.

🪓 Fazit

Neverland ist kein „Comeback“-Album und kein Stil-Statement mit Megafon. Es ist eher Ulver, die dir eine Tür aufhalten und sagen: „Geh schon mal rein, wir kommen gleich nach.“
Wer diese Band für ihre Zwischenräume liebt, bekommt hier ein sehr stimmiges, sehr hochwertiges Kapitel: nicht überladen, nicht hektisch, aber voll von kleinen, klugen Entscheidungen. Und ja: Das Ding ist genau richtig, um es an Silvester laufen zu lassen, während draußen die Welt so tut, als hätte sie dank Alkoholpegel und Schwarzpulverfingern alles im Griff.

Albumcover Ulver Neverland: farbenfrohe tropische Küstenlandschaft bei Mondlicht, Brandung, Felsen und Palmen; oben großer Schriftzug „ULVER NEVERLAND“.
Künstler:Ulver
Albumtitel:Neverland
Erscheinungsdatum:31. Dezember 2025
Genre:Ambient / Electro / Experimental
Label:House of Mythology
Spielzeit:ca. 41 Minuten

Fear in a Handful of Dust
Elephant Trunk
Weeping Stone
People of the Hills
They’re Coming! The Birds!
Hark! Hark! The Dogs Do Bark
Horses of the Plough
Pandora’s Box
Quivers in the Marrow
Welcome to the Jungle
Fire in the End

🎬 Offizieller Visualizer

„Weeping Stone“ – der perfekte Einstieg in Neverland: nicht Song-Show, sondern Stimmungsarchitektur mit Mondlicht-Kante. Bereitgestellt von House of Mythology auf YouTube:

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