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Tenebris / Hyver – Tänzelcore / techno split (Review)
🧿 Kurzfazit
Tänzelcore / techno split ist ein knapp halbstündiger Sonderling zwischen Dungeon Synth, Lo-Fi-Techno, Kellerspuk, Gabber-Fetzen und mittelalterlichem Miniaturzauber. Tenebris und Hyver liefern keine große Albumkathedrale, sondern ein schräges, lila flimmerndes Split-Objekt, das erst irritiert, dann grinst und irgendwann überraschend hartnäckig im Kopf bleibt.
🎯 Für wen?
Für offene Hörer, die auch im Abseitigen noch einen Haken finden. Wer Dungeon Synth mag, aber keine Angst vor Drumcomputern hat; wer Techno nicht nur aus glänzenden Clubs kennt; wer Lo-Fi-Charme, Kellerästhetik, Pilzfantasy und kaputte Rollenspielmusik zusammen denken kann, bekommt hier eine kleine, seltsame Freude.
🎧 Wie klingt das?
Mega schräg. Nicht mit einer Band, eher mit einem Zustand vergleichbar: Du findest eine alte Demo-CD in einer Holztruhe, legst sie ein, und plötzlich versucht ein 16-Bit-Zauberer, Gabber zu tanzen. Ein bisschen Dungeon Synth, ein bisschen Kellersynth, ein bisschen Minimal-Techno, ein bisschen böser Kindergeburtstag im Verlies. Wer bei solchen Worten sofort geht, ist raus. Wer kurz stehen bleibt, ist schon fast drin.
🎼 Highlights
Lullabies for Adventures als Tenebris-Türöffner, Réanimation als Hyver-Motor und Magickrapo als kurzer, sehr merkwürdiger Froschtritt ins Seitengemäuer.
⛔ Nichts für dich, wenn…
Nicht geeignet für Hörer, die Hochglanz, große Produktion, klassische Songdramaturgie oder „richtige“ Metal-Anteile erwarten. Das hier ist ausdrücklich kein Black-Metal-Album. Es hat höchstens den Geist davon im Rucksack, zusammen mit einem kaputten Kabel und einer verdächtigen Pilzsuppe.
🍄 Tenebris / Hyver – Tänzelcore / techno split: Rave im Pilzkeller
Vorsicht! Irgendwo unter der Burg hat jemand den falschen Hebel gezogen.
Eigentlich sollte sich vermutlich ein Geheimgang öffnen. Stattdessen springt eine kaputte Nebelmaschine an, ein Pilzgnom stellt einen staubigen Drumcomputer auf einen Altar, und in der Ecke blinkt ein winziges rotes Lämpchen, das seit 1996 niemand ausgeschaltet hat.
Willkommen bei Tänzelcore / techno split.
Das hier ist keine Platte, die man mit normaler Genre-Etikette freundlich an die Garderobe bringt. Tenebris und Hyver treffen sich auf einem Split, der klingt wie Dungeon Synth nach zu vielen Energy Drinks, Kellertechno mit Mittelalterkappe, Minimal-Gabber im verfluchten Kinderzimmer und ein RPG-Soundtrack für ein Spiel, das beim Startbildschirm bereits eine Warnung vor Pilzbefall ausgibt.
Das Schöne daran: Es ist nicht bloß albern.
Natürlich darf man lachen. Sollte man sogar. Dieses violette Cover mit Zauberhutfigur, Turm, Stumpf, Schwert, rauchender Flasche und krakeliger Schrift will ja gar nicht so tun, als käme hier die hohe Kathedralenkunst des Abendlandes angeritten. Aber unter der kauzigen Oberfläche steckt ein erstaunlich klares Konzept: Tänzelcore als verschmierter Grenzbereich zwischen Dungeon Synth, Techno, Kellerspuk, Lo-Fi-Ästhetik und einem Rhythmusgefühl, das nicht in den Club will, sondern lieber in der Vorratskammer tanzt.
