This Morn’ Omina – Insha (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

This Morn’ Omina – Insha

🧿 Kurzfazit
Insha ist ein technisch brillantes, konsequent entschlacktes Ritualalbum, das den alten Tribal-Industrial in einen inneren Hörraum zurückzieht: weniger Tanzfläche, mehr Tempel, mehr Mantra als Moshpit.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die rituellen Ambient, Ritual Industrial und meditative Soundarchitektur schätzen, länger in Schichten und Texturen sitzen können und ein Album eher als konzentriertes Artefakt als als DJ-Werkzeug betrachten. Wer auf klassische „Totem-Trommeln“ und ekstatische Peak-Momente hofft, wird hier bewusst auf Entzug gesetzt.

🎧 Wie klingt das?
Dicht verwobene Percussion, schwere, atmende Drones, mantrische Klangfiguren, gelegentlich gestützte, aber nie dominierende Rhythmen. Die Produktion ist extrem klar, jeder Puls sitzt, jede Schicht hat Platz – eher architektonisch gebaut als improvisiert.

💿 Highlights
Tephra, Sannyasin, Body Of Light

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei This Morn’ Omina vor allem auf eruptive Tribal-Banger wartest, die dir im Club das Bewusstsein rausprügeln; Insha will deinen Fokus, nicht deinen Kalorienverbrauch.


‪‪🕯 This Morn’ Omina – Insha: Mehr Fokus als Feuer

Seit Jahren steht This Morn’ Omina für rituelle Club-Ekstase: Tribal-Industrial, der mit Trommelwirbel und Totem-Symbolik gleich die halbe Tanzfläche in Trance versetzen will. Mit Insha passiert etwas anderes. Fünf Jahre nach dem letzten Full-Length, erstmals als Co-Release von Cyclic Law und Zazen Sounds, kommt ein Album, das sich eher wie eine konzentrierte Wintermeditation anfühlt als wie das nächste Schamanen-Rave-Ritual. Acht Stücke, knapp fünfzig Minuten, streng kuratiert, nichts Überflüssiges, aber eben auch keine klassische „Totentanz“-Entladung mehr.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Ritual Industrial, Tribal Ambient, Dark Electronica
Vergleichbar mit: den introspektiveren Momenten früher This Morn’ Omina-Releases, späten Klangritualen aus dem Cyclic-Law-Umfeld und rituellen Kollaborationen à la Nam-Khar, jedoch klarer strukturiert und weniger „drone-only“.
Klangfarbe: Statt „alles auf einmal“ regiert hier kontrollierte Reduktion. Langsam aufgebaute Räume, tiefe Drones, feingliedrige Percussion-Linien, punktuell eingesetzte Kicks, kaum klassischer Bassdrum-Schub. Die Beats wirken konstruiert wie Trägerbalken, die Sound-Landschaft darüber wie sorgfältig geschichtete Steinplatten. Druck entsteht aus Timing und Schichtung, nicht aus Lautstärke. Die Kollaboration mit Konchong-Gyaltsen von Nam-Khar verstärkt den rituellen Charakter: viel Mantra-Vibe, wenig „Club-Tool“.

Highlights

Tephra

Sieben Minuten lang kontrollierte Erosion: Tephra wirkt, als würde jemand einen Lavastrom in Zeitlupe aufnehmen. Dünne Percussion-Partikel setzen ein, schichten sich, werden dichter, während tiefe Flächen wie ferne Plattentektonik arbeiten. Der Track bleibt nie völlig beatlos, bricht aber auch nicht in die alte, brachiale Tribal-Gewalt aus. Stattdessen schiebt er sich stetig voran, ein Zustand zwischen Meditation und unterschwelliger Gefahr. Idealer Einstieg in die neue „weniger Explosions-, mehr Spannungs“-Ästhetik von Insha.

