The Daily Meme #093 – Die Fantasy-Auswanderer – Heute: Hans-Jürgen in New Ostrich

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The Daily Meme. Boney Jones präsentiert die schrägsten Fantasy Memes. Untoter Pirat Cartoon steht für THE DAILY MEME Logo.

🏛️ The Daily Meme #093 – Die Fantasy-Auswanderer – Heute: Hans-Jürgen in New Ostrich

Hochformatiges Fantasy-Straßenfoto mit starkem Reise-Schnappschuss-Charakter: Ein lachender, sonnenverbrannter Abenteurer reitet auf einem riesigen Strauß durch eine staubige Hafenstraße einer tropischen Fantasy-Stadt. Um ihn herum drängen sich Tavernen, Marktbuden, alte Steinbauten, Schiffe im Hintergrund, ein Goblin auf einem Roller, ein Runen-Bus und eine Echsenkarre. Die Szene wirkt wie eine völlig absurde, aber erstaunlich glaubhafte Alltagsbeobachtung aus einer Küstenmetropole der Zwischenreiche.
Boney Jones an seinem Schreibtisch. Hier schreibt er sein Meme Logbuch.

Boneys Logbuch-Eintrag

Position: Hauptstraße von New Ostrich, kurz hinter dem Alten Kai und direkt vor jener Kreuzung, an der sich Auswanderer, Hafenhändler und fragwürdige Transportmöglichkeiten seit Jahren ins Gehege kommen.

Wetter: Heiß, salzig, staubig. Also genau jene Sorte Küstenklima, in der man binnen drei Tagen braun wird, binnen fünf Tagen alle Schuhe ruiniert und binnen einer Woche ein Verhältnis zu überdimensionierten Laufvögeln entwickelt.


Lagebericht:

Willkommen zu „Die Fantasy-Auswanderer“, unserer kleinen Beobachtungsreihe über jene Seelen, die einst mit einem Rucksack, einer mittelguten Idee und dem Vorsatz aufbrachen, irgendwo ganz neu anzufangen, und heute in einer Hafenstadt leben, in der man für den Wocheneinkauf entweder einen Strauß, einen Echsenkarren oder Nerven aus magisch verstärktem Stahlseil braucht.

Unser heutiger Fall heißt:

New Ostrich.

Schon der Name verrät, dass man es hier nicht mit einer Stadt der falschen Bescheidenheit zu tun hat. New Ostrich liegt irgendwo zwischen tropischer Seeluft, florierendem Hafenhandel und dem festen Glauben, dass jedes Verkehrsproblem lösbar wird, sobald man einem Tier passende Zügel anlegt.

Und tatsächlich:
Hier fährt bewgt man sich nicht immer vernünftig.
Aber man kommt an.
Gelegentlich.

Heutiger Auswanderer

Das hier dokumentierte Exemplar zeigt einen Hans-Jürgen (55), der sichtbar jenen Punkt des Lebens erreicht hat, an dem nicht mehr gefragt wird, ob etwas sinnvoll ist, sondern nur noch, ob es ortsüblich ist.

Die Antwort lautet in diesem Fall:
möglicherweise.

Unser Reiter wirkt weder gehetzt noch verwirrt. Im Gegenteil. Er strahlt die tiefe Gelassenheit eines Mannes aus, der vermutlich vor Jahren „nur für ein paar Monate“ bleiben wollte und inzwischen auf einem riesigen Strauß durch den Berufsverkehr trabt, als sei genau das immer der Plan gewesen.

Besonders schön ist dabei die völlige Normalität des Umfelds.

Ein Goblin rollert vorbei.
Ein Runen-Bus rumpelt durch den Staub.
Nebenan zerrt jemand eine Echse durch den Straßenverkehr.
Über den Tavernen hängen Schilder, als sei nichts daran bemerkenswert.

Und genau darin liegt die Größe dieses Bildes:
Niemand wirkt überrascht.

New Ostrich ist keine Stadt, in der das Absurde ausgestellt wird. Es ist eine Stadt, in der das Absurde längst Verwaltungsvorschrift ist.

Wahlheimat der Woche

Was zieht Menschen an so einen Ort?

Nun, die Vorteile liegen auf der Hand:

Der Hafen lebt.
Die Tavernen auch.
Reparaturen funktionieren runenbetrieben.
Und wer nach einigen Jahren genug Sonne, Staub und Meersalz eingeatmet hat, entwickelt womöglich genau jene entspannte Geisteshaltung, die man braucht, um einen übergroßen Laufvogel nicht mehr für ein Problem, sondern für eine vernünftige Pendlerlösung zu halten.

New Ostrich ist also keine Flucht vor der Welt.

Es ist die Entscheidung, in einer anderen Form von Wahnsinn zu wohnen und sie mit offenen Armen zu begrüßen.

Boneys Urteil

Hans-Jürgen ist nicht einfach ausgewandert.

Er hat sich vollständig eingegliedert.

Das erkennt man nicht an der Kleidung. Nicht am Gepäck. Nicht einmal am Vogel.

Man erkennt es am Lachen.

So lacht nur jemand, der längst akzeptiert hat, dass es hier keine Rückkehr zur alten Ordnung mehr gibt. Keine skeptische Distanz. Kein „mal sehen, wie es wird“. Nur Sonne, Staub, Hafengeruch und der feste Wille, auch den Rest des Lebens mit einer Mischung aus Improvisation, Lederzeug und tierischem Tempo zu bestreiten.

Mit anderen Worten:

New Ostrich hat ihn nicht gebrochen.
New Ostrich hat ihn übernommen.

Und wir müssen sagen:
Wir beneiden ihn ein wenig.


Abschließende Notiz an euch unheilbare Fernwehromatiker :

Wenn Ihr im Reisekatalog einer tropischen Hafenstadt künftig Formulierungen lest wie ortsüblich, entspanntes Küstenleben oder authentische Mobilitätskultur, dann prüft bitte sehr genau, worauf diese Begriffe sich eigentlich beziehen.

Nicht überall bedeutet Alltag automatisch Vernunft.
Manchmal bedeutet er nur, dass niemand mehr Fragen stellt, wenn ein deutscher Auswanderer lachend auf einem Riesenstrauß durch den Berufsverkehr reitet.

New Ostrich ist in dieser Hinsicht ein ehrlicher Ort.
Die Stadt verspricht nichts, was sie nicht halten kann: Staub, Sonne, Hafenluft und ein Leben, in dem jede völlig absurde Entscheidung nach wenigen Wochen einfach als praktische Lösung gilt.

Und wenn Ihr irgendwann selbst dort steht, zwischen Tavernen, Runenbussen und reptiliengezogenen Karren, dann denkt bitte an unsere Worte:

Man reist nicht immer nur in die Fremde.
Manchmal reist man direkt in eine neue Form von Normalität.

Morgen wiederkommen.
Dann besuchen wir vielleicht Port Plunderbay, wo ein deutscher Rentner seit acht Jahren behauptet, seine kleine Tiki-Taverne sei nur übergangsweise in einer ehemaligen Piratenfestung untergebracht.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Untoter Briefträger reicht dem Betrachter einen versiegelten Brief entgegen, umgeben von Nebel und Fackeln – Fantasy-Werbebanner für die Rubrik „Briefe aus dem Zwischenreich“ auf fantasykosmos.de.

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