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🏛️ The Daily Meme #150 – Flora und Fauna der Zwischenreiche: Der Plappa-Lot


Boneys Logbuch-Eintrag
Position: Steckpasshöhle unter dem Bolzmoor, dritter Seitengang links, gleich hinter jener Tropfsteinkurve, an der schon mehrere Forscher irrtümlich Blickkontakt hergestellt haben.
Wetter: Feucht, hallend, taktisch aufgeladen. Die Luft riecht nach Kalkstein, altem Lederball und einer Analyse, die schon vor zehn Minuten hätte enden müssen.
Lagebericht:
Willkommen zurück zu „Flora und Fauna der Zwischenreiche“, jener Bildungsreihe, in der wir weiterhin Wesen dokumentieren, die der Natur offenbar nicht seltsam genug waren, bis noch ein Sozialproblem dazukam.
Unser heutiges Exemplar heißt Plappa-Lot.
Die Gelehrten nennen ihn Garrulus cavernicus libero maximus.
Das bedeutet frei übersetzt:
„höhlenbewohnender Fußball-Erklärer mit unklarem Sendeschluss.“
Der Plappa-Lot ist eine seltene, aber gefürchtete Unterart des Plappadok. Während der gewöhnliche Plappadok seine Opfer mit allgemeinen Geschichten, Wegbeschreibungen und schlecht endenden Höhlenanekdoten belästigt, hat sich der Plappa-Lot vollständig auf Fußball spezialisiert.
Er lauert in engen Gängen, alten Stollen, verlassenen Mannschaftstunneln und feuchten Felsspalten. Dort wartet er auf Forscher, Abenteurer und alle, die den Fehler begehen, kurz stehenzubleiben. Dann tritt er aus dem Schatten, grinst breit und beginnt mit den Worten:
„Das Problem ist die Staffelung in der Defensive.“
Danach wird es schwierig.
Der Plappa-Lot beißt nicht. Er analysiert. Und das gilt in vielen Höhlensystemen als die deutlich ernstere Bedrohung.
Heutiges Exemplar:
Das hier dokumentierte Tier wurde in einer engen Kalksteinhöhle beobachtet, hockend neben einem alten Lederball, einer zerkratzten Schiefertafel und einer Knochenpfeife, die vermutlich seit Jahren niemand freiwillig geblasen hat.
Auffällig ist sein Gesicht: breit, grinsend, lauernd, mit schmalen Augen und jener selbstzufriedenen Mimik, die bereits verrät, dass gleich jemand erklären wird, warum ein Sechser eigentlich ein Achter ist, wenn der Außenverteidiger einrückt und der Ballführende den Halbraum falsch bespielt.
Sein Lebensprinzip ist einfach:
Alles, was sich bewegt, wird kommentiert.
Alles, was stehen bleibt, wird vollgelabert.
Alles, was widerspricht, bekommt eine Tafelzeichnung.
Besonders gefährlich ist der sogenannte Backenknopf-Angriff. Dabei rückt der Plappa-Lot immer näher an sein Opfer heran, legt eine Klaue vertraulich auf einen feuchten Stein und redet so lange über Raumdeckung, Mentalität, Pressinghöhe und „früher war mehr Zug im Spiel“, bis dem Betroffenen jede Fluchtmöglichkeit taktisch verstellt erscheint.
Die Taktiktafel des Plappa-Lot ist übrigens kein Werkzeug zur Verständigung. Sie ist eine Drohung. Niemand hat je eindeutig entziffert, was die Kratzzeichen bedeuten. Sicher ist nur, dass der Plappa-Lot beim Zeigen darauf jedes Mal beängstigend überzeugt wirkt.
Boneys Urteil
Der Plappa-Lot ist kein Raubtier im klassischen Sinne.
Er jagt keine Beute. Er bindet Gesprächsminuten.
Man betritt eine Höhle, hört ein leises Scharren, sieht zwei Augen im Dunkel und denkt noch: „Ach, wie kurios.“
Fünf Minuten später steht man mit dem Rücken an der Wand, während ein feuchter Kobold erklärt, weshalb die WM nur mit klarer Achse, zweitem Ball und mehr Galligkeit im Zwischenlinienraum zu gewinnen ist.
Mit anderen Worten:
ein Höhlenwesen mit Expertenrunde im Gesicht.
Und natürlich gehört er in diese Reihe.
Denn die Zwischenreiche bestehen nicht nur aus Bestien, Drachen und Kreaturen mit zu vielen Zähnen. Sie bestehen auch aus Wesen, die einem keinen Schaden zufügen wollen und gerade deshalb gefährlich sind.
Abschließende Notiz an euch höhlenforschende Abseitsversteher
Wenn ihr während der WM in einer Tropfsteinhöhle einen alten Ball seht, daneben eine Schiefertafel und aus der Dunkelheit ein heiseres „Ganz kurz zur Grundordnung“ hört, dann lauft.
Nicht diskutieren.
Nicht nicken.
Nicht fragen, was er von der Viererkette hält.
Denn: Der Plappa-Lot ernährt sich von Anschlussfragen.