Sannyasin

Hier zeigt sich am deutlichsten, wie sehr This Morn’ Omina gelernt haben, ihren eigenen Mythos zu disziplinieren. Sannyasin arbeitet mit klaren, halbzeremoniellen Rhythmen, leicht verschobenen Pattern und zurückhaltenden, aber sehr präsenten Drones. Die Energie sickert mehr, als dass sie explodiert. Man spürt: Wenn die Regler hier nur ein Stück weiter aufgedreht würden, wäre es der klassische Ritual-Brecher. Dass er es nicht wird, ist kein Versehen, sondern Programm – und genau darüber entsteht ein unangenehm spannender Schwebezustand.

Body Of Light

Zum Schluss dann der längste und räumlichste Track: Body Of Light ist ein langsames Ausbrennen, ein kontrolliertes Nachleuchten. Hier tauchen am ehesten die vertrauten „Totem-Gespenster“ auf: Echo-artige Percussion-Phrasen, räumliche Hallräume, in denen sich der Klang wie Rauch an den Wänden bricht. Doch statt alles in ein finalen Drum-Gewitter zu treiben, bleibt der Track auf Distanz. Es ist, als würde das Ritual abgeschlossen, nicht eskaliert. Ein würdiges, wenn auch bewusst unaufgeregtes Schlusslicht.

🎨 Artwork

Trance in Beton: Auf dem Cover von „Insha“ passiert genau das, was die Musik verspricht: nichts schreit, nichts explodiert und trotzdem zieht es den Blick sofort rein. Der Hintergrund ist ein nebliges Dunkelblau-Grau, wie eine abstrakte Betonwand im Halbdunkel, weich verschwommen, ohne klare Konturen. In der Mitte liegt ein fast schwarzer Kreis, nicht ganz hart abgegrenzt, eher wie eine Sonnenfinsternis hinter Dunst.

Durch diesen Kreis zieht sich eine einzige rote Linie, von unten nach oben – dünn, geschwungen, stellenweise verdickt, als wäre es gleichzeitig Blutspur, Pulskurve und Silhouette eines Gesichts. Kein Totenkopf, kein Symbolpark, keine pseudo-okkulte Typo. Nur dieser eine Strich, der mehr Andeutung als Motiv ist. Oben links steht klein und sachlich „this morn’ omina“, unten dezent „INSHA“ in derselben Rotnuance.

Das Cover fühlt sich an wie ein konzentrierter Fokuspunkt: ein Klangkanal, ein Atemzug, eine Intentionslinie. Es schreit nicht „Ritual!“, es flüstert „Ausrichtung“. Genau der Unterschied zwischen früherem Trommelfeuer und dem jetzigen „Mehr Fokus als Feuer“.


🪦 Besondere Momente

Ritual statt Rave
Insha ist die vielleicht am klarsten „nach innen“ gerichtete Platte im TMO-Kosmos. Die rituelle Idee stand schon immer im Raum, hier aber wird sie zum eigentlichen Kern: Die Stücke wirken wie Zustandsstudien, nicht wie Tanzflächen-Waffen. Die früheren „Trance durch Überwältigung“-Strategien werden durch „Trance durch Fokus“ ersetzt.

Konvergenz statt Trilogie-Logik
Offiziell wird betont, dass Insha sich bewusst von der alten Trilogie- und Zykluslogik löst und direkt „den Quellen“ zuwendet, die Schöpfung antreiben. Anders gesagt: Hier wird nicht weitergesponnen, hier wird neu ausgerichtet. TMO greifen organische, frühere Ritualideen wieder auf, verschmelzen sie mit der späteren, strenger strukturierten Rhythmik und packen das Ganze in eine einzelne, geschlossene Bewegung.

„Mehr Fokus als Feuer“ – Entscheidung mit Preis
Der Albumtitel spielt mit dem Begriff „Schöpfung / Konstruktion / Komposition“, und genau so klingt das Ergebnis: konstruiert, bewusst, sehr kontrolliert. Das ist beeindruckend konsequent, nimmt der Musik aber stellenweise den Rausch. Man hört überall das Können, aber nur selten den Kontrollverlust. Für Hörer, die gerade diese Tribal-Überwältigung geliebt haben, bleibt Insha ein Werk, das respektabel wirkt, aber innerlich nicht immer zündet.

