Trench Crusade: Das höllische Tabletop wird vom eigenen Erfolg überrollt
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😈 Die Hölle hat gerade Lieferschwierigkeiten
📰 Was ist los?
Das düstere Tabletop Trench Crusade wächst weiter. Mehr als fünf Millionen Dollar kamen durch Crowdfunding und Nachbestellungen zusammen. Nach der Produktion von über 1,4 Millionen Miniaturenteilen erscheinen weitere Figuren und Startersets. Carcass Front war Ende Oktober zeitweise ausverkauft.
🐛 Was denken wir?
Die außergewöhnliche Bildsprache und der kostenlose Zugang zu den Regeln machen Trench Crusade zu einem spannenden Gegenentwurf zu den großen Tabletop-Marken. Ob der Erfolg dauerhaft trägt, wird vor allem von Verfügbarkeit, Spielqualität und Community abhängen. Pedro hat sich bereits für die Höllenlegion verpflichtet. Die haben ihn nach der Musterung direkt zum Versorgungsoffizier gemacht. Irgendjemand muss schließlich die Nachbestellungen verwalten.
Schlamm, Stacheldraht, Maschinengewehre und dazwischen Kreaturen, die selbst einem abgebrühten Dämonenjäger schlaflose Nächte bereiten würden. Trench Crusade verbindet den Schrecken des Ersten Weltkriegs mit religiösem Horror und einer grotesken Fantasywelt. Was zunächst wie eine besonders finstere Nischenidee wirkte, hat sich inzwischen zu einem bemerkenswerten Tabletop-Erfolg entwickelt. Mehr als fünf Millionen Dollar Crowdfunding-Einnahmen, über eine Million produzierte Miniaturenteile und eine zeitweise ausverkaufte Einsteigerbox zeigen, wie groß das Interesse geworden ist.

Auch auf der SPIEL Essen 2026 präsentierte sich das Spiel Ende Oktober mit eigenen Demotischen und einem großen Miniaturenaufgebot. Das unabhängige Projekt steht allerdings vor einer Herausforderung, die seine Macher anfangs wohl kaum erwartet hatten: Aus einer ambitionierten Fanidee ist ein Geschäft geworden, das eine umfangreiche Produktion und einen funktionierenden internationalen Vertrieb benötigt.
😈 Ein Weltkrieg, der niemals endet
Die Welt von Trench Crusade erzählt eine alternative Geschichte der Menschheit. Während der Kreuzzüge wurde ein Tor zur Hölle geöffnet. Seitdem kämpfen die Menschen gegen dämonische Mächte, die sich über Jahrhunderte hinweg immer weiter ausgebreitet haben.
Im Jahr 1914 ist die Welt zu einem gigantischen Schlachtfeld geworden. Christlich geprägte Armeen, ketzerische Legionen und andere Fraktionen führen einen erbarmungslosen Krieg zwischen Schützengräben, Ruinen und verseuchten Landschaften.
Die Soldaten tragen Gasmasken, schwere Rüstungen und Waffen, deren Gestaltung an frühe industrielle Kriegsführung erinnert. Ihre Gegner wirken wie groteske Mischungen aus mittelalterlichen Dämonendarstellungen, verstümmelten Heiligenbildern und albtraumhaften Kreaturen.
Das Ergebnis ist eine ebenso eigenständige wie verstörende Verbindung aus Grimdark Fantasy, Dieselpunk und religiösem Körperhorror.
Auf dem Spieltisch treffen kleine Kampfgruppen aufeinander. Statt gewaltiger Regimenter stehen taktische Gefechte mit einzelnen Miniaturen und ihren besonderen Fähigkeiten im Mittelpunkt.
💰 Fünf Millionen Dollar für einen Krieg gegen die Hölle
Den Durchbruch schaffte Trench Crusade mit seiner Kickstarter-Kampagne im Herbst 2024.
Ursprünglich peilten die Entwickler lediglich 66.666 Dollar an. Am Ende kamen rund drei Millionen Dollar zusammen. Einschließlich späterer Unterstützungen und Nachbestellungen wuchs das Volumen auf mehr als fünf Millionen Dollar.
Für ein unabhängiges Tabletop-Projekt war das ein gewaltiger Erfolg. Gleichzeitig mussten die Entwickler plötzlich Produktionsmengen bewältigen, die weit über ihren ursprünglichen Planungen lagen.
