The Daily Meme #238 – Der Rhein ist weg
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Boneys Logbuch-Eintrag
Position: Hafenbecken von Rheinfurt, direkt zwischen gestrandeter Handelsflotte, Schlammpfützen und neu erschlossenem Bauland.
Wetter: Trocken, warm, mit leichter Staubnote und überraschend wenig Fluss für einen ausgewiesenen Flusshafen.
Lagebericht
Der Rhein ist weg.
Na ja, ok … nicht völlig, aber doch in einer Größenordnung, die ausreicht, um erfahrene Kapitäne, Hafenmeister und Flussfischer gleichzeitig in jene stille Form von Verzweiflung zu treiben, die man sonst nur von leeren Bierfässern oder gesprengten Brückenprojekten kennt.
Vor uns liegt ein prächtiges Handelsschiff auf dem Bauch im Schlamm. An Deck späht ein Zwergen-Kapitän mit dem Fernrohr angestrengt in die Ferne, vermutlich in der Hoffnung, irgendwo doch noch Wasser zu entdecken, das den Namen Fluss verdient. Unten hat man derweil die Logistik bereits an die neuen Gegebenheiten angepasst: Ein Ork zieht das Schiff mit roher Gewalt durchs Hafenbett, als sei dieses Desaster bloß ein besonders ehrgeiziger Umzug.
Besonders schnell reagiert allerdings wie immer der Goblinhandel. Kaum ist der Fluss verschwunden, werden im freigelegten Bett schon Parzellenpläne ausgerollt. Wo gestern noch Schiffe fuhren, gibt es heute angeblich „ruhige Uferlage“, „direkte Schlammnähe“ und „großes Entwicklungspotenzial“. Im Hintergrund fährt sogar schon eine Fähre auf Rädern durch die Trockenlandschaft, was zwar verkehrstechnisch fragwürdig ist, aber immerhin Unternehmergeist beweist.
Am härtesten trifft es die Fische. Sie sitzen in kleinen Restpfützen und schauen mit jener Mischung aus Beleidigtsein und Weltüberdruss in die Gegend, die man nur entwickelt, wenn der eigene Lebensraum plötzlich eher nach Baustelle als nach Fluss aussieht.
Boneys Urteil
Schifffahrt schwierig, Immobilienmarkt erstaunlich lebendig.
9 von 10 Niedrigwassern enden damit, dass irgendwer das Flussbett als Schnäppchenlage anbietet.