Tenebris bringt den Teil, der wackelt, fiept, flackert und mit kleinen schwarzen Augen aus einem Fliegenpilz schaut. Hyver kommt aus einer anderen Ecke: mittelalterlicher, ernster, mit mehr Nachtluft zwischen den Steinen, aber diesmal ebenfalls mit Pumpen im Untergrund. Zusammen ergibt das keine saubere Zusammenarbeit, sondern einen kleinen Unfall mit erstaunlich viel Persönlichkeit.
Tänzelcore / techno split ist Sonderling, Kuriosum, Mini-Rave, Kellerfantasy, Goblin-Disco.
Und ja: Genau deshalb passt es hier bestens hin.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Tänzelcore, Kellersynth, Dungeon Synth, Minimal Techno, Lo-Fi Electronica, Gabber-Spuren
Vergleichbar mit: Wenig. Denn: Man bewegt sich hier nicht auf einer Landkarte, sondern in einem schlecht beleuchteten Kellerplan. Ein Gang führt zum Dungeon Synth, einer zu verschmiertem Techno, einer zu sehr primitivem Rave, einer zurück ins Kinderzimmer mit Fantasyheft und billigem Keyboard. Tenebris malt eher mit krummen Farben, Hyver baut stärker aus Puls und mittelalterlichem Schatten. Gemeinsam klingt das, als würde ein winziger Untergrundclub in einer Burgmauer nur für acht Lieder Strom bekommen.
Klangfarbe: Violett. Nee, nee. Nicht als poetische Behauptung, sondern wirklich: Tänzelcore / techno split klingt violett. Staubviolett, Kellerlila, Pilzmagenta, dazu schwarzer Filzstift und ein bisschen kaltes Synthblau am Rand.
Die Tenebris-Seite ist wackliger, verspielter, stärker am komischen Zauber interessiert. Hier knarzen die Sounds, hier taumeln die Melodien, hier wirkt jeder Beat ein wenig so, als habe er zu lange allein im Gang gestanden. Das ist charmant, weil es nicht nach Retro-Design riecht, sondern nach echter Eigenbrötlerei.
Hyver klingt geordneter, aber nicht glatter. Die Beats treten fester auf, die Melodien tragen mehr mittelalterliche Tristesse, und in manchen Momenten glaubt man tatsächlich, ein winziges EBM-Skelett durch den Nebel laufen zu sehen. Der Split wird dadurch nicht zweigeteilt im schlechten Sinn. Eher wie eine Wanderung: erst Pilzlicht, dann Kellerpumpe.
🔥 Highlights: Zwei Keller, acht kleine Spuklichter
Die erste Hälfte gehört Tenebris.
Incantation for the Withering tut genau das, was der Titel verspricht, nur weniger erhaben, als man bei „Incantation“ erwarten könnte. Das ist keine Priesterstimme über schwarzem Altar. Das ist eher ein kleines Ritual auf einem fleckigen Tisch, daneben ein Kabelsalat, eine Tasse kalter Tee und ein Keyboard, dessen Tasten schon zu viel gesehen haben.
Lullabies for Adventures ist dann der eigentliche Schlüssel. Ein Schlaflied für Abenteuer – herrlich verdreht. Die Melodie hat etwas Kindliches, aber nicht im harmlosen Sinn. Eher so, als würde ein altes Computerspiel versuchen, freundlich zu sein, während im Hintergrund jemand die Treppe verriegelt. Gerade dieser Widerspruch macht Tenebris stark: Die Musik hüpft, aber sie hüpft in einem Raum ohne Fenster.
Magic Mirror of Hope und Purple Lantern runden die Seite ab wie zwei magische Gegenstände aus einem Inventar, das niemand freiwillig sortieren möchte. Der Spiegel gibt keine Antwort, die Laterne leuchtet zu violett, und trotzdem entsteht aus diesen kleinen Tracks ein eigener Mini-Kosmos. Tenebris klingt nicht groß. Tenebris klingt nah. Zu nah, vielleicht. Wie ein Kobold, der direkt neben dem Ohr atmet.
Dann übernimmt Hyver.
Réanimation ist sofort körperlicher. Der Beat hat mehr Schub, der Puls sitzt tiefer, der Split bekommt plötzlich Beine. Nicht schöne Beine. Eher Stiefel, die im Kellerflur hängen geblieben sind und trotzdem weitertanzen. Hyver behält seine melancholische, mittelalterlich angehauchte Handschrift, setzt sie hier aber auf ein rhythmisch klareres Gerüst.
