Trump ersetzt die Musiker: Der Präsident als letzter Elvis der Republik

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Trump ersetzt die Musiker: Der Präsident als letzter Elvis der Republik

Zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten sollte Amerika sich feiern. Dann sagten Musiker ab, und Donald Trump entdeckte, dass ein Land notfalls auch von seinem eigenen Echo beschallt werden kann. Jetzt steht die Frage im Raum, ob aus einem Jubiläumskonzert eine „America is back“-Kundgebung wird. Elvis ist tot. Aber das Mikrofon lebt gefährlich.

Es gibt Momente, in denen eine Nation kurz innehält und sich fragt, welche Bilder sie von sich selbst hinterlassen möchte. Die Vereinigten Staaten werden 250 Jahre alt, ein Datum mit Pathosbedarf, Fahnengewicht und historischer Selbstbespiegelung. Man könnte Chöre aufstellen, Orchester bemühen, Veteranen ehren, Minderheiten sichtbar machen, die Brüche der Geschichte nicht völlig unter Konfetti begraben und vielleicht sogar ein wenig Würde riskieren.

Oder man macht daraus eine Trump-Show. Denn: Nach den Absagen mehrerer Musiker bei den geplanten Feierlichkeiten zum amerikanischen Unabhängigkeitsjubiläum brachte der Präsident die Möglichkeit einer „America is back“-Kundgebung ins Spiel. Das allein wäre schon ein hübsch knirschender Vorgang: Aus der Geburtstagsfeier der Republik wird eine Parteimesse mit Soundcheck. Doch dann kam der Satz, der in jeder gut sortierten Chronik der politischen Selbstvergoldung einen eigenen Kerzenständer verdient: Trump ziehe mehr Publikum an als Elvis in seinen besten Zeiten.

Man muss diese Behauptung nicht prüfen. Man muss sie rahmen. Am besten in Samt. Mit Blitzlicht. Und einem sehr großen Spiegel.

Donald Trump steht als billiger Elvis-Imitator in einem heruntergekommenen patriotischen Varieté-Schuppen auf der Bühne, umgeben von kaputter Gründerväter-Deko, schäbigen Vorhängen, Bierdosen und einem versifften Publikum.

Der Hofbarde sagt ab, also singt der König selbst

Im Fantasykosmos wäre das eine jener Szenen, in denen der Hofstaat langsam rückwärts aus dem Thronsaal verschwindet. Die Barden haben abgesagt, die Lautenspieler sind krank, die Trommler wurden angeblich falsch gebucht, und plötzlich erhebt sich der König selbst, greift zur goldenen Laute und erklärt, dass ohnehin niemand so viel Jubel auslöse wie er.

Das Problem ist nicht nur die Eitelkeit. Eitelkeit ist in der Politik nichts Neues. Manche Staatsmänner trugen Lorbeer, andere Uniform, einige zu viele Orden. Trump trägt Publikum als Krone. Applaus ist bei ihm kein Nebengeräusch politischer Macht, sondern ihr eigentlicher Beweis. Wo andere Präsidenten eine Rede halten, veranstaltet er eine Echolotmessung der eigenen Größe.

Dass ausgerechnet der 250. Geburtstag der amerikanischen Unabhängigkeit in diese Logik gezogen wird, ist die eigentliche Pointe. Ein Land feiert seine Befreiung von monarchischer Herrschaft, und im Zentrum steht womöglich ein Mann, der sich selbst als Hauptattraktion gegen Musiker, Legenden und Geschichte ausspielt. Die Republik wollte ein Jubiläum. Der Hof bekam einen Solisten.

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Elvis, aber ohne Memphis

Der Elvis-Vergleich ist dabei fast zu schön, um wahr zu sein. Elvis war kein Politiker, aber er wurde sehr früh zu einer amerikanischen Projektionsfläche: Begehren, Rhythmus, Süden, Rebellion, Kommerz, Kitsch, Körper, Stimme. Er war Mythos, noch bevor sein eigenes Leben damit komplett überfordert war und ihn letztlich zerbrach.

Trump greift nun nicht nach Elvis, weil er singen will. Er greift nach Elvis, weil Elvis eine Maßeinheit für Massenrausch ist. Der King wird zur Zuschauerstatistik. Aus Rock ’n’ Roll wird Reichweitenrechnung. Aus Kultur wird Kulisse für den Satz: Ich bin größer. Das ist nicht Pop. Das ist Nekromantie mit Ablaufplan.

