Türböwitch – Under Haunted Skies (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Türböwitch – Under Haunted Skies

🧿 Kurzfazit
Anatomy Of Suffering ist keine entspannte Rückkehr zu alten Tugenden, sondern eine sehr bewusste Reaktivierung des frühen Aggrotech-Giftes, nur mit mehr Muskelmasse und weniger Jugendzimmer-Nebelmaschine. Das Ding klingt, als hätte jemand eine EBM-Keule in einen chirurgischen Werkzeugkasten gelegt.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die Suicide Commando, Psyclon Nine und die biestigere Seite von Combichrist mögen, aber gern noch ein paar schwarzmetallische Schrammen im Lack hätten. Also für alle, die Elektronik nicht als Tanzfläche, sondern als Bedrohung verstehen.

🎧 Wie klingt das?
Harsche Synth-Linien, stampfende Beat-Attacken, kalte Flächen, giftige Vocals und ein Produktionsbild, das lieber würgt als schmeichelt. Weniger sterile Club-Politur, mehr Maschinenraum mit Blutspuren.

💿 Highlights
Viral Decay, Penumbra, Autopsy Of A Spirit

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Industrial nur dann erträglich findest, wenn er geschniegelt groovt, und bei jeder Form von nihilistischer Übergriffigkeit sofort das Weichzeichner-Spray zückst.


‪‪🧹 Türböwitch – Under Haunted Skies: Wenn in Budapest der Besenmotor auf Anschlag gedreht wird

Türböwitch machen auf Under Haunted Skies nicht den Fehler, ihr eigenes Chaos zu Tode zu erklären. Diese Platte kommt rein, sägt los und lässt gar nicht erst den Verdacht aufkommen, hier wolle sich jemand als besonders feinsinniger Extrem-Metal-Intellektueller verkaufen. Das ist blackened Speed-Thrash mit ordentlich Dreck unter den Fingernägeln, Punk im Nervensystem und genau der richtigen Menge Moshpit-Irrsinn.

Das Schöne daran: Die Band klingt nicht geschniegelt, weder geschniegelt-böse noch geschniegelt-retro. Under Haunted Skies wirkt wie eine halbe Stunde nächtlicher Straßendreck, der gelernt hat, punktgenau zu treffen. Nicht neu. Aber verdammt lebendig.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Blackened Speed-Thrash, Speed Metal, Thrash Metal
Vergleichbar mit: Kernmitglieder von Midnight, Hellripper, Motörhead nach einer Nacht ohne vernünftige Entscheidungen
Klangfarbe: Eine Platte wie ein nächtlicher Überfall auf eine Friedhofskneipe. Die Gitarren hacken und galoppieren, das Schlagzeug treibt die Songs eher mit Stiefeltritt als mit Samthandschuh, und über allem hängt dieser rußige Tonfall, der dem Material genau die richtige Portion Finsternis gibt. Dazu kommt eine schön unfeine Punk-Schlagseite, die verhindert, dass sich das Album in Metal-Nerd-Turnübungen verliert.

Highlights

Markoláb
Hier wird sofort klar, dass Türböwitch keine Lust auf langen Vorlauf haben. Der Song geht mit der Tür ins Gesicht, treibt vorwärts und trägt trotzdem genug böses Flair in sich, damit das Ganze nicht bloß nach beschleunigtem Kneipen-Thrash klingt. Das Ding rennt, faucht und hat genau jene primitive Eleganz, die gute Krawallmusik braucht.

Ashbringer
Ein herrlich giftiger Banger, der zeigt, wie diese Band Tempo und Bosheit zusammenbindet, ohne die Kontrolle zu verlieren. Die Nummer sägt nicht stumpf alles platt, sondern setzt ihre Haken ziemlich gezielt. Genau deshalb bleibt sie hängen. Das ist keine noble Fechtkunst, sondern eher ein rostiges Messer, allerdings mit beängstigend sicherer Hand geführt.

Moshpit at the End of the Day
Schon der Titel ist eine kleine Liebeserklärung an den gepflegten Alltagsschaden. Musikalisch liefert der Song dann exakt das, was man hofft: Druck, Dreck und genug Schub, um selbst Bierbecher aus Alteisen in heftige Bewegung zu versetzen. Wer hierzu stillsteht, hat seinem inneren Krawallbruder vermutlich längst die Kündigung zugestellt.


🎨 Artwork

Das Cover versteht sehr genau, was diese Platte sein will. Eine verfallene Kapelle, schwarze Baumgerippe, ein unnatürlich grün glühender Himmel und darüber eine wolfsartige Bestie, die den Mond eher verschlingt als anheult. Unten hockt ein kleiner Hexenzirkel am Feuer, als würde gleich irgendein sehr schlechter Entschluss rituell beglaubigt.

Das ist nicht subtil. Zum Glück nicht. Under Haunted Skies sieht genauso aus, wie es klingen soll: finster, pulpig, leicht überzogen und mit genug Atmosphäre, um aus einem simplen Nachtbild ein schönes Stück Genreliebe zu machen. Kein minimalistisches Kunststudenten-Cover, sondern ehrlicher Dunkelzauber mit Schmackes.


🪦 Besondere Momente

Die Platte leistet sich den Luxus, kurz zu sein. Das ist im Jahr 2026 fast schon fast radikal. Statt alles mit Füllmaterial zuzuschmieren, zieht Türböwitch nach gut einer halben Stunde den Schlussstrich und verschwindet, bevor Ermüdung einsetzen kann. Sehr kluge Entscheidung.

Spannend ist auch, wie die Band ihre rohe Schmutzenergie immer wieder mit kleinen melodischen Öffnungen versieht. Nicht viel. Nicht geschniegelt. Aber gerade genug, damit das Album Profil bekommt und nicht bloß als Krawallwolke vorbeirauscht.

Und dann ist da noch diese schöne Mischung aus Untergangsbild, Folklore-Einschlag und Kneipenabriss. Under Haunted Skies wirkt dadurch nicht wie das x-te austauschbare „Satan, Speed und Bier“-Gerumpel, sondern wie eine Band, die ihre eigene kleine Dreckwelt tatsächlich meint.

📜 Hintergrund

Auch wenn der Bandname auf der phonetischen Seite einen Skelettfinger in Richtung Sachsen ausstreckt: Türböwitch kommen aus Budapest und toben sich seit 2016 durch die europäische Underground-Zone. Nach Napalm to Posers und Fullmoon Liquorthropy ist Under Haunted Skies nun das dritte volle Album und zugleich die logischste Zuspitzung dessen, was diese Band ausmacht: mehr Fokus, mehr Zug, mehr Selbstverständlichkeit im eigenen Chaos.

Dass die Truppe in den letzten Jahren an Sichtbarkeit gewonnen hat, hört man dem Material durchaus an. Diese Songs wirken nicht wie unausgegorene Kellerrituale, sondern wie das Werk einer Band, die weiß, wie sie ihren Lärm bündelt. Der Sprung zu Time To Kill Records passt deshalb ziemlich gut. Das Label liefert die Plattform, die Musik liefert die Schlagkraft.

Auch die Produktion sitzt genau dort, wo sie sitzen muss. Roh genug, um nicht geschniegelt zu wirken. Klar genug, damit die Riffs nicht als formloser Staubhaufen enden. Das ist kein Album für sterile Hochglanzfetischisten, aber sehr wohl eines für Leute, die verstehen, dass Dreck und Präzision keine Feinde sein müssen.

🪓 Fazit: Kein Hexenwerk, sondern ein Tritt mit Stahlkappe

Under Haunted Skies will kein großes Manifest sein. Es will rasen, kratzen, fletschen und möglichst wenig Zeit verschwenden. Genau darin liegt seine Stärke. Türböwitch liefern hier kein neues Kapitel der Metal-Geschichte, wohl aber eine Platte, die ihren Job mit erfreulicher Bosheit und ziemlich stabilem Killerinstinkt erledigt.

Wer ständig Innovation fordert, wird hier den erhobenen Zeigefinger heben wollen. Wir würden ihm freundlich mit Fingern aus der Mitte antworten. Denn dieses Album gewinnt nicht durch neue Aspekte, sondern durch seine Konsequenz. Es ist kurz, dreckig, schnell und wirksam. Mehr muss so ein Ding manchmal gar nicht sein, um viel Spaß zu machen.

AAlbumcover von Türböwitch – Under Haunted Skies: verfallene Kapelle unter grün leuchtendem Nachthimmel, wolfsartige Schattenbestie am Mond und Hexenzirkel im Wald
Künstler:Türböwitch
Albumtitel:Under Haunted Skies
Erscheinungsdatum:20. März 2026
Genre:Blackened Speed-Thrash, Speed Metal, Thrash Metal
Label:Time To Kill Records
Spielzeit:ca. 34 Minuten

Trackliste:

Evoker of the Twilight
Markoláb
Under Haunted Skies
Cult Mastery
Ashbringer
Highways of Death
Ultimate Failure of Will
When the World Crumbled
Moshpit at the End of the Day
Road to Resilience

🎬 Offizielles Video

Offizieller Clip zu „Under Haunted Skies“ – ein düsterer Vorabgruß aus Kapellenruine, Giftgrün und apokalyptischem Nachtzauber. Bereitgestellt vom offiziellen Time To Kill Records-Channel auf YouTube:

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