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🏛️ The Daily Meme #132 – Tödliche Routen durch das Zwischenreich: Der Absturzpfad von Kargzahn


Boneys Touren-Logbuch-Eintrag
Position: Klippenstraße zwischen Kargzahn, Dornfurth und jenem bodenlosen Nebelgebiet, das auf alten Karten nur mit einem kleinen, sehr ernst gemeinten Totenkopf vermerkt ist.
Wetter: Grau, windig, steil. Die Sorte Wetter, bei der selbst Steine so wirken, als dächten sie über einen spontanen Abgang nach.
Lagebericht
Willkommen zu „Tödliche Routen im Zwischenreich“, jener verkehrskundlichen Bildungsreihe, in der wir Wege betrachten, die nicht gebaut, sondern offenbar angedroht wurden.
Unser heutiger Kandidat heißt Absturzpfad von Kargzahn.
Die Gelehrten nennen ihn in ihren Kartenwerken Via Praecipitia Kargdentis.
Das bedeutet frei übersetzt: „Fahrbahn mit eingebauter letzter Gelegenheit.“
Schon auf den ersten Blick erkennt man, dass diese Route kein Weg im eigentlichen Sinne ist. Sie ist eher eine schmale Meinungsverschiedenheit zwischen Felswand und Abgrund, auf die irgendjemand irgendwann Kies gestreut und anschließend „Straße“ gesagt hat.
Links liegt der Nebel.
Rechts liegt der Stein.
Dazwischen liegt eine Spur aus Staub, Splittergeröll und jahrhundertealter Selbstüberschätzung.
Der Absturzpfad folgt einem einfachen Prinzip:
Alles, was rollt, wird talwärts fallen.
Ausnahmen: Keine!
Heutige Route
Der hier dokumentierte Abschnitt gilt als mittlerer Teil des Kargzahner Höhenwegs. Das ist jener Bereich, in dem der Pfad so schmal wird, dass zwei Wagen sich nur dann begegnen können, wenn einer davon bereits sehr philosophisch über sein Ende denkt.
Besonders erwähnenswert sind die Geländer.
Sie bestehen aus schiefen Pfählen, morschem Holz und jener Art von Hoffnung, mit der man im Zwischenreich seit Jahrhunderten Bauvorschriften ersetzt.
Auch die Brücken verdienen Beachtung. Einige hängen halb im Nebel, andere führen über Lücken, die man besser nicht allzu genau betrachtet. Ortskundige behaupten, die ältesten davon seien noch nie eingestürzt. Das mag stimmen. Es sagt nur leider nichts über die jüngeren aus.
Die eigentliche Gemeinheit des Absturzpfads liegt jedoch in seiner scheinbaren Fahrbarkeit. Er sieht lange genug stabil aus, um Reisende zu beruhigen. Dann kommt eine Kurve, ein Windstoß, ein lockerer Stein oder ein Einheimischer, der sagt: „Das hält schon.“ Klar, das ist meist der kritischste Moment.
Boneys Urteil
Der Absturzpfad von Kargzahn ist keine Straße.
Kein Panoramaweg.
Und schon gar keine Abkürzung für vernünftige Personen.
Er ist vielmehr das, was entsteht, wenn ein Gebirge, ein korrupter Händlerbund und ein völliger Mangel an Selbsterhaltungstrieb gemeinsam Verkehrsplanung betreiben.
Mit anderen Worten: ein Höhenfehler mit Fahrspur.
Das Zwischenreich besteht nicht nur aus Monstern, Flüchen und Kreaturen mit zu vielen Zähnen. Es besteht auch aus Wegen, die so aussehen, als habe die Landschaft selbst beschlossen, unterwegs ein Auswahlverfahren durchzuführen.
Abschließende Notiz an euch abenteuerlustige Reiseoptimisten
Wenn euch demnächst jemand den Absturzpfad von Kargzahn als „schnellste Verbindung“ empfiehlt, dann denkt bitte an unsere Worte:
Nicht jeder kurze Weg spart Zeit.
Manche sparen nur die Rückreise.
Und wenn vor euch ein schmaler Pfad am Felsen klebt, links der Nebel kocht und rechts die Wand aussieht, als habe sie schon viele schlechte Entscheidungen gesehen, dann fahrt nicht mutig weiter, nur weil euer Wagen bisher noch Räder hat.
Der Absturzpfad kennt keine Gnade.
Nur Gefälle, Geröll und Leute, die glaubten, es werde schon gehen.
Morgen wiederkommen.
Dann widmen wir uns vielleicht dem Nebelsteg von Sargwacht, jener Hängebrücke, bei der sich schon der erste Schritt wie ein Testament.






