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🏛️ The Daily Meme #137 – Alben, die Fantasy-Geschichte machten: Decadence in America


Boneys Logbuch-Eintrag
Position: Fensterplatz 6A im Luftschiff Grand Delirium, kurz vor der Einflugschneise über Groß-Amerigon, dort, wo selbst die Wolken aussehen, als hätten sie einen Anlageberater.
Wetter: Künstlich freundlich. Helles Blau, goldener Glanz und diese sirupartige Heiterkeit, bei der man ahnt, dass hinter dem nächsten Donut-Turm gleich irgendein Größenwahn aus dem Gebüsch springt.
Lagebericht
Es gibt Alben, die klingen nach Sehnsucht.
Und es gibt Decadence in America. Das klingt nach Klimaanlage, Champagnerfrühstück und der festen Überzeugung, dass man einen ganzen Kontinent auch aus Zucker, Gold und Showtreppen bauen könnte.
Schon das Cover serviert den kompletten Wahnsinn auf einem Tablett: eine Ork-Stewardess mit dem Gesichtsausdruck eines Wesens, das seit Wochen nur Trinkgeld, Kabinenansagen und Selbstüberschätzung atmet. Hinter ihr steht keine Stadt, sondern ein reich dekorierter Fiebertraum aus Hochmut und Hochglanz: Burger-Bauten, Gläserpaläste, Kaffeebecher-Türme, ein goldenes Telefon als Denkmal des permanenten Anrufs bei sich selbst und irgendwo dazwischen diese monumentale Tycoon-Statue, die so aussieht, als wolle sie gleich sich selbst eröffnen.
Supertrump waren nie eine Band für leise Zwischentöne. Das war Flughafen-Pomp in Reinform. Musik für Leute, die schon beim Boarding das Gefühl brauchen, sie seien auf dem Weg in eine sehr teure Fehlentscheidung.
Studio-Trivia
Eingespielt wurde das Album in den Skyline Suites of Excess, einer fliegenden Studio-Lounge mit Teppichboden, Kristallkaraffen und einem Tonraum, der angeblich nur dann sauber klang, wenn mindestens drei Leute gleichzeitig von „Vision“ redeten.
Produzent war Magnifico Cashmore, ein Mann mit goldenen Manschettenknöpfen und der tiefen Überzeugung, dass jeder Song besser wird, sobald irgendwo ein zu großes Glas im Bild steht. Sein Standardurteil lautete:
„Mehr Glanz.“
„Mehr Pose.“
„Das Telefon muss man hören.“
Die goldene Fernsprech-Skulptur im Hintergrund war ursprünglich nur als Dekoration gedacht. Nach dem dritten Studiotag bestand die Band darauf, sie als spirituelles Zentrum der Platte zu behandeln.
Trackliste
Gone Goldwood
The Illogical Song
Goodbye Standards
Breakfast? No. Excess.
Oh Darlin’, We’re Famous
Take the Long Way Up
Gold, Is It Mine?
Just Another Golden Century
Child of Television
Decadence in America
Boneys Urteil
Decadence in America ist das Album für alle, denen normales Pathos zu nüchtern und gewöhnlicher Reichtum zu bescheiden ist. Diese Platte lächelt dich an, reicht dir einen Orangendrunk und verkauft dir noch während des ersten Refrains eine vergoldete Unvernunft im Familienformat.
Kurz: Das hier ist keine Musik zum Frühstück.
Das ist Musik, die Frühstück in eine Staatsform verwandeln will.
Abschließende Notiz für euch dekadente Luftschiff-Luxuspassagiere
Wenn dir wieder jemand erklärt, wahre Größe müsse still, edel und zurückhaltend auftreten, zeig bitte dieses Cover.
Eine Ork-Stewardess.
Ein goldener Fernsprecher.
Eine Stadt aus Appetit, Eitelkeit und zu vielen glänzenden Oberflächen.
Mehr braucht es nicht, um aus Pop einen ganzen Freizeitpark des Überflusses zu machen.
Morgen wiederkommen.
Dann würdigen wir vielleicht „Appetite for Dungeonstruction“ – jenes Werk, bei dem selbst der Türsteher aussieht, als hätte er die Begrüßung mit einer Axt geprobt.





