The Magus – Daemonosophia (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

The Magus – Daemonosophia

🧿 Kurzfazit
The Magus macht mit Daemonosophia ernst: kein „Spooky-Black-Metal“ für Kerzen-Deko, sondern ein okkultes Lehrstück, das griechische Schule, rituelle Midtempo-Walzen und verstörend schöne Exkurse nach Mexiko zu einem großen Dämonologie-Seminar verbindet.

🎯 Für wen?
Für Hellenic-Black-Metal-Jünger, die Necromantia, Rotting Christ oder Thou Art Lord im Blut haben und ein reiferes, luciferian geprägtes Konzeptalbum suchen, das eher Ritual als Riff-Buffet ist.

🎧 Wie klingt das?
Schwerer, warmer griechischer Black Metal mit klar erkennbarer Handschrift: reichlich Melodie, viel Atmosphäre, markant heiserer Gesang, fette, natürliche Produktion von Pentagram Studio und eine permanente okkulte Grundspannung, die mehr nach Tempel als nach Keller klingt. Blastparts gibt es, aber die wahre Macht liegt in den brodelnden Midtempo-Passagen und den liturgischen Schichten aus Chören, Orgeln und Spoken-Word.

💿 Highlights
Pseudoprophetae, Magia Obscura, The Six in Three Is All One, La Llorona Negra

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei jedem Black-Metal-Album reflexhaft 300-BPM-Geballer erwartest, nichts mit Okkult-Lyrik oder spanischen Geisterballaden anfangen kannst und bei Orgeln sofort ans Kirchenheft statt an Höllenliturgie denkst.


‪‪𖤐 The Magus – Daemonosophia: Griechischer Höllenunterricht für Fortgeschrittene

Nach mehr als drei Jahrzehnten im Dienst der Dunkelkunst hätte The Magus sich entspannt in den Legendenstatus zurückziehen können. Stattdessen hat George „Magus Wampyr Daoloth“ Zacharopoulos nach dem Ende von Necromantia 2021 ein neues Gefäß geschaffen, schlicht The Magus genannt, zusammen mit Langzeitkomplizen El und Maelstrom.

Daemonosophia ist nach Vissodomontas das zweite volle Kapitel dieser Reise. Der Titel bedeutet sinngemäß „Weisheit durch die Dämonen“ – und genau so verhält sich das Album: als Lehrgang in Luzifers Abendstunde, bei dem jede Nummer eine andere Facette des Wegs zur „Serpent Self“ beleuchtet. Der Magus selbst beschreibt die Platte als aggressiver und konzentrierter als den Vorgänger, lyrisch jedoch als direkte Fortsetzung seiner okkulten Linie. Na denn. Pentagramm poliert und reingehört!

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Metal, Luciferian Black Metal, Hellenic Black Metal
Vergleichbar mit: Späte Necromantia ohne Bass-Exzesse, Rotting Christ in ihrer mystischsten Phase, ein Schuss Varathron, dazu eine Prise lateinamerikanischer Geistermärchen
Klangfarbe: Dichte Gitarrenwände, eher warm als frostig, druckvolle, organisch klingende Drums, Bass und Keyboards als gleichberechtigte Beschwörungsinstrumente, dazu eine Stimme, die klingt, als würde sie direkt aus einem mit Ruß ausgekleideten Byzanz-Katakombenchor sprechen.

Die Songs sind klar strukturiert, aber nie simpel. Viele Nummern arbeiten mit Spannungsbögen statt stumpfem Riff-Recycling. Refrains im klassischen Sinne gibt es selten, stattdessen kehren Motive wie Zauberformeln wieder, sodass das Album tatsächlich wie eine aufeinander aufbauende Zeremonie wirkt.

Highlights

Pseudoprophetae
Nach dem kurzen Pater Noster-Intro, das eher wie eine umgedrehte Gebetseinladung an Lucifer klingt und weniger wie ein Kirchenprogramm, legt Pseudoprophetae die Messlatte brutal hoch. Der Song ist ein Giftpfeil gegen falsche Propheten: scharfkantige Riffs, schnelles, aber nie wahlloses Drumming, dazu eine Stimme, die eher an Fluch als an Gesang erinnert. Der Refrain wirkt wie ein öffentliches Exkommunikationsritual, und die Gitarren kippen immer wieder in kurze, fast thrashige Haken. Ein perfekter Auftakt in die eigentliche „Lehrschrift“.

