Nach 32 Jahren singt die Hexe wieder: The Legend of Heroes III: The White Witch kehrt zurück

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Die Hexe hat wieder einen Plattenvertrag

📰 Was ist los?
Neowiz entwickelt und veröffentlicht eine neue PC- und Konsolenfassung von The Legend of Heroes III: The White Witch weltweit. Der Falcom-Klassiker von 1994 soll Geschichte, Atmosphäre und musikalische Identität bewahren und zugleich modernisiert werden.

🐛 Was denken wir?
Die Kombination ist interessanter, als ein gewöhnlicher Remaster-Stempel vermuten ließe: Ein wichtiger Vorläufer von Trails kommt zurück und landet ausgerechnet bei den Machern hinter Lies of P. Jetzt muss Neowiz nur noch beweisen, dass eine „Singing RPG“-Wiederbelebung mehr beherrscht als den richtigen Ton beim Pressetext.

Manche Rollenspiele werden remastert, andere emuliert, wieder andere überleben jahrzehntelang hauptsächlich in Erinnerungen, alten Verpackungen und Diskussionen darüber, warum sie eigentlich längst zurückkehren müssten. The Legend of Heroes III: The White Witch hat sich für die vierte Möglichkeit entschieden: 32 Jahre warten, bis jemand tatsächlich einen neuen Vertrag unterschreibt.

Jurio mit blauem Haar und Christina mit rotem Haar stehen in winterlicher Landschaft; Christina hält einen langen Stab, Jurio trägt Reisegepäck.
So sah die Reise der weißen Hexe damals aus: Das klassische Charakterdesign von Jurio und Christina stammt aus einer völlig anderen RPG-Ära. © Nihon Falcom

Nihon Falcom hat Neowiz die Lizenz erteilt, den RPG-Klassiker für PC und Konsolen neu zu entwickeln und weltweit zu veröffentlichen. Der koreanische Entwickler und Publisher soll dabei Geschichte, Atmosphäre und musikalische Identität des Originals bewahren und das Spiel zugleich für eine neue Generation aufbereiten.

Einen Termin, konkrete Konsolen oder erstes Material zur neuen Fassung gibt es bislang noch nicht. Fest steht jedoch: Hier wird kein alter PC-9801-Datenträger abgestaubt und in einen modernen Store gelegt. Neowiz erhält ausdrücklich Entwicklungsrechte für eine neue Umsetzung.

🧙 Eine weiße Hexe lange vor Trails

The Legend of Heroes III: The White Witch erschien 1994 in Japan für den PC-9801 und war damals der dritte Teil von Falcoms noch junger The Legend of Heroes-Reihe. Im Mittelpunkt stehen der junge Jurio und seine Kindheitsfreundin Christina, die durch die Welt Tirasweel pilgern und dabei nach und nach in eine erheblich größere Geschichte geraten.

Falcom bezeichnete das Spiel seinerzeit als „Singing RPG“. Gemeint war damit weniger ein früher Karaoke-Simulator mit Magiern als eine besondere Betonung von Erzählung, poetischen Dialogen, Weltaufbau und Musik. Gerade der Soundtrack sollte entscheidende Szenen emotional tragen und wurde zu einem der Merkmale, an die sich viele Spieler bis heute erinnern.

Gemeinsam mit The Legend of Heroes IV: A Tear of Vermillion und The Legend of Heroes V: Song of the Ocean bildet The White Witch die Gagharv-Trilogie. Die drei Spiele erzählen eigenständige Geschichten in unterschiedlichen Regionen derselben Welt und gelten als wichtiger Vorläufer jener Form des langfristigen Worldbuildings, die Falcom später mit der Trails-Reihe wesentlich größer aufziehen sollte.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🗳️ Die Fans hatten diesen Wiedergänger längst bestellt

Ganz überraschend kommt die Rückkehr deshalb nur bedingt. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens von Falcom wurde nach Spielen und Reihen gefragt, die Fans gerne auf aktueller Hardware wiedersehen würden. Die komplette Gagharv-Trilogie landete dabei auf Platz eins.

Nun wird aus diesem Wunsch zumindest für The White Witch ein konkretes Projekt. Spannend ist vor allem die Rollenverteilung: Falcom entwickelt die neue Version nicht selbst, sondern gibt die Marke an Neowiz, das in den vergangenen Jahren mit Lies of P bewiesen hat, dass ihm der Umgang mit deutlich älteren Vorbildern zumindest nicht grundsätzlich fremd ist.

Wie weit Neowiz bei Grafik, Kampfsystem, Benutzeroberfläche oder Struktur eingreifen will, bleibt offen. Die bisherige Beschreibung verspricht eine aktualisierte Adaption, die das emotionale Erlebnis des Originals wieder einfangen soll. Das ist angenehm konkret genug, um Erwartungen zu wecken, und gleichzeitig vage genug, um derzeit nahezu jede Form von Neuinterpretation darunter unterzubringen. Willkommen im traditionsreichen ersten Level jeder Remake-Ankündigung.

Orkenfeuer Kaffemischung aus Mordor als Bannerwerbung vor dem Schicksalsberg.

🎼 Eine Melodie mit ziemlich viel Verantwortung

Gerade bei The White Witch dürfte die eigentliche Herausforderung weniger darin liegen, 32 Jahre alte Technik zu ersetzen. Das lässt sich machen. Schwieriger wird es, das eigenwillige Tempo und die erzählerische Stimmung eines RPGs aus einer Zeit zu bewahren, in der Spiele noch kein schlechtes Gewissen bekamen, wenn zwei Figuren einfach fünf Minuten miteinander redeten.

Neowiz hat deshalb ein interessantes Stück Rollenspielgeschichte übernommen. Der Name The Legend of Heroes ist heute eng mit Trails verbunden, doch die Wurzeln vieler späterer Ideen liegen deutlich weiter zurück. Eine gute neue Fassung könnte genau diesen Teil von Falcoms Vergangenheit erstmals einem größeren heutigen Publikum zugänglich machen.

Jetzt fehlen Bilder, Plattformen, Gameplay und natürlich ein Termin. Nach 32 Jahren dürfte die weiße Hexe allerdings ein paar Monate zusätzliche Reisezeit verkraften.

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