🪓 Fazit

This Morn’ Omina existieren seit Mitte der 90er als belgisches Projekt irgendwo zwischen Ritual Trance, Tribal Industrial und dunkler Elektronik. Über die Jahre entwickelte sich aus Lo-Fi-Ritualplatten eine aufwendige Mythologie mit mehrteiligen Zyklen und komplexen Tribal-Setups; Releases wie Omm of Life oder The Roots Of Saraswati haben den Begriff „Totemic Industrial“ im Dunkelszene-Wortschatz zementiert.

Mit Insha erscheint nun das erste vollwertige Album seit fünf Jahren, diesmal nicht mehr beim bisherigen Label, sondern als Co-Release von Cyclic Law und Zazen Sounds. Acht Tracks, Laufzeit knapp 50 Minuten, limitierte 300er-Edition im sechsseitigen Digisleeve, Artwork und Design von Jacqui Moon. Alles an der Veröffentlichung schreit „bewusst gesetztes Artefakt“ und nicht „wir mussten mal wieder was nachschieben“. Inhaltlich wird Insha als „Akt der Neu-Ausrichtung“ beschrieben, als Untersuchung dessen, wie Klang als Ritualwerkzeug funktioniert und wie Intention in Realität übersetzt wird.

Insha ist ein Album, das man eher respektiert als liebhat und das meinen wir nicht schnippisch. Die Platte ist hervorragend produziert, konzeptionell klar und klanglich so fokussiert, wie es der Ankündigung „49 Minuten Fokus, kein Ballast“ entspricht. Sie zeigt ein Projekt, das sein eigenes Vokabular aus Ritual, Drum und Symbolik verstanden hat und sich weigert, es einfach noch einmal in maximaler Lautstärke zu wiederholen.

Gleichzeitig ist genau das der Reibungspunkt: Wer mit This Morn’ Omina vor allem pulsierende Tribal-Lawinen verbindet, wird sich dabei ertappen, auf den Moment zu warten, in dem das Album endlich komplett ausrastet. Dieser Moment kommt nicht. Insha entscheidet sich immer wieder gegen die Eskalation und für die Konzentration. Das ist künstlerisch reif und durchaus mutig, aber emotional nicht immer befriedigend.

Unterm Strich bleibt ein starkes, spirituell fokussiertes Ritualwerk, das die Rolle eines markanten Kapitels in der Diskografie einnimmt – eher „Ausrichtung“ als „Beschwörung“. Für Leute, die stundenlang in Klangarchitekturen sitzen können, ist das eine Empfehlung. Für alle, die hoffen, dass der alte Trommelschlag noch einmal alles niederwalzt, bleibt es ein respektables, aber leicht distanziertes Erlebnis.

Albumcover This Morn’ Omina – Insha: dunkles, neblig-blaues Artwork mit einem schwarzen Kreis in der Mitte, durch den sich eine einzige geschwungene rote Linie wie eine Blutspur oder Silhouette zieht; oben links der kleine Schriftzug ‚this morn’ omina‘, unten dezent der Titel ‚INSHA‘.
Künstler:This Morn’ Omina
Albumtitel:Insha
Erscheinungsdatum:23. Februar 2026
Genre:Ritual Industrial / Tribal Ambient / Dark Electronica
Label:Cyclic Law / Zazen Sounds
Spielzeit:ca. 49 Minuten

Heralds
Tephra
7Sekhem
Mañjuśrī
Nalanda
Excodus
Sanyasin
Body Of Light

🎬 Album-Teaser

Offizieller „Insha“ – Album Teaser II von This Morn’ Omina, veröffentlicht über den YouTube-Kanal von Cyclic Law.

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