Forest Mix bringt wieder mehr Nacht hinein. Nicht Waldromantik, eher ein Wald als Speicherort: alte Melodien, kleine Schatten, dunkles Grün im Synth, ein Tanzplatz, den man nur findet, wenn man sich vorher verirrt hat. Magickrapo ist danach fast schon ein absurder Zwischenruf. Knapp, krötig, komisch, schnell vorbei – aber genau an der richtigen Stelle. Ein kleiner Froschdämon mit Sequencer.
Party in Memories schließt den Split nicht großspurig ab. Der Titel ist besser, als er zuerst wirkt. Eine Party in Erinnerungen – das passt zu dieser ganzen Veröffentlichung. Hier wird nicht in der Gegenwart gefeiert, sondern in einer schief gespeicherten Version davon. Ein Rave, den man vielleicht nie erlebt hat, der aber trotzdem als muffige Kassette im Kopf herumliegt.
🎨 Artwork
Das Cover von Tänzelcore / techno split sieht aus, als hätte jemand einen Dungeon-Synth-Fanzine-Rand vollgekritzelt und danach beschlossen, dass genau das jetzt das fertige Bild ist.
Der Hintergrund ist knallig violett, fast schon beleidigend lila. Darauf liegen schwarze Zeichnungen: ein kleiner Kapuzenträger oder Pilzgnom mit Zauberstab, ein Baumstumpf mit Schwert, ein rauchendes Fläschchen, ein Turm, ein paar Flatterlinien, seltsame Schriftzüge, ein bisschen Magie, ein bisschen Kinderbuch, ein bisschen Kellerwand. Nichts daran wirkt teuer. Alles daran wirkt gewollt eigen. Und genau das ist der Punkt.
Dieses Cover würde als Hochglanzbild sterben. Seine Kraft liegt in der rauen Skizzenhaftigkeit. Es sieht aus wie etwas, das nicht für den großen Markt gezeichnet wurde, sondern für eine kleine Gemeinschaft von Leuten, die beim Wort „Pilzkeller“ nicht aussteigen, sondern näher an den Bildschirm rücken.
Das Violett ist entscheidend. Schwarzweiß wäre das nur eine schräge Zeichnung. In diesem Lila wird es zu einem Zustand. Zu einer Farbe, in der sich Dungeon, Rave, Pilz, Zauber und Unsinn treffen. Man weiß sofort: Diese Veröffentlichung will nicht schön aussehen. Sie will ein geheimer Zettel sein. Und wahrscheinlich riecht er nach feuchtem Karton.
🪦 Besondere Momente
Das Format selbst ist die Pointe
Ein Split zwischen Tenebris und Hyver unter dem Tänzelcore-Banner ist nicht nur eine Veröffentlichung, sondern fast schon ein kleines Manifest. Zwei Seiten, zwei Handschriften, ein sehr enger, sehr seltsamer Korridor.
Die Beats bleiben schmutzig
Das ist wichtig. Sobald solche Musik zu sauber wird, verliert sie ihren Witz und ihre Magie. Tänzelcore / techno split lässt die Kanten dran. Es rumpelt, flackert, knarzt und wirkt dadurch glaubwürdiger.
Antiq als passender Bauherr
Antiq ist genau das richtige Dach für so eine Veröffentlichung. Das Label hat ohnehin ein Händchen für Dinge, die Musik, Bildwelt und eigenwillige Objektästhetik zusammen denken. Dieser Split passt nicht trotz seiner Schrulligkeit dorthin, sondern wegen ihr.
📜 Hintergrund
Tenebris und Hyver sind zwei Solo-Entitäten aus dem weiteren Antiq-Kosmos, die sich hier auf einem Split treffen, der bewusst nicht als Metal-Album funktioniert. Antiq beschreibt die Veröffentlichung als Techno- beziehungsweise Tänzelcore-Split und führt sie im eigenen Shop sogar als „pure kellersynth madness“ – mit dem wichtigen Zusatz: nicht Black Metal, außer im Geist.
