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Kein Schlossinternat, sondern ein Monsterhaushalt
📰 Was ist los?
Warner Bros. Pictures Animation entwickelt aktuell einen Animationsfilm zu Thisby Thestoop. Steve Desmond und Michael Sherman haben das Projekt mit einem Pitch zum ersten Band, Thisby Thestoop and the Black Mountain, ins Studio gebracht und schreiben nun das Drehbuch.
🐛 Was denken wir?
Die spannendste Nachricht ist nicht bloß, dass Warner wieder Kinderfantasy adaptiert. Spannend ist, welche Kinderfantasy hier auf den Tisch kommt: keine Zauberschule, kein Standardreich, kein Held mit Prophezeiungsstirn, sondern ein Dungeon voller Kreaturen, den man pflegen, verstehen und gegen höfische Dummheit verteidigen muss. Das ist schon als Grundidee erfreulich quer.
🧌 Neuer Fantasy-Animationsfilm: Warner schickt Thisby ins Kino
Hollywood gräbt wieder im Kinderbuchkeller nach Fantasy mit Eigenart, und diesmal wirkt der Fund tatsächlich nicht wie die hundertste glattgebügelte Chosen-One-Konserve. Warner Bros. Pictures Animation entwickelt eine Verfilmung von Thisby Thestoop, Zac Gormans skurriler Middle-Grade-Reihe über eine junge Tierpflegerin für Monster in einem riesigen Dungeon. Allein dieser Satz hat bereits mehr Charme als mancher komplette Fantasy-Pitch der letzten Jahre.
🐉 Die bessere Fantasy-Idee steht unten im Kerker
Wer nur die nackte Branchenmeldung liest, könnte den Stoff zunächst für eine nette Kleinigkeit halten. Tatsächlich hat Thisby Thestoop aber genau jene Sorte Prämisse, nach der das Genre viel öfter greifen sollte: Thisby ist keine Prinzessin, keine Erwählte und keine Hochglanzkriegerin, sondern die Wärterin des Black-Mountain-Dungeons. Sie kennt Griffonkrallen, Trollfutter und das Innenleben eines Monstergangs besser als jede Hofetikette. Als eine Prinzessin im Kerker verloren geht, wird daraus eine Abenteuergeschichte, die zugleich nach Fantasy, Komödie und leiser Herzensbildung riecht.
Gerade darin liegt die Stärke des Materials. Die Reihe dreht den Blick weg vom üblichen Heldenpodest und hin zu den Wesen, die in klassischen Fantasywelten sonst bloß Kulisse, Kanonenfutter oder Dungeon-Dekoration wären. Schon auf Verlagsseite wird betont, dass Thisby lieber Griffonzehen stutzt als königliche Rettungsmissionen zu übernehmen. Das ist nicht bloß hübsch formuliert, sondern ein echter Perspektivwechsel: Fantasy von unten, aus dem Maschinenraum der Monstren.
✍️ Hinter dem Projekt sitzen Leute, die Struktur können
Warner holt sich für die Adaption mit Steve Desmond und Michael Sherman zwei Autoren, die zuletzt eher durch Genrestoffe mit sauberem Handwerk aufgefallen sind. Laut TheWrap basiert ihr Pitch auf dem ersten Band der Reihe, und beide haben zuvor unter anderem an Knock at the Cabin und Transformers One gearbeitet. Das heißt noch nicht, dass hier automatisch ein Volltreffer entsteht. Aber es heißt immerhin, dass der Stoff nicht direkt in die Hände von Leuten fällt, die bei Kinderfantasy nur das Wort „franchisefähig“ in Großbuchstaben sehen.
Auch Zac Gorman selbst ist keine Zufallsbekanntschaft aus dem Buchregal. HarperCollins führt ihn als Cartoonisten und Autor, der als Storyboard Artist an Over the Garden Wall gearbeitet hat, für Welcome to the Wayne eine Annie-Nominierung erhielt und außerdem für die Rick and Morty-Comics schrieb. Anders gesagt: Hinter Thisby Thestoop steht kein generischer Markenbaustein, sondern ein Kopf mit echter Cartoon- und Creature-DNA. Und genau das merkt man der Grundidee auch an.
📚 Warum dieser Stoff mehr kann als bloße Kinderbuchverwertung
Natürlich ist auch das hier Teil jenes vertrauten Studioverhaltens, bei dem man bibliophile Regale gern als vorgefertigtes IP-Lager behandelt. Aber nicht jedes Regalfundstück ist auch gleich langweilig. Thisby Thestoop bringt etwas mit, das vielen adaptierten Reihen fehlt: eine sofort erkennbare Tonlage. Das Ganze klingt verspielt, leicht schräg, voller Kreaturen, aber nicht zynisch verbogen. Es ist eine Welt, in der Dungeonbewohner nicht nur Gegner sind, sondern Verantwortung bedeuten. Das ist für ein Familienpublikum klüger als der x-te Aufguss von Heldentum mit Schwertglanz.
Dass der Stoff in der Kinder- und Jugendbuchszene nicht völlig unter dem Radar flog, passt dazu. Die Reihe war Finalist bei den Cybils Awards 2018 im Bereich Elementary/Middle Grade Speculative Fiction und taucht in der Liste der Sasquatch-Nominierten der Washington Library Association für 2021 auf. Das ersetzt keine Kinokunst, zeigt aber immerhin: Dieses Material wurde nicht bloß eingetütet, weil irgendwo noch ein Drache aufs Cover passte.
👑 Unser Fazit: Bitte nicht glattpolieren
Thisby Thestoop ist genau die Art Fantasy-Stoff, bei der eine Verfilmung dann interessant wird, wenn das Studio sich zurückhält und der Eigenart vertraut. Ein Mädchen, das Monster versorgt, ein Kerker als Lebensraum, eine Prinzessin, die nicht bloß dekorativ herumsteht, und ein Humor, der offenbar lieber über Situationen als über Referenzgeblinke funktioniert: Das alles könnte ein wirklich hübscher Animationsfilm werden. Warner hat hier die Chance auf etwas mit Zähnen, Herz und einem angenehm schrägen Blick aufs Genre. Jetzt müsste das Studio nur noch der Versuchung widerstehen, ausgerechnet das Ungewöhnliche daran glattzurechnen.