Der Fertigungspartner Shop3D produzierte innerhalb von rund acht Monaten mehr als 1,4 Millionen Miniaturenteile. Über 12.000 Bestellungen wurden für Unterstützer in aller Welt bearbeitet.
Besonders bemerkenswert: Die Figuren und Zubehörteile entstanden größtenteils im hochauflösenden 3D-Druck. Hunderte Drucker liefen dafür über Monate hinweg in einer nahezu durchgehenden Produktion.
So beeindruckend diese Zahlen sind, sie zeigen auch, wie rasch ein erfolgreicher Kickstarter die Möglichkeiten eines kleinen Herstellers auf die Probe stellen kann.
🏰 Auf der SPIEL Essen war die Hölle los
Auf der SPIEL Essen vom 22. bis 25. Oktober 2026 war Trench Crusade mit einem umfangreichen Stand vertreten. Besucher konnten sich das Spiel an mehreren Demotischen erklären lassen und die detailreichen Figuren aus nächster Nähe betrachten.
Zusätzlich fand mit dem Crimson Chalice ein eigener Bemalwettbewerb statt. Dort präsentierten Hobbykünstler ihre Interpretationen der grotesken Soldaten, Dämonen und Kriegsmaschinen.
Der Messeauftritt zeigte, wie weit sich das Projekt inzwischen von seinen bescheidenen Anfängen entfernt hat. Längst geht es nicht mehr allein um gedruckte Miniaturen für eine kleine Fangemeinde.
Factory Fortress baut das Spiel zunehmend zu einer regulär erhältlichen Tabletop-Marke aus. Dazu gehören neue Kunststoffminiaturen, Erweiterungen, Startersets und ein wachsendes Angebot für unterschiedliche Fraktionen.
⚔️ Carcass Front ist zeitweise ausverkauft
Wie groß die Nachfrage weiterhin ist, zeigt die Einsteigerbox Trench Crusade: Carcass Front.
Das Starterset soll neuen Spielern den Einstieg in die finstere Welt erleichtern. Es enthält Miniaturen für gegnerische Kampfgruppen und bietet damit eine Grundlage für erste Gefechte.
Ende Oktober meldete der offizielle französische Vertrieb die Box als ausverkauft, kündigte aber gleichzeitig eine baldige Nachlieferung an.
Auch der deutsche Fachhandel zeigt, dass die Verfügbarkeit je nach Produkt und Händler unterschiedlich ausfällt. Während einzelne Miniaturensets lieferbar sind, stehen andere Figuren oder die Einsteigerbox zeitweise auf ausverkauft.
Zu den kommenden Veröffentlichungen gehören außerdem neue Einheiten für die Freistaaten Preußens, darunter die Prussian Yeomen. Sie erweitern die Streitkräfte um Infanteristen, die Stellung halten und ihren Verbündeten Feuerunterstützung geben sollen.
Das Spiel wächst damit Stück für Stück weiter, statt sich auf den außergewöhnlichen Crowdfunding-Erfolg auszuruhen.
🐉 Kann Trench Crusade zur großen Warhammer-Alternative werden?
Natürlich erinnert das Konzept stellenweise an Warhammer 40.000. Beide Spiele verbinden Krieg mit religiösem Fanatismus, grotesken Kreaturen und einer Welt, in der Hoffnung eher als knappe Ressource gehandelt wird.
Doch Trench Crusade besitzt eine eigene visuelle Identität. Die Mischung aus historischen Uniformen, mittelalterlicher Symbolik und dämonischem Horror ist ungewöhnlich genug, um nicht bloß wie ein weiterer Warhammer-Ableger zu wirken.
Hinzu kommt ein interessanter Ansatz bei den Spielregeln: Das grundlegende Regelwerk bleibt kostenlos verfügbar. Spieler können sich also zunächst mit dem System beschäftigen, bevor sie Geld für Miniaturen ausgeben.
Ob sich daraus langfristig ein echter Konkurrent für die etablierten Tabletop-Marken entwickelt, ist noch offen. Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne allein garantiert schließlich weder dauerhafte Verkaufszahlen noch eine stabile Spielergemeinschaft.
Aber der enorme Produktionsaufwand, neue Veröffentlichungen und die weiterhin sichtbare Nachfrage zeigen: Die Hölle von Trench Crusade hat längst mehr als ein paar neugierige Besucher angelockt.
Und während andere Fantasywelten ihre Helden wenigstens gelegentlich in eine gemütliche Taverne schicken, scheint hier selbst die Mittagspause unter Artilleriebeschuss stattzufinden.





