30 Tage, eine Familie und sehr viel Blut: The Blood of Dawnwalker beginnt heute seine Jagd
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Die Uhr läuft – und diesmal wirklich
📰 Was ist los?
The Blood of Dawnwalker erscheint heute für PS5, Xbox Series X|S und PC. Coen muss innerhalb von 30 Ingame-Tagen seine Familie retten und wechselt dabei zwischen menschlicher Tagesform und vampirischen Kräften in der Nacht.
🐛 Was denken wir?
Das bisherige Review-Echo ist klar positiv, aber nicht kritiklos. Besonders Welt, Figuren und Zeitmechanik kommen gut an; beim Kampf und bei der Technik gehen die Meinungen stärker auseinander. Das klingt nach einem sehr guten Debüt, und nach einem Spiel, über das man tatsächlich etwas zu diskutieren hat.
Es gibt Rollenspiele, die dir hundert Stunden lang erklären, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht, während du in aller Ruhe 47 Kräuter sammelst und einem Bauern sein verschwundenes Huhn zurückbringst. The Blood of Dawnwalker versucht diesen alten Widerspruch etwas ernster zu nehmen.

© Rebel Wolves / Bandai Namco Entertainment
Das Dark-Fantasy-RPG von Rebel Wolves erscheint heute für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC. Hauptfigur Coen hat genau 30 Ingame-Tage Zeit, seine entführte Familie zu retten. Jede größere Handlung kostet Zeit, Entscheidungen schließen andere Möglichkeiten aus, und nachts verändert sich nicht nur die Welt, sondern auch Coen selbst.
Denn tagsüber ist er Mensch. Nachts wird er zum Vampir. Damit beginnt heute eines der auffälligsten Rollenspiel-Debüts des Jahres und eines, das sich zumindest auf dem Papier ziemlich bewusst dagegenstemmt, alles sehen, alles erledigen und möglichst nichts verpassen zu lassen.
🌒 Tagsüber Mensch, nachts etwas erheblich hungriger
Die Handlung spielt im Europa des 14. Jahrhunderts, kurz nach der Pest. Die Menschheit ist geschwächt, politische Ordnung zerfällt und Vampire nutzen genau diesen Moment, um aus den Schatten hervorzutreten. Andere Kreaturen folgen ihnen. Geschichte und Aberglaube beginnen ineinanderzulaufen, während sich ganze Regionen unter neuer Herrschaft verändern.
Coen gerät dabei zwischen zwei Welten. Durch seine Verwandlung zum Dawnwalker bleibt er tagsüber menschlich und verfügt nachts über vampirische Fähigkeiten. Das ist mehr als eine optische Spielerei. Bestimmte Kräfte stehen nur nachts zur Verfügung, während andere Wege und Reaktionen an Coens menschliche Seite gebunden sind. Selbst Quests können sich abhängig von Tageszeit und Vorgehensweise anders entwickeln. Die naheliegende Strategie lautet also: erst überlegen, dann beißen.
🎬 The Blood of Dawnwalker eröffnet die Jagd
Der offizielle Launch-Trailer zu The Blood of Dawnwalker zeigt Coens Reise durch das Sangora-Tal, seine vampirischen Kräfte und die Bedrohung durch Brencis – kurz bevor die 30 Tage endgültig zu laufen beginnen.
⏳ Der größte Gegner trägt keine Rüstung
Das ungewöhnlichste System bleibt jedoch die Zeit. Die 30 Tage laufen nicht permanent in Echtzeit herunter. Stattdessen kosten größere Handlungen bestimmte Zeiteinheiten. Manche Aufgaben beanspruchen wenig, andere erheblich mehr. Wer sich auf eine Nebenquest einlässt, investiert damit tatsächlich etwas.
Das klingt zunächst nach einer ausgesprochen wirksamen Methode, um Completionisten nachts schweißgebadet aufzuwachen. Genau darin steckt aber die Idee.
The Blood of Dawnwalker möchte offenbar verhindern, dass jede Entscheidung folgenlos bleibt, weil ohnehin genug Zeit für alles vorhanden ist. Nicht jede Geschichte lässt sich sehen, nicht jeder Mensch retten und nicht jede Aufgabe erledigen.
Schon die ersten Kritiken heben genau dieses System häufig als eine der spannendsten Ideen hervor. Gleichzeitig fällt die Bewertung nicht völlig einheitlich aus: Manche Tester empfinden den Zeitdruck als hervorragende Struktur, andere finden, dass er im tatsächlichen Spiel weniger scharf greift als angekündigt.
Das ist vermutlich die beste Form von Streit, die ein neues Rollenspiel haben kann: wenigstens diskutiert niemand darüber, ob der Kartenmarker drei Pixel zu weit links steht.
🐺 Die Witcher-DNA lässt sich nicht verstecken
Dass The Blood of Dawnwalker permanent mit The Witcher 3 verglichen wird, ist kaum überraschend. Rebel Wolves wurde von ehemaligen Entwicklern aus dem Umfeld von CD Projekt Red gegründet. Creative Director Mateusz Tomaszkiewicz und weitere Teammitglieder arbeiteten an The Witcher, Cyberpunk 2077 und anderen großen Rollenspielen.
Das merkt man laut zahlreichen Tests auch. Dialogführung, Queststruktur, düstere Folklore und moralisch unsaubere Entscheidungen erinnern deutlich an Geralts Abenteuer. Gleichzeitig versucht Dawnwalker, diese bekannte Grundlage durch Tageszeiten, Vampirfähigkeiten und das begrenzte Zeitbudget in eine eigene Richtung zu drücken.
Gerade die Welt und die Figuren schneiden im bisherigen Review-Echo besonders gut ab. Mehrere Kritiker loben die geschriebenen Charaktere, verzweigten Aufgaben und Entscheidungen mit echten Konsequenzen.
Weniger einig ist man sich beim Kampf. Das richtungsbasierte Block- und Kontersystem funktioniert grundsätzlich, wird aber teilweise als repetitiv oder etwas schwerfällig beschrieben. Auch technische Probleme, Framerate-Schwankungen und kleinere Bugs tauchen in mehreren Kritiken auf.
Der neue Vampir hat also durchaus Zähne. Einige davon müssen offenbar noch einmal nachgeschliffen werden.
🩸 Das erste Review-Echo fällt stark aus
Zum heutigen Release steht bereits ein ungewöhnlich breites Testfeld zur Verfügung.
IGN vergibt 9 von 10 Punkten und zählt das Spiel zu den stärkeren Open-World-RPGs des Jahres. Eurogamer kommt auf 4 von 5, PC Gamer auf 83 von 100. Game Informer bleibt mit 7 von 10 zurückhaltender.
In den Aggregatoren bewegt sich The Blood of Dawnwalker derzeit im niedrigen bis mittleren 80er-Bereich.
Das ist ein starkes Debüt, ohne dass sich daraus bereits ein einstimmiger moderner Klassiker ableiten ließe.
Besonders häufig gelobt werden: die düstere Welt, die Figuren, verzweigte Quests und die Idee, Zeit tatsächlich als Ressource zu behandeln.
Besonders häufig kritisiert werden: Wiederholungen im Kampf, technische Unebenheiten und die Frage, ob sämtliche Systeme ihre großen Versprechen wirklich konsequent einlösen.
Und genau diese Mischung klingt eigentlich ziemlich gesund. Ein Spiel, bei dem sich Kritiker über Mechaniken streiten, ist häufig interessanter als eines, bei dem alle lediglich bestätigen, dass alles erwartungsgemäß funktioniert.
🦇 Heute beginnt die erste Nacht
Mit dem heutigen Veröffentlichungstag endet für Rebel Wolves eine lange Phase großer Versprechen.
The Blood of Dawnwalker sollte ein neues Dark-Fantasy-Universum begründen, klassische Open-World-Strukturen aufbrechen und Entscheidungen wieder etwas kosten lassen. Jetzt können Spieler selbst prüfen, wie viel davon tatsächlich trägt.
Die Voraussetzungen sind zumindest ungewöhnlich gut. Ein neues Studio. Eine neue Welt. Ein neues Vampir-RPG. Und ein Kritikerbild, das bereits zeigt, dass hier offensichtlich mehr passiert als bloß The Witcher mit verlängerten Eckzähnen.
Nur 30 Tage bleiben Coen. Wir haben glücklicherweise etwas länger Zeit, um Reviews einzusammeln.




