Eine Welt aus Fleisch: The Flesh of the World verbindet Weird Science-Fiction mit Philosophie

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

🫀 Eine lebende Welt stellt ihre Bewohner infrage

📰 Was ist los?
Kristina Stipetics The Flesh of the World steht vor einer Kickstarter-Kampagne. Der Science-Fiction-Comic spielt in einer fleischartigen, lebenden Welt und begleitet die Priesterin Chrell auf einer Pilgerreise, die ihre Vorstellung von Geschichte, Religion und ihrer eigenen Gesellschaft erschüttert.

🐛 Was denken wir?
Das ist genau die Sorte kleiner Science-Fiction, die man leicht übersieht und später bereut. Eine organische Welt, verschwundene Spezies, religiöse Zweifel und ökologische Fragen ergeben ein Konzept mit erstaunlich viel Eigenständigkeit.

Manche Science-Fiction-Welten bestehen aus Chrom, Neon und gigantischen Raumschiffen. The Flesh of the World nimmt einen deutlich körperlicheren Weg: The Vale ist eine organische, fleischartige Welt, in der humanoide Wesen leben und ihre gesamte Kultur auf eine enge Verbindung mit dieser seltsamen Umgebung aufgebaut haben.

Priesterin Chrell hält ein Messer in einer organischen, fleischartigen Umgebung im Science-Fiction-Comic The Flesh of the World.
In The Flesh of the World lebt Chrell in einer organischen Welt, deren Geschichte und wahre Natur ihre bisherigen Gewissheiten erschüttern. © Kristina Stipetic / Other Sun Press

Der neue Comic von Kristina Stipetic steht kurz vor einer Kickstarter-Kampagne und wird zugleich der erste Titel des jungen britischen Verlags OtherSun Press. Im Mittelpunkt steht die Priesterin Chrell, deren Pilgerreise zu einer Suche nach Antworten wird, die ihre Vorstellung von Religion, Geschichte und dem eigenen Platz in dieser Welt erschüttern könnte.

🫀 The Vale lebt – aber was bedeutet das für seine Bewohner?

Schon die Grundidee macht The Flesh of the World ungewöhnlich. The Vale ist keine gewöhnliche Landschaft mit organischem Einschlag, sondern wirkt wie ein eigener lebender Organismus. Seine Bewohner haben gelernt, innerhalb dieser Umgebung zu existieren und sie als selbstverständlichen Teil ihres Lebens zu betrachten.

Doch genau dieses Verhältnis wird zunehmend fragwürdig. Leben die Bewohner tatsächlich in Harmonie mit ihrer Welt? Oder haben sie sich nur daran gewöhnt, eine lebendige Umwelt zu benutzen, deren Bedürfnisse sie längst nicht mehr verstehen?

Damit landet der Comic sehr schnell bei Fragen, die weit über ein exotisches Science-Fiction-Setting hinausgehen.

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🙏 Eine Priesterin verliert den sicheren Boden

Chrell gehört zu jener Gesellschaft und ist als Priesterin tief in deren Glauben und Traditionen verwurzelt. Als ein verstörendes natürliches Ereignis The Vale verändert, beginnt sie eine Pilgerreise, um Antworten zu finden.

Je weiter sie dabei kommt, desto weniger stabil wird allerdings das Weltbild, mit dem sie aufgebrochen ist. Alte Gewissheiten geraten ins Wanken, überlieferte Geschichten bekommen neue Bedeutungen und aus einer spirituellen Reise entwickelt sich zunehmend eine existenzielle Suche.

Gerade diese Perspektive macht die Geschichte interessant. Chrell betrachtet ihre Welt nicht als Außenstehende, die deren Geheimnisse erst entdecken muss. Sie glaubt bereits zu wissen, wie alles funktioniert – und muss nun erleben, wie dieses Wissen Stück für Stück auseinanderfällt.

👽 Die Zed könnten mehr als eine alte Legende sein

Zur Mythologie von The Vale gehört außerdem eine zweite Spezies namens Zed. Die Geschichten über diese Wesen scheinen tief in der Vergangenheit der Gesellschaft verwurzelt zu sein und werfen die Frage auf, welche Rolle sie einst in dieser Welt gespielt haben.

Ob die Zed tatsächlich verschwunden sind, nur noch als Mythos existieren oder auf andere Weise Teil der Geschichte bleiben, gehört zu den Geheimnissen des Comics.

Damit bekommt Chrells Reise zusätzlich eine historische Ebene. Wer verstehen will, was mit The Vale geschieht, muss offenbar zunächst herausfinden, wie viel Wahrheit überhaupt noch in den Geschichten steckt, auf denen ihre Kultur aufgebaut wurde.

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🌱 Symbiose oder Ausbeutung?

Besonders spannend ist dabei die ökologische Dimension des Stoffes. Wenn eine Welt tatsächlich lebendig ist, verändert das zwangsläufig die Frage danach, was ihre Bewohner mit ihr tun dürfen.

Ein Rohstoff ist plötzlich möglicherweise ein Körperteil. Eine Landschaft könnte empfindungsfähiger sein, als ihre Bewohner glauben. Und eine Gesellschaft, die sich selbst als Teil eines natürlichen Gleichgewichts versteht, könnte feststellen, dass dieses Gleichgewicht längst beschädigt wurde.

The Flesh of the World nutzt seine bizarre Science-Fiction-Umgebung damit für eine ziemlich menschliche Frage: Wie zuverlässig sind unsere eigenen Vorstellungen davon, dass wir mit unserer Umwelt verantwortungsvoll umgehen?

🎨 Selbst die Seiten sollen organisch wirken

Stipetics Zeichenstil spielt mit dieser Idee weiter. Die Welt von The Vale drängt sich nicht einfach nur in die Motive, sondern auch in die Gestaltung der Seiten.

Unregelmäßige Panels und fließende Formen verstärken den organischen Charakter der Umgebung. Gleichzeitig verändert sich die Farbgebung mit dem Verlauf der Geschichte: Helle, beinahe üppige Farben weichen zunehmend dunkleren Tönen, während Chrell tiefer in die Geheimnisse ihrer Welt gerät.

Damit wird das Seitenlayout selbst Teil des Worldbuildings. Die Welt fühlt sich nicht bloß fremd an – sie scheint sich förmlich durch die Comicseiten zu bewegen.

🚀 Ein neuer Verlag startet gleich mit ziemlich seltsamer Science-Fiction

Für OtherSun Press ist The Flesh of the World zugleich der erste veröffentlichte Titel. Der neue britische Kleinverlag hat sich auf Science-Fiction und spekulative Comics spezialisiert und startet damit ausgerechnet mit einem Werk, das sich nur schwer in eine bequeme Genre-Schublade stecken lässt.

Der Comic erscheint ausschließlich gedruckt und soll über Kickstarter finanziert werden. Damit beginnt OtherSun nicht gerade mit dem risikoärmsten Stoff – aber vielleicht mit einem, der sofort zeigt, welche Richtung der Verlag einschlagen möchte.

🧠 Science-Fiction darf ruhig wieder etwas seltsamer sein

The Flesh of the World gehört zu jener Science-Fiction, bei der die fremde Welt mehr ist als hübsche Kulisse. The Vale bestimmt Religion, Geschichte, Ökologie und vermutlich sogar die Vorstellung davon, was Leben überhaupt bedeutet.

Genau solche Projekte sind für uns interessant. Man muss nicht immer gleich eine Galaxis retten. Manchmal reicht es vollkommen, herauszufinden, ob der Boden unter den eigenen Füßen lebt – und ob er vielleicht längst bemerkt hat, was man mit ihm anstellt.

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