Koreanische Epic Fantasy triumphiert in Frankreich – The Bird That Drinks Tears gewinnt Cultissime-Preis
🧐 Im Fantasykosmos suchen

🐦 Dieser Vogel fliegt inzwischen ziemlich weit
📰 Was ist los?
Lee Young-dos The Bird That Drinks Tears hat den Prix du livre Cultissime 2026 gewonnen. Ausgezeichnet wurde der erste französische Band der vierteiligen koreanischen Fantasyreihe, die inzwischen in zahlreiche Länder und Sprachen verkauft wurde.
🐛 Was denken wir?
Der Preis ist spannend, weil hier ein Fantasywerk sichtbar wird, das kulturell weit außerhalb des üblichen westlichen Baukastens arbeitet. Wenn sich solche Stoffe international stärker durchsetzen, gewinnt das Genre vor allem eines: mehr Vielfalt im Weltenbau und deutlich weniger Wiederholung.
Fantasy muss längst nicht mehr aus Mittelerde, Westeros oder irgendeinem pseudoeuropäischen Königreich kommen, um international zu funktionieren. Lee Young-dos The Bird That Drinks Tears liefert dafür gerade ein ziemlich starkes Beispiel: Der erste französische Band der vierteiligen Reihe hat den Prix du livre Cultissime 2026 gewonnen und setzt damit den internationalen Aufstieg eines Werks fort, das in Korea längst als moderner Fantasyklassiker gilt.

Die Auszeichnung wurde beim Cultissime Festival in Angers vergeben. Der Preis richtet sich an Bücher, denen das Potenzial zugesprochen wird, langfristig als moderne Klassiker zu bestehen. Besonders interessant ist das Verfahren: Die Entscheidung fällt zu gleichen Teilen durch Publikumsstimmen und eine Fachjury. The Bird That Drinks Tears setzte sich dabei gegen vier weitere Finalisten durch.
🏆 In Frankreich reicht bislang schon Band eins
Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, weil in Frankreich bislang überhaupt erst der erste Band der Tetralogie erschienen ist. Trotzdem hat die Reihe dort bereits eine erstaunliche Sichtbarkeit erreicht und stand zuvor schon auf den Shortlists des Grand Prix de l’Imaginaire und des Prix Imaginales.
Mit dem Cultissime-Preis folgt nun der erste große französische Sieg. Das ist kein Zufallstreffer aus einer kleinen Spezialjury, sondern ein Preis, bei dem Leserschaft und Fachseite gleichermaßen mitentscheiden. Genau diese Mischung macht den Erfolg für eine bislang noch junge Übersetzung besonders aussagekräftig.
🎬 Die Welt von The Bird That Drinks Tears in Bewegung
Der offizielle Reveal-Trailer zu Project Windless zeigt die Welt von The Bird That Drinks Tears rund 1.500 Jahre vor der Romanhandlung.
🐦 Eine Fantasywelt, die bewusst anders gebaut ist
Der eigentliche Reiz von The Bird That Drinks Tears liegt allerdings nicht darin, dass der Roman aus Korea kommt. Spannend ist, wie konsequent Lee Young-do seine Welt aus einem anderen kulturellen Fundament heraus entwickelt. Statt vertraute westliche Fantasyvölker neu zu verkleiden, greift die Reihe auf koreanische Kultur, Mythologie und Alltagsgeschichte zurück.
Dokkaebi, Ssireum, Yutnori und Ondol sind dabei keine dekorativen Begriffe, die nur exotisches Flair liefern sollen. Sie prägen Weltbild, Gesellschaft und Atmosphäre. Dadurch entsteht eine Fantasywelt, die sich schon in ihrer inneren Logik anders anfühlt als der übliche Mix aus Rittern, Elfen, Zwergen und Burgen.
🔥 Vier Völker, vier völlig unterschiedliche Perspektiven
Im Zentrum der Welt stehen Menschen, Rekon, Nhaga und Tokkebi. Diese Gruppen unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern besitzen eigene Vorstellungen von Körper, Religion, Gemeinschaft und Macht. Genau dadurch entsteht ein Weltenbau, der sich nicht damit begnügt, bekannte Fantasyrollen neu zu verteilen.
Diese Eigenständigkeit dürfte ein wichtiger Grund dafür sein, warum die Reihe international gerade so viel Aufmerksamkeit bekommt. Wer Epic Fantasy sucht, aber keine weitere Variante des üblichen westlichen Baukastens lesen möchte, findet hier einen Stoff, der vertraute Genregrößen mit einer anderen kulturellen Logik verbindet.
🌍 Von Korea aus in mehr als 30 Länder
Ursprünglich erschien The Bird That Drinks Tears bereits 2003 in Korea. Dort hat die Reihe inzwischen rund eine Million Exemplare verkauft und sich längst einen festen Platz innerhalb der koreanischen Fantasyliteratur erarbeitet. International läuft die Expansion dagegen erst seit einigen Jahren richtig an.
Inzwischen wurde die Reihe für 17 Sprachen und mehr als 30 Länder lizenziert. 2026 erschien sie erstmals auch auf Englisch. Frankreich gehört nun zu den Märkten, in denen die Bücher besonders schnell Resonanz finden.
📚 Frankreich entdeckt die Reihe früher als viele andere Märkte
Dass ausgerechnet Frankreich so stark auf die Reihe reagiert, ist durchaus passend. Der französische Markt besitzt seit Jahrzehnten eine ausgeprägte Tradition für Fantasy, Science-Fiction und phantastische Literatur, die deutlich breiter aufgestellt ist als in vielen anderen Ländern.
Dass The Bird That Drinks Tears dort bereits mit nur einem veröffentlichten Band auf mehreren wichtigen Preislisten auftaucht und nun ausgezeichnet wird, zeigt deshalb mehr als bloß einen kurzfristigen Hype. Die Reihe scheint bei Kritik und Publikum gleichermaßen anzukommen.
🎮 Die Welt wächst längst über die Bücher hinaus
Auch außerhalb der Literatur wird das Universum inzwischen größer. KRAFTON arbeitet mit Project Windless an einem großen Open-World-Action-RPG, das rund 1.500 Jahre vor der Handlung der Romane angesiedelt ist. Der erste Trailer zeigte bereits gewaltige Schlachtfelder, ungewöhnliche Kreaturen und einen visuellen Stil, der die kulturelle Eigenständigkeit der Vorlage weitertragen soll.
Das Projekt macht deutlich, welches Potenzial KRAFTON in der Welt sieht. Aus einer koreanischen Romanreihe entwickelt sich Schritt für Schritt eine größere Fantasy-IP, die Literatur und Games miteinander verbindet.
🌐 Ein Klassiker, den der Westen gerade erst entdeckt
Der Cultissime-Preis ist deshalb mehr als nur ein weiterer Pokal im Regal. Er zeigt, dass ein Werk, das in Korea seit mehr als zwanzig Jahren bekannt ist, inzwischen auch international als bedeutende Fantasy wahrgenommen wird.
Für das Genre ist das eine erfreuliche Entwicklung. Je stärker sich Fantasy von ihrem jahrzehntelang dominierenden angloamerikanischen Zentrum löst, desto größer wird die Chance auf neue Welten, andere Erzähltraditionen und frischere Perspektiven.
The Bird That Drinks Tears scheint gerade genau diesen Sprung zu schaffen. Und vielleicht beginnt der eigentliche internationale Siegeszug der Reihe erst jetzt.





