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🏛️ The Daily Meme #151 – Wappenkunde der Zwischenreiche: Fürstentum Untertass


Boneys Logbuch-Eintrag
Position: Fürstliches Heißgetränkearchiv, Gewölbe C, direkt neben der versiegelten Kammer des verbotenen Kakaos.
Wetter: Andächtig temperiert. Über dem Tal liegt feiner Dampf, und irgendwo klirrt Porzellan, ohne dass jemand den Tisch berührt.
Lagebericht:
Das Fürstentum Untertass verdankt seine staatliche Existenz einem Heißgetränk.
Nicht irgendeinem Heißgetränk, versteht sich. Die Untertasser Chronisten sprechen von einer goldgeränderten Offenbarung, die einst über dem Großen Abgrund erschien und drei vorbeiziehende Ritter dazu brachte, augenblicklich niederzuknien.
Einer betete.
Einer zitterte.
Der dritte hielt einen Löffel hoch, weil niemand wusste, was das Protokoll in einer solchen Lage verlangte.
Dieser Augenblick gilt bis heute als Gründung des Fürstentums.
Heutiges Wappen
Fürstentum Untertass
Im Zentrum schwebt die Heilige Tasse von Porzellania über einer Schlucht, deren Tiefe bislang nicht vermessen werden konnte. Mehrere Landvermesser wurden hinabgelassen. Zurück kamen nur zwei Seile, ein Hut und die schriftliche Bitte, das Vorhaben künftig theologisch zu behandeln.
Die Tasse selbst erscheint in kostbarem Golddekor und wird von einem Lichtkranz umgeben, der entweder göttlichen Ursprungs ist oder auf eine sehr entschlossene Teewärmerin schließen lässt.
Darunter knien die Drei Ritter der Ersten Ziehung.
Sir Darjeeling der Milde faltet ergeben die Hände. Ritter Assam von Zittersporn empfängt die Offenbarung mit körperlich sichtbarer Ergriffenheit. Bruder Earl Grauh hält den silbernen Löffel empor, der seitdem als wichtigstes Reichskleinod gilt.
Mit ihm wurde nie umgerührt.
Das wäre Blasphemie.
Zwei Kannen für die Ewigkeit
Als Schildhalter dienen zwei geflügelte Teekannen. In Untertass gelten sie als Boten höherer Mächte und als Schutzpatrone gegen kalten Aufguss, tropfende Schnäbel und unangekündigten Besuch zur Kaffeezeit.
Ihre Flügel symbolisieren Erhebung. Ihre Deckel stehen für Verschwiegenheit. Ihre Henkel erinnern daran, dass selbst göttliche Gefäße gelegentlich irgendwo angefasst werden müssen.
Über allem thront die berühmte Zuckerwürfelkrone. Sie wird nur bei Staatsakten getragen und muss bei Regen unverzüglich unter ein Vordach gebracht werden. Mehrere Thronfolgen scheiterten bereits an hoher Luftfeuchtigkeit.
Plenum est mysterium
Der Wahlspruch des Fürstentums lautet:
Plenum est mysterium
Voll ist das Mysterium.
Ob damit die Tasse, das göttliche Geheimnis oder der fürstliche Magen gemeint ist, konnte nie abschließend geklärt werden. Das Hohe Ziehkonzil betrachtet diese Mehrdeutigkeit als Beweis seiner theologischen Tiefe.
Andere Reiche schwören auf Mut, Treue und Opferbereitschaft. Untertass setzt auf heißes Wasser, angemessene Ziehzeit und die feste Überzeugung, dass ein sauber gedeckter Tisch jede Staatskrise zumindest höflicher aussehen lässt.
Boneys Urteil
Das Wappen des Fürstentums Untertass ist ein Höhepunkt zwischenreichischer Staatskunst. Mit bewundernswerter Würde erhebt es eine Teepause zum Gründungsmythos und einen Löffel zum heiligen Instrument.
Nichts daran wirkt zufällig. Jede Kanne hat ihren Platz, jeder Ritter seine vorgeschriebene Form religiöser Verunsicherung, und selbst das Gebäck am unteren Rand scheint einer strengen liturgischen Ordnung zu folgen.
So entsteht große Heraldik: Man nimmt einen völlig alltäglichen Gegenstand, setzt ihn über einen Abgrund und wartet, bis die ersten Menschen davor niederknien.
Abschließender Hinweis an alle durstigen Wappenforscher
Solltet ihr auf Reisen eine goldene Tasse über einer Schlucht schweben sehen, bewahrt Ruhe. Kniet langsam nieder, hebt den Löffel niemals ungefragt an und erkundigt euch höflich nach der Milchsituation.
Die Untertasser verstehen bei Glaubensfragen wenig Spaß.
Bei falscher Ziehzeit noch weniger.
Morgen öffnen wir vielleicht das Siegel von Haus Schnarchenfels, dessen Drache seit vier Jahrhunderten schläft und trotzdem sämtliche Regierungsgeschäfte erledigt.





