Templar – Conquering Swords (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Templar – Conquering Swords

🧿 Kurzfazit
Conquering Swords ist ein herrlich kauziges True-Metal-Debüt, das klingt, als wäre es 1983 aufgenommen, im Turm vergessen und jetzt mit einem frischen Master wieder aus der Truhe geholt worden. Kein Fortschritt, aber sehr viel Herz, Haken und ehrliche Hymnen.

🎯 Für wen?
Für Classic-Heavy-Metal-Jünger, die HEAVY-LOAD-Riffs, IRON-MAIDEN-Galopp und MANOWAR-Pathos lieben, aber lieber im muffigen Proberaum als in der Arena stehen. Wer bei Tolkien-Referenzen und Kettenbikini-Cover eher grinst als sich schämt, ist hier goldrichtig.

🎧 Wie klingt das?
Rohes, warmes Oldschool-Klangbild mit deutlich hörbarem Bass, trockenem Schlagzeug, twin guitars und viel Hall auf den Vocals, die eher kauzig-charismatisch als perfekt sind. Die Produktion erinnert an alte Demo-Tapes: genug Klarheit, um jedes Riff zu erkennen, genug Dreck, um authentisch zu bleiben. Stimmung: nostalgisch, leicht rumpelnd, aber immer hymnisch nach vorne.

💿 Highlights
Witchking, Excalibur, Trident, Conquering Swords

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du modernen, fett komprimierten Metal mit klinisch sauberem Sound erwartest, Innovation statt Nostalgie suchst oder mit 80er-Fantasy-Posen und bewusst unperfektem Kauz-Metal nichts anfangen kannst.


‪‪⚔️ Templar – Conquering Swords: Bikini-Ritter, Kauz-Metal und die Rückreise nach 1983

Seit Jahren steht This Morn’ Omina für rituelle Club-Ekstase: Tribal-Industrial, der mit Trommelwirbel und Totem-Symbolik gleich die halbe Tanzfläche in Trance versetzen will. Mit Insha passiert etwas anderes. Fünf Jahre nach dem letzten Full-Length, erstmals als Co-Release von Cyclic Law und Zazen Sounds, kommt ein Album, das sich eher wie eine konzentrierte Wintermeditation anfühlt als wie das nächste Schamanen-Rave-Ritual. Acht Stücke, knapp fünfzig Minuten, streng kuratiert, nichts Überflüssiges, aber eben auch keine klassische „Totentanz“-Entladung mehr.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Heavy Metal / True Metal mit maximal kauziger Oldschool-Schlagseite
Vergleichbar mit: Heavy Load, frühe Iron Maiden, Manilla Road, die ersten Manowar-Platten, nur in schwedischer Jugendzimmer-Version
Klangfarbe: Rund 41 Minuten Spielzeit, zehn Songs, eines davon als instrumentales Intro. Der Sound ist roh, warm und hat bewusst Proberaum-Flair: offen gespielte Gitarren, ein deutlich hörbarer, leicht knurriger Bass und ein trockenes, unaufgeregtes Schlagzeug, das eher nach Kellerclub als nach Arena klingt. Der Gesang steht mit viel Hall eher im Mix als davor, dafür mit ehrlicher, leicht heiserer Energie statt Hochglanz-Perfektion. Musikalisch dominieren melodische Leads, Twin-Guitars und galoppierende Rhythmen, die immer wieder in maximal kauzige Hymnen-Refrains münden. In der Dramaturgie wirkt das Album wie eine klassische Schwert-und-Zauberfahrt: Tolkien-Einstieg mit „Gates Of Angmar“ und „Witchking“, Artus-Moment bei „Excalibur“, Seefahrt und Monstergedöns in „Shipwreck“ und „White Wolf“, am Ende der Titeltrack als erhobenes-Schwert-Finale.

Highlights

„Witchking“
Nach dem stimmungsvollen Intro Gates Of Angmar geht es hier ohne Umschweife los: schneidende Riffs, ein leicht stolpernder, aber genau deswegen sympathischer Groove und ein Refrain, der so sehr nach Keller-True-Metal schreit, dass man den muffigen Proberaum quasi riechen kann. Die Vocals von Isak Neffling sind hier am stärksten, nicht, weil sie technisch alles wegblasen würden, sondern weil sie diese Mischung aus jugendlicher Überzeugung und leichtem Kauz-Vibrato perfekt einfangen.

„Excalibur“
Excalibur zieht das Tempo leicht an und packt die melodische Schiene aus: Gitarrenlinien, die sich wie zwei betrunkene Ritter umeinander winden, dazu ein Chorus, der sich nach zwei Durchgängen im Kopf festkrallt. Man hört hier deutlich, dass Templar bei den alten Landsleuten HEAVY LOAD studiert haben – aber sie kopieren nicht, sondern schreiben die Art von Songs, die man damals auf der B-Seite einer vergessenen Kult-Single erwartet hätte.

„Trident“
Mit Trident zeigen Templar, dass sie ihre stärksten Momente irgendwo zwischen Midtempo-Marsch und aufziehendem Sturm finden. Die Gitarren eröffnen mit einer herrlich altmodischen Lead-Figur, der Bass pumpt stoisch darunter, und der Refrain ist so einfach wie effektiv. Wenn das hier nicht künftig als heimlicher Fan-Favorit gehandelt wird, weiß ich auch nicht.

„Conquering Swords“
Der Abschluss-Song ist so etwas wie die Essenz des Albums: melodische Leads, stampfender Mittelteil, heroischer Refrain, ein Solo, das eher fühlt als protzt. Kein episches Zehnminuten-Epos, sondern ein fokussierter Fünfminüter, der die Platte mit erhobener Klinge zu Ende bringt und einem unweigerlich das imaginäre Luftschwert in die Hand drückt.

🎨 Artwork

Alptraum in Kauz: Das Cover von „Conquering Swords“ ist so sehr 80er-Fantasy, dass man fast automatisch nach der ausgelutschten Conan-VHS sucht. Vor knallrotem Himmel ragen pastellrosa, leicht krakelige Gebirgszüge auf, auf deren Gipfel eine leuchtende Turmfestung thront – irgendwo zwischen Barad-dûr und Freizeitpark-Maskottchen. Im Vordergrund windet sich ein mintgrüner Schlangen-Drache über den gelben Sand, bereits blutüberströmt von einem Schwerthieb. Rechts steht der obligatorische Barbaren-Held mit Fellschurz, Lederriemen und wallender Mähne, das Schwert halb im Reptil, halb in der Pose. Links liegt die Bikini-Barbarin im metallenen Muschel-BH, mehr Accessoire als Figur, vom Schlangenschwanz umschlungen und trotzdem so entspannt, als sei das Ganze nur ein etwas eskalierter Strandtag.

Gerahmt wird das Bild von einem cremefarbenen Rand mit roten Zierleisten, oben prangt der verschnörkelte Templar-Schriftzug, unten sitzt der Titel in einem kleinen, rotweißen Band wie auf einem alten Taschenbuch-Cover. Dieses Artwork flüstert nicht „Kauz-Metal“, es brüllt es, und wer dabei nicht zumindest grinst, ist vermutlich nicht die Zielgruppe.


🪦 Besondere Momente & Schwächen

Charme-Faktor:
Die Platte lebt enorm vom Unperfekten. Kleine Timing-Schlenker, Vocals, die im oberen Register eher kratzen als glänzen, und ein Mix, der bewusst mehr Kellerclub als Festivalbühne atmet – all das sorgt dafür, dass Conquering Swords authentischer wirkt als manch klinisch produziertes Retro-Projekt.

Songwriting:
Die Band versteht Hooks. Fast jeder Track hat mindestens eine Melodie oder Phrase, die hängenbleibt, ohne dass man das Gefühl hat, eine bekannte Nummer zum fünften Mal zu hören. Gleichzeitig bedienen Templar so konsequent alle Genre-Bingo-Felder (Witchking, Excalibur, White Wolf…), dass man schon sehr Metal-sozialisiert sein muss, um das nicht unfreiwillig komisch zu finden – im besten Sinne.

Schwachstellen:

Innovation findet hier praktisch nicht statt. Das Album will die Flamme bewahren, nicht neu entfachen.

Nicht jeder Song hält das gleiche Niveau. The Sorceress etwa klingt wie eine solide B-Seite, die vor allem davon lebt, dass sie stilistisch ins Konzept passt.

Wer keinerlei Nostalgiebrille trägt, wird die Produktion wahrscheinlich eher „dünn“ als „oldschool warm“ nennen.

🪓 Fazit

Templar stammen aus Stockholm, haben sich 2022 gegründet und zunächst mit dem Demo Black Knight sowie der Single Treacherous Beast im Untergrund auf sich aufmerksam gemacht, beides ebenfalls über Jawbreaker Records, beide tief im Schwert-und-Zauber-Kosmos verwurzelt.

Das Debüt wurde von Staffan Tengnér (CENTURY) produziert, dessen Handschrift man in der warmen, analogen Anmutung sofort erkennt. Mastering-Guru Patrick W. Engel (Temple of Disharmony) hat dem Ganzen anschließend den nötigen Punch verpasst, ohne die Kanten wegzupolieren. Man bekommt Klarheit, aber keinen modernen Plastikpanzer.

Conquering Swords ist eine dieser Platten, bei denen schon nach zwanzig Sekunden klar ist, ob man sie lieben oder fürchterlich finden wird. Templar machen keinerlei Hehl daraus, dass sie im Jahr 2026 lieber 1983 sein wollen, inklusive Kettenbikini-Bildsprache, Tolkien-Songtiteln und Gitarrenleads, die direkt aus vergessenen Demo-Tapes stammen könnten.

Das Entscheidende: Sie meinen es ernst und haben das Songwriting, um diese Pose zu rechtfertigen. Witchking, Excalibur, Trident und der Titeltrack sind so starke, ehrliche Heavy-Metal-Hymnen, dass man das etwas schwächere Material und die bewusst rohe Produktion gern in Kauf nimmt.

Für Modern-Metal-Hörer mit Perfektionszwang ist das Album ein einziges Fettnapf-Buffet. Für Nostalgiker, True-Metaller und Fantasy-affine Schwertschwinger ist Conquering Swords dagegen ein kleines Fest: kauzig, charmant, mit erhobenem Stahl und Schmunzeln im Gesicht.

Albumcover Templar – Conquering Swords: knallig rotes 80er-Fantasy-Gemälde mit Barbaren-Krieger, der einen mintgrünen Schlangen-Drachen bekämpft, während eine blonde Kriegerin im Kettenbikini am Boden liegt; im Hintergrund Berge mit leuchtendem Turm, oben Templar-Logo, unten der Titel.
Künstler:Templar
Albumtitel:Conquering Swords
Erscheinungsdatum:27. Februar 2026
Genre:Heavy Metal / True Metal / Kauz-Metal
Label:Jawbreaker Records
Spielzeit:ca. 41 Minuten

Gates Of Angmar (Intro)
Witchking
Excalibur
Rainbow’s End
Exiled In Fire
The Sorceress
Trident
Shipwreck
White Wolf
Conquering Swords

🎬 Offizieller Track

Offizieller YouTube-Upload von „Conquering Swords“ – dem Titeltrack des Debüts von Templar, veröffentlicht über den Kanal von Jawbreaker Records.

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