Man sieht förmlich den armen Elvis-Geist irgendwo zwischen Graceland und Jenseitsbar stehen, wie er eine Brille aufsetzt, die Hüfte vorsichtig stillhält und murmelt: „Leute, ich wollte doch nur Musik machen.“

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Die Republik als Bühne ihrer eigenen Übertreibung

Natürlich kann man sagen: Es ist nur Trump. Er übertreibt. Er provoziert. Er sagt solche Dinge. Genau darin liegt aber die Müdigkeit der Epoche. Der Ausnahmezustand hat längst Alltagskleidung angezogen. Was früher als bizarre Randnotiz gegolten hätte, erscheint heute als weiterer Programmpunkt zwischen Parade, Kameraschwenk und patriotischer Nebelmaschine.

Dabei steckt in dieser Personalie mehr als eine Lächerlichkeit. Sie zeigt, wie sehr politische Macht inzwischen nach den Regeln der Unterhaltungsindustrie funktioniert. Nicht die Feier zählt, sondern die Besetzung. Nicht das Jubiläum, sondern die Headliner-Frage. Nicht die Geschichte, sondern wer vorne steht, wenn die Kameras angehen.

Der 4. Juli war immer schon Bühne. Feuerwerk, Hymne, Pathos, Hotdogs, militärischer Subtext, Familienpicknick unter Nationalflagge. Aber America 250 hätte die seltene Gelegenheit geboten, nicht nur sich selbst zu feiern, sondern auch kurz nachzudenken, was aus diesem großen, widersprüchlichen, gewalttätigen, genialen, erschöpften Experiment geworden ist. Stattdessen droht nun eine Veranstaltung, in der die Nation dem Präsidenten beim Feiern des Präsidenten zusieht.

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Die Unabhängigkeitserklärung als Warm-up

Das wirklich Sarkastische daran ist, dass Trump den Mythos Amerika besser versteht, als es seine Kritiker gern hätten. Nicht historisch. Nicht moralisch. Aber theatralisch. Er weiß, dass Amerika sich selbst immer auch als Show erzählt hat: Frontier, Hollywood, Superbowl, Predigt, Wahlkampf, Wrestlemania, Megachurch, Militärparade. Er fügt dem nur die konsequenteste Figur hinzu: den Präsidenten als Tour-Act.

Die Unabhängigkeitserklärung wird dann zum Vorprogramm. Die Verfassung ein Bühnenelement. Elvis ein Vergleichswert. Die Musiker, die absagen, werden aus Sicht des Spektakels nicht ersetzt, sondern überboten. Wenn die Kunst nicht kommt, kommt eben die Macht und behauptet, sie sei ohnehin unterhaltsamer.

Das ist der Moment, in dem aus Politik Fantasy wird. Nicht die schöne Sorte mit Drachen, Karten und alten Sprachen. Sondern die finstere Variante: ein Reich, in dem der Herrscher seinen eigenen Mythos so lange erzählt, bis alle anderen Rollen kleiner wirken.

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Der letzte Elvis der Republik

Vielleicht ist der passende Vergleich also gar nicht Elvis. Vielleicht ist Trump eher der letzte Hofzauberer einer Republik, die ihre eigenen Rituale nicht mehr von Wahlkampf unterscheiden kann. Er stellt sich vor die Menge, spricht den alten Bannspruch von Größe, Wiederkehr und verlorener Herrlichkeit, und irgendwo im Hintergrund fragt ein Techniker, ob noch jemand die Musikerliste braucht.

Wahrscheinlich nicht.

Denn wenn der Präsident sich selbst zum Hauptprogramm erklärt, ist die Musik ohnehin zweitrangig. Dann geht es nicht mehr um Feier, Kunst oder Geschichte. Dann geht es um die reine Behauptung von Größe vor der größtmöglichen Kulisse.

Amerika wird 250.

Die Barden haben abgesagt.

Der König sagt, er könne sogar Elvis ersetzen.

Und irgendwo im Maschinenraum der Republik sucht jemand verzweifelt nach dem Ausschalter für die nationale Vernebelungsmaschine.

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