The Daily Meme #068: Flora und Fauna der Zwischenreiche – Der Felsschnapper

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The Daily Meme. Boney Jones präsentiert die schrägsten Fantasy Memes. Untoter Pirat Cartoon steht für THE DAILY MEME Logo.

🏛️ The Daily Meme #068: Flora und Fauna der Zwischenreiche – Der Felsschnapper

Makroartiges Fantasy-Naturfoto im Hochformat: Eine grünliche orkische Hand hält ein kleines Stück Fleisch an eine Felsöffnung im warmen Sonnenlicht. Daraus kriecht ein winziger, grotesker Flatterkobold mit violetten Augen, zerrissenen Flügeln, scharfen Zähnen und klauenartigen Fingern, der nach dem Futter schnappt. Unten rechts Signatur: fantasykosmos.de.
Boney Jones an seinem Schreibtisch. Hier schreibt er sein Meme Logbuch.

Position: Irgendeine sonnenverbrannte Felswand zwischen Knirschgrat, Splittertal und einem Ort, an dem schon der Kies einen schlechten Charakter hat.

Wetter: Trocken, warm, freundlich. Also genau die Art von Wetter, bei der man leicht vergisst, dass einem gleich etwas Kleines an den Finger geht.

Lagebericht:

Willkommen zur ersten offiziellen Ausgabe von „Flora und Fauna der Zwischenreiche“, jenem naturkundlichen Bildungsauftrag, den wirklich niemand angefordert hat, den wir aber gerne mit der Würde eines halb zerfallenen Forschungsreisenden erfüllen.

Unser heutiges Exemplar hört auf den Namen Felsschnapper, was in der gelehrten Fachsprache der völlig überbezahlten Zwischenreichsgelehrten angeblich Rupimorsus hystericus heißt.
Das bedeutet frei übersetzt so viel wie:
„nervöser Felsbeißer mit Aussetzern.“

Auf den ersten Blick wirkt das Tierchen beinahe rührend.
Es hockt in seinem Loch, guckt mit überdimensionalen Glubschaugen ins Licht und zittert dabei wie ein Steuerberater auf einem Kriegspfad.
Wer an dieser Stelle „Ach Gottchen“ sagt, hat bereits verloren.

Denn der Felsschnapper lebt nach einem denkbar einfachen Prinzip:
Alles, was sich bewegt, ist Nahrung.
Alles, was stillhält, wird misstrauisch beobachtet, bis es sich wieder bewegt und damit erneut Nahrung wird.

Seine bevorzugte Jagdtechnik ist seit Jahrhunderten dieselbe und hat sich erschreckend bewährt:
erst starren,
dann vibrieren,
dann plötzlich zuschlagen wie ein dämonischer Zahnstocher mit Flügeln.

Besonders auffällig sind dabei seine großen violetten Augen, die im Volksmund auch „die Murmeln des Irrsinns“ genannt werden. Nicht etwa, weil sie magisch wären. Sondern weil jeder, der ihnen zu lange ausgesetzt ist, irgendwann freiwillig Fleischstücke an Felsspalten hält und sich dabei für den klügeren Teil dieser Begegnung hält.

Heutiges Exemplar:

Der hier dokumentierte Felsschnapper wurde bei der Nahrungsaufnahme beobachtet, genauer gesagt beim „vorsichtigen Anknabbern eines orkischen Forschungsfingers“.
Die Wissenschaft spricht in solchen Fällen von Kontaktfütterung.
In Wirklichkeit ist es eher eine dieser Entscheidungen, die man nur trifft, wenn einem die Sonne zu lange auf den Schädel gebrannt hat.

Der Felsschnapper bevorzugt kleine Fleischstücke, Aas, Hautfetzen, zerkaute Reiseproviantreste und alles, was nach einem bedauerlichen Missverständnis aussieht. In seltenen Fällen ernährt er sich wohl auch von Insekten, Pilzstaub und den Hoffnungen junger Naturforscher.

Sein natürlicher Lebensraum sind Felsritzen, Mauerlöcher, Ruinenspalten und jene kleinen dunklen Öffnungen, in die vernünftige Leute grundsätzlich nicht mit den Fingern hineinfassen.
Er selbst verlässt sein Versteck nur ungern, was ihn zu einem typischen Vertreter der Gattung „große Fresse, winziger Aktionsradius“ macht.

Boneys Urteil:

Der Felsschnapper ist kein majestätisches Wunderwesen.
Er ist keine uralte Bestie.
Er ist kein Drache, kein Greif und auch kein ehrwürdiger Waldbote.

Er ist, nüchtern betrachtet, eine verdammt schlechte Idee mit Flügeln.

Und genau deshalb gehört er natürlich in diese Reihe.

Denn die Zwischenreiche bestehen nicht nur aus Skelettkönigen, Monstern und flammenden Prophezeiungen. Sie bestehen auch aus Kreaturen, die aussehen, als hätte jemand eine Motte, eine ernsthafte Zahnfehlstellung und eine beleidigte Aprikose in einem klebrigen Fluch kombiniert.

Der Felsschnapper ist klein, hässlich, nervös und vollkommen überflüssig.
Mit anderen Worten: ein echtes Kind seiner Welt.

Abschließende Notiz an euch biologischen Selbstversucher:

Wenn euch demnächst irgendwo aus einer warmen Felsritze ein großäugiges Etwas entgegenblinzelt, dann denkt bitte an meine Worte:
Nicht alles, was klein wirkt, ist harmlos.
Manches ist einfach nur kompakt bösartig.

Und vor allem:
Haltet ihm nichts hin.
Schon gar nicht euren Finger.
Der Felsschnapper kennt keine Dankbarkeit.
Nur Konsistenz.

Morgen wiederkommen.
Dann betrachten wir vielleicht den Sumpfknödler, jenes amphibische Elend, das aussieht wie ein feuchter Gebäckrest und mit bemerkenswerter Präzision in Stiefel von Reisenden kotzt.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Ein grimmiger Oger versucht, ein Schwert aus einem Stein zu ziehen, während kleine Waldtiere neugierig und furchtlos zuschauen.