Magia Obscura
Der Titelnachbar ist der eigentliche Kern der Platte. The Magus hat den Track selbst als Ritual der Transformation beschrieben – körperlich wie metaphysisch, eine Art Initiationssong in Richtung „Serpent Self“ und Draconian Core. Musikalisch pendelt Magia Obscura zwischen hypnotischem Midtempo, schlangenhaft verschlungenen Gitarrenfiguren und Chants, die eher nach Zauberformeln als nach Chorproben klingen. Das Stück entfaltet sich langsam, bleibt aber permanent unter Strom und zeigt exemplarisch, wie hoch das Kompositionsniveau inzwischen liegt.

La Llorona Negra
Der Schlusspunkt ist der große Überraschungsmoment. La Llorona Negra nimmt sich die legendäre mexikanische „Weinende Frau“ vor, die schon in unzähligen Interpretationen verarbeitet wurde. The Magus benutzt das Motiv, verknüpft es mit Lilith und webt in der ersten Hälfte eine beinahe sakrale Orgel- und Gesangspassage, bevor der Song in eine finstere Jahrmarkts-Moritat kippt. Das Ergebnis ist weniger klassische Coverversion, mehr persönliche Neuinterpretation eines Geistermythos – und der Moment, in dem das Album seine Grenzen endgültig sprengt.

🎨 Artwork

Finsterfutter mit künstlerischer Kompetenz: Für das Cover von Daemonosophia hat sich The Magus den mexikanischen Künstler Néstor Ávalos ins Boot geholt, der unter anderem für Exodus und Deicide gearbeitet hat. Herausgekommen ist ein infernales Triptychon, das auf byzantinische Altarbilder anspielt, nur dass hier keine Heiligen lächeln, sondern sechs Dämonen in drei Gestalten thronen:

In der Mitte stehen Lucifer und Samael als zweigesichtige Hauptfigur, in der Hand ein Schlüssel, der sinnbildlich für den Willen steht. Links davon ein Zwillingswesen aus Leviathan und Tiamat mit Buch und Kelch – Weisheit in Reinform, aber deutlich nicht von dieser Seite des Tempors. Rechts schließlich Belial und Satan, mit Schwert und Zweig, als Verkörperung der Tat.

Farbig dominiert eine ausgeblichene, fast ikonenhafte Palette aus dunklem Ocker, Blutrot, kaltem Grau und einem leicht grünlich schimmernden Schwarz. Das wirkt weniger nach „Coverart“ als nach Kultgegenstand, den man eher in einem okkulten Privatmuseum als im CD-Regal erwartet. Zusammen mit dem Logosignet der Band ergibt sich ein Artwork, das die Leitidee der Platte auf den Punkt bringt: Willen, Weisheit und Handlung als drei Gesichter derselben infernalen Erkenntnis.


🪦 Besondere Momente

Inverse Liturgie
Schon das eröffnende Pater Noster arbeitet mit vertrauter kirchlicher Form, kippt diese aber deutlich in Richtung luziferianischer Anrufung. Das Vaterunser als Portalöffnung, nicht als Bußgebet, setzt die Tonlage für alles, was folgt.

Die „Sechs in Drei, alles Eins“-Formel
The Six in Three Is All One ist nicht nur ein Songtitel, sondern sogleich das kryptische Motto des Albums. Musikalisch zeigt der Track, wie die Band technische Gitarrenarbeit, variierende Tempi und okkulten Pathos zusammenbringt, ohne in Prog-Selbstverliebtheit abzurutschen. Es ist einer der Songs, in denen das rein „hellenische“ Gefühl bewusst aufgebrochen wird zugunsten eines kosmischeren Black-Metal-Blicks.

Lucifer Rising – jetzt persönlich
The Era of Lucifer Rising ist mehr als bloß ein Cover der eigenen Vergangenheit. Der Song ist als luciferian neu gedeutete Version eines alten Thou-Art-Lord-Klassikers angelegt und fügt sich erstaunlich organisch in das neue Material ein. Die hymnische Steigerung, die Chöre, die „Ketten sprengen“-Momentaufnahmen im Text – hier spricht eine Figur, die ihre eigene Mythenhistorie kennt und selbstbewusst neu schreibt.

Produktion mit schwarzem Samt statt Blechdose
Aufgenommen wurde das Album in Athens Pentagram Studio, produziert von The Magus und George Emmanuel. Die Drums haben Druck und Tiefenschub, die Gitarren bleiben transparent, und die Keyboards liegen wie eine unheimliche Nebelschicht über allem, kein Lo-Fi-Geschrabbel, sondern bewusst gesetzter, detailreicher Sound, der trotzdem nicht glattpoliert wirkt.

🪓 Fazit

The Magus ist buchstäblich der nächste Kreis nach Necromantia. Nachdem Baron Blood 2019 verstorben war und das letzte Necromantia-Album 2021 als Abschied erschien, beendete The Magus die Band und gründete 2022 sein neues Projekt.

Mit Daemonosophia legt er das zweite Album vor, wieder mit El an Gitarre und Keyboards sowie Maelstrom am Schlagzeug. Ergänzt wird das Trio im Studio von George Emmanuel, der ebenfalls Keyboards beisteuert und für Aufnahme, Mix und Mastering verantwortlich zeichnet.

Konzeptionell setzt das Album die Idee fort, Black Metal als ernstgemeintes okkultes Vehikel zu nutzen, nicht als Soundtrack für x-beliebige „Evil“-Posen. The Magus versteht die Platte explizit als Weg der Transformation: Daemonosophie als Erkenntnisweg, der sich über Studium, Ritual und innere Wandlung vollzieht. Genau diese Haltung hört man den Songs an. Sie sind nicht bloß Tracks, sondern Kapitel eines Selbstentwurfs.

Daemonosophia ist kein Nostalgie-Album eines Szeneveteranen, sondern ein erstaunlich frisches, fokussiertes Statement. The Magus nutzt seine komplette Historie, um ein Werk hinzustellen, das Black Metal als okkulte Kunstform ernst nimmt, ohne in unbewegliche Dogmatik zu verfallen.

Die Platte lebt von ihren Spannungen: zwischen griechischer Schule und globalen Einflüssen, zwischen roher Aggression und liturgischer Schönheit, zwischen intellektueller Dämonologie und sehr körperlichem Riffdruck. Nicht jeder Song zündet sofort, manches wirkt eher wie Ritualbaustein als wie „Hit“, aber im Gesamtpaket ergibt sich ein in sich schlüssiger Höllenzyklus, der mit jedem Durchlauf wächst.

Für den Fantasykosmos heißt das: Daemonosophia ist Black Metal als magischer Bildungsroman, nicht unkompliziert, aber umso belohnender, wenn man sich auf die Dämonenlektüre einlässt.

AAlbumcover The Magus – Daemonosophia: infernales Triptychon von Néstor Ávalos mit drei dämonischen Zwillingsgestalten – Lucifer/Samael mit Schlüssel, Leviathan/Tiamat mit Buch und Kelch, Satan/Belial mit Schwert und Zweig – im Stil eines dunklen byzantinischen Altars.
Künstler:The Magus
Albumtitel:Daemonosophia
Erscheinungsdatum:20. Februar 2026
Genre:Black Metal / Luciferian Black Metal
Label:The Circle Music
Spielzeit:ca. 47 Minuten

Pater Noster
Pseudoprophetae
Daemonosophia
The Six in Three Is All One
The Era of Lucifer Rising (Luciferian Version eines Thou-Art-Lord-Klassikers)
Magia Obscura
Amelia
The Chapel of Iniquities
The Pact
La Llorona Negra

🎬 Offizielles Video

Offizielles Visualizer- und Lyric-Video zu „Magia Obscura“ – ein rituelles Kernstück von Daemonosophia, das den Weg zur „Serpent Self“ in dichten Bildern und Textfragmenten nachzeichnet. Bereitgestellt über den offiziellen The Circle Music-Channel auf YouTube.

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