Tänzelcore ist dabei weniger ein fest zementiertes Genre als ein sehr spezieller Kellerzustand: Dungeon-Synth-Wurzeln, Minimal-Techno, Gabber-Spuren, Lo-Fi-Klang, schiefe Fantasy-Motive und eine Ästhetik, die lieber im Untergrund herumkichert, als im Club glänzt. Genau deshalb wirkt Tänzelcore / techno split so fremd und vertraut zugleich.
Hyver ist darüber hinaus eng mit Antiq verbunden und hat sich über Jahre in mittelalterlich gefärbten Black-Metal- und Dungeon-Synth-Zusammenhängen bewegt. Dass er hier in Richtung Tänzelcore abbiegt, wirkt deshalb nicht wie ein kompletter Bruch, sondern eher wie ein Seitenpfad: derselbe alte Wald, aber plötzlich steht dort eine Bassbox.
Der Release erfolgte am 28. Juni 2026 über Antiq, digital und als limitierte CD. Beide Künstler steuern jeweils vier Stücke bei. Und weil diese Musik ohnehin wie ein offenes Kellerexperiment klingt, passt auch die Aufforderung zum Remixen erstaunlich gut: Diese Tracks wirken nicht wie versiegelte Reliquien, sondern wie kleine, merkwürdige Rohlinge für viele weitere Unfälle.
🧪 Fazit: Der Gnom legt auf
Tänzelcore / techno split ist keine Platte, die man jedem in die Hand drückt. Das ist auch gut so. Manche Veröffentlichungen verlieren ihren Reiz, wenn man sie zu sehr normalisiert. Dieser Split soll seltsam bleiben. Er braucht seine lila Fläche, seine kurzen Tracks, seine stolpernden Beats, seine pilzigen Miniaturen und seinen leichten Geruch nach Selbstgebautem.
Tenebris liefert die verwackelte Zauberseite: verspielt, schief, lo-fi, wie ein Dungeon-Synth-Traum mit schlechter Beleuchtung und viel zu munterem Puls. Hyver stellt danach mehr Rhythmus unter die Steine, ohne die mittelalterliche Melancholie ganz aus dem Keller zu werfen. Zusammen ergibt das keine perfekte Einheit, aber genau das macht den Charme aus. Der Split fühlt sich an wie zwei Räume im selben Verlies: links die Pilze, rechts die Maschine.
Es wäre Unsinn, daraus mehr Größe herauszupressen, als drinsteckt. Tänzelcore / techno split ist kein Meisterwerk mit Weltanspruch. Es ist ein kurioses, liebevoll verschrobenes, erstaunlich stimmiges Randgewächs. Eine Veröffentlichung, die man nicht braucht, bis man sie hört – und dann plötzlich froh ist, dass es solche Dinge noch gibt.
Die meisten Clubs würden das wahrscheinlich nicht spielen. Aber tief unter der Burg? Da läuft es schon längst.

| Künstler: | Tenebris / Hyver |
| Albumtitel: | Tänzelcore / techno split |
| Erscheinungsdatum: | 25. Juni 2026 |
| Genre: | Tänzelcore / Kellersynth / Dungeon Synth / Minimal Techno |
| Label: | Antiq |
| Spielzeit: | ca. 39 Minuten |
🎬 Offizielles Video
Offizieller Clip zu „Lullabies for Adventures“ – ein wunderbar schräger Einstieg in Tenebris und Hyvers Tänzelcore / techno split, zwischen Kellersynth, Pilzmagie und winzigem Dungeon-Rave. Bereitgestellt vom offiziellen TENEBRIS-Channel auf YouTube:
🎼 Trackliste:
Tenebris – Incantation for the Withering – 3:50
Tenebris – Lullabies for Adventures – 3:28
Tenebris – Magic Mirror of Hope – 3:58
Tenebris – Purple Lantern – 3:45
Hyver – Réanimation – 4:21
Hyver – Forest Mix – 3:44
Hyver – Magickrapo – 1:48
Hyver – Party in Memories – 3:43
👥 Besetzung
Tenebris – alle Beiträge auf Tracks 1–4
Hyver – alle Beiträge auf Tracks 